Mittwoch, 13. Februar 2008

Kinderwagen...

Also ich muss ja ehrlich zugeben, dass ich immer neidisch aus dem Autofenster auf Frauen gucke, die ihren Nachwuchs im Kinderwagen durch die Botanik schieben. Nicht nur, dass der Nachwuchst meist fröhlich gelaunt und neugierig aus dem Wagen guckt, nein, die Mamis sehen auch glücklich aus oder lachen gar, wenn sie beim Herumschieben das Handy in der Hand haben und warscheinlich mit ihrer besten Freundin klönen. Oder shoppen, Bekannte besuchen oder irgendwo einen Kaffee trinken gehen.

Bei uns ist das nicht so. Frida hat zwar einen sauteuren, von Oma und Opa spendierten Kinderwagen, aber den guckt sie am liebsten mit dem A. an. Das heisst, am besten gar nicht. Sinnigerweise komme ich meistens auf die Idee, mit Frida spazierenzufahren, wenn sie ein bisschen müde wird. Normale finnische Kinder schlafen schliesslich alle ihre Mittagsschläfchen im Emmaljunga draussen vor der Tür. Frida dagegen heult schon, wenn ich sie nur anziehe. Klar, verständlich, wenn man müde ist und in einem dämlich kalten Land wohnt, indem man ohne Overall, Handschuhe und Mütze nicht aus der Tür gehen sollte. Mich selbst muss ich auch anziehen. Im Gegensatz zu oben beschriebenen Frauen finde ich in der Panik immer nur olle Schlabberhosen, uralte Pullis und jahrzehntealte Jacken. Vom Makeup und Handy ganz zu schweigen, aber das ist ja auch sinnlos, weil ich hier gar keine beste Freundin habe, die mich anrufen könnte. Und auf die ollen Zeitungsverkäufer kann ich gern verzichten. Und zum Glück brauche ich ja meinen Traummann nicht mehr zu suchen. Und mich kennt eh keiner hier. Also Baby und Mama angezogen.

Nächster Schritt: Wagen aus der Tür. Das ist auch ein Akt für sich, weil unser Flur so schmal ist, dass sich dort nur entweder Schuhe oder der Kiwa befinden können. Ich schmeisse also in meiner Daunenjacke die Stiefel aus dem Weg, schwitze und fluche und muss dabei hören, wie Frida zu heulen anfängt. Egal, ob sie nun im Gitterbett, auf dem Fussboden, im Elternbett oder gar im Kinderwagen warten muss. Aaaargh. Aber das Baby muss doch pädagogisch korrekt an die frische Luft! Und die Mama soll sich laut offizieller Gesundheitsempfehlung eine Stunde pro Tag bewegen *räusper* Man könnte ja irgendwie die Reihenfolge dieser Aktionen verändern, aber bisher war die Wirkung immer gleich - angezogen schwitzt und allein gelassen heult man.

Wenn der Wagen dann endlich im Flur bereit steht und wir angezogen und fertig (sprich fix und fertig) sind, stelle ich jedesmal fest, dass ich nicht über den Wagen hinweg an den Türknauf komme. Tür offen stehen lassen und rückwärts raus geht aber auch nicht, weil der Hund diese Möglichkeit sofort für einen zusätzlichen Waldspaziergang nutzen würde. Also quetsche ich meinen leicht übergewichtigen Luxuskörper irgendwie am Wagen vorbei zur Tür, ziehe und schiebe und bekomme uns mit Ach und Krach nach draussen. Nur um dann festzustellen, dass sich Babys Handschuhe und meine Mütze noch drin befinden. Auch egal, für die paar Minuten geht das. Wohl bemerkt, heult das Baby zur Stärkung meines Nervenkostüms die ganze Zeit mehr oder weniger laut vor sich hin.

Erst beim Schieben beruhigt sie sich langsam, oder sagen wir, in 70% aller Fälle. Nach und nach wird der Blick ganz starr und die Augen fallen zu. Oder man schreit so schlimm, dass die Mama nach 100 m entnervt umkehren muss. Und wenn Frida einschläft, ist es eigentlich egal, ob sie beim Schlafen die schöne finnische Winterlandschaft oder unser Schlafzimmer sieht, denkt das praktisch veranlagte Elternteil. Von Sport oder gar Erholung für die Mama kann auch keine Rede sein, wenn man bei Minusgraden eine halbe Stunde lang ein 10 Kilo schweres Balg durch die hügelige Gegend bugsiert, dabei abwechselnd friert und schwitzt und panisch lauert, ob das verwöhnte Welpi losweint. Da ist mir mein gut beheiztes, helles und freundliches Elixia-Fitnesstudio mit Babysitterservice sehr viel lieber. Zumal sich der Sonnenschein vom Losgehen inzwischen in einen mittleren Schneesturm verwandelt hat. Und es ohne Mütze doch arg in den Ohren zwickt.

Zuhause angekommen holt man dann die Post und kiloweise Werbung aus dem Briefkasten und überlegt, ob das Baby besser draussen oder drinnen weiterschlafen soll. Angesichts der gerade überstandenen Erkältung entscheidet man sich für drinnen. Also wieder die Bugsiererei im Flur, Hund und Stiefel irgenwie aus dem Weg räumen, Kiwa ins Schlafzimmer, Fenster weit aufreissen und sich dann selbst aus den warmen Klamotten schälen. Finnische Wohnungen sind immer gut geheizt und dementsprechend angenehm ist es, mit Daunensachen in einem 24 Grad warmen Wohnzimmer herumzuhantieren *uff* Dann kann man sich genau 10 min wahlweise vor den PC oder aufs Sofa schmeissen und erholen, bis ein lautes Wuuaaaaa aus dem Schlafzimmer kommt. Das Mäuschen ist dann meist noch total müde und unausgeschlafen und will nichts weiter, als im Bett an Mamis Brust zu kuscheln und weiterzuschlafen. Mama liegt also zwei Stunden daneben und liest. Genau das, was wir ohne Spaziergang auch gemacht hätten... braucht vielleicht jemand von Euch einen neuwertigen Brio Kombi?

Achja, Frida bekommt jetzt richtig ihren Po hoch und wippt dann gern vor und zurück. Und stellt sogar mal ein Bein auf, in die Bärengangstellung. Dass man die Beine und Arme einzeln vorschieben kann, hat sie aber noch nicht entdeckt. Dafür kam sie mich heute robbenderweise im Bad besuchen. Unbeschreiblich, wie niedlich so eine kleine Nixe ist, die da sprühend vor Eifer und keuchend vor Anstrengung, aber mit leuchtenden Augen auf einen zukommt *schmelz* Seit gestern ist sie auch so gut wie gesund - jetzt erst merkt man, dass sie letzte Woche doch ruhiger gespielt hat - aber dafür habe ich jetzt eine Rotznase. Schon das zweite Mal dieses Jahr, grumpf. Und wir haben die Matratze in ihrem Bett tiefergesetzt. Richtig komisch, so ein Kleinkindbett in unserem Schlafzimmer. Dabei haben wir doch erst ein winziges rotes nackiges Mäusebaby aus dem Krankenhaus geholt. Wo ist das bloss hin?

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