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Samstag, 10. Juli 2010

Rovaniemi + Kuivaniemi...

Niemi heisst so viel wie Halbinsel und davon gibt es jede Menge im seen- und meerreichen Finnland. Heute also zwei davon. Zunächst war Aufräumen angesagt. Nach einer wieder halb durchwachten Nacht (hell und heiss...) mit Ach und Krach aufgestanden und das Mökki wieder in einen bewohnbaren Zustand versetzt, den auch Familien ohne Kinder ertragen können =) Zum Glück gibt es da auf den finnischen Ferienhäusern immer detailierte Anweisungen, falls man im privaten Leben hier und da schon Abstriche gemacht hat.

Pünktlich kurz nach 12 Uhr rein in die Autos, nochmal Rentiere vor dem Hotel besucht und gewinkt (Rückbankgejammer: Ich will aber gar nicht nach Hause!!!) und dann los. Nach zwei Stunden Fahrt hatten wir in Rovaniemi das Vergnügen, einen ganz alten und lieben Freund von mir zu besuchen. Julián ist Spanier und damals Anfang des Jahrhunderts *ggg* genauso wie ich hier im Polar hängengeblieben, nachdem er ein Jahr hier studiert hatte. Wir haben sogar ein halbes Jahr mit Holländern, anderen Spaniern und Kenianerinnen in einem wunderschönen Holzhaus unter einem Dach gewohnt, und ich habe ihn und meine Freundinnen schon in Madrid besucht - von daher ist er fast wie ein Bruder und wir können wirklich über alles labern.

Witzigerweise haben wir uns zufällig sogar einmal in Barcelona auf einer Reise- und Eventmesse gesehen, aber ansonsten sind selbst hier in einem Land die Treffen rar gesäht. War schön mit ihm bei Kaffee und Pulla eine Stunde zu plaudern, vor allem weil sein eigener Sohn nur ein Jahr älter ist als Frida. Von Gesprächen über Wein, Jamón und lappländische Weiten also ganz aktuell zu Nachtpötten, Legos und zweisprachigem Kauderwelsch =) Und ganz skurril finde ich es immer, wenn wir uns am Gesprächsbeginn erst einigen müssen, ob wir nun traditionell englisch oder inzwischen finnisch sprechen, hahaha. Eine schöne Wohnung haben sie übrigens - ich bin tatsächlich psychisch so weit wieder hergestellt, dass ich mich für Wandfarben und Möbel interessiere, oha!

Nach dem Aufenthalt bei unserem Ex-Fussballgegner (D hat wirklich miserabel gespielt...) weiter in Richtung Kemi. In Tervola an einer Tankstelle noch einmal das Kind, Männe und Grosseltern mit Hamburgern gefüttert und einen Souvenirladen umgekrempelt, auf der Landstrasse einem Rentier ausgewichen und Tiita endlich zum Einschlafen gebracht. Dann waren es auch nur noch weniger Kilometer nach Kuivaniemi, wo wir bei Merihelmi Camping ein Reihenhaus bestellt hatten. Sehr coole Wahl und ein Glücksgriff - schon auf der Hinfahrt war mir der Platz direkt am Meer und an der Landstrasse positiv aufgefallen und der Eindruck erwies sich als richtig. Topmodernes Holzreihenhaus nur ca. 30 m von der Ostsee, mit Spielplatz (Frida klettert allein auf ca. 2 m Höhe, Hilfe...), kleinem Sandstrand, vielen grossen und kleinen Hütten (davon drei direkt am Ufer!) und grosser Wiese für Zelte und wohnwagen sowie Restaurant und Läden in der Nähe. Nicht schlecht, Herr Specht.

Als wir ankamen, regnete es zwar und es war ziemlich kalt geworden, aber die Leute versicherten uns, dass ansonsten die ganze Woche Hitze und Sonnenschein geherrscht hatten. Muss ein toller Platz sein, vor allem, weil ich Meere und Ozeane über alles liebe. Ich wundere mich ja selber schon, dass mein letzter richtiger Badeurlaub schon 14 Jahre zurück liegt (Tunesien 1996), danach bin ich nur kurz auf Stippvisiten in Cadíz (2001), Valencia (2002) und Florida (2006) in Salzwasser gehüpft. Wir müssen unbedingt mal an den Sandstränden von Kalajoki, Kokkola oder Yyteri Urlaub machen, oder gleich in den Süden fliegen, aber das wird wohl diesen Sommer nichts mehr.

Den Abend verbrachten wir mit einem Achtpack Koff (cool, mal nicht fahren zu müssen), mit selbstgekochten Nudeln mit Tomatensosse (Ferienlagerromantik a la DDR), sandigen und nassen Füssen vom Strand, einem malerischen Sonnenuntergang, enthusiastisch kämpfenden uruguayischen Fussballstars und einer total abgedrehten Frida, die wirklich nur neben Mama und Papa und nach stundenlangem Gezappel, Gekratze und Gekreische zur Geisterstunde ins Bett gehen kann. Aber sie hat ja auch so viel erlebt!

Im übrigen habe ich vielleicht doch nichts mehr gegen die architektonischen 70er. Zumindest unser Haus hier erinnert sehr an deren spartanischen und kastenförmigen Stil, hat riesige Fenster, Holzpanele an der Decke, schlichte Möbelierung und ist in braun und grau gehalten - aber sieht einfach klasse aus. Vielleicht liegt es an den besseren und neuen Materialien, der Verarbeitung und der veränderten Raumhöhe. Auf jeden Fall denke ich immer mehr über ein ganz einfaches quaderförmiges Haus nach, so wie es u.a. in Hasserode gebaut wurde... das muss doch auch billiger sein als diese verschnörkelten pseudokarelischen Schmuckstücke, die hier überall neu entstehen. Mmmh. Aber das ist wieder ein ganz anderes Thema.

Freitag, 9. Juli 2010

Kemijärvi + Kitinen...

Der letzte richtige Tag im richtigen Lappland. Ein bisschen Stress herrschte morgens noch, weil ich diesmal den anderen Herrschaften die Auswahl des Tagesziels überlassen wollte - Männe und ich hatten nachts drei Stunden richtig gut geredet und ich habe u.a. meine Rolle als "Bestimmer" gelockert, während er es mit der Reinlichkeit genauer nehmen will *ggg* Aber am wichtigsten war es, überhaupt einmmal wieder Zeit für ein ernstes Gespräch zu haben. Vielleicht müssen wir wirklich daran arbeiten, dass Frida allein schlafen geht, damit wir alle aufziehenden Problemchen noch am selben Tag lösen können, bevor sie sich haushoch stapeln und zu diversen Frustanfällen führen. Von deren Einfluss auf die Kleine ganz zu schweigen.

Aber zu heute - wieder ein ganz toller Tag, auch wenn wir gar nichts besonderes mehr gemacht haben. Amethystmine ist vielleicht etwas für Grössere, Wandern fiel wegen Regen und Mücken aus, in Sodankylä und Pyhä waren wir schon nund die offiziellen Programme waren schon vorbei - also Kurzausflug nach Kemijärvi, 70 km südlich von hier. Im Auto war es schön trocken und warm und wir haben mit Frida gesungen und gelacht, dass die Karosse wackelte. Kemijärvi selbst glänzte mit riesigen Seen oder Flüssen, unter anderem fliesst der sehr breite Kemijoki da durch.

Im Zentrum sind wir an den üblichen Ketten in etwas älteren und mehr oder weniger durcheinandergewürftelten Gebäuden vorbei zu einer grossen Kirche gelaufen und haben dann Fotos an der grossen Brücke gemacht. Frida ist fleissig geradelt - so ein Laufrad ist doch ein tolles Werkzeug, ein Kleinkind zu einem längeren Fussmarsch zu bewegen =) An sich ist Kemijärvi also nicht so ein Knaller, aber wir haben ja auch nur wenig gesehen und natürlich ist es für die sonst eher wenig bevölkerte Region ein wichtiges Einkaufs- und Kulturzentrum. Und wenn da nicht wieder die abrückenden Deutschen dafür gesorgt haben, dass kaum noch alte Häuser standen... genauso wie in Rovaniemi, wo mich immer furchtbar mulmig und traurig fühle. Die noch vorhandenen Holzbauten waren eher verlassen und heruntergekommen. Die 60er und 70er dagegen hätten sie sich wirklich architekturmässig sparen können, in Finnland und anderswo auch.

Jedenfalls fanden wir nach unserem Rundgang ein kleines, gemütliches Café, in dem sogar schon eine Fernsehserie gedreht worden war. Mit Klo, allerdings ohne Topf für das windelfreie Töchterchen. Wir müssen wohl noch einen aufblasbaren Pott mit uns herumschleppen. Jedenfalls fragt sie jetzt immer "Habe ich eine Windel um?" bevor sie die Schleusen aufmacht, hahaha. Auf der Rückfahrt ist Tiita eingepennt und wir haben wieder alle paar Kilometer die obligatorischen Rentiere fotografiert.

Abends dann noch ein lang ersehntes Programm: Besuch bei den Schlittenhunden. Zwar keine richtigen Huskies, aber die besondere Mischung des Neffen unseres Mökkinachbarn - die eingekreuzten Setter sorgen für bessere Lernfähigkeit und grösseren Willen zu ziehen - und offensichtlich für total süsse Schlappohren. Ich bin ja fast umgefallen, als wir um die Hausecke kamen und da gleich zwei Nelsons im Hof sassen. Die Ähnlichkeit war so frappierend!!! Nur der Charakter war wohl ganz anders, der eine der beiden Kameraden war sogar angekettet, weil er nur schlecht mit seinen Kameraden klarkommt und auch auf Menschen nicht allzugut zu sprechen war.

Die anderen wohnten in einem grossen Gehege, hellbraue, beige, schwarze und wolfsfarbene Schlappohren mit ganz langen Beinen. Der Mann war übrigens Halbfinne und sprach beide Sprachen fliessend - und dass wo ich aus eigenen Interessen, und um des lieben Hausfriedens willen, lieber heute als morgen auf Fridas zweisprachige Erziehung verzichten würde. Die Fütterung war auch interessant. Wie wilde Wölfe stürzten die Tiere sich auf das angebotene Futter. huuuaah, gut, dass sie nicht frei waren. Um Frida machte ich mir nämlich gerade wegen des Nelson-Zwillings Sorgen - was wenn sie den einfach hätte streicheln wollen? Am besten war allerdings, als wir einen 4 Wochen alten hellbeigen Welpen auf den Arm nehmen durften. Oh mann, war der knuffig. Und so klein. In die Handtasche hat er allerdings nicht gepasst.

Am Abend bereitete Männe noch leckeres Rengulasch mit Preiselbeergelee und Kartoffelbrei zu. Vielleicht sollte ich wirklich Vegetarier werden, aber es ist in Lappland halt normal, die lieben Rentiere voll und ganz zu verwerten. Und wer sein Leben auf den Weiden und Fjälls Nordfinnlands verbracht hat, kann vielleicht auch glücklich auf einem Teller landen. Lecker. Übrigens gibt es beim Tierschutzverein gerade ein lilacfarbenes Kebabrollenschweinchen, aus Zufall gesehen - wenn das Anfang August noch niemand wollte, zieht es wohl zu uns *versprech* Die haben so selten welche und dann auch noch ganz allein. Statt Husky und Schäferhund sozusagen =)

Donnerstag, 8. Juli 2010

Kopara + Aarnilampi...

Zur Abwechslung noch mehr Rentiere. Irgendwie neigt die Ferienwoche sich schon wieder ihrem Ende zu und wir arbeiten das restliche touristische Angebot hier ab, wo wir noch gar nicht richtig angefangen haben =) Heute also Rentiersafari. Zum Rentierpark Kopara zwischen Pyhä und Luosto gefahren. Sah aus wie eine kanadische Ranch, mit vielen Ausläufen und Prärie und Stangenzelten und schönen Bergen im Hintergrund. Eimer mit Poropellets abgeholt und los ging es. Erst nur Schilder mit Wissenswertem über die Fellviecher in sechs verschiedenen Sprachen, rechts und links zäune. Ich kam mir vor wie im Jurassic Park, gleich würden die wilden Biester über uns herfallen =)

Dann kamen sie auch, am Ende des Pfades war eine Art Hof mit Sitzplätzen, Hütten, Schlitten und vielem mehr und dazwischen tapsten die Rens herum. Eins war tatsächlich total wild und kippte uns fast um, wenn wir es füttern wollten. Hilfe, so eine dicke braune Schnauze und so riesige samtig behaarte Hörner, die vor einem herumfuchteln, während das weiche Maul abwechselnd Hände und Eimer traktiert. Hihihihi. Die anderen Tiere waren etwas scheuer, aber das war vielleicht auch ganz gut so. Frida war die Angelegenheit nämlich ziemlich unheimlich, aber das kann ich mir gut vorstellen, wenn man nur einen Meter gross ist und da so grosse hirschartige Tiere herumlaufen.

Hinterher gab es noch Kaffee und Heidelbeerkuchen im grossen Haupthaus der Farm, wo auch Rentiergeweihe, Pullis, Jacken, Messer, Schmuck und andere Raritäten angeboten wurden. Mit wunderschönem weiss gekalkten Ofen... Frida naschte wieder Eis und kaufte sich selber Schokoeier zur Feier des Tages, wir werden wirklich noch dick und fett in unserem wohlverdienten Urlaub. Männe kaufte uns gefrorenes Rengulasch, Poronkäristys, was im Gegensatz zum im normalen Laden erhältlichen auch keinen Zadder enthalten soll. Bin ich ja mal gespannt. 25 e pro Kilo... also wenn das nicht schmeckt, weiss ich es auch nicht =)

Ansonsten war ich auch wieder von der Nettigkeit und Gastfreundschaft der Leute hier begeistert. Der Onkel erzählte uns viel über Lappland und die Rens und man konnte alles mögliche fragen. Genauso freundlich wie die Einheimischen in Läden, Hotels und anderen Unternehmen. Klar sind sie in JKL auch sehr nett, aber hier kommt einem alles persönlicher vor und weniger durchorganisiert - vielleicht auch weil es im Sommer eh nur sehr wenige Urlauber gibt. Egal wo wir hinkommen, sind immer nur so 2-4 Familien mit uns unterwegs, wenn überhaupt und selbst im grossen Hotel rennt der jeweilige Anstellte von der Rezeption zur Bar, zum Laden und zum Restaurant und hin und zurück, wenn man etwas will.

