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Mittwoch, 10. August 2011

Lumoava...

Ich musste heute nach ewig langen Zeiten mal wieder ein Wort richtig im Wörterbuch nachschlagen. Lumoava. Als so etwas bezeichnete Helena, eine von Fridas neuen Erzieherinnen, unsere Tochter, und war dabei ganz begeistert. Es heisst zauberhaft, faszinierend, glamourös... und darauf war sie gekommen, als ich berichtete, dass der zweite, private Kindergarten bei uns im Wald um die Ecke angerufen hatte, um uns mitzuteilen, dass dort jetzt noch ein Platz freigeworden war.

Eigentlich hatte sie am Nachmittag beim Abholen gefragt, wie es Frida denn gefällt, ob alles okay ist. Fast erschrocken guckte sie bei meiner Nachricht, und war sichtbar erleichtert, als ich erzählte, dass ich den Platz postwendend abgesagt hatte. Und zwar, weil sich Frida in der jetzigen Kita sichtlich wohl fühlt, weil ich keine Lust habe, sie noch einmal irgendwo einzugewöhnen, weil man beide nur über dämliche Berge mit einem halbstündigen Fussmarsch erreicht, weil der hier etwas billiger ist, die Mama sich über die moderne Architektur und den riesigen Spielplatz freut, die vielen Kinder und der Strassenlärm gar nicht schlimm sind und ich ja hier über einen finnischen Otto-Normalverbraucher-Kindergarten bloggen muss, hahaha.

Im Ernst gab auch noch Pinnis Blog den Ausschlag... demnach kann es nämlich sein, dass man in einem privaten, nur von der Stadt unterstützen Kindergarten keinen Ganztagsplatz bekommt, wenn man selbst zuhause ist. Böse Falle... es kann ja ganz schnell passieren, dass einer von uns arbeitslos wird oder Frida noch Geschwister bekommt. Klar könnte man dann auch noch wechseln, aber das ist mir zu nervig - und auch prinzipiell ungerecht. Zumal eskari, die Vorschule, eher in dem grossen als in dem kleinen Kindergarten organisiert wird, in Fridas Fall sogar in ihrer eigenen Gruppe. Und das ist schon in zwei Jahren.

In Finnland gibt es bei den staatlichen Kindergärten übrigens das subjektive Recht auf einen Platz - das heisst, selbst wenn die Eltern zuhause sind, kann das Kind trotzdem für 0-250 Euro im Monat (je nach Einkommen, private ungefähr 10% mehr) eine Kita besuchen. Das gefällt einigen Leuten gar nicht, weil angeblich so Steuergelder verschwendet werden, aber mit Blick auf meine heimatliche Gesellschaft kann ich nur sagen, dass Kinder aus bildungsfernen und ausländischen Familien so von Anfang an besser gefördert werden können. Müssen muss man ja trotzdem nicht, und wenn man mit mindestens einem unter Dreijährigen zuhause bleibt, bekommt man eine Herdprämie, weil die Stadt so das Geld für den Kindergartenplatz eingespart hat. Sehr durchdacht und effizient. Nur, dass das Kindergeld jetzt von 100 € auf sensationelle 100,40 € (das ist kein Schreibfehler...) erhöht wurde, fand ich etwas mau und auch eigenartig *ggg*

Aber zurück zu meinem schönen Wort... die Erzieherin sagte sofort und aus vollem Herzen, dass sie Frida auch gar nicht mehr hergegeben hätte =) Mit Krallen und Zähnen hätten sie sie festgehalten (sagt man so auf finnisch). Sie sei so fröhlich und lebendig und aktiv, mache gern bei allem mit, esse mit grossem Appetit, lache und freue sich immer, habe gute Ideen und sei ein richtiger Sonnenschein und so. Stimmt... aber sie sei auch ein bisschen wild, sagte eine scheu guckende deutsche Mama. Jaa, aber das macht nichts, sie ist so toll, freute sich die finnische Frau vom Fach. Na dann.


Zur Unterstreichung dieser Lobrede beschloss Tiita, dass man auch mit einem nur kurz rückwärts hingeworfenen heippa gehen könnte, ohne sich richtig zu verabschieden. Rannte grinsend weg und liess sich weder von uns noch von der Fachfrau davon überzeugen, zurückzukommen und anständig "hei hei" zu sagen. So ein Satansbraten. Jaja, sobald Mama und Papa dabei sind, mutiert das faszinierende Geschöpf zur Stinkhexe. Uns war es ziemlich peinlich, aber so ist sie halt. Positiv und negativ mit riesigen Amplituden, mal laut lachend und begeistert und hüpfend und dann wieder brüllend, tretend und bockig wie ne Zicke. Frida live =)

Die Frau zeigte aber wieder einmal wie man es richtig macht. Ging hinterher, auch wenn es sehr weit war, kniete sich vor das abgedrehte Kind, hielt sie fest und erzählte ihr etwas. Danach war Tiita immer noch bockig, aber auch irgendwie peinlich berührt. Überhaupt sind die so genau im Kindergarten, nicht so flüchtig und faul wie wir eiligen Büromenschen und liberal-toleranten Amateure... die Hände werden gründlich abgetrocknet, ggf. noch einmal nachgewischt, alles wird genauestens gezeigt und erklärt, und wenn man das bei allen 20 Kindern machen muss. Die Kinder stehen in einer Reihe, bevor sie zum Essen gehen, alle haben Haussocken oder Schuhe an, auch wenn man schon zu spät kommt und es einfacher wäre, die einfach wegzulassen usw.
 

Es gibt keine Ausnahmen, weil so alles später sehr viel einfacher sein wird, aber die Kinder machen auch mit, weil sie anfangs sich halt noch nicht soviel Widerstand trauen wie zuhause - und dann ist auch schon die Routine da. Sehr beeindruckend. Zuhause könnte ich so Tiita ständig brüllend durch die Gegend zerren, wenn ich meinen Willen durchsetzen würde, da klappt nicht einmal der stille Stuhl. Nur etwas, was sie selber will oder einsieht, funktioniert, und natürlich darf sie nicht hungrig oder müde sein. Motivieren statt verbieten, anders geht es da nicht *seufz* So mauscheln wir uns durch die Abende und sind ab und zu geradezu überrascht, wenn sie jetzt mit vier Jahren anfängt, Grenzen von sich aus einzuhalten.

Ich habe zwar fast zehn Jahre lang Eltern gelesen, aber so ein Kindergartenpraktikum für werdende Eltern wäre wirklich gar nicht schlecht. Gerade uns Kleinfamilienmenschen fehlt immer wieder das Vorbild, wie man das mit den Zwergen denn nun wirklich machen muss. Afrikanisches Dorf sozusagen. Peitsche und Zuckerbrot. Familiencafés, Kindergruppen, Verwandte... ich sauge das immer alles auf wie ein Schwamm, vom Anziehen über Essen bis zum Durchsetzen von Regeln. Und dann ist es komisch, wenn das eigene, ganz lausig erzogene und superwilde Kind so gelobt wird =)

Montag, 1. August 2011

Erster Tag im Kindergarten...

Wie Einschulung kam es mir vor, irgendwie feierlich, als das rot-rosa bekleidete grosse Mädchen heute mit Rucksack und Basecap zum ersten Mal in den Kindergarten marschierte. Passenderweise war die Temperatur innerhalb einer Nacht von 25 auf 12 Grad gesunken. Und die Mama hatte sinnigerweise natürlich nur in die Sommersachen Namensschilder eingebügelt... 

Aber macht nichts, zum Anfang waren statt 21 nur vier Kinder aus Fridas Gruppe da: Iina, Pyry und Mette. Und wir waren sogar die ersten, obwohl wir Tiita nur mit Ach und Krach aus dem Bett bekommen hatten und "erst" um 7:55, fünf Minuten vor dem Frühstück, auf der Matte standen. Aber das war alles halb so schlimm... die Erzieher hatten heute auch ihren ersten Tag, viele Kinder waren noch im Urlaub und alle müssen sich eh erst gaaanz langsam eingewöhnen. Gut, dass die Finns immer die Ruhe weg haben, auch in meinem Büro. Überhaupt unglaublich, dass wir die ersten waren, ich dachte schon, ich habe mich im Tag geirrt =)

Ich war ungefähr eine Stunde mit dabei, beim Frühstück und beim ersten Kennenlernkreis - bevor die beiden Erzieherinnen mir mehr oder weniger sanft zu verstehen gaben, das alles gut läuft =) Frida soll sich von Anfang an dort sicher und gut aufgehoben fühlen, nicht so abgeschoben wie im Ersatzkindergarten, wo sie oft morgens geweint hat. Und ich habe es natürlich auch genossen, mal in einem finnischen Kindergarten zu sein, zu sehen, wo sie essen, wie sie spielen, was man da überhaupt so macht und wie die Erzieher mit den Kindern umgehen. So eine Gelegenheit kommt ja nie wieder...

Leise ist es, sehr leise ist es (für deutsche Ohren), und die Leute sehr sanft und kindgerecht, aber bestrebt, ihnen alles von Anfang an richtig beizubringen und sie zur Selbständigkeit zu erziehen. Buffet also wie bei den Grossen, man stellt sich ordentlich an, räumt hinterher alles getrennt weg, sagt kiitos, geht langsam und als "Zug" zum Raum, und natürlich werden die vielen Klamotten in die passenden Fächer gepackt und die Spielzeuge sind ordentlich wegsortiert. Ach meine Kleine =) Heute abend wird sie bestimmt totmüde sein, aber vielleicht drei neue Freunde und viel zu erzählen haben. 

Dienstag, 21. Juni 2011

Tutustuminen...

Frida hat ihre letzte Woche bei Tante Laura *snif snif* und am Dienstag konnten wir uns ihren neuen Kindergarten angucken, bevor sie für fast sechs Wochen in den Oma-und-Opa-Urlaub geht. Ich war ein bisschen aufgeregt, weil ich nicht nur Gutes von den öffentlichen Kitas hier gehört habe - andererseits vertraue ich finnischen Kindereinrichtungen sehr und bin überzeugt, dass die pädagogisch, fachlich und mami-ersetzend alles tun, was in ihren Kräften und den mehr oder weniger beschränkten finanziellen Mitteln steht. 



Manche meckern, weil in Finnland alle Kids durch das "Schema F" gepresst werden, weil Erzieher und Kitas schneller wechseln, als die Polizei erlaubt und weil immer wieder Mittel gestrichen werden, weil in manchen Einrichtungen Schimmel wächst und nicht immer die gesetzlich vorgeschriebenen Plätze frei sind - aber meine Augen sehen immer wieder die wunderschönen, neuen Kindergärten alle drei Strassen lang, mit riesigen Spielplätzen, freundliche und sich kümmernde Betreuer, overalltragende Steppkes und arbeitende Mamis und spezielle Angebote für Kinder mit besonderen Bedürfnissen, Kita-Beiträge die nach Einkommen gestaffelt und auf 250 Euro gedeckelt sind und eben Einwandererkinder, die dank Kindergarten fliessend finnisch sprechen, wenn sie in die Vorschule kommen. Also, mal selber gucken. Solange der private Kindergarten bei uns um die Ecke keine Plätze frei hat, haben wir ja eh keine Auswahl *lach*

Dienstag also mittags schon von der Arbeit los, die fertig angezogene und draussen wartende Frida von der Tagesmami abgeholt (Service hoch drei) und dann zum Haukkamäki-Kindergarten gekurvt. Auto natürlich erst einmal auf der falschen Seite abgestellt, vorm Altersheim, und dann gefühlte 300 m um das Gebäude gelatscht. Dass ich das kindersichere Tor nur nach minutenlanger Analyse aufbekommen habe, soll hier nur am Rande erwähnt werden. Zumindest hat der Kiga einen riesigen, nochmal unter sich unterteilten Spielplatz, und das ganze wurde, inklusive renovierter alter Hälfte (der liebe Schimmel.... aarrghh) und niegelnagelneuem Anbau erst im letzten August neu eröffnet.


Fridas Gruppe ist im neuen Teil, zum Glück, mit eigener Tür, riesigen Fenstern und schöner Holzterrasse. Habe ich schonmal geschrieben, dass ich meine Plankenterrasse aus der alten Wohnung ganz furchtbar vermisse? =) Überhaupt ist das Kindergartenhaus so, wie ich am liebsten wohnen würde... Pultdach und asymmetrische, fast die ganze Wand einnehmende Fenster, aus Backsteinen und Holz zusammengewürfelt und teilweise bunt angemalt. Innen dann auch ein riesiger Schlammflur, in dem man die Overalls und Gummistiefel abspülen kann, dunkelblau-weiss gefliest und mit topmodernen eckigen Waschbecken (aaahhh).

Dann eine geräumige Garderobe, ein kleines Büro und die hellen, hohen Räume für die Kinder, ein Spielraum und ein Schlafzimmer. Schlafzimmer mit hohen Schränken, in die die genialen klappbaren Doppelstockbettchen gestopft werden, wenn die Zwerge ausgeschlafen haben, grosse Tische und hölzerne Barhocker, Kisten voller Spielzeug, Waschbecken und Malsachen. Nur etwas karg war es doch, keine Teppiche, keine Gardinen, keine Sofas und keine Kissen wie z.B. im Yrttisuo - aber die Frau, die uns herumführte, erklärte, dass das im August ganz anders aussehen würde, wenn die neue Gruppe kommt.

Fridas Gruppe wird nämlich zu meiner grossen Freude ganz neu zusammengestellt, das heisst, sie muss sich nicht in eine bestehende Hackordnung einfügen, sondern kann ganz von einem sauberen Tisch aus (das sagt man so in Finnland) neue Freunde finden. Super. In der Gruppe werden 20 Kinder sein, von 3 bis 6 Jahren, und sie werden von zwei Kindergartenlehrerinnen und einer weiteren Fachkraft betreut. Eins zu sieben ist hier das Verhältnis für die grösseren Kinder, unter drei Jahren sind es vier auf einen Erwachsenen. Ich freue mich, so kann sie sich ihre Freunde aus verschiedenen Altersstufen aussuchen, also die Kleinen betutteln und von den Grossen lernen, wenn sie das möchte. Nur das Gewusel in der ersten Woche, wenn noch die ganzen Eltern dabei sind... weia.

Pirjo, die Frau die uns alles zeigte, war auch richtig nett und machte einen ruhigen und interessierten Eindruck. Dann konnten wir das ganze Haus angucken. Insgesamt 8 Gruppen hintereinanderweg, jede hat so ähnliche Räume wie wir, die durch einen langen Korridor mit farbigen Schleusen verbunden sind, dazu gibt es eine eigene Küche, einen grossen Speisesaal (der mich sehr an meine finnische Fachhochschule erinnerte, haha), Platz für die Vorschulkinder und eine integrative Gruppe. Zur Zeit sind auch noch die Kiddies von einigen kleineren Kindergärten dort, die über die Sommerferien geschlossen sind, wo die Eltern aber noch nicht zuhause bleiben konnten (tsja, knapp drei Monate Schulferien passen nicht ganz zu den vier Wochen Urlaub der Eltern...)

Insgesamt war es aber sehr leer und ruhig, vielleicht drei Gruppen machten gerade Mittagschlaf, die anderen Zimmer waren leer, und überhaupt ist es in finnischen Landen gsd ja immer sehr leise und gesittet. Am meisten freue ich mich, dass die Leute so nett waren. Wir durften zu einigen Erzieherinnen hallo sagen, die Putzfrau kennenlernen (ganz wichtig!), einen Blick in die Küche, die Sporthalle und das Kindergartenleiterbüro werfen - und alle Leute lächelten und grüssten uns freundlich (welch Wunder...denkt der zynische Finnlandeinwanderer).

Ich las natürlich nebenbei alle Namensschilder an den Spinden durch *ggg*, aber was besonders interessantes gab es da auf die Schnelle nicht. Bei uns im suburbanischen "Dorf" gibt es ja auch kaum Kinder mit Migrationshintergrund, oder zumindest fallen die paar europäischen Exemplare darunter schon gar nicht auf. Sogar die Kinder meiner deutschen Freunde hier haben fast ausnahmslos alle finnische Namen, wir sind halt Fennoskandiafans =)


Insgesamt also bin ich doch positiv beeindruckt und freue mich auf Tiitas Kindergartenzeit. Zur Not spenden wir denen mal ein paar gemütliche Einrichtungsgegenstände *lach* aus unserer ausufernden Sammlung. Von der nahen Autobahn, dem ausufernden Palokkaer Verkehrschaos und den vielen Einkaufszentren ringsherum merkt man drinnen nichts (die hatten mich am Anfang am meisten gestört), und draussen ist es mir als geborenem Stadtkind auch nicht aufgefallen. Rushhour ist eh immer dann, wenn auch die Kinder unterwegs sind.

Frida war übrigens am Abend dann so breit, dass sie im Auto eingeschlafen ist, als wir nur von Palokka nach Nuutti gefahren sind, um ihre Turnschuhe für das Fussballtraining abzuholen. Das war es dann mit dem Kicken... dafür haben wir einen Teil unserer aussufernden Jako-o-Bestellung zu Freunden nach Keljonkangas gebracht. Und waren danach unter Mädels bei ABC essen. Wie schön doch Jyväskylä ist. Vor allem jetzt im Sommer und wenn man nicht weiss, ob man für immer hier wohnen bleiben kann.

Mittwoch, 1. Juni 2011

Erdbeerkind...

Nicht nur, dass Frida für Ihr Leben gern Erdbeeren isst und jedesmal vor Freude jubelt, wenn ich die superteuren leckeren finnischen oder ehec-verseuchten deutschen Exemplare in den Einkaufskorb lege - nein, sie wird jetzt auch noch eine kleine Erdbeere. Und zwar ab August in ihrem neuen Kindergarten. Die Gruppe heisst "mansikat" und gehört zum Haukkamäki-Kindergarten, der von uns nur einen (zugegebenerweise sehr steilen) Hügel entfernt ist. Zwar mit sagenhaften 10 Gruppen und direkt an sämtlichen Einkaufszentren und der Autobahn gelegen, aber zumindest die eine Hälfte des Komplexes ist ganz neu und hoffentlich noch nicht verschimmelt, und es ist eben in Zu-Fuss-Geh-Entfernung und hat einen riesigen Spielplatz.

Hoffen wir, dass es Ihr da gefällt und dass wir da wirklich mal hinlaufen und nicht nur das Auto nehmen =) In der Schlange für die private Kita, die hinter uns und ganz ruhig liegt und nur zwei Gruppen hat, sind wir ja immer noch, falls alle Stricke reissen. Nur jetzt im Herbst war da alles voll, obwohl wir uns schon im November angemeldet hatten. Aber egal, so sehen wir zumindest einmal (aus suomilokki-Sicht), was so ein einem stinknormalen öffentlich-rechtlichen Kindergarten abgeht *lach* Klar tut es mir um unsere Tagesmutter leid, die ist sowas von super, aber das Baby wird ja nun einmal gross...

P.S. Und natürlich hat sie wieder bei uns in der Familienkiste geschlafen *ggg*

Dienstag, 29. März 2011

Kindergartenantrag II

Da habe ich doch gerade erst das Tiitababy bei der Tagesmami angemeldet... *snif* Und jetzt geht es wieder einen Schritt weiter. Kindergarten. Weil wir noch nicht wissen, ob wir einen Platz in der privaten Kita bei uns um die Ecke bekommen, wollten wir Frida für den Herbst sicherheitshalber auch bei der öffentlich-rechtlichen Betreuung anmelden.

 
Man muss das jedes Jahr Ende März, auch wenn man bei der gleichen Tagesmami oder dem gleichen Kindergarten bleibt, aber die ordnen dann hin und wieder alles neu und bauen ggf. blitzschnell neue Kindergärten in Lagerhallen und so *lach* Eben weil alle Kinder einen Anspruch auf einen Kitaplatz haben, auch wenn die Eltern zuhause sind, und das notfalls innerhalb von zwei Wochen. In der Praxis werden dann Leute doch schon mal abgewimmelt oder mit einem Platz am anderen Ende der Gemeinde gedroht, wenn die ewig befristet beschäftigten jungen Mamis es doch wagen, wieder arbeiten gehen zu wollen.... Aber im März geht alles noch mit geregelten Dingen zu.

Eigentlich wollte ich Frida vorübergehend wieder bei Tante Laura angemelden, bis ein Platz in Nuutti frei werden würde. Aber ein kurzes Gespräch morgens zwischen Tür und Angel änderte doch alles. Frida könnte ruhig in unseren lokalen Kindergarten, weil sie doch die Kinder kennenlernen soll, die bei uns in der Nähe wohnen und mit denen sie in zwei Jahren zur Vorschule gehen wird. Aijaaa! Stimmt. Klar war mir das schon, aber mir hatte es bisher immer leid getan, Frida von Laura wegzunehmen.

Unsere Tagesmutter ist ja der Schatz schlechthin,sie mag Frida auch sehr, und wie ich unser Maulkind kenne, wäre sie nach einer Woche Kita wieder mit "Buuhhuaa, bei Laura ist es viiiieeeel besser" angekommen. Ist wirklich nicht ganz ausgeschlossen, in den wenigen Tagen im Kindergarten auf "Ersatz" weint sie auch immer morgens... aber sie wird vier! Ich kann mich noch gut erinnern, als Laura vor zwei Jahren von den vierjährigen Kiia und Mikael sprach, die im Herbst darauf im Kindergarten anfangen sollten "Ja, die machen eh schon mehr ihre eigenen Sachen" Brauchen mehr Anregung und so, kein Babywindelnwechseln und Huppsassa.

Frida rennt auch sehr viel und gern, braucht viel Platz zum Toben und sie soll ja auch andere Kinder kennenlernen. Vor allem, weil ihre Freundin Aino da nicht ganz ohne ist, sie kommandiert gern und am Freitag haben sich die beiden so richtig gekloppt, weil Frida (endlich!) sich nicht mehr hat ärgern lassen. Mami hat wirklich gesagt, nächstes Mal haust Du zurück... superpazifistisch, ich weiss, aber das habe ich selbst als Kind zu spät kapiert und jetzt scheint auch Ruhe zu sein.

Deren Mama ist übrigens total cool, richtig nett und zum Pferdestehlen, nicht so zart und tüttelig wie viele andere Finninnen, die ich kenne =) Frida und Aino sind auch richtige Haudegen, beide (zuhause) unmöglich und lernen auch noch voneinander wie man am besten randaliert und frech ist *seufz*, wobei Frida allerdings meist den kürzeren zu ziehen scheint, während Aino wohl ständig im "Aus" sitzt. Und wo anders ist Frida ganz lieb und still und staunt mit offenen Augen... erzählt aber auch mit allen möglichen Leuten (wie die Mama), wenn sie sich erstmal ein bisschen akklimatisiert hat und sieht, dass nichts schlimmes droht.

Also ein grosser Spielplatz, neue Freunde und viel Programm statt häuslicher Umgebung müssen her. Mit dem einen Satz hat Laura sie also "freigegeben" *schluck* und ich habe am gleichen Abend noch Haukkamäki (riesengrosser, ganz neuer Kindergarten mit 10 Gruppen *uff*, Kirri (älter und kleiner, mit drei Gruppen, u.a. unseren ehemaligen Nachbarskindern) und Mannila (weiter entfernt, aber sehr schön gelegen und mit vielen Einfamilienhauskindern) in das Anmeldeformular geschrieben. Huhu. Ganz ohne Wehmut, oder vielleicht doch ein bisschen. Wo ich im Gegensatz zu Männe grosse Menschenansammlungen liebe, the more the merrier!

Mal sehen, wo es klappt. An Kindergärten in der Nähe mangelt es ja nicht, auch ein Waldorfkindergarten und noch ein privater sind in Spaziergangentfernung, aber der kleine direkt hinter unseren Häusern in Nuutti wäre mir am allerliebsten. Unser Baby ist also jetzt auf jeden Fall im August ein Kindergartenkind!

Sonntag, 19. Dezember 2010

Laivakoira...

Da ist meine kleine Tiita doch gerade erst zum ersten Mal zu Tante Laura gegangen - und jetzt habe ich sie schon in einem richtigen Kindergarten angemeldet =) Irgendwie schwebt das schon seit unserem Umzug in der Luft, aber ich habe mich nie richtig getraut, weil sie sich ja bei der Tagesmutter so wohl fühlt.

Aber sie wird nächstes Frühjahr vier und von uns zu Laura sind es wirklich vier Kilometer, quer durch ganz Palokka, während wir hier um unser Wohngebiet herum gleich drei Kindergärten haben: einen öffentlich-rechtlichen ganz neuen und riesengrossen (Haukkamäki), einen privaten in einem gelben Holzhaus auf einem Berg (Aurinkoinen), einen Waldorfkindergarten (Steinerpäiväkoti Otava) und dann noch einen privaten in Richtung Wald in Nuutti (Laivakoira). Sie soll sich ja auch langsam an grössere Kindergruppen gewöhnen und lernen, mit verschiedenen Leuten klarzukommen, ausserdem gibt es in den Kitas natürlich mehr Platz zum Toben als an einem privaten Haus...

Erst wollte ich alle besichtigen, aber jetzt habe ich doch kurzen Prozess gemacht und Frida bei letzterem angemeldet. Der liegt in einem schicken neuen Einfamilienhausgebiet, ein paar hunder Meter entfernt von uns inmitten von wunderschönen hohen Tannen, ist auf Musik, Sport und Abenteuer ausgerichtet und auch viel kleiner, gemütlicher und ruhiger als unser eigentlicher Kindergarten in Haukkamäki. Der liegt nämlich direkt an drei Strassen und der Autobahn, gegenüber von Prisma-K-Rauta-Citymarket-Shoppingparadies und ich bin fast umgefallen, als ich da mal zufuss langgelaufen bin, so ein Lärm war da. Autos überall, Baulärm und gleich zehn Gruppen, weia.

Nee, wenn wir schon ausserhalb von JKL wohnen, dann soll der Kindergarten auch ruhig und familiär sein, vor allem, weil wir ja eh schon so ein durchgedrehtes Rappelkind haben. Ein finnikliches Holzhaus statt Ziegelbau. Und die Sicht ist so wunderschön, wenn man von Nuutti den Berg hinunter zu unseren Reihenhäusern fährt, die liegen so richtig schön ins Tal geschmiegt =) Von zwei Freundinnen habe ich auch nur gutes zu den privaten Kitas dieser Gruppe gehört, also Daumen drücken und mal sehen, ob das was wird. Dass es da eine lange Warteliste gibt, sagt ja auch schon einiges aus...

Das heisst nicht, dass ich im Grunde unzufrieden mit den staatlichen Kindergärten bin, aber in diesem Fall ist die kleine Kita vielleicht wirklich besser. Zumal Tiita während ihres Kindergartenaufenthalts jetzt im Herbst, als Laura krank war, in Pappilanvuori fast jeden Tag in eine andere Gruppe musste und dann die xte Erzieherin/Praktikantin uns morgens immer ganz verdutzt anguckte, so nach dem Motto "wer bist Du denn???" Wie im Småland... und Tiita wollte dann da auch gar nicht mehr hin.... Nee, das muss ja nicht sein. Ist ja nicht so, dass wir hier keine Auswahl hätten *ggg*

Donnerstag, 22. Juli 2010

Neuer Alltag...

So, langsam ist wieder der Alltag eingekehrt, der Herbstalltag bei 29 Grad und komisch leergefegten Strassen, Läden und sanfter Ruhe im Büro. Wo diese Woche sogar ein kleiner Hund namens Milou herumschnüffelt, hihi. Alle anderen sind wirklich noch auf ihren Mökkis. Und unser Alltag ist ganz anders als vorher. Frida geht seit Dienstag in einen richtigen Kindergarten und geniesst es offensichtlich. Viele Spielgeräte, viele Kinder, viele verschiedene Aktivitäten. Sie ist in den drei Tagen vom schüchternen Kleinkind zum aktiven Kindergartenkind gereift und kaspert jetzt da schon genauso herum wie zuhause. Wenn ich sie morgens hinbringe, tappt sie vorsichtig in den Frühstücksraum und will Mama gar nicht weglassen. Wenn ich sie gegen 16 Uhr abhole, rennt sie mir full speed entgegen und dann zeigt sie mir erst einmal halsbrecherische Kunststücke auf den Klettergerüsten, der Wippe und den Schaukeln und stellt mir ihre neuen Freundinnen vor. Puuuh.

Deutsch hat sie übrigens in den letzten drei Wochen auch richtig gut gelernt. Sie fängt tatsächlich an, von ganz alleine germanische Wörter zusammenzubauen und lacht sich ein Loch in den Po, wenn sie "Nein, Mama", "komm" oder "ich" sagen kann oder gar anfängt, ein paar konsonantenlastige unverständliche Sätze zu brabbeln. Wie gesagt, finnisch spricht sie fliessend, sie kann alles sagen was sie will und hält niemals die Klappe *ggg* Aber deutsch kommt in einer ganz komischen Babystimme und mit einer überdeutlichen Betonung, die erkennen lässt, dass es nicht wirklich ihre Muttersprache ist. Auch wenn sie z.B. die erste Strophe von "Alle Vögel sind schon da" auswendig singen kann. Wenn sie fast alles versteht, was Mama sagt, aber strikt auf finniklich antwortet. Und wenn sie mit wichtiger Miene auf dem Klo sitzend erklärt "Äiti, tiet sä, kukka on finnis ja deutschiksi se on Blumä" =)

In Fridas Ausweichbetreuung ist es übrigens immer richtig mäuschenstill. Dabei habe ich Kindergärten und Horts in Deutschland immer mit einer furchtbaren Geräuschkulisse in Erinnerung. Entweder es liegt daran, dass Ferien sind und nur wenige Kinder betreut werden oder die Finns haben wirklich diese magische, stille Ausstrahlung, die auf die Kinder abfärbt. