Ich bin platt. So richtig platt. Frida entwickelt sich zu einer richtigen Intelligenzbestie. Irgendwie ist da in den letzten beiden Wochen so richtig ein Knoten geplatzt und jetzt lernt sie in Raketengeschwindigkeit die umwerfendsten Sachen. Zum ersten Mal blieb mir der Mund offen stehen, als ich bemerkte, wie sie auf ihre Füsse schielte, als ich zur Oma sagte, dass Frida noch Socken anziehen müsste. Moment mal, versteht die das? Klatschen und winken kann sie ja schon wochenlang auf Befehl, aber das kam mir ziemlich antrainiert vor. So wie man einem Hund "Pfötchen" beibringt. Probehalber fragte ich später noch einmal "Frida, wo sind Deine Füsse?" Prompt fasste sie ihre dicken Zehen an. Unglaublich! Und auf finnisch das gleiche. Die "jalat" wurden auch gleich gefunden. Klasse.
Als ich dem Opi am Abend davon erzählte, probierten wir gleich noch andere Sachen aus. Wo ist Dein Buch, Deine Püppi, wo ist der Hund, Deine Nase, die Mama... alles gefunden! Und in beiden Sprachen. Nur Mund und Nase kann sie noch nicht richtig auseinanderhalten. Ich glaube es nicht!!! Sowas kenne ich ja von Hund, Katze, Nini, Welli und Meerschweinchen gar nicht. Aber so ein Menschi ist halt etwas ganz besonderes. Das hat sie alles insgeheim gelernt und wir wären nie darauf gekommen, wenn wir nicht aus Zufall bemerkt hätten, dass sie das alles schon kann. Ich muss sie also viel ernster nehmen als bisher, sie ist keine knuddlige Puppe mehr, sondern ein richtiges kleines Mädchen!
Das nächste Mal bin ich aus allen Wolken gefallen, als wir gestern ins Bett gehen wollten. Frida mit ihren 80 cm sass neben mir auf dem Bett, ging dann plötzlich auf die Knie, krabbelte an den Bettrand und haute immer wieder mit der flachen Hand auf das Laken. Häääh, was soll das denn wieder? Komm jetzt her, schlafen! Aber nix. Ganz angespannt guckte sie nach vorne und patschte energisch und in festem Rhytmus aufs Bett. Wie ein Vorstehhund, dachte ich. Ja, Hund!!! Das war es! Das ist der Befehl, mit dem Mika Nelson morgens zum Kuscheln aufs Bett holt! Frida versucht das gleiche, will Nelson ins Bettchen locken. Das hat sie sich also ganz allein abgeschaut.
Genauso wie sie inzwischen Pullis selber über den Kopf zieht, Ärmchen durch Ärmel steckt, Bücher mit dem Daumen durchblättert, den Löffel richtig herum in den Mund steckt, die Nuckelflasche anfordert, schmatzt, wenn sie essen möchte, Hände hochhebt, wenn sie ins Auto möchte, Hunde von weitem auf der Strasse erkennt, gefundene Blätter zu den Meerschweinchen bringt, mit einem Tuch ihren Tisch und den Mund abwischt (sehr praktisch), ihre Schuhe holt, wenn sie rausmöchte und winkt, wenn sie irgendwo gehen will. Adios adios Mama, hier ist es langweilig, lass uns gehen. Umwerfend, die kleine Maus!
Aber das ganze hat auch eine Schattenseite: wenn man sie nicht sofort versteht, ist das Gebrüll gross. Ich muss ständig probieren, was sie nun gerade will. Wenn wir z.B. bei der finnischen Oma Treppen steigen, muss ich unbedingt hinter ihr stehen und sie nur an einer Hand festhalten. Wehe, ich setze mich auf die Stufen, bin vor ihr oder will beide Hände halten... dann weint sie, als ob die Welt untergeht. Ganz bitterlich und enttäuscht. Wehe es gibt Milch statt Wasser oder Brei statt Jagdwurstbrot *lach* Wird Zeit, dass sie sprechen oder babysigns lernt, damit wir uns besser verständigen können =)
Haaa, irgendwie hat gestern eine neue Zeitrechnung angefangen - ich kann das alles noch gar nicht glauben. Die letzen Tage waren ja mehr als bedeppert gewesen, Weltuntergangsstimmung irgendwie. Zig Fotos von Nelson gemacht, ihn ständig angeguckt und bewundert und sich vorsichtig ein Leben ohne ihn vorgestellt. Meine Hoffnung vom Urlaub, dass er es als Strassenhund schon schaffen würde, war immer kleiner geworden und gestern war ich sicher, dass ich ihn zum letzten Mal sehen würde. Ich bin noch einmal mit ihm spazieren gegangen, habe ein schönes Foto mit Halstuch im Wald gemacht und dann sind wir zum Tierarzt. Glauben konnte ich es immer noch nicht, es war wie im Film, aber die Minuten gingen einfach so um und ich konnte nichts aufhalten.
Erst hat Nelson eine Beruhigungsspritze bekommen und ich sass eine halbe Stunde neben ihm auf dem Fussboden, habe ihn gestreichelt und immer wieder angeguckt. Nelson, der die Nacht genauso wie ich grauenhaft schlecht geschlafen hatte, rannte immer nur im Kreis herum und hechelte, hechelte hechelte. Sicher wusste er, dass irgendwas nicht stimmte. Und ich liess unsere sechs Jahre Revue passieren, dachte an die Regenbogenbrücke und an Flügelhunde und an die bald nicht mehr vorhandenen Hundehaare auf unserem Fussboden. Mmmh. Good bye my best friend...
