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Sonntag, 10. Juli 2011

Kangasniemi...

Ganz spontan sind wir am Sonntag nach Kangasniemi gefahren, und zwar weil dort a) eine kleine Hausmesse war und b) Timo Harjakainen auftreten sollte, Baumeister vom Dienst und fast so berühmt wie Munamies, der Eiermann... beide waren als Figuren aus dem diesjährigen Putous Komikersketch-Wettbewerb hervorgegangen, den besonders die finnischen Kinder mit wachsender Begeisterung verfolgt hatten *lach*

Also dahin, schlappe 70 km, was für finnische Verhältnisse wirklich ein Katzensprung ist. Die grosse nationale Hausmesse in Kokkola müssen wir dieses Jahr bestimmt eh ausfallen lassen, weil dort alle Hotels ausgebucht bzw. völlig überteuert sind (ab 150 Euro pro Nacht...), und weil die schnieken Häuschen auf solchen Veranstaltungen meinereinen inzwischen eher zu Wut- und Neidausbrüchen als zu Freudestrahlen anregen, weil wir uns eh so etwas niemals leisten werden können.

Also, kleine Brötchen backen und bei den bezahlbaren Buden in Kangasniemi, mitten auf dem Lande, gucken. Die waren auch sehr schick, wenn auch meistens winzig klein (was macht eine durchschnittliche vierköpfige Familie mit 3 Zimmern?) und einige davon noch nicht ganz fertig bzw. mit grusligen zusamengewürftelten alten Möbeln eingerichtet - und die bierbäuchigen Besitzer standen auch noch dabei herum, ganz schlimm und unprofessionell *find*

Dafür waren einige umso niedlichere Schmuckstücke, wie z.B. die von Muurametalot und Situra oder so. Und die Bäder waren toll, meist aber mit dunklen Fliesen, an die ich mich immer noch nicht ganz gewöhnt habe, die ich aber doch irgendwie schick finde. Das meiste waren aber wirklich namenlose Baufirmen... nix Kastelli, nix Jukka, nix Mammutti... keine hohen Decken und viel zu wenige Räume, also mitnehmen konnten wir da nicht wirklich etwas. Das Gebiet war aber wunderschön, ein lichter Kiefernwald, am See gelegen und mit ausreichend grossen Grundstücken.

Und natürlich war Harjakainen cool. Männe hat so gelacht, wie ich das bei ihm wochenlang nicht gesehen hatte. Frida strahlte auch. Und Autogramme haben wir bekommen. Passend zum Namensthema fragte der Typ (der übrigens in "zivil" wirklich mehr als schnuckelig aussieht) Frida gleich, wie sie heisst. "Etwa Siiri oder Nelli oder Petra oder Aino oder Liisa..." die gängigen durch, bis unsere Kleine ganz leise und verschmitzt "Friida" sagte. Oh was ganz neues. Sehr cool.

Die Hälfte der Zeit verbrachten wir übrigens zwangsweise in netter Gesellschaft in einem grossen Restaurantzelt, weil draussen ein kräftiges Gewitter tobte. Sowas von Platzregen und wie die Stangen wackelten, weia. Und die Blitze krachten nur so über den nahegelegenen See... Männe lachte übrigens schon wieder, weil auch ein Freund von ihm da war und die beiden über Rallys quatschen konnten. Alles in allem ein sehr schöner Ausflug. Und die Häuser sahen nach dem Regenschauer noch viel besser aus.

Nur, dass es insgesamt nur 9 Buden waren (die hatten bestimmt so um die 30 geplant und es waren auch noch massenhaft Grundstücke zu verkaufen), dass Frida mal wieder nicht hören konnte, bis fast zu den Waden im Schlamm der neuen Blumenbeete versank und sich einmal fast ganz hinlegte, und ich ganz verzweifelt immer das dritte Schlafzimmer suchte. Aber ansonsten sehr schön, alles super organisiert, leckeres Essen, toller Shuttleservice und niedliche Rentnerhäuschen. Aber Leute im arbeitsfähigen Alter können ja eh nicht in so einem Nest wohnen, sondern müssen in die überteuerten Wachstumszentren, wenn man nicht gerade Friseuse gelernt hat *örks*

Samstag, 9. Juli 2011

Wanhat Wehkeet...