Danach war noch viel vom Tag übrig und wir wussten angesichts einer sehr wehleidigen Frida (Heimweh?) nicht wirklich, was wir noch unternehmen sollten. Quengel und das nicht und nein und überhaupt.... Heiss war es auch und die Sonne knallte. Also erst einmal zu dem kleinen Verkehrspark vor dem Amethysthotel. Frida Bekanntschaft mit Tretautos geschlossen und mit Papis Hilfe um kleine Kirche, S-Market und Tankstelle gekurvt, während Mama Saft geholt und das Klo getestet hat.

Beim nächsten Heulanfall dann doch ins Auto und erstmal ins Mökki zurück, wo alle Beteiligten sich etwas ausruhen bzw. sofort wieder herumgeistern konnten. Mittagschlaf, wozu soll das denn gut sein? Wespennest unter dem Dachfenster gefunden, Fenster sofort wieder zugehauen, vor wilden Insekten in Sicherheit gebracht *ööörrkkkks* und weinendes Kind getröstet. Das baden wollte, und nach Hause nach Palokka und nach Laajavuori... also doch Badesachen eingepackt und wieder los.

Um den Ahvenlampi in Luostos Zentrum sollte ein rollstuhl-, kinder- und buggyfester Weg gehen. Wir an den See gelatscht, Aussicht genossen und einen breiten Steg auf eine kleine Halbinsel in Angriff genommen. Frida rannte hin und her und lachte und freute sich und rammte sich einen Splitter in den grossen Zeh. Währenddessen bereiteten sich Millionen von Mücken auf ihr Abendbrot vor, stiegen aus dem Sumpf und Morast und stürzten sich auf die deutschen Urlauber. Ach die Sch... das war wohl doch keine gute Idee, zumal Tiita auf den paar Metern Rückweg gleich wieder getragen werden wollte. Am Parkplatz wieder eine ganze Horde Rentiere. Und ein ganzer Bus voll deutscher, Rentiere knipsender Rentner *ggg*

Dann offiziellen Badestrand gesucht. Querstrassen zwischen urigen, aus grossen grauen Baumstämmen gebauten Ferienhäusern abgesucht und mit innerer Karte verglichen, ein paar Rens und Hasen verscheucht und dann gefunden, den Aarnilampi. Ganz in Ruhe, nicht weit weg von der Strasse, aber direkt vor dem Luostotunturi gelegen, mit malerischen schlanken Fichten und wild bewachsenen Ufern im Hintergrund und mit ölglatter Wasserfläche. Wow! Sogar einen Sandstrand gab es und einen kleinen Steg und es war windig genug, um die Mücken und Bremsen in Schach zu halten.

Frida gleich Sachen weggeschmissen und nackig und später mit Badeanzug gebadet und im flachen Wasser gespielt. Mami-Wasserratte erst mit hochgekrempelter Hose rein und dann doch umgezogen und plantschen gegangen. Im polaren See. Hach, war das schön! Auch alle Streitereien und Magenschmerzen und Kleinkindfrust vergessen, sondern einfach nur genossen. Kind hüpfte sogar vom Ende des ca. 1 m über die Wasseroberfläche ragenden Steges ins Wasser - und nicht immer an meinen Händen *blutundwasserschwitz*

Die Kleine hat wirklich einen Mut und eine Ausdauer bei so etwas! Ich rede mir nur den Mund fusslig, dass sie den Mund zumachen soll, wenn sie untergluckert, statt sich kaputtzulachen, und ich hoffe, dass sie bald lernt, dass es lebenswichtig ist, den Kopf oben zu lassen und überhaupt im Wasser ein bisschen vorsichtiger zu sein. Bis zur Brust geht sie schon ins Wasser und wenn sie da umfällt und nicht wieder hochkommt... aber wir sind ja immer in der Nähe. Und unser Mökki hat keinen See - ich weiss noch zu gut, wie ich letzten Sommer tagaus tagein nur gerannt bin, damit das wilde Kleinkind nicht in den Hankasalmer See fällt.

Als wir schon aufbrechen wollten und den letzten Sand aus den Sachen schüttelten, kam noch einmal die Sonne heraus. Inzwischen seitlich vom Berg, also mit ganz weichem Licht und ohne die Kameras zu blenden. Der See spiegelte sich ganz magisch und die Bäume waren grün statt schwarz und wir kamen aus dem Staunen und Fotografieren gar nicht mehr heraus. So etwas schönes und so ein schöner Urlaub überhaupt. Was eine Woche Erholung schon ausmacht. Auch wenn alle mit schlaflosen Nächten zu kämpfen haben, wenn die Mücken nerven und ich alle paar Stunden dieses Ziehen im Magen und diese tiefe Traurigkeit und Sinnlosigkeit habe, die meiner Meinung nach immer noch vom Umzugs-, Arbeits- und Familienstress herrühren.

Hoffentlich wird das besser, wenn wir zumindest unsere Wohnungsangelegenheiten geregelt haben. Manchmal denke ich, dass ich noch nicht einmal Nelsons Tod richtig verarbeitet habe. Und dass wir dringend an unserer Beziehung arbeiten müssen. Aber die Tage laufen einfach weiter, und ich tue mich auch schwer damit, als einziger Sprachkundiger hier zwischen ziemlich verschiedenen Welten vermitteln und planen zu müssen. Zuhause immer und jetzt im Urlaub. Aber das nur nebenbei. Bloggen als Therapie sozusagen.

Das mit Nelson ist mir vorhin eingefallen, als wir noch an einem Grilli angehalten haben, wo es neben Frischer Hausmannskost auch Souvenirs zu kaufen gab. Unter anderem gefilzte Hunde, die nach Kundenwünschen bzw. Fotos gestaltet werden. Mein Nelson... passenderweise sass bei den Leuten auch ein grosser Schäferhund im Kofferraum, der gefilzt auf der Theke stand. Im Gespräch stellte sich dann heraus, dass auch Remu aus Estland kommt, und zwar über Rekku Rescue und den Koiratarha Kulkuri. Super!!!

Draussen haben wir den Kerl dann noch einmal extra lieb begrüsst und gestreichelt und mit den Leuten geredet (ich sage ja, die sind alle supernett und aufgeschlossen hier). Vielleicht vermisse ich meinen Hund doch mehr als ich es seit seiner ersten Operation zugebe. Vielleicht hat er auch Mika und mich besser zusammengehalten. Vielleicht wird es auch besser, wenn Tiita grösser ist und nicht mehr so zickt oder ihr eigenes Zimmer hat und besser durchschläft oder falls Männe endlich mal arbeiten geht. Oder ich muss bei mir anfangen, zwischen den eigenen Löffeln Ordnung schaffen und optimistischer werden. Wer seit Jahren schon alles im Alltag mehr oder weniger unter den Teppich kehrt und immer wieder einfach nur zur Tagesordnung übergeht, statt den Dingen auf den Grund zu gehen, zu diskutieren und wirklich konstruktiv Lösungen zu suchen, muss sich nicht wundern, wenn irgendwann ein Kamel das Gras wegfrisst. Aber insgesamt war wirklich ein schöner Tag.

Dienstag, 6. Juli 2010

Kultakero + Pelkosenniemi...

Langsam wird es schwer, jeden Tag aufzuschreiben, was wir gesehen und gemacht haben. Ich sehe immer nur Rentiere auf Asphalt und vor Wald und in allen möglichen Kombinationen vor meinem inneren Auge, hehe. Heute nacht wusste ich vor Hitze überhaupt nicht mehr wohin. Ohne Sachen und ohne Decke geschlafen, Fensterklappe ganz auf und Rollo runter, aber immer noch viel zu hell und zu warm. Kann nicht mal zur Abwechslung die Sonne untergehen? Oder eine frische Brise in unser Zimmer wehen? Morgens entsprechend fertig wach geworden. Aber egal, wir hatten wieder viel vor.

Mit unserem Auto nach Pyhä gefahren, Strecke kannten wir ja schon. Gleich zielstrebig zum Sessellift gefahren, der die Besucher ungefähr vom unteren Drittel des Berges auf den Kultakero-Berg bringt, Teil vom Pyhä-Fjäll. Übrigens einer der Gründe, wieso ich nachts kein Auge zugemacht hatte... ich konnte mir nicht vorstellen, wie wir die zappelige Frida da rauf- und wieder runterbringen sollten. Respekt vor Höhen und Tiefen hat sie gott sei dank inzwischen, aber wenn sie dort plötzlich weg oder absteigen wollte, mitten in der Fahrt, hätte niemand von uns sie festhalten können. Ein hauendes und sich windendes und kratzendes Kleinkind zehn Meter über scharfkantigem Geröll?

Also hatten wir uns schon im Auto geeinigt, dass Oma und Opa erst allein fahren, wir ins Naturzentrum oder Bistro gehen und uns dann abwechseln. Insgesamt hatte der Lift aber nur noch bis 15 Uhr auf. und insgeheim wäre ich schon gern mit Frida gefahren, hätte gern gesehen, wie sie das meistert - andere Kinder in dem Alter waren ja laut Auskunft des Personals auch schon ganz selbstverständlich mitgefahren. Aber die hatten ja auch keine Zappelgene... *grübel* Wie als unschlüssig an der Talstation herumgestanden und gegrübelt. Mit Gürtel oder Strickjacke oder Handyladekabel festbinden? Ergo hatten wir leider zuhause gelassen (wenn man schon mal etwas in die Schränke räumt, statt es an der Garderobe hängen zu lassen...)

Schliesslich fassten wir uns ein Herz. Los, wir fahren. Tiita kommt auf Männes Schoss, Mama hält die Kameras fest und das Herz in der Hose und wenn was schiefgeht, müssen wir uns abseilen, laut um Hilfe brüllen oder doch den locker umgebundenen Gürtel benutzen. und was passierte? Kaum waren wir auf den Doppelsitz gehopst, lachte und kicherte eine kleine Stimme laut, sagte "Kivaaaa!" und verlangte "lisää vauhtia!". Oh Du meine Güte. So ging eigentlich die ganze Fahrt gut. Ich zitterte innerlich und zählte die Sekunden, aber fest sass sie in Papis felligen Armen und erzählte, was sie da unten für Rentiere und Blumen und Wald sah.

Oben machten Omi und Opi riesige Augen, als Frida in das Tsokka-Restaurant marschiert kam. Wo auf der Sonnenterasse sogar ganz winzige Liegestühle für so kleine Personen standen. Oben tatsächlich scharfkantiges, mit Flechten übersähtes Geröll, grosse Funkmasten, niedrige Bäumchen und viele Baustellen. Und eine super Aussicht auf endlose Wälder, den knallblauen Pyhäjärvi und schöne gestreifte Aapamoore. Aaaaah. Ganz toll, so oben zu sein. Zur Feier des Tages gab es auch noch lecker Möhrenkuchen und Waffeln mit Beerensosse. Frida fand besonders das Vakuumklo superinteressant, und ich war froh, mein Handy mit frischem Gipfelstrom aufladen zu können. Beinache auch das Kabel dagelassen, weil alle vor Begeisterung nur hin und herrannten und sich gegenseitig die Sachen hinterhertrugen, aber natürlich nicht wussten, was wer wo gelassen hatte =)

Nach einer langen sonnigen Stunde mit vielen Fotos wieder zur Seilbahn und zurück. Glücklicherweise wollte Tiita wieder auf Papas Schoss. Ein kleines Drama entstand noch einmal, als kurz nach dem Aufsteigen etwas Blaues aus Fridas Hand fiel. Fridas Mickymaus! Ach Du liebe Güte. Ich schnell zu Opi hinter uns gebrüllt, der gerade aufsteigen wollte, aber so noch schnell hinunter ins Gras rannte und das fingerhutgrosse Teil aufsammelte. Das wäre sonst Grund genug zum Quengeln und Absteigen gewesen... so beruhigte sich die kleine schnell damit, dass die Maus hinter uns reisen würde. und ein kleiner Troll aus der Handtasche half auch. Puh.

Unten dann wieder das obligatorische Souvenirgeschäft, Frida guckt unheimlich gern die vielen bunten sachen an. Socken für uns beide fielen ab, mit Huskies und Elchen. Und eine Tasse mit Lapplandsymbolen. Dann draussen wieder die obligatorischen Rentiere, wieder mitten auf der Kreuzung und die ganze Herde auf einmal. Einfach Klasse und so schön. Vor allem, weil sie um diese Jahreszeit diese riesengrossen, weich umbasteten Geweihe tragen. Exotisch und schön und so wild.

Am späten Nachmittag auf Männes Wunsch noch eine Viertelstunde weiter nach Pelkosenniemi gefahren. Dort sollte die Statue eines berühmten Musikers stehen, Andy McCoy von Hanoi Rocks, der inzwischen wohl schon fast in den ewigen Jagdgründen des Rock'n Roll weilt. Wieder wunderschöne Landschaften, weite Moore, der Kemijoki-Fluss und rote und gelbe halbverlassene Häuschen rechts und links. Wie schön bei +26 Grad und wie einsam sicher beim gleichen Wert in minus. Die Statue stand mitten auf dem Dorfplatz, aus Holz und ganz bunt angemalt. Männe lachte zum ersten Mal auf dieser Reise, vielleicht in diesem Jahr und filmte.

Dann passierte noch etwas eigentümlicheres. Ein Mann kam mit einem Auto, stellte einen wackligen Tisch vor das Denkmal, kletterte darauf und fing an, die Plastik anzustarren und daran herumzutasten. Häh? Klar, das eine Bein des Helden war arg gespalten, obwohl das Ding überhaupt erst 2009 aufgestellt worden war. Herzholz zu schnell getrocknet, erklärte er uns fachmännisch. Dann holte er eine grosse Kettensäge aus dem Kofferraum. Oha, jetzt wird es spannend, dachte ich. Männe strahlte noch mehr. Nach weiterem Fachsimpeln begann der Mann, das Knie fachmännisch aufzusägen. Aha, der Künstler in Person! Und er würde vor unseren Augen das Bein reparieren. Klasse.

Frida hielt sich aufgrund des Sägelärms die Augen zu und wir mussten erst einmal zum Flussufer fliehen, während der Papa fleissig weiter griente und filmte. Fehlte nur noch, die frischen Fotos an Iltasanomat zu schicken. Dann gab es noch lecker Eis und wir guckten zu, wie zwei Männer einen frischen Stöckerzaun feststellten Diese aus doppelten vertikalen und darüber schräg gelegten und festgebundenen Hölzern bestehenden Bauwerke finde ich auch ganz toll. So einen könnten wir um unser neues Grundstück setzten, wenn wir nicht so viele furchtbar linke Finger in unserem Haushalt hätten. Die Pfähle sitzen übrigens nur 30 cm tief in kleinen, mit einer Metallstange gestossenen Löchern und die Enden sind angekohlt, um ein Verfaulen zu vermeiden. Wieder was gelernt, vielleicht versuche ich das doch noch selbst.

Erschlagen und müde die 40 km nach Hause. Mit Babyren auf der Fahrbahn. Bei der Post geguckt, ob mein Brief schon angekommen ist - schon alles zu. Kurzes "Ha, fahr mal hier rechts und dann halt an, ich muss ein Foto machen" vor dem Amethystenbad. Ursache war allesn klar - Wieder eine ganze Herde Rentiere, diesmal direkt vor dem Hoteleingang, den Balkons und der Schwimmhalle. Ob die ein Zimmer buchen wollten? Ganz zielgerichtet standen sie vor der Eingangstür, einige lagen, einige bewachten die Autos und alle sahen leicht gelangweilt aus, als die Touristen um sie herumhopsten und die Kameras zückten. Ach meine lieben guten Poros *knuddel* Hier ist was los... so schön habe ich mir das in meinen kühnsten Lapplandträumen nicht vorgestellt.

Abends haben wir noch zünftig gegrillt. Mit ein paar Mücken und vielen Bremsen und tatkräftiger Unterstützung unserer lokalen Nachbarn und Hausbetreuer, die sogar einen halbdeutschen Besucher vorweisen konnten, der netterweise auch noch eine Huskyfarm besitzt. Angesichts des heissen Wetters spendierte man uns sogar einen Greippilonkero *lecker* Danach die übliche Abendsauna und dann haben wir Tiita nach stundenlangem Herumgezappel zu Omi und Opi ins Bett verfrachtet. Mal sehen, ob sie da bleibt. Die erste Nacht allein in Omila =)

Montag, 5. Juli 2010

Ametistikylpylä + Pyhätunturi...

Auch wenn niemand von den geneigten Lesern die Überschrift aussprechen kann - heute war so ein richtig schöner Tag. Eigentlich sollte es regnen, aber bis auf einen ordentlichen Schauer unter Mittag konnte man sich wirklich nicht beklagen, so sonnig und warm war es. 25 Grad mitten in Lappland! Sogar die Mücken hatten sich verzogen, keine Ahnung, ob das am leichten Wind lag oder ob die wirklich alle ersoffen waren. Wir sind jedenfalls heute zuerst zum hiesigen K-Market. Flaschen und Büchsen abgegeben, nach gutem alten DDR-Modell in Kästen und Tüten gesteckt und an der Kasse nur deren Anzahl und Modell gesagt. Postfrage geklärt - Mummo muss uns einen Brief schicken, der aber nicht an die Mökkis verteilt wird, sondern bei der guten alten Post im Supermarkt abgeholt werden muss. Für das Modell wäre ich überhaupt, meiner Meinung könnte die Post nur 2-3 mal in der Woche kommen. Es roch in dem Laden auch ein klein bisschen nach DDR, nach Lebensmitteln und ein klitzekleines bisschen vergammelt *lach* *zuhausefühl*

Danach wie geplant in das Schwimmbad vom Amethyst-Hotel. An der Info noch die Details des Urlauberwochenprogramms erfragt, dann mit Kind, Omi und Opi zum Baden, während Männe das WLAn des Hotels ausprobieren musste. Ich gehe so gern in Finnland baden, vor allem, weil es grosse Umziehräume gibt und alle ohne Probleme nackelig in den Duschräumen herumlaufen, nicht so ein Firlefanz mit winzigen Kabinen und übereinander gezogenen und gezerrten Klamotten wie in Dshörmäni. Weil die Sauna selbstverständlich zum Baden dazugehört. Und es meist nicht so furchtbar kalt ist wie in den zugigen Gängen da. Von germanischen Saunamethoden jetzt mal ganz zu schweigen *nurnochdenkopfschüttelkann*

Das Amethystbad war zwar kleiner als ich ursprünglich gedacht hatte, aber das ist wahrscheinlich mit Fotos immer so. Ein grosses, willow grouse förmiges Becken mit flacher und tiefer Zone, viele Whirls und Spritzfälle und eine lila Grotte mit Sitzbank und Sprudeln. Nicht schlecht für ungefähr 2 Stunden Geplantsche mit Tiita. Sie sitzt dann immer auf dem Schoss und befielt, wo sie hinwill und das möglichst schnell. Wird Zeit, dass das Kind schwimmen lernt! Springen kann sie schon total gut, von Stegen in Seen und verbotenerweise von Beckenrändern innen. Noch nicht mal die Arme aufhalten darf man. Untergegluckert ist sie natürlich auch, aber ab und zu hält sie schon dabei den Häschenzahnmund zu, so dass kein Wasser in Nase und Mund läuft. Ich finde ja, je mehr sie im Wasser tobt, umso besser ist es später um ihre Schwimmkenntnisse bestellt.

Am allerbesten war es allerdings, als ich einmal kurz hinter mich guckte und auf der Wiese direkt hinter dem Schwimmhallenfenster, mitten zwischen Generatoren, Leitern und Treppen, wieder zwei auf der faulen Haut liegende Renner erblickte. Die lagen einfach da und käuten wieder und guckten uns beim Baden zu, ein Anblick für die Götter. Das sind wirklich Urviecher... und rennen einfach so im Dorfzentrum herum. Ein bisschen wie die heiligen Kühe in Indien, haha. Nicht nur ich rannte mit der Fotokamera in den nassen Händen...

Dann wurden die Grosseltern noch in die Geheimnisse der finnischen Sauna eingeweiht, Friederikchen geduscht und trockengerubbelt und es gab im Bistro Pfannekuchen, Pulla, Saft und Kaffee für die müden Krieger. Mit WLAN =) Und neue Rentiersocken in rosa. Danach sollte das Kind schlafen, endlich ein etwas ruhigerer Abend als gestern vielleicht. Also im Auto noch die 25 km nach Pyhä, dem Nachbarfjäll. Tiita tatsächlich im Auto eingepennt. Vorher hatten wir allerdings wieder zwei Rentiere fast umgefahren, die mitten auf der Strasse standen, und waren einmal versehentlich fast um den Orresokka-Berg herumgefahren. Opi auf Abwegen sozusagen.

In Pyhä gefiel es mir gleich noch besser. Dort sind die Hotels und Restaurants am Berghang und näher zusammen angeordnet, es sind wohl auch mehr und die Sonne schien aus allen Knopflöchern. Ich versuchte immer, mir alles mit viel Schnee vorzustellen, das muss wirklich auch total schön sein *wink an Karen* Mit Fridas Laufrad den grossen Parkplatz umkurvt, Best Western Hotel, Spielplatz, neuen Sessellift, Skischule und Info einen Besuch abgestattet. Die Hälfte davon natürlich geschlossen zu dieser Uhr- bzw. Jahreszeit. Tiita stänkerte mehr oder weniger herum, Männe war auch sauer und die Germanen verloren abwechselnd die Geduld, aber egal. Vielleicht zuviel für einen Tag.

Allerletzte Station also alter Lift und dann K-Market unten in Pyhä, weil jemand dreijähriges noch unbedingt einkaufen wollte (typisch Frau!). Souvenirs durchgewühlt, Lappenmützen ausprobiert, Finnenmesser bewundert und Postkarten begutachtet. Für alle Eis und Milch und Mökkizeitschrift gekauft. Mit letzter Energie auf dem Parkplatz gesessen und Eis genascht, das ein grosser Berner Sennenhund beinahe aus Fridas Hand geklaut hätte. Knacken hinter den Mülltonnen... schon wieder diese braunen Geweihviecher im Anmarsch. Erst einige wenige an der Böschung und dann eine ganze Herde über die Kreuzung. Oh Mann. Ich mache von nichts anderem mehr Fotos. Sie sind soooo schön.

Zurück aufs Mökki gefahren. Gut gelaunt aufgeräumt. Gehacktessosse und Kartoffeln gekocht (Männe) und Salat gemacht (icke) und als ich unser Werk fotografieren wollte, fiel der Blick auf dem Stubenfenster: Rudolph Rentier direkt vor der Terasse auf der Strasse. Buuaahh buaah haaa!!! Alle rausgerammelt. Alle gestarrt. Männe auf Socken (!) mit Videokamera die Strasse entlanggegangen, auf das grosse, ruhig fressende Ren zu. Das erst langsam davonschritt, sich aber dann blitzschnell drehte und im Schweinsgalopp auf Männe zuraste. Aaaahhhhh... Kamera auflassen, aber in Gedanken schon die Ambulanz anrufen und zerpieksten Mika aufsammeln und das Video ans Witzfernsehen senden.... aber das Tier rannte an Männe knapp vorbei und trollte sich. Machen Rentiere Scheinangriffe? Oder ist es wirklich nur versehentlich auf Mika zugerannt? Ganz schön mulmig, aber cool. Jetzt müssen wir unbedingt das Video ansehen, aber er bringt gerade die völlig erschossene Fridadida ins Bett. Was für ein Tag...

Sonntag, 4. Juli 2010

Luosto...

Um Mitternacht die letzten Fotos gemacht. Mit roter Sonne zwischen den Bäumen und noch ganz hell. Dann natürlich bis Mittag geschlafen. Glücklicherweise ist unsere Kleine noch nie von selbst zwischen 4 und 11 Uhr morgens wach geworden =) Ihr erster Satz heute war "Das Auto ist nass geworden". Oh, Dauerregen draussen. Ist aber auch nicht schlimm, vielleicht ersaufen so wenigstens einige der Milliarden schwirrenden Nervmücken vor der Haustür. Ausserdem wollten wir eh heute erst einmal nichts anderes machen, als unseren Ort zu erkunden und einzukaufen. Gestern die Broschüren hatten einiges offen gelassen, nämlich vor allem, ob und was im Sommer offen sein würde, was im Winter zum Normalprogramm gehört. Wo man langgehen und -fahren kann, ohne Ski oder einen Motorschlitten unter dem Hintern zu haben. Und überhaupt mit Kleinkind und ohne von den Moskitos aufgefressen zu werden.

Also nach zwei Stunden Anziehen (!) und Frühstück alle ins deutsche Auto gepackt und losgebrummt. Die paar Kilometer nach Luosto waren schnell erledigt und dann sahen wir da auch lauter grosse graue Holzgebäude und bunte Hinweisschilder vor dem wunderschönen riesigen Tunturi. Amethystbad und -hotel, Scandic Luosto, kleine Läden und jede Menge im Wald versteckte Ferienhäuser. Und immer wieder wollgrasbetupfte Moore und Seen. Alles um diese Jahreszeit sehr verlassen, hihi. Auf den grossen einsamen Parkplatz vor den Skiliften gekurvt und gerade angefangen zu überlegen, was wir jetzt noch suchen und machen wollen (K-Market?), als ich wieder in lautes Lachen ausbrechen und fast den Finger durch die Windschutzscheibe pieksen musste. Mitten auf dem Grünstreifen, mitten auf dem Parkplatz ein paar Meter vor uns ein äsendes Ren, wie eine Statue. Braun und mit dem Kopf unten. Hahaha.

Langsam rangefahren und mit drei Kameras und zwei Handies bewaffnet aus dem Auto gesprungen. Oma schimpfte, weil wir im Dauerregen und allgegenwärtigem Mückenangriff sämtliche Türen offen gelassen hatten und das Kind ohne Mütze draussen war - aber egal. Hauptsache Poro. COOOL. Ein weiterer Blick enthüllte, dass der Rand des Parkplatzes voller weiterer Geweihträger war. Braune und graue und weisse... und alle mit wunderschönen, grossen Geweihen und flockig abfallendem Winterfell. Wow. So schön. Natürlich sind wir ihnen mit der Fotografiererei auf den Keks gegangen und konnten uns selbst auch kaum einkriegen. Frida mit nassen Haaren wusste gar nicht, ob sie sich totfreuen oder Angst haben sollte, sie ging immer wieder ran und rief dann "die essen mich auf" und war wieder weg.

Opi stand seelenruhig vor den riesigen Hörnern, Männe filmte und filmte und sagte gar nichts mehr und meiner einer wusste nicht, ob er zuerst mit der richtigen Kamera fotografieren oder doch lieber ganz frische Handybilder auf Facebook posten sollte. Meine Güte! Das ganze trostlose Luosto war hinter den wunderschönen Tieren verschwunden. Grinsend musste ich auch daran denken, wie genervt wir beim internationalen Lapplandurlaub im Herbst 1999 von den hundersten Rentieren auf der Landstrasse gewesen waren, nachdem wir den ersten Exemplare noch stolpernd bis in die Kittiläer Sümpfe verfolgt hatten. Das passiert diesmal bestimmt auch noch. Verdammte Poros... die Luostoer legten sich dann seelenruhig auf einen grossen Sandhaufen zur Siesta. Und als wir doch endlich den K-Market suchen fuhren, kamen uns noch ein paar mit den Füssen knackend auf der Strasse entgegen. Und natürlich stand hinter dem Markt noch eins, ganz weiss und mit Glocke um den Hals *freu* Übrigens hatte Frida nach dem Besuch beim Weihnachtsmann laut gesagt "Mami, weisst Du was? Ich dachte, hier liegt Schnee!!!" Gut erkannt, Kleines!

Der herbeigesehnte urige K-Market wurde - ich hätte es fast geahnt - von einem Schild geziert, dass Sonntag geschlossen sei. Unser Kühlschrank gähnte aber vor Leere. Nix weiter in Sicht. Also Pyhä? Nur ein kleines bisschen grösser als Luosto und ein paar Kilometer weiter? Männe winkte ab - lasst uns die 40 km nach Sodankylä fahren, in die Kreisstadt. Auja, da wollte ich schon immer mal hin, allerdings nicht so schnell, sondern als Tagesauflug irgendwann nächste Woche. Kling so wild und nordisch und exotisch... vor allem auf der Wetterkarte und den Klimatabellen in meinen hunderten Finnlandbuchern zuhause. Allerdings sah das dann auch wie jede finnikliche Kleinstadt aus. S-Market neben K-Market neben Alko und den üblichen anderen Ketten *lach*.

Wir müssen das aber unbedingt noch genauer erforschen gehen. Diesmal nur 130 Euro im lokalen S-Bonusshop gelassen, vergessenes Handtuch und vergessene Fridasocken und jede Menge Fressalien eingesackt und fünf knallvolle Tüten rausgeschleppt. Warm war es übrigens, richtig schwül, ganz bestimmt über 20 Grad. Nicht dass jemand denkt, in Lappland ist es im Sommer kühl. Jyväskylä hatte heute übrigens auch 30 Grad und alle sind vor Hitze umgekommen. Von Sodankylä sind wir also wieder nach Süden getuckert. Noch ein kleiner Halt am Porttikoski, wo ein Schild auf Stromschnellen hinwies. Auto durch den flechtenbewachsenen Wald gesteuert, irgendwo an einen Parkplatz gestellt und geguckt, wo denn da nun etwas sei.

Ein paar Meter inmitten surrender Mückenschwärme gelaufen. Irgendwie wirklich fantastisch, wenn einen da hunderte Biester umsummen (der Ton ist schlimmer als diese Vuzuelas, sage ich Euch!!!), sich aber nicht trauen zu landen, weil man sich mit einigen Litern original finnischem Off eingedüselt hat. Tolles Deo. Wegen der Mückenviecher haben wir auf einigen Bildern übrigens auch eine Kapuze auf und langärmlige Sachen an, ansonsten wäre das überhaupt nicht nötig gewesen. Der Wald endete an einem heruntergelatschten Elchzaun und dahinter ging es zig Meter in die Tiefe, zu einem relativ schmalen, dunklen, gurgelnden Wasserlauf. Spannend. und mit so wilden Ufern und verknorrten Bäumen überall.

Noch spannender war es allerdings, die übermüdete Frida davon abzuhalten, geradewegs in die Tiefe zu hopsen. Puuuh. Vier Erwachsene und ein Kleinkind... das ist wirklich ein gerade ausreichendes Betreuungsverhältnis in unserem Fall. Noch ein, zwei Fotos gemacht, Kiefernzapfen gesammelt und Mücken totgehauen und wieder ins Auto. Frida hat Lieder über Rentiere und Doppelstockbetten und Mökkis gesungen, ist aber nicht eingeschlafen. Dann hat Männe die leckerste Lachssuppe der Welt gekocht. Mami aufgeräumt und Bett gemacht und Magenschmerzen auskuriert (binationaler und generationsübergreifender Stress...).

Dann Abendbrot gegessen, überdrehtes Kind ins Bettchen gebracht, dabei selbst wieder eingenickt, aufgeweckt wurden, dann noch Pläne für morgen geschmiedet und mit Männe eine kleine Runde zu Fuss durch die Muckenpampa gedreht (danke Omi und Opi für den Babysitterservice), Luxuskörper in die Sauna geschmissen, ein Lapin Kulta geköpft und ins Bett gefallen - nur um bei der Helligkeit kein Auge zuzumachen und dann noch schnell Blog zu schreiben. Notepad wegen fehlendem WLAN, aber das können wir alles noch später mit dem passenden Datum posten. Hauptsache in der stimmung des Augenblicks geschrieben. Und Fazit: Rentiere super!!! Mücken Scheibenkleister und wir müssen unbedingt mal wieder im Herbst oder Winter wiederkommen, wenn das hier alles ganz anders aussieht und viel mehr los ist. Aber noch haben wir ja gar nichts gesehen!

Samstag, 3. Juli 2010

Kemi - Luosto...


Der zweite Tag. Morgens mit Omi und Opi gefrühstückt, während die Finnen noch pennten. S-Market besucht und Handyladegerät fieberhaft gesucht. Gepackt und los und verfahren, weil die die neue Perämerentie bauen, die noch in keinem Navigationsgerät verzeichnet ist *ggg* Mit Ach und Krach und altmodischer Landkarte auf Suses Knien doch Ajos gefunden und den berühmten Eisbrecher Sampo. Der in echt so unheimlich klein ist! Aber selbst die frischgeknipsten Digikamera-Fotos enthüllten einen bärenstarken riesigen Schiffsbug. Hihi, eine optische Täuschung. Aber ich war trotzdem froh, dass wir ihn gesehen hatten. Damals, im Frühjahr 2000, waren wir zwar ganz kurz in Kemi gewesen, hatten aber nur eine halbe Stunde am Hafenbecken zugebracht und die Schneeburg nur von aussen gesehen... vielleicht auch Sampo mitten im Eis, aber nach dem heutigen Tag glaube ich es nicht mehr... nur auf ganz vielen Fotos!

Dann Richtung Nordosten. Am Kemifluss entlang nach Rovaniemi, der Hauptstadt Lapplands. Frida wollte unbedingt den Weihnachtsmann besuchen, der dort ein grosses Dorf bewirtschaftet. Klar, viel Kitsch und genauso viel Kommerz, aber insgesamt ist es auch wunderschön und magisch da. Gemeinsam kletterten wir die grosse Treppe zu Santas Büro hinauf. Vor 10 Jahren wohnte er noch unten hinter seiner Bibliothek, aber jetzt ist er umgezogen =) Namen genannt und Weihnachtswünsche abgegeben und mit Joulupukki geredet und ihm mitgeteilt, dass die kleine Tiita nächstes Mal woanders wohnt. Der Typ kannte sogar Laajavuori und Palokka und versprach, ganz bestimmt im Dezember mit seinem Rentierschlitten vorbeizukommen. Danach Souvenirs angeguckt, Lapland-Shirt und Mückennetzhut und Husky-Kühlschrankmagnete gekauft, Kaffee getrunken, Frida auf grossen Kletterspielplatz geschickt, Weinachtspostamt mit Besuch beehrt, Kakawindel gewechselt, viele Japaner, Russen, Spanier und andere Ausländer gesehen und wieder ab ins Auto.



Fridas Augen fielen fast augenblicklich zu. Vom Autofenster aus die schöne Spannbrücke über den Ounasjoki gesehen und das wunderbare Arktikum. Am Kemijoki weiter entlang gefahren. Dann nach Norden abgebogen. Huh, immer kleiner wurden die Bäume links und rechts und immer abenteuerlicher sahen die Höfe aus. Moore, Aapamoore und Keidasmoore. Mit hellgrünen Vertiefungen und dunkgelgrünen, mit Bäumen bestandenen Streifen, die von der Luft aus ein wunderschönes Mosaik ergeben. In der Ferne die ersten Fjälls *jippppiii*

Und dann in einem Feld ein eigenartiges Pferd. Hob und senkte den Kopf und hatte ein Geweih. Das erste Ren!!!!! Huuuaaah, wie schön!!! Ein paar Kilometer weiter ein paar eingezäunte Poros neben einer Raststätte. Gildet nicht. Dann musste ich mir vor Lachen den Mund festhalten, nach der Kamera neben mir tasten und gleichzeitig meinen Dad wortlos und kichernd anstupsen, damit er Männes Videocam anschaltete: vor uns latschte doch tatsächlich in ungefähr 100 m Entfernung ein dussliges Rentier neben den bremsenden Autos her. Hahaha. Die grossen Füsse und der tapsende Gang. Direkt links neben Männes Ford auf der Gegenspur. Vor unserer Motorhaube bog es nach rechts ab und trabte seelenruhig nach rechts in den Wald. Das sind aber auch urige Viecher...

Wenige Kilometer weiter dann runter von der grossen Strasse, auf einen Seitenweg. Und alles anders, noch mehr Moore, noch mehr Berge, noch wilder alles. Aaaaahh. Wo ich doch eigentlich alles ausser dem Arm der Finnlandjungfer als nicht echtes Lappland abtue. Aber das sah schon sehr echt und beeindruckend aus. Dann guckte der Luostotunturium die Ecke. Graue steile Wände und kahl und so magisch. Aivan ihana. Und als wir dann noch um eine Ecke bogen und unser schönes Haus sahen und dahinter gleich wieder die geniale Aussicht - hach. Hier werden wir eine ganze Woche verbringen. Fantastisch. Auch wenn die Mücken einem im Juli wie Heuschrecken um die Ohren fliegen.

Aber das Haus ist wunderschön, modern und geräumig und schick eingerichtet. Mit zwei Schlafzimmern und Galerie, mit Kamin und Sauna und allem, was man sonst noch braucht. Und wenn dann draussen gegen 23:30 im Taghellen noch kleine Glöckchen läuten und wie von Zauberhand eine Herde Rentiere auf der Strasse vor dem Haus auftaucht, dann ist die Welt perfekt. LAPPI!!!

Donnerstag, 19. November 2009

Sodankylä...

Jiihhhaaa, ein Lichtblick zumindest! Wir fahren nächsten Sommer nach Lappland! Da wollte ich schon jahrelang wieder einmal hin, Mika war auch nur einmal kurz da und Frida noch gar nicht. Der echte, richtige, romantische wilde Norden. Und das Mökki ist wunderschön und die Lage einsame Spitze, mit Blick auf einen tollen Tunturi (Fjäll), dessen Namen ich noch gar nicht weiss. Wahrscheinlich dass erste Mal, dass ich rechtzeitig nach Sommerquartieren Aussicht gehalten habe *ggg*


Das Ding heisste jedenfalls Orrenkolo, ist in Sodankylä, Pyhä-Luosto Nationalpark und kostet ausserhalb der Skisaison auch gar nicht viel. Vor allem ist kein See dabei, in den das kleine Fräulein fallen könnte (die letzen beiden Sommer bin ich deshalb fast wahnsinnig geworden) oder der Millionen von Mücken beherbergt. Statt dessen ein Hotel mit Schwimmbad in der Nähe, viele Rentier- und Huskyfarmen und eine Edelsteingrube. Ich freue mich schon riiiiieeeesig!

Montag, 23. Juni 2008

Aufgetaucht....

Finnland hat mal wieder einen typischen Sommer - bis auf kurze Pausen regnet es tagein tagaus unaufhörlich. Komischerweise denkt man da im Winter nie dran, sondern erinnert sich immer nur an die wenigen sonnigen, heissen, fröhlichen, mit Baden, Sauna und Saufen zugebrachten Tage und freut sich dementsprechend auf den nächsten Sommer - der genausogut wieder im Prasseln der Regentropfen untergeht. Hahaha. Juhannus ist besonders prädestiniert für Patschwetter, genau dann, wenn die meisten Leute ihren wohlverdienten Urlaub anfangen und hunderte von Scheinchen in gemietete Mökkis, Wohnwagen und sonstige Vergnügen investiert haben. Ojeee, wo sind wir da nur hingeraten.

Aber wir waren ja zuhause, hihi. Gestern haben wir noch Männes Eltern besucht, die gerade aus Lappland wiedergekommen waren. Frida hat ihren zigsten Plüschhund bekommen (langsam kann sie auch mal andere Wörter als koira lernen...), wir wurden mit schönen gestrickten Handschuhen für den nächsten Winter (siehe oben) eingedeckt, haben wieder gegrillt und geschlemmt und durften Bilder von Rentieren, Flüssen, Tunturis und norwegischen Fischern angucken. Lappland ist doch etwas ganz besonderes.... vielleicht schaffen wir es im nächsten Jahr mal mit Frida dahin *hoff*

Ausserdem haben wir noch einmal die zu verkaufenden Grundstücke in Sarvenperä angeguckt. Ein bisschen juckt es schon in den Fingern. Mikas alte Heimat, nur 20 km ausserhalb der Stadt. Einen halben oder sogar ganzen Hektar jungen Wald für 10.000 Euronen. Familie und Haus und Hof und Katze und Hund und Esel und Ziege und Wald und Feld... mit Naturlehrpfad, Vogelturm, Moor (was sonst), Grillplatz, Korsu, Laavu und altem Gehöft in Fussmarschweite. Oder bin ich doch ein richtiger Stadtmensch, der mitten in der Pampa eine Krise bekommen würde? Davon abgesehen, könnten wir da bei unserer momentanen Finanzlage höchstens ein Zelt aufstellen =)

Und last but not least hatte ich endlich mal wieder einen Treffer auf Eurobilltracker. Sogar aus Deutschland nach Finnland, jiiiihaaa! Dass ich den Schein natürlich selbst Anfang Mai in meinem Portemonaie mit nach Suomi gebracht habe, ist nicht so schlimm. Hauptsache schön langer Pfeil auf der Karte und zwei bunte Fähnchen im Profil. Abends dann gleich noch ein Treffer, aus Palokka nach Uusikaupunki. Sehr gut. Lohnt sich die viele Tipperei also doch! Wo ich doch wie alle Finnen am allerliebsten alles gleich mit Karte bezahle und nur ungern Bares mit mir herumschleppe. Aber was macht man nicht alles für die Trackerei...