Die Schwester nahm Hundi Blut ab für eine letzte grosse Untersuchung. Ich zählte weiter die Minuten, wartete ungeduldig darauf, dass Nelson müde werden und sich hinlegen würde. Irgendwie konnte ich es nicht abwarten - grotesk... ich dachte immer wieder "nun geh schon", aber gleichzeitig machte ich mir die ganze Zeit bewusst, dass ich ihn jetzt zum letzten Mal gehen, gucken, hecheln und schwanzwedeln sehe, dass dieser wunderschöne und liebe Hund zum letzten Mal vor mir steht und dass ich den Moment eigentlich noch geniessen sollte. Komische Gedanken, schliesslich war er ja noch da und putzmunter.
Schliesslich kam die Schwester wieder. Mit sehr besorgtem Gesicht. Nelsons Nierenwerte waren relativ schlecht, was das Operationsrisiko noch weiter erhöhte. In dem Moment war mir vollkommen klar, dass daraus nichts mehr werden würde. Das war's Lars, Du hast einmal einen Hund gehabt. Den siehst Du nicht wieder, ab morgen hat Susku keinen Nelson mehr. So klar wie Klossbrühe war mir das plötzlich und dann schossen auch schon die Tränen in die Augen. Obwohl ich gar nicht wollte. Die Schwester fragte halb, ob wir trotzdem operieren sollten, sie riet aber unbedingt dazu. Ich sagte so gleichgültig wie nur möglich und Nelson streichelnd, dass ich gestern noch viele Fotos von ihm gemacht hätte und dass es okay sei, wenn er gehen würde. War es ja auch... schliesslich hatte ich mich schon wochenlang an den Gedanken gewöhnt.
Wir hoben dann Nelsie zusammen auf den OP-Tisch, er bekam einen Zugang in die Pfote gelegt und dann sollte ich gehen. Ganz nervös drückte ich den Schwestern noch mein durchgeschwitztes Nachtshirt in die Hand - vielleicht würde sich ja Nelson im Schlaf an uns erinnern, wenn er das Müffelteil vor der Nase hat und doch wieder zurückkommen. Er wurde nochmal gestreichelt, tschüss gesagt und das war's. Zum letzten Mal gesehen. Dass ich nochmal zurück musste, weil ich glatt mein Handy im OP liegengelassen hatte, war irgendwie irre - aber so habe ich halt zweimal "winke winke" gemacht. Dann endgültig weg und ins Auto gesetzt.
Auf dem Parkplatz regnete es in Strömen und genauso kullerten bei mir die Tränen. Mir war plötzlich klar, dass der Abschied schon in diesem Moment stattgefunden hatte und nicht erst, nachdem Nelson gegangen war. Das war es also... schon in diesem Moment war ich also allein und nicht erst, wenn ich sein Halsband und seine Leine aus der Tierklinik tragen würde. Fcuk fcuk fcuk... er war doch mein bester Freund gewesen! Eben noch so lebendig und so vertrauensvoll mitgekommen. Warum nur???
Wie betäubt sass ich im Auto und las Talo & Koti. Rief Mika an, sagte ihm zehnmal "I-i-ich bbbin gar nicht t-t-traurig" und "nein, ich w-w-weine nicht" und "i-i-ist schon okay". Ich habe in meinem ganzen Leben noch nicht gestottert und war selbst überrascht, dass ich vor kaum ein Wort herausbekommen habe. Alle Konsonanten doppelt und dreifach und ich habe nach Luft geschnappt wie ein Fisch. Dabei war ich wirklich nicht traurig, eher erleichtert - aber die Tränen flossen einfach so und ich konnte überhaupt keinen zusammenhängenden Satz sagen. Gehirn wie ausgeschaltet. Dann vergingen die Minuten irgendwie, draussen goss es in Strömen, Weltuntergangstimmung, wie passend. Nelson würde in diesen Momenten gehen, piiiiieeeeep würde der Monitor sagen und seine liebe Seele über das Häuserdach geflattert kommen.
Dann klingelte das Telefon. Ich überlegte sekundenlang, ob ich ihn mitnehmen würde oder ob er dableiben sollte. Ob ich ihn vielleicht noch einmal sehen könnte oder gar streicheln. Wie sie mir es sagen würden. Die Schwester war am Telefon und sagte mit einer ganz sanften Stimme, dass die Narkose gut verlaufen sei. Dass die Narkose gut verlaufen sei. Aber Patient tot, nicht wahr? Nein, sie sagte etwas anderes. Dass Nelson gerade aufwacht und dass ich ihn in einer halben Stunde abholen könnte.
Waaaaaass???? Das kam in meinem Szenario überhaupt nicht mehr vor! Ich hatte mich doch schon von ihm verabschiedet, zig Fotos geknipst und mich gedanklich an ein Leben ohne Hundeschnauze gewöhnt. Und jetzt kommt der zurück? Total irreal. Sicher würde er doch noch irgendwie abklappen, Komplikationen, Wärmeschock oder so etwas. Bloss nicht freuen. Mika heulte fast am Telefon, als ich es ihm sagte. Eine halbe Stunde später hob ich dann tatsächlich einen grauen nassen Sack ins Auto. Mit aus dem Maul hängender Zunge, ganz schlapp und leise brummend. Meinen Zombiehund. Da war er wieder. Nix mit tot.
Und jetzt fühle ich mich wie im "Friedhof der Kuscheltiere". Da läuft ein Hund durch die Wohnung, der eigentlich gar nicht da sein dürfte. Ein bisschen krank und schlapp und mit einer Narbe statt Eierchen, aber quicklebendig. Nelson ist also nochmal von der Regenbogenschippe gesprungen und ich kann es immer noch nicht glauben =) Euer Daumendrücken hat geholfen!!! DANKE... ich werde erst später begreifen, wie knapp das alles war.
Boah, was eine Nacht. Die kleine Maus konnte erst stundenlang nicht einschlafen und dann hat sie jedesmal, wenn ich mich umdrehen wollte oder nur zentimeterweise abgerückt bin, herzzereissend geschrien. Von Klogängen ganz zu schweigen. Entweder ihr macht die Mökkiumgebung doch mehr zu schaffen, als sie das tagsüber vermuten lässt - oder sie ist wieder in einer Wachstumsphase. War da eine mit 13,5 Monaten? Oder die Backenzähne wachsen. Oder die Eckzähne. Schliesslich hat man trotzdem bis 11:30 friedlich geschlummert. Nur die Öffnungszeiten sämtlicher Sehenswürdigkeiten passen nicht ganz zu unserem Tagesrhytmus. Aber das war eigentlich auch schon immer so.
Heute waren wir in Joensuu. Hauptstadt von Nordkarelien, aber wie ich von einem vorherigen Besuch wusste, nicht allzu sehenswert. Finnische Städte sehen erschreckend gleich aus, immer ein Marktplatz, darum triste Gebäude aus den 70er Jahren, ein bisschen Wasser, ein Schiffchen hier, ein Bahnhof da und immer die ewig gleichen Ketten, Pubs und Restaurants: H&M, KappAhl, Seppälä, PizzaRAX, Rosso, Hesburger, McDonalds, Amarillo, Giggling Marlin, Hemingways. Dazu sämtliche K-Märkte, Sokos-Hotels und S-Bonusgeschäfte. Neste, St1, Teboil und Shell, eine Kirche und ein paar Handymasten. Schnarch, man kommt sich immer vor, als ob man im Kreis gefahren ist *lach*
Aber trotzdem haben wir schöne Dinge gefunden. Den botanischen Garten der Uni mit fünf sehr interessanten Gewächshäusen und wunderschönen Schmetterlingen, die einem sogar auf die Schulter geflogen sind. Fast noch schöner war allerdings die gegenüber liegende Kleingartensiedlung mit wunderschönen, sehr gut restaurierten Häuschen. Wow, so etwas kannte ich bisher nur aus Russland und Ostdeutschland. Sehr schick!
Im Zentrum haben wir eine evangelische und eine orthodoxe Kirche angeguckt - inklusive schönem Echo von Fridas Gebrüll, als sie nicht in das Büro des obersten Kirchenherren tapsen durfte. Wir haben eine bei huuto.net versteigerte Krabbelmütze persönlich abgegeben (das Gesicht hättet Ihr sehen sollen: seid Ihr extra deshalb aus Jyväskylä gekommen???) und das ganz aus Holz gebaute, aber hochmoderne Gebäude von Metla besichtigt. Dort im Waldforschungsinstitut arbeiten nämlich ein paar Kollegen von mir und ich war 2005 schon einmal dort gewesen, als wir den Patvinsuo Nationalpark besuchten. Sehr cool.
Danach drehten wir noch eine Runde über den Marktplatz, fanden Fridas Traummann - einen auf einer Bank sitzenden Herren mit Hundekopf - kauften eine graue Buggyhose (natürlich bei H&M... als ob es das bei uns nicht gäbe) und gingen gemütlich bei Rosso Abendbrot essen (als ob es das bei uns nicht gäbe *ggg*). Frida hat den Fussboden dort mit ihrer Hose aufgewischt, ihre Sandalen im Babyklo versenkt, lecker Fisch gepappelt und im Ballmeer getaucht, bis die Augen fast zufielen.
Dann waren wir noch kurz bei Sokos (als ob es auch das nicht bei uns gäbe... bei unseren Konsumneigungen ist es kein Wunder, dass nur die oben genannten Ketten überleben...), haben Gummistiefel fürs Baby angeguckt (finnischer Sommer...) und schliesslich für Frida Esswürmer, für Papi echte Karjalan Piirakka und für Mami einen Schokoriegel (der dank lautem Fridagebrüll an der Kasse liegenblieb) gekauft und wieder ins Auto geklettert. Von einigen innerfamiliären Gewitterwolken abgesehen wieder ein schöner Tag!
Wieder fast bis Mittag gepennt und vom strömenden Regen wachgeworden. Hups. Dabei hatten Isi und Opi gestern noch so schöne Sonneuntergangsfotos geknipst. Egal, raus musste man - also sind wir Männes Vorschlag gefolgt, nach Outokumpu zu fahren. Die haben da ein Bergwerksmuseum. Frida, Männe, Oma und Opa bekamen gelbe Bergmannshelme auf, haben eine Videopräsentation gesehen und sind durch einen kalten, nassen Tunnel getapst. Authentisch und Fridas Gekreische (ich WILL aber laufen!!! ich WILL keinen Helm!!! ich WILL jetzt diese Treppe hoch) hatte diesmal sogar ein schönes Echo.
Im Bergmuseum haben wir Schreibtisch und Stuhl aus den 50ern verbotenerweise dazu genutzt, Frida Fruchtpüree zu verabreichen. Dann ist sie an Omas Hand durch die Ausstellung getorkelt. Natürlich jedesmal mit Kreischen und Wutanfällen, wenn man nichts anfassen durfte oder der Rundgang nicht da lang ging, wo Frida hinwollte. Und erst recht, wenn man nicht zum 10. Mal die supersteilen Treppen hochsteigen durfte. Wo sie diesen starken Willen und Trotz herhat, weiss ich dummerweise ganz genau - nur dass bei mir grösstenteils die vernunft schon überhand genommen hat (oder vielleicht doch nicht?) Schliesslich pennte das Baby im Ergo ein und Mama war wieder glücklich.
Bis sie sah, wo der Rundgang weiterging... rauf auf den Förderberg, was ungefähr einem 30-geschossigen Hochhaus gleichkam. Bei meiner mangelnden Kondition führen 10 kg Mehrgewicht fast zwangsläufig zum Kollaps. Zumal ein schlafender Sandsack, äähm Baby, mindestens dreimal so viel wiegt wie ein waches. Egal, Mama hat tapfer durchgehalten. Geguckt, wie Erze zerbröckelt und zermalmt werden und wie man schliesslich Kupfer daraus gewinnt. Und einen schönen Ausblick über Wald und Seen genossen.
Zig Treppen wieder herabgestiegen, praktisch im Blindflug weil vorne ja das dicke Babypaket hing. Mit riesigem Hunger, weil das Café der Anlage für eine Gruppe reisender Rentner reserviert war *grummel* Und ohne die Bergwerksbahn gesehen zu haben. Aber es war trotzdem schön. Und im Auto konnte man wieder mit einer lachenden Fridadida herumalbern. Wer sagt's denn. Und die Abende sind immer schön. Mit obligatorischen Sonnenuntergang, lecker Essen, Sauna und Dusche. Wenn man mal von den stundenlangen Nuckelsessions absieht, bevor sich die süssen Babyaugen schliessen =)
Irgendwie haben wir doch ein anstrengendes Kind. Zumindest wenn es Strumpfhosen anhat. Heute waren wir in Juuka und Frida hat 80% der Zeit damit zugebracht, uns die Ohren vollzuheulen. Keine Ahnung warum. Entweder die olle Strumpfhose hat gekratzt oder man war einfach stinkwütend, weil man nicht das machen durfte, was man sich in den kleinen niedlichen Kopf gesetzt hat. Vor allem laufen, laufen, laufen, egal wo und wann und egal, wie müde man schon ist.
Ausserdem ist man ja manchmal fix und fertig oder hungrig oder durstig und muss das auch lautstark kundtun. Nur dass die armen Eltern nie wissen, welches Problem nun gerade vorherrscht. Beziehungsweise das liebe Kindchen unmöglich in einen Bach, Brennesseln oder auf eine belebte Strasse rennen lassen können, auch wenn es das noch so sehr möchte. Dann schmeisst man sich halt mal längelang in den Dreck und tobt. Oder kreischt die Botanik zusammen, dass es in Mamis Ohren knackt.
Ojeee... ausserdem mussten wir durch die halbe Stadt zurückrennen, weil Frida unbeobachteterweise ihre Janosch-Flasche vor dem S-Market in den Dreck geschmissen hatte - und die mussten wir ja wiederbekommen. Und Mama war eh stinkig, weil sie sie ganze deutsch-finnische Truppe koordinieren musste, die vor Entscheidungsfaulheit in Sachen Sehenswürdigkeiten, Mahlzeiten und Tagesprogrammen nur zo glänzte. Puuuuuuuh!!!
Der Abend war dann glücklicherweise sehr entspannend. Frida hatte wie ein Engelchen im Auto geschlummert und spielte dann im Mökki mit der Oma, während ich endlich meinen Winterpelz abwerfen konnte. Endlich schwimmen! Und dieses Jahr erst im Juli, sehr sehr spät auch für finnikliche Verhältnisse. Aber es war sehr schön. Erst habe ich (sogar ohne Sauna) nur auf dem Steg gesessen und die Beine ins Wasser baumeln lassen, dann bin ich in das hüfthohe Wasser gehopst und am Ende ein Ründchen geschwommen. Sooooo schön!
Also man kann mir ja viel von sonnigen Badeurlauben am Mittelmeer oder noch exotischeren Gefilden erzählen. Aber am aller, allerschönsten ist ein Sommertag im frostigen Finnland. Morgens um 4 neben einem tief schlafenden Baby aufwachen. In Ruhe in der taghellen Küche sitzen und karelische Reiseprospekte lesen.Gegen 7 Uhr wieder in die Falle plumpsen, noch ein bisschen mit sauteurem WAP im Internet surfen und dann gemütlich bis 10 Uhr schlummern.
Zusammen mit Oma, Opa, Männe und Tochter frühstücken. Ohne Kaffee und mit ganz wenig Brot, weil gestern schon alle Läden zuhatten, als man in Ruvaslahti eingefallen ist. Pläne für den Tag machen, dann doch erst noch einmal duschen und die klebrigen Haare waschen, während die Oma aufs Baby aufpasst und Männe den Rucksack packt. Gemütlich mit dem Auto durch die auch im Hochsommer grasgrüne Finnenlandschaft düsen, dabei das Kind bespassen, bis es eingeschlafen ist.
Im Koli-Nationalpark ankommen und in hübsche, gerade aufgewachte Babyaugen gucken. Zum Ukko-Koli tapsen, auf sensationelle 347 m Höhe, und dabei Frida im Buggy mit Grashalmen kitzeln. Gemeinsam mindestens ein Dutzend Hunde bemerken, sich freuen, laut "koira koira" rufen und mit deren Besitzern über das verrückte Baby lachen. Die postkartenreife Aussicht geniessen. Finnland wieder einmal über alles lieben. Dem internationalen Sprachengewirr zuhören. Dann weiter auf dem rollstuhlgeeigneten Weg durch umgestürzte Bäume und leuchtend grüne Heidelbeersträucher zum Akka-Koli und zum Paha-Koli und zurück.
Im Sokos-Hotel das Buffet plündern. Vielseitiger und billiger als A la carte. Das Baby mit Hähnchenschnitzeln, Kartoffelbrei und Tomatenstückchen füttern, bis es vor Langeweile brüllt. Sich bei der Kellnerin für die Sauerei auf dem Tisch entschuldigen. Das Baby auf dem Fussboden spielen und das ganze Hotelrestaurant krabbelnderweise erforschen lassen. Kakawindeln auf dem Behindertenklo wechseln, während das Kind sich ein eine Klorolle einwickelt und das Hotel zusammenquietscht.
Mit Oma an einer und Mama an der anderen Hand zum Souvenirshop latschen - bestimmt 100 m weit in winzigen Babyschritten. Dort Plüschelche, -luchse und -braunbären bestaunen und haben wollen. Den obligatorischen Kühlschrankmagneten und ein paar Postkarten für Freunde und Verwandte kaufen. Mit Oma platzauf- und platzab laufen, während Mama und Papa mit dem Sessellift hoch- und runterfahren und die Bilderbuchlandschaft bestaunen. Im Naturzentrum auf weichen Schaffellen sitzen und mit laut krachmachend mit Metla's Holzbausteinen spielen. Einen grossen Teddybären entdecken und auf dessen Schoss fast einschlafen. Dann im Auto endgültig in die süssesten Träume versacken und so niedlich dabei aussehen.
Beim Polvijärver S-Market glatte 100 Euronen für Delikatessen ausgeben. Wieder im Mökki angekommen, den lieben daheimgebliebenen wunderschönen Hund begrüssen. Chili con Carne für fünf Personen in zwei kleinen Pfannen und einem grossen Topf kochen. Zwischendurch versuchen, die Sauna anzuzünden - ääähm aus Papier, Birkenrinde und kleinen Scheiten ein Feuer zustande zu bekommen. Ganz stolz auf das Bollerfeuer sein. Sich den Bauch mit Texmexfood vollschlagen. Dann in die Sauna. Holzrauch und Seewasser. Schwitzen, bis die Schwarte kracht.
Dann in den angenehm kühlen See klettern, nur bis zu den Waden, obwohl man unbedingt weiter will. Im Platzregen duschen. Zugucken, wie das Wasser auf der heissen Haut verdampft. Klatschnass Birkenzweige pflücken. Den Opa mit einem grossen Schirm aus der Grillhütte retten. In der Sauna aufwärmen. Das Baby entgegennehmen, ausziehen, schwitzen lassen. Staunendes Gesichtchen beobachten, wenn der Aufguss zischt. Deutsch-finnischem Baby alles erklären. Dann endlich duschen. Das Baby zwischendurch abbrausen und mit Wasserschüssel spielen lassen, damit es nicht auf dumme Ideen kommt oder gar ausrutscht.
Männe erklären, wie schön dieser Tag doch ist. Baby fotografieren, wie es splitternackt die Meerschweinchen füttert. Oma und Opa beobachten, wie sie auf der Couch sitzen und Bilder angucken. Sich erschrecken, weil der Hund auf den Teppich kotzt. Gemeinsam mit Männe Pfütze beseitigen, während Oma dem Baby eine Windel anzieht. Schlafanzug suchen, Haare kämmen, Computer anschalten und ein grosses Glas Erdbeercider schlüfen... was gibt es schöneres???
Am Sonntag war Familiengeburtstag. Und zu aller Schrecken stellte sich heraus, dass Penni, der Hund von Männes Tante, schon im April eingeschläfert werden musste. Klar war er alt und ziemlich heruntergekommen, mit steifen Beinen, stumpfen Fell, Knoten auf der Haut, brummig und missgelaunt und nicht ganz ungefährlich. So ganz habe ich ihm nie vertraut, überhaupt habe ich ein bisschen Angst vor Hunden mit Stehohren. Aber dass er jetzt nicht mehr da ist... *schluck* Niemand hat es gewusst, sie konnten nicht eher darüber sprechen :(
Andererseits macht es die Sache mit Nelson ein kleines bisschen einfacher. Noch jemand, der da oben wartet und eine Familie, die genauso getrauert hat, wie das eventuell auf uns zukommt. Wobei ich nach dem Tierarztbesuch gestern wieder etwas optimistischer bin. Die Ärztin hat beim Ultraschall keine Metastasen im Bauchraum oder in der Prostata gefunden. Ist keine Garantie dafür, dass keine da sind, aber sie würde jetzt unbedingt zu einer Kastration raten. Auch wenn das Risiko gross ist. "Wenn es mein Hund wäre" sagte sie. Er wird auch ganz sanft operiert, mit besonderen Medikamenten und einer besonderen Narkose.
Und als ich Nelson dort beim Arzt (wir waren alleine da) lange angeguckt habe, ist mir aufgefallen, wie fröhlich, wie interessiert und wie stark er doch eigentlich noch ist. Perkele, er ist ein Strassenhund! Einer der mindestens ein Jahr lang in der Tallinner Kälte gehockt hat. Dessen Zähne halb ausgeschlagen sind und in dessen Blut Laika fliesst. Der packt das. Wir glauben da jetzt ganz fest dran. Diese Woche wird er erstklassig gebarft, nächste Woche geniessen wir unser Sommerhaus am See und dann wird operiert. Und wenn er es doch nicht schafft - dann haben wir alle unsere Erinnerungen, viele tausend Fotos und die Gewissheit, dass wir es zumindest versucht haben. So. Basta.
Frida hat ihr erstes richtiges deutsches Wort gesagt! Seitdem sie ja schon hei, heihei, koira, äiti und vielleicht auch Mama und Papa sagen kann, kam gestern ein deutliches "Püppi" als sie ihre kuschelweiche Unicefpuppe gesehen hat. Genial, das war ein Gefühl!!! Auch wenn ich Puppen gar nicht mag. Aber immerhin! Verstehen tut sie ja schon richtig viel. Ausserdem habe ich das Gefühl, dass sie versucht, lammas, Tiere, kirja und Nelson zu sagen, aber so ganz klar habe ich die noch nicht gehört.
Ich bin den ersten Wochentag nach langer Zeit mit Frida allein zuhause und wundere mich, wie ich das ein Jahr lang ausgehalten habe. Du lieber Himmel, das Kind macht einen wahnsinnig. Oder ich bin wirklich zu doof dazu, eine Mama zu sein. Seit gestern ist Männe jedenfalls auf Rallytests und ich hüte das Kleinkind - meiner Meinung nach weit weniger erfolgreich als der Papa.
Wie früher schlafen wir aus. Oder besser, Frida pennt durch ihre Abendschläfchen erst weit nach Mitternacht ein, ich träume nachts wirres Zeug von wolfsähnlichen Hunden und roten Katzen und werde drei-viermal geweckt, weil jemand dringend Milch möchte oder trotz riesigem Familienbett unbedingt auf mir drauf (!) schlafen möchte. Das mit der Milch liegt u.a. daran, dass Fridas Hipp-Lieblingsbrei alle ist. Der abends sonst immer den Bauch schön voll macht - aber irgendwie kommen wir nicht dazu, in einen grossen Supermart zu fahren und das Zeug zu kaufen. Frida isst unser Essen oder Haferbrei oder Griessbrei - aber der Effekt ist nicht das gleiche.
Jedenfalls schlafen wir morgens aus. Oder sagen wir, wir stehen um 7 auf und gehen um 10 wieder ins Bett. Frida weint, weil Papa weggeht, schläft dann aber wieder ein. Mittags wird dann nochmal Zähne geputzt und die Nase gewaschen, Frida freut sich, wie jeden Tag, dass wir einen Hund haben, spielt ein bisschen, robbt wie irre in der Wohnung herum und Mama zieht sich an. Dann wird Frida angezogen, wobei es schon die ersten Brüller und Tränen gibt. Meine Güte... sicher hat sie Hunger. Also essen her. Brei ist alle - also Brot. Das isst sie zwar gerne, aber genauso gerne steckt sie es in den Hunderachen, der bettelnd neben ihr steht. Mist. Ist zwar niedlich, aber so wird das Kind nicht satt. Also Hund in den Garten befördern. Der steht natürlich traurig an der Terassentür - und Kind weint und schreit, bis der Hund wieder hineingelassen wird. Mama räumt schnell den Tisch ab und die Spülmaschine ein (wenn sie Glück hat). Inzwischen macht das Baby in die Hose.
Also Windel aus, neue Windel an, Windel ausspülen und aufhängen. Männe hat gesagt, dass der Hund jetzt öfter rausmuss, weil er ja die Entwässerungstabletten bekommt. Und Kinder sollen ja auch viel raus. Also Baby in den Overall stopfen (wir haben nur 10!!!! Grad), Schuhe anziehen und Mütze aufsetzen. Während Baby im Buggy sitzt und Mama den eigenen Fleecepullover sucht, fliessen wieder Tränen. Was ist denn jetzt schon wieder? Hunger? Die angebotene Banane wird aus der Hand geschlagen. Wasser? Auch bäh. Also sicher müde. Ja, wir gehen ja gleich raus. Bei Männe schläft sie immer im Buggy ein.
Mama dagegen schiebt 20 min einen brüllenden Buggy durch die Gegend und koordiniert dabei gleichzeitig mit der anderen Hand einen an jeden zweiten Baum pieselnden Rüden. Baby mag vielleicht seine Mütze nicht - also Mütze ab. Immer noch Geheule. Das Regenverdeck vielleicht? Oder die Hundeleine halten? Erst als Frida mit fast nackter Blondiglatze und ohne Plane im Wagen sitzt, ist Ruhe. Auf dem Rückweg wohlgemerkt. Mama schwitzt. Baby singt Einschlaflalalala. Schön, dann kann ich sie zuhause gleich ins Bett legen und endlich aufräumen - morgen kommen nämlich Oma und Opa und bei uns sieht es (bis auf das Schlafzimmer) immer noch aus wie nach einem Bombenangriff.
Tsja, Rechnung ohne Frida gemacht. Sie hat total müde Augen, lässt sich ins Bett legen, trinkt 5 min Milch an der Brust - um dann aufzustehen, laut gagn gang zu sagen, vom Bett zu klettern und in die Stube zu krabbeln, um mit ihrer Raupe zu spielen. Häääh? Also doch nicht müde gewesen. Gut, dann machen wir zumindest die Meerschweinchen sauber. Mama räumt Schweinestall aus, Kleinkind steht schreiend und gestikulierend daneben, weil sie unbedingt einen "koira" anfassen möchte. Du lieber Himmel, das sind erstens "marsut" und zweitens ist ein liebevolles Menschenkleinkind lebensgefährlich für die... aber naja, ich bin ja eigentlich stolz, dass sie Tiere so mag und sie soll ja vieles kennenlernen.
Also wird Gwenllian, mit dem kürzesten Fell, aus der Marsulinna geholt. Kind ist glücklich, strahlt wie ein Honigkuchenpferd, krabbelt auf Mamas Schoss, drückt sich fast in das Meeri hinein und zerquetscht es fast vor Liebe. Haut es, statt zu streicheln, dreht die Pfoten um, lacht die ganze Zeit und zieht vor lauter Zärtlichkeit an den Ohren und am Fell. Mama ist Angst und Bange - Frida möchte nur lieb sein, aber sie kann ihre Kräfte noch gar nicht kontrollieren. Nichts für zarte Schweinchen. Also gebeuteltes Tier nach fünf Minuten wieder zu seinen Artgenossen. Was fridaseits mit total enttäuschtem Geschrei und Tränen quittiert wird. Meine arme Frida, ich verstehe Dich doch so gut - aber Du bist doch noch so klein... nochmal schlafen gehen? Nach drei Schlucken Milch wird wieder aufgestanden.
Mama versucht, die Stube zu fegen, aber ein kleines Kind hängt jammernd am Hosenbein. Sie zeigt auf Äpfel und Bananen und schmatzt - also Hunger. Klar, sie hat ja kaum etwas gegessen. Also machen wir jetzt einen richtigen Rhytmus. Frida bekommt Ravioli, danach geht sie schlafen und Mama räumt auf und dann...*träum* In der Realität fliegen die Ravioli mehr durch die Gegend als in Fridas Mund. Pullover knallrot, Stuhl und Tisch verschmiert, Baby bis zu den Ellenbogen in Tomatensosse, Hund gut gefüttert, zwischendurch klingelt das Telefon und der Messenger blinkt, Frida schmeisst Mamas schönen teuren Oliivi-Teller auf den Fussboden, der natürlich kaputtgeht, Mama weiss nicht, ob sie erst füttern oder selbst essen soll, Frida mag nicht gefüttert werden, bekommt aber selber auch keine Ravioli in den Mund, jammert und kreischt und überhaupt hat die Mama ein schlechtes Gewissen, weil es schon wieder Fast Food gibt. Wie und wann andere Leute tagsüber und vielleicht sogar mehrmals Fleisch und Gemüse und Kartoffeln kochen, ist mir vollkommen ein Rätsel. Oder gar bügeln... Sport und Freunde treffen?
Dann wird das Kind ins Bad gebracht, Pullover und Hose in die Wäsche geschmissen, zweite Kakawindel gewechselt (die dreckige Windel liegt immer noch auf dem Klodeckel, fällt mir da gerade ein...), neue Sachen angezogen (natürlich unter Protestgebrüll, nur eine schnell von der Wand gerissene Snoopy-Karte hilft), nebenbei mit Baby auf dem Arm dem Hund Wasser gegeben und der Tisch abgewischt, notdurftig der Fussboden um den Esstisch gefegt, Männe angerufen und drei Stosseufzer ausgestossen und dann zum 5. Mal heute versucht, ob das Baby schon müde ist. Ins Bett gelegt, Brust angedockt und zu gingen die Augen *jesssssss*
Und ich frage mich wirklich, wie andere mit drei, vier Kindern klarkommen. Bei einer aufgeräumten Wohnung und einer funktionierenden Paarbeziehung und vielleicht noch Haustieren. Irgendwie fehlt mir da was... Oh, und bei solchen Texten wundert mich nicht, dass sich ein bestimmtes, derzeit in Frankreich residierendes Frauenzimmer nicht überzeugen lässt, eine Familie zu gründen, hahahahaha. Kann mal bitte jemand die Super Nanny vorbeischicken? Ich habe wirklich viel über Babies gelesen, über Tagesrhytmen, Kontinuität, Ruhe und Konsequenz - aber irgendwie kannten die unsere Frida nicht...
Witzig, wie lange es gedauert hat. Obwohl ich schon lange Pläne geschmiedet habe. Aber man muss so eine Investition ja erst gründlich überlegen =) Wir sind richtige Familienbettler geworden! Mama und Papa, die nachgegeben haben und das Welpi gerne und aus Überzeugung mit im Elternbett schlafen lassen. Ja, sogar extra dafür anbauen *ggg*
Ich habe ja schon längere Zeit nicht mehr versucht, Fridachen in ihr eigenes Gitterbettchen zu verfrachten. Und Männe fragte auch immer ganz vorwurfsvoll bei den seltenen und kläglichen Versuchen "muss das sein? warum weint die denn???" bis ich sie wieder in unsere Koje holte. Klar haben wir die Tatzenmethode versucht, aber wie bei so vielen anderen Babies (20% sollen es wohl sein...) half kein Streicheln und keine Flasche und kein Poklopfen, um Frida ruhig zu bekommen, sondern nur Mamis Milch, der schwabbelweiche Streifenbauch, die Tissikissen und überhaupt die Gemütlichkeit. Was ich ja irgendwie auch verstehen kann - wer schläft schon gern allein. Und selbst, wenn Frida im Gitterbettchen pennen würde - irgendwann wäre sie krank oder hätte sie Albträume oder bekäme Zähnchen... oder eben halt ihr Nachfolger oder der Hund oder was weiss ich, wer da in Zukunft noch bei uns schlafen möchte.
Also haben wir gestern die grosse Umräumaktion gestartet. Erst unsere frisch gelieferten drei Betten von Kodin Ykkönen abgeholt, extra mit kostenlosem VIP-Transporter, weil ich ja letztes Jahr mein Schlepptopp bei denen gekauft hatte. Dann musste das Schlafzimmer geleert werden. Was bei der Ansammlung von Müll, die wir da aus Platzgründen unter und neben dem Bett lagern müssen (Zitat: "das will ich aber noch versteigern..." und "das brauchen wir noch"), ein richtiger Gewaltakt war. Aber geschafft! Nur, dass man dann weder im Flur noch im Bad noch im Wohnzimmer treten konnte. Pünktlich gegen 16 Uhr, als das Bett von sämtlichen Matratzen befreit war, wurde das Fridakind müde. Rieb die Augen und war stinkig. Upsista. Und jetzt?
Ich hatte die geniale Idee, Männe mit Frida nach Kuohu zu schicken, wo er ja eh am Abend noch hinfahren wollte. Meine Aufgabe war es, die restlichen Trümmer aus dem Schlafgemach zu tragen und vielleicht noch das Bett auseinanderzuschrauben. Einen eigenen Akkuschrauber habe ich ja *stolzbin* Also los. Wie schön ruhig es war. Und wie wenig man aufpassen musste, auf jemanden zu treten *lach* Und wie man alles selbst entscheiden konnte. Überhaupt bin ich soooo selten allein zuhause, vielleicht erst zwei-dreimal seit Fridas Geburt. Der Himmel auf Erden! Jedenfalls hat Susku getragen und gewischt und geschraubt und dann war alles leer. Nur die Sauna kann man nicht mehr benutzen, weil da die Teile des noch zu versteigernden Bettes stehen =)
Vor den Computer geknallt, Mails gelesen und über Nelson geschrieben. Nix von Männe gehört. Telefon war natürlich auch unauffindbar, aber die wissen ja, wo wir wohnen. Gegen 20 Uhr dachte ich, dass wir ja abends doch vielleicht irgendwo schlafen müssen. Hotel buchen??? Neee, ich habe mir dann doch schon einmal die Matratzen angeguckt. Riesige Holzrahmen, ob ich die ins Schlafzimmer bekommen würde? Vielleicht erstmal auspacken. Und die Schutzmatte extra legen. Nach und nach wuchtete ich dann alle drei Bettchen ins Nebenzimmer, wo sie artig nebeneinander auf dem Fussboden lagen und ich mir zum ersten Mal vorstellen konnte, wie so ein Familienbett eigentlich aussieht. Genial!!! Dann die Beine anschrauben. Dank Buchstütze bekam ich das auch allein hin *puuuh*
Gerade als ich unter der letzten Matte feststeckte, rauschte draussen ein grosses Auto vor die Tür. Meine Family! Mika kam herein und man konnte die Überraschung in seinem Gesicht ablesen, aber er sagte nur "Ah, so sieht das also aus" Kein Wort, dass ich das alles allein aufgebaut hatte *maul* Sowas muss man einem Finn immer explizit sagen bzw. ein Lob aus der Nase ziehen... Aber egal. Ich war ja selbst so stolz auf mich =) Den Rest des Abends verbrachten wir damit, im Auto zu pennen (Frida), den Müll aus der Stube und dem Flur wohlgeordnet unter dem neuen Bett und in den Schränken zu verstauen (Mama) und die Kameras für die morgigen Rallytests einzustellen (Männe). Dann gab es noch lecker Hähnchen und Salat für alle (natürlich von Mama zubereitet).
Und gegen 1 Uhr nachts sind wir dann alle in die schöne neue Falle gesunken. Dass Frida wie ein junger Hund zigmal im Kreis auf ihrer neuen Koje herumgehüpft ist und erst nach einer Stunde und nochmaligem Aufstehen einpennen konnte, muss ich ja vielleicht nicht mehr erwähnen. So munter und so aufgeregt. Ich glaube, die mag das neue Bett auch! Von sagenhaften 2 m x 2,40 m. Die sich richtig schön ins Zimmer einfügen, ein schneller Besucher sieht gar nicht, dass das Bett grösser ist. Von Wand zu Wand, so dass niemand herauskullern kann. Und wie schön aufgeräumt alles ist *schwärm* Hätten wir viel eher machen sollen... Oh, und das Gitterbettchen steht natürlich auch noch da. Weil es so niedlich ist und weil man vielleicht darin irgendetwas aufbewahren könnte oder Besuch darin schlafen könnte oder so. Keine Ahnung!
P.S. Als Nebeneffekt haben wir viele Sachen gefunden, die monatelang als verschollen galten. Fridas vier Zahnbürsten, diverse unbenutzte und eingestaubte Schnuller, eine 25-Euronen-Geschenkkarte von H&M, die ich seit Fridas Geburt fieberhaft gesucht habe *winkewinkeanpilzi*, Männes Unterhosen und meine Visaabrechnungen. Hat sich doch gelohnt, oder? Und einen besonders frischen Geruch bekommt man, wenn man versehentlich auf eine vom Baby vor langer Zeit heruntergeworfene Zahnpastatube tritt und den Inhalt dergleichen dann mit schön viel Wasser aufwischen muss...