Also erst wollten wir ja gar nicht. Männes Eltern wollten uns zu so einer komischen Schrottbude nach Karstula entführen, und deshalb hatten wir auch nicht in Helsinki übernachten können, wie das eigentlich geplant war *hicks*. Aber dann war es doch schön. Mit der ganzen Familie, samt beiden Omis und Opis, Schwester und Fridas Cousinen uralte Autos, Schreibmaschinen, Milchpackungen, Werkzeuge und allen möglichen anderen Krempel begutachtet, bestaunt und angefasst. Oft wusste man gar nicht mehr, wozu das eigentlich gebraucht wurde, aber die ältere Generation kannte vieles noch. Wahnsinn, was wir Zweibeiner uns in den letzten 100 Jahren alles ausgekaspert haben!!! Sogar Ford's berühmte Tin Lizzy war dabei *freu* Und bei der gerade stattfindenen Oldtimer-Rallye vor der Tür fand sich auch eine waschechte Trabbi-Pappe =)








Danach sind wir auf Opis Wunsch noch zum Kirkkovuori gefahren. Mit ganz neuem Turm von Honka, vielleicht dem höchsten Blockhaus der Welt. Steiler Anstieg, aber der Blick vom Aussichtsturm entschädigte für alle Anstrengungen (wohlgemerkt, wir haben immer noch um die 30 Grad). Seen und Wälder und Bauernhöfe und Kühe satt. Danach durch fast menschenleere Landschaften nach Petäjävesi gebraust, wo man einige Schmiedekünstler bewundern konnte, ausserdem gab es dort wunderschönes Holzspielzeug von Puupiipola (mir fiel ein, dass ich von der gleichen Frau vor vielen Jahren mal ein Puppenbett für die Meerschweinchen gekauft hatte, hihi) und endlich mal einen Verkaufsstand mit griechischen Spezialitäten. Jammi, jammi, die Griechen sind ja hier im Polar echt viel zu dünn gesäht. Zum Abschluss noch Kohlauflauf und Spielen bei Mummo und dann war wieder ein Ferientag zuende. Puuh, sooo viele Fotos! Aber ausruhen können wir uns ja in den langen Wintermonaten wieder =)

Samstag, 12. März 2011

Alba, Pferdchen und die Treppe...

Wenn man sich schonmal was vornimmt (12.3.)! Wir sind relativ zeitig aufgestanden und wollten zu Mattilanniemi, zum Alba-Hotel, wo an diesem Sonnabend ein Kinderwinterfest stattfinden sollte. Mit Eisskulpturenwettbewerb, Eisangeln, Rodeln und Pferdeschlitten. Danach hätten wir schön im verglasten Restaurant des Hotels Kaffee trinken und uns aufwärmen können (in der Reihenfolge).

Aber, so wie immer, kommt es anders. Keine Kinder da. Nanu? Hatten wir uns im Tag geirtt? Ein bisschen skeptisch war ich ja schon, weil die Uhrzeit so komisch war. Anfang für die Kleinen um 12 Uhr? Da schlafen doch alle normalen Kids... Schliesslich trabten wir auf meine Lieblingsbrücke, um ein schönes Foto zu machen, und von dort entdeckten wir tatsächlich das einsame Pferdchen mit Schlitten. Und einen vereinsamten Würstchenstand. Wir also hin. Nur um zu sehen, dass das Pferdchen gerade ausgeschirrt und in seinen Transporter geladen wurde. Na so'n Mist.

 

Tiita liess sich nur durch die Aussicht auf eine Tasse Kakao trösten. Und dass wir Omi eine Karte schreiben würden. Also rein ins Alba-Hotel. Witzigerweise sassen die wenigen Finns, die überhaupt da waren, alle mit Jacke und einige sogar mit Mütze (!) an den Tischen und ich bin nach einer Viertelstunden Wartens entnervt an die Bar gegangen, um überhaupt eine Speisekarte zu bekommen. Finnen haben überhaupt die grausige Angewohnheit, im Restaurant nach dem Essen an der Theke zu bezahlen... andererseits kommt man so aber auch schneller weg (praktisch sind sie ja!).

Männe fast rohe Pizza heruntergewürgt, meinereiner einen riesigen Teller Tagliatelle mit Ziegenkäste, dreimal nach meinem Tonicwasser gefragt und Frida naschte hier und da einmal und dann sind wir schnell wieder weg. Aber einer meiner Lieblingsplätze bleibt das doch und in der Woche sind sie zu ihren Businessgästen auch viel freundlicher *lach*.
Danach noch zu Männes Kusscousinchens Geburtstag aufs Land. Witzigerweise feierten wir den gleichen Geburtstag am Sonntag noch einmal in der Stadt - die Eltern wohnen nämlich getrennt, aber das ist vielleicht gar nicht so schlecht... dort gibt es auch zwei ganz liebe Katzen und beide Eltern sind richtig gute Freunde von uns, so dass ich ganz froh bin, die zweimal besuchen zu können. Frida hat sogar mit der kleinsten, der achtjährigen der Schwestern ganz alleine draussen gespielt.

Am Sonnabend rannte ich wie ein aufgescheuchtes Huhn von einem Fenster zum anderen, um mögliche Bären, Luchse und Wölfe in dieser Einöde rechtzeitig zu erkennen (das ist kein Witz...). Und am Sonntag war ich ganz huschig, damit das Kind auf dem städtischen Hof nicht von rückwärtsfahrenden Autos überrollt oder wildgewordenen Jugendlichen geklaut wird. Dass sie zehn Minuten später einen Purzelbaum von der Mitte der gewendelten Holztreppe schlagen würde, konnte ich da noch nicht wissen.

Es rumste nur mehrmals kräftig und dann kam ein rosa Bündel mit wedelnden Armen und Beinen die Stufen heruntergekullert, um unten halbhängend mit schiefem Kopf und Schulter auf dem Fussboden liegen zu bleiben. Und herzzerreissend zu brüllen. Herrajestas. Man hatte sich mitten auf der Treppe gebückt, um ein Buch aufzuheben, hatte das Gleichgewicht verloren und war kopfüber die restlichen Stufen heruntergepoltet, sogar noch um die Ecke! Zum Glück war nichts passiert und das Getobe ging wenige Minuten später weiter. So viel zu unserem Wochenende. Das Fazit ist eigentlich, dass man nie weiss, was so kommt, mmh?

Donnerstag, 3. März 2011

Abendspaziergang...

Ich bin mal wieder mehr mit Tiita allein zuhause als mir das lieb ist, vor allem, wo die sechs Löcher im Bauch und meine Kondition im Keller sind, aber was soll man machen... Männe filmt ja zwei-drei Mal in der Woche sein geliebtes Eishockey und bekommt sogar noch Geld dafür =)

Am Donnerstag war erst Patenonkel Teemu bei uns *freu* und dann haben wir Mädels einen fast zweistündigen Abendspaziergang unternommen. Mit Fridas Potkurischlitten, damit sie auch ja nicht die Lust verliert. Weit weg vom Haus waren wir allerdings nicht, nur ungefähr 500 m nach rechts vom Haus... bergrauf und runtergerodelt, Skifahrer beobachtet, ein Haus für Omi und Opi gefunden und die ersten Weidenkätzen gestreichelt.

Dann 500 m nach rechts, bergrauf und bergrunter, balanciert, Briefkasten entdeckt und überlegt, ob wir nächsten Herbst da schon jeden Tag zum Kindergarten langspazieren. Und ob wir dann einen Husky oder Afghanen haben, der Fridas Schlitten zieht =) Und dann wieder nach links, gucken ob bei uns wer zuhause ist und rodeln und Schneeberge steigen und porodeln so weiter. Schön war's!






Eigentlich will ich jeden Abend raus, aber solange Tiita für das Anziehen immer noch Stunden und mehrere Stänkeranfälle braucht, wird das wohl doch eher selten bleiben. Oder wir müssen auf den Sommer warten, wenn man einfach so in den Hof stürmen kann! Zum Glück kommt sie ja bei Tante Laura schon jeden Tag zweimal raus. Und wie schön, dass schon März ist und man dem Schnee förmlich beim Schmelzen zusehen kann =)

Sonntag, 23. Januar 2011

Grillsaison eröffnet...

Kaum guckt die Sonne eine Stunde länger durch die Wolken, zieht es den durchschnittlichen Finn schon unaufhaltsam in die Natur.

Heute waren wir mit Frida auf unserem Lieblingsnaturpfad in Sarvenperä, gleich hinter Kuohu, wo die lokalen Ureinwohner vor vielen Jahren sogar einen winzigen Ausschnitt Winterkrieg gebaut haben: Holzbunker unter der Erde, in dem man sogar schlafen kann (2005 gemacht), daneben ein Grillplatz (fast jedes Jahr getestet) und ein kurzer Schützengraben gen Osten (in dem wir uns immer vor Nelson versteckt haben, hahaha).

Sogar eine Sauna mit einer superklaren Quelle gibt es ein paar Meter weiter und insgesamt geht der Rundweg ca. 4 km lang durch wunderschönen Wald, Lichtungen, Sumpf und an einer alten Mühle, einer zweistöckigen Rauchsauna, einer Laavu und einem Vogelturm vorbei.

Aber mit Frida sind wir nur knapp einen Kilometer gegangen und das bei ca. 50 cm Schnee. Glücklicherweise latscht da öfter mal jemand lang und sogar die Loipe daneben war gespurt. Es war wunderschön, erst durch den hellen und dann abends durch den stockdunklen Märchenwald zu stapfen, ein stolperndes und ständig hinfallendes, aber ganz tapferes und wild plapperndes Kind zwischen Mami und Papi.

Gegrillt haben wir natürlich auch, echt finnische Makkaras und thüringische Bratwürstchen. Und Papa hatte warmen Johannisbeersaft in die Thermoskannen gefüllt und Mami hatte sogar Brötchen (Finnen wickeln Würstchen nur in Küchepapier, igitt...) und Ketchup mit. Da ist den Wölfen und Bären, die im Gebüsch hockten, garantiert das Wasser im Mund zusammen gelaufen.

Oh, und bei der Gelegenheit ist mir eingefallen, dass ein Husky für solche Abenteuer bestimmt doch besser geeignet ist als ein Chinesischer Schopfhund oder Galgo *lach* War das schön!

Sonntag, 21. November 2010

Mutanen...

Mal wieder was zu unseren Freizeitaktivitäten... Wir waren gestern mit dem finnisch-deutschen Verein unterwegs, Ausflug zum Freizeitzentrum Mutanen der Gemeinde Jyväskylä. Diesmal leider nur ein Tag statt mit Übernachtung so wie sonst, aber schön war es trotzdem!

Mit einer ganz netten Familie aus Halle bzw. Dresden dahingefahren (Frida mag den kleinen fünfjährigen Jungen total und der ist auch super witzig und intelligent, und... er spricht so toll deutsch...), dann kurze Kennenlernrunde, spielen und essen und quatschen.

Ich kannte fast alle da, inzwischen ist aus dem anfangs sehr fremden Verein doch eine richtige Familie geworden - vor allem, weil unsere Spielgruppenfreunde da sehr aktiv mitmachen und die sehen wir ja alle zwei Wochen. Ich denke, ich habe inzwischen mehr deutsche als finnische Bekannte hier, hahaha. Zumindest telefoniere ich mehr auf deutsch als auf finnisch, aber ich habe ja eh eine DDR-Telefonphobie =)

Nach dem Essen ging es an die frische Luft. Die Kinder sind gerodelt (mehr Gras als Schnee, aber das macht ja nix) und ich habe abwechselnd den nelsonfarbigen Kalle Elchhund und die blauäugige Nikita Husky beknuddelt und mich am echten Hundeduft erfreut. Hachja, sind das tolle Tiere...

Männe hat nach Finnenart die ganze Zeit nur auf sein Handy geguckt und Frida ist vor Müdigkeit fast im Schlitten eingeschlafen, bis schliesslich zwei Heppas angetrabt kamen. Das Pony war genauso gross wie das sogenannte Pferd, aber trotzdem trauten sich sogar die kleinen Kinder, darauf zu reiten. Cool. Wenn einer ne Leiter gebracht hätte, wäre ich bestimmt auch... aber so fliege ich beim Aufsteigen immer auf der anderen Seite runter, hehe.

Friduska wollte nicht, aber mir sind Pferdchen ja auch ein bisschen ungeheuer, im Gegensatz zu den scharfzähnigen wolfsartigen Fellnasen. Vielleicht später einmal oder auf einem echten Halberstädter Shetlandpony =) Oder Nachbar's Lillemanni.

Danach gab es noch Kaffee und gute Gespräche und Tiita hat fix und fertig eine Runde auf den Doppelstockbetten geschnarcht - bis wir schliesslich alle wieder ins Auto stopften und nach Hause aufbrachen. Sehr schön! Ich bin immer froh, wenn wir in die Botanik fahren und mit guten Bekannten ist das natürlich noch besser. Wobei ich übrigens bis 2003 Deutsche im Ausland gemieden habe wie der Teufel das Weihwasser *lach*

Sonntag, 7. November 2010

Pikkujoululaisten ystävä...

Irgendwie ein zwei- oder sogar dreigeteiltes Wochenende, an den sich wieder einmal gezeigt hat, was für Kapriolen finnische Männer doch so schlagen können. Und was frau tun kann, um damit einigermassen klarzukommen, hahaha. Angefangen hat es ziemlich blöd... Frida weckte uns am Freitag schon morgens um vier mit Hunger, war den ganzen Morgen knatschig und hatte vielleicht sogar Fieber - also blieb Mami erst einmal mit ihr zuhause. Auch wenn sie eine Stunde später maulenderweise schon wieder Sehnsucht nach Laura hatte und ich totmüde und mit schlimmen Rückenschmerzen lieber im Büro gehockt hätte. Aber bis Mittag hielten wir durch - und dann sank Madamchen in einen tiefen Schlaf, der bis 19 Uhr dauerte. Vielleicht doch ein Virus?

Sonnabend dann wieder früh raus, um 6 hatte das Kind Kohldampf, wir waren aber erst gegen 1 Uhr ins Bett gefallen *örks* Mamis Rücken war fast ganz durchgebrochen, die Nerven am Ende und PMS sowieso - also wieder mit Ach und Krach bis Mittag gespielt, aber dann Männe gebeten, doch mit Fridi zur Oma zu fahren, damit meiner einer in Ruhe Mittagschlaf halten konnte, während Papi sich auf seine erste richtige Betriebsweihnachtsfeier vorbereiten konnte. Gesagt, getan.

Artig zwei Stunden gepennt und dann zu Tiita, die mit ihrem Cousinchen Party machte. Man verkleidete sich als Weihnachtszwerge und Niina und ich sollten Bilder machen. Das einzige Problem war, dass immer eine der drei Prinzessinen weinte oder bockte und wir in mehreren Stunden kein vernünftiges Foto zustande brachten *lach* Schliesslich schnarchte um 18 Uhr Baby Laura im Kinderzimmer, Fridas Augen fielen auf meinem Schoss zu und Petra klappte im Schaukelstuhl ab - ein Bild für die Götter =) Mir blieb nichts weiter übrig, als mein Kind auch aufs Bett zu legen und die Heimreise allein anzutreten. Aber so ein Samstag abend ganz allein vor Glotze und PC ist ja neuerdings das reinste Paradies! (früher hätte ich mir die Augen ausgeheult...)

Dann rief gegen 23 Uhr Männe an. Ob ich ihn von der ca. 5 km entfernten Weihnachtsfeierstätte abholen könnte, wie vereinbart, praktisch gleich nebenan. Kein Problem, bin gleich da. Ja, da stand ich dann im Dunkeln auf einem ehemaligen Bauernhof, inzwischen leuchtenden Fackeln und einigen wenigen Partygästen und leiser Musik - aber kein Mika weit und breit. Ich rief ihn an und er sagte, er komme gleich, aber die Musik und Gespräche im Hintergrund waren ganz andere. Komisch. Nach weiteren zehn Minuten frischer Luft nochmal nachefragt, wo in den vielen Gebäuden er denn nun sei. Eine lallende Stimme erklärte mir, dass er auf dem Weg sei, aber nicht wisse wo. Häh???? Ja, keine Ahnung, wir gehen/fahren wohin, aber ich kann nicht sagen wo. Hei, der Junge kennt Jyväskylä wie seine Westentasche, aber mit x+ Promille ist man wohl doch ziemlich orientierungslos. Neee also...

Ich schwankte zwischen Totlachen und Sauersein und sagte "Och, weisste, ich fahre nach Hause, wenn Du nichtmal weisst, wo ich Dich abholen soll!". Blödmann. Typisch Finne. Gewendet, aber doch die Strasse weiter entlanggefahren, in Richtung Zentrum, vielleicht liegt der Arme ja schon halb erfroren im Graben oder rennt irgendwo mit lauter Besoffenen durch den dichten Wald? Und weil es so schön war, auch noch durchs Zentrum durch, wo auch hunderte andere mehr oder weniger bewusstlos durch die Gegend torkelten.

Zwischendurch nochmal angerufen, aber da war besetzt. Auf die Autobahn, ab Richtung nach Hause. Da nochmal telefoniert und Männe meldete sich endlich. Fragte ganz lieb, ob ich denn jetzt komme... und er sei am Cumulus-Hotel. "Ich stehe hier und warte auf Dich" Häääh, wieso denn da aufeinmal? Ich kann ihn ja schlecht abholen, wenn ich nicht weiss, wo er ist *vordenkopfklatsch* Also wieder gewendet, im Stockdunklen zurück ins Zentrum und den Herrn eingesackt, der da ganz trottelig in der Gegend herumstand. Lachend seinen Zustand begutachtet, ein bisschen geschimpft (er wird sich eh nicht erinnern), ausgefragt und nach Hause gebracht. Sie waren wohl mit dem Taxi in die Stadt gefahren (am nächsten Morgen war es dann ein Bus und am Nachmittag dann ein Auto eines Freundes...) und da hatte er dann halt gewartet. Okay, in die Bars hätten sie ihn eh nicht mehr gelassen =)

Wieder zuhause haben wir noch Abendbrot gegessen und gequatscht - und dann klingelte mein Telefon. Ob ich Mika erreicht hätte, sagte sein Papa ganz aufgeregt. Er sollte ihn abholen, aber dessen Handyakku sei alle, er stehe am Citymarket... mir fiel fast das Telefon aus der Hand. Hatte der seinen armen Daddy aus dem Bett gescheucht und auch die fast 20 km nach Jyväskylä geschickt? Wo der ganz strikt gegen Alkohol ist und ganz bestimmt die letzte Adresse, an der sich Männe mit auch nur einer Bierflasche sehen lassen würde? Ach Du liebe Güte... mir blieb nichts anderes, als mich für ihn zu entschuldigen (Männe geht wirklich nur noch 1-3 mal im Jahr aus) und dann konnte ich vor Entsetzen bis 3 Uhr morgens nicht einschlafen.

Sonntags war Männe zum Glück überraschend fidel, stand sogar vor mir auf, konnte sich aber natürlich an nichts erinnern. Na super! Wobei ich manchmal denke, dass die Finnen das nur allzugern vorschieben, um sozusagen unschuldig zu sein, um nicht über alle möglichen Streiche und Peinlichkeiten reden zu müssen =) Später bei Mummo stellte sich dann heraus, dass Mikas Mama (!) tatsächlich um 23:30 gebeten wurde, ihn abzuholen, dass es aber eine andere Stimme war, vielleicht der Freund seiner Cousine. Und dass es sogar sein konnte, dass dieser dachte, seine eigenen Eltern oder Schwiegereltern anzurufen, haha, vor allem, weil der Abholort so komisch war. Chaos perfekt also und niemand weiss, was nun wirklich passiert ist. Finniklicher Weihnachtsfeieralltag.

Halb lachend und halb kopfschüttelnd fuhren wir dann zu unserem ersten Treffen mit meiner friend family Studentin aus Lettland. Ich hatte ja schon einmal geschrieben, dass ich damals während meines Erasmus-Jahres eine ganz tolle friend family mom hatte und dass wir wirklich total viele und interessante Sachen unternommen hatten - und das würde ich jetzt gern jemandem wiedergeben. Vom Nutzen für uns ganz abgesehen. Bisher hatten wir uns irgendwie nie auf ein Wochenende einigen können, reichlich spät also. Aber jetzt war es richtig schön! Sie wohnte sogar in der Strasse, in der ich damals als Studentin gehaust hatte. Holy Roninmäki =)

Wir holten erst gemeinsam Tiita ab, sassen bei Mummo eine Weile auf dem Sofa und fuhren dann gemeinsam mit Grosseltern und Cousinchen nach Korpilahti. Also leicht verschneite mittelfinnische Landschaft angucken, kurz bei Halla, einem echten finnischen Bauernhof (noch ne Cousinfamilie) vorbeigucken (siehe Foto), dabei quatschen und quatschen und sich kennenlernen. Kerzen auf den Friedhof gebracht (ganz weihnachtlich irgendwie) und dann im fast neuen Hafencafé eingekehrt, was jetzt sogar den ganzen Winter über geöffnet ist. Mit superschönem rosa Sonnenuntergang über dem See. Das ist doch etwas, endlich mal ein richtiges Ausflugsrestaurant für alle Jahreszeiten!

Danach waren wir noch zwei Stunden bei uns zuhause. Haben alte Studentenfotos angeguckt (hachja), Glöggi getrunken, Knobibrot und Salat gegessen und mit Frida gespielt. Karten und Wasserball und Katzetragen. So erträgt man also einen verkaterten Finnen! Man lädt sich eine möglichst internationale Freundin ein und redet über Mädelssachen *ggg* statt sich über dessen Schweigsamkeit und Sauferei grün und blau zu ärgern =) War das schön. Ich bewirte ja auch gerne Leute, hätte ja auch gern eine grössere Familie oder öfter Gäste. Ich freue mich schon auf den nächsten gemeinsamen Ausflug. Frida hat sich auch schnell mit Elina angefreundet, sie ist ja eh immer viel umgänglicher und lustiger, wenn Besuch da ist. Und sie ist beim Nachhausebringen fix und fertig im Auto eingeschnarcht. Nice day and nice to meet new people. And to be an almost real Finnish Mom =)

Sonntag, 31. Oktober 2010

Hockeyplanes...

Wenn ich komische Überschriften poste, liegt das daran, dass wir am Wochenende viele verschiedene Sachen gemacht haben und ich nicht immer "viikonloppu" als Überschrift haben kann, haha. Jedenfalls haben wir uns wieder einmal an die frische Luft bewegt, statt unsere vermüllte Bude aufzuräumen. Beziehungsweise ist die ja gar nicht mehr so schlimm, oder besser zu sagen, sie ändert sich dadurch eh nicht... und Zeitschriften, Heuhalme und Spielzeug auf dem Fussboden haben ja auch etwas Gemütliches =)

Männe war zu meiner grossen Freude schon das zweite Wochenende hintereinander zuhause und so sind wir am Sonnabend alle zusammen Eishockey gucken gegangen. JYP-TPS, ein Juniorspiel mit nur ganz wenigen Zuschauern und etwas weniger Atmosphäre als den Ligaspielen, aber dafür war es für Frida weniger stressig und wir konnen in der Eishalle rumlaufen und Quatsch machen, so wie wir es wollten. Wir sind sogar oben zu den Kabinen geklettert, wo die Radio- und Fernsehübertragungen moderiert werden und wo der Papa sonst immer filmt. Sehr spannend.

Natürlich gab es auch die obligatorischen Würstchen und Fleischpiroggen plus Saft und einer ganz scheusslichen salatloser Kebabpita für mich. Und Frida hat sich am meisten über die trainierenden Cheerleader gefreut, da würde sie bestimmt später auch gern einmal mitmachen. Oder gleich bei den Hockey Cats, dem weiblichen Team von JYP. Wenn Eishockey nicht zu den teureren finniklichen Hobbies zählen würde =) Oh, und diesmal hat sie schon absichtlich und sich kaputtlachend "Rentiere" gerufen, als die Schiedsrichter in ihren Zebrahemden aufs Spielfeld schlitterten.

Am spannendsten ist ausserdem immer noch Shampooni, das Auto, das das Eis hinterher und zwischendurch wieder glattmacht und natürlich war es aufregend, als einer der Spieler so aufs Eis klatschte, dass er seinen Schläger verlor und der minutenlang auf dem Eis lag (Frida zeigte und gestikulierte wild!) bis einer der Zebras es zur Bande zurückbrachte. Hihi. Ich weiss übrigens die Regeln immer noch nicht genau, aber auf jeden Fall ist Hockey schneller und aufregender als Fussball, vor allem aufgrund der Musik dabei. Aber meinetwegen würden 2 x 20 min plus Bierpause auch reichen...


Am Sonntag hatten wir eigentlich keinen genauen Plan. Nach dem Aufstehen kam gleich eine bekannte schweizerische Familie vorbei, um den Familienpark-Schlüssel und damit die dort vergessenen Babyschuhe abzuholen. Sie waren auf dem Weg nach Tikkakoski zum Flugzeugmuseum. Mmmh, keine schlechte Idee für einen nebligen Regentag! Also Tiita angezogen, Kekse in die Hand gedrückt und hinterher.

Sie lachte sich wirklich ein Bein aus, als sie die beiden kleinen Jungs dort wiedererkannte, aber ansonsten war sie von den Flugzeugen nicht so begeistert. Vielleicht zu gross, zu klobig und zu alt und sie selbst sagte "die bewegen sich ja gar nicht!" Ich war schon zwei, dreimal dort gewesen (Jyväskyläs Flughafen liegt übrigens auch in Tikkakoski, fast 30 km vom Zentrum entfernt) und fand es eigentlich immer interessant, vor allem, da die Beschriftungen auf deutsch und auf finnisch und sehr ausführlich sind. Nur die Hakenkreuze überall sind mehr als gewöhnungsbedürftig.

Die blauen Dinger sind das Symbol der finnischen Luftwaffe von 1918 bis mindestens 1945 und wurden erst auf einen Hinweis der Allierten abgeschafft, aber das offensichtlich auch nur schweren Herzens. Und natürlich kleben die Dinger noch auf den Tragflächen da im Museum, auf den grossen und auf den Modellen, gehört schliesslich zur Geschichte dazu. Sogar eine Kaffeetasse mit blauer Swastika gab es da zu kaufen. Einem Deutschen krempeln sich da natürlich ganz instinktive die Fussnägel hoch, mir ist schon in der Schule immer ganz schwummrig geworden, wenn solche Symbole in Tisch oder Bank geritzt waren. Gute DDR-Erziehung halt...

Männe fand die jetzt auch nicht so schlimm und betonte, dass die blauen gar nichts mit Hitler und Co. zu tun hätten. Naja, wenn er meint. Ich hätte die sofort übergetüncht und ein paar schicke kühle Finnenflaggen darauf gemalt. Zum Abschied durften wir noch ein paar Cockpits ausprobieren und dann zog es Viida-Dida schon nach Hause. Zu Mummo Päivällinen essen und spielen, dann wieder ab ins Auto und zuhause den Abend ausklingen lassen. Jetzt ist wieder die Zeit, wo man um 18 Uhr seinen Pyjama anzieht, weil es draussen schon stockfinster ist. Im Sommer wären wir da erst losgefahren! Naja, nur noch drei Monate Dunkelheit, dann geht es wieder aufwärts *galgenhumoran*

Freitag, 25. Juni 2010

Mittsommerausflug...

Finnland zieht sich zum Fest der Feste zurück. Alle verschwinden auf ihre Mökkis, alle Läden, Restaurants und sonstige Vergnügungsstätten schliessen ihre Türen (nachdem sie vorher brechend voll gewesen waren, damit alle genug Bier, Salat und Würstchen hamstern konnten).

90% der Finnen sind im Urlaub, in den Büros nur Aushilfskräfte, wenn überhaupt, und alles steht für ein Wochenende, wenn nicht für die nächsten vier Wochen, still. Wer kein Ferienhaus hat, borgt sich eins. Oder besucht Freunde und Verwandte auf denselben. Die Städte sind zumindest leergefegt. Zur Überraschung der wenigen ausländischen Touristen, die ausgerechnet zu Mittsommer nach Jykälä kommen und etwas erleben wollen, hahaha.


Wir sind in der Stadt geblieben, haben aber natürlich dem Land eine Stippvisite erstattet. Erst Ausflug zum Niemijärvi in der Nähe von Kuohu. Essen eingepackt und optimistisch losgezogen, obwohl es am Nachmittag regnen sollte... gegrillt hatten wir schon am Vorabend mit einem Nachbarn, den wir mit der ganzen Familie vergebens zum Bahnhof gebracht hatten, weil die liebe Finnreichsbahn mal wieder über eine Stunde Verspätung hatte.

Am Niemijärvi ein, zwei Kilometer durch den fantastischen Märchenwald gelatscht, der vor 3 Jahren abgeholzt wurde, wo man aber inzwischen schön die wiederauflebende Vegetation erforschen kann. Wo früher Nelson und Häkkinen durch die Büsche gehuckt sind und an jeden zweiten Baum gepieselt haben. Mit Heidelbeerblümchen, Moosen, Weiden, Birken, Waldweidenröschen, Mücken und viel mehr.


Am See fleissig Füsse ins Wasser gehalten, Fischlein beobachtet und trotz der immer noch bibbernden Kälte geärgert, dass wir keine Badesachen mitgenommen hatten. Dann doch mit Frida in ihren Pikkarit und selbst mit superpeinlichem Stringtanga im kalten Nass herumgehüpft. Sieht ja keiner =)

Ausser dass die Mökkis am gegenüberliegenden Ufer alle massenhaft bevölkert waren. Dementsprechend kamen auch ein paar schlechtgelaunte Jugendliche an unseren Strand gerudet. Grüssen können die wirklich nicht... huuahh, rammelten nur im Wald rum, plantschten ein bisschen und hauten dann glücklicherweise wieder ab. Dann kam viel besserer Besuch.


Erst kam eine grau-braune Nase durch das Gebüsch. Huch, ein kleiner dicker Schäferhund und ganz allein. Ein bisschen unheimlich war mir, irgendwie habe ich seit ein paar Jahren Angst, wenn Hunde nicht Nelson heissen. Ganz zutraulich rannte er an den Strand und dann kam auch schon seine Familie hinterhergepoltert, ein Mann mit zwei kleinen Kindern und noch einem riesengrossen hellgelben Hundemädchen. Cool.

Anu und Rocky hiessen und die beiden und waren natürlich total lieb, liessen sich streicheln und rammelten über unsere Decke und steckten ihre dicken Nasen in unsere Proviantbüchsen. Badeten und schüttelten sich direkt vor uns, dass ich mich vor Lachen kaum noch halten konnte. Ach, die lieben Hundetiere... und vor allem hatte der Zwergwolf genauso meliertes Fell und eine graue Nase wie unser verflossener Wauwau. Der grosse war übrigens ein polnischer Owscharka, die hatte ich auch noch nie "in echt" gesehen. Klasse.


Zur Auflockerung kamen gleich danach noch zwei junge Frauen mit einem kleinen, schwarz-weissen Papillonhund. Klar sind grosse Hunde besser. Auch wenn wir sicher einmal einen kleineren haben werden, damit Frida mit ihm spazieren gehen kann. Wenn sie in die Schule kommt spätestens, vielleicht schon ein bisschen eher. Solange müssen wir mit unseren störrischen Katzen vorlieb nehmen.

Die sind momentan übrigens wirklich ein bisschen anstrengend, weil wir sie ja nur an den Flexis draussen im Garten haben können - am liebsten würden sie doch frei rumrasen und die Gegend unsicher machen. Ist aber in der Stadt JKL verboten und die Nachbarn mögen es vielleicht auch nicht, wenn die Viecher in ihren Gärten rumsteigen, von Vögelchen und Autos ganz zu schweigen. Wenn man richtig auf dem Land wohnen würde, wäre das etwas anderes. Aber naja, wir haben ja bald wieder Winter und dann sind sie freiwillig drinne *ggg*


Jedenfalls war der Seeausflug total schön und ein guter Einstieg ins Mittsommerfest. Vor allem, wenn man mit den eigenen Guckern gucken kann. Und total ungewaschene Haare hat, weil man die Augen nicht nass machen darf. Auf dem Rückweg nahmen wir noch trockene Moose für die Meerschweinchen mit, eine ganz tolle, duftende Sommereinstreu, wenn man darauf achtet, dass nicht Millionen von Ameisen mit eingesackt werden. Und überhaupt liegt da so tolles Holz und Zweige zum Basteln... wenn ich nur wüsste wohin mit dem ganzen Zeugs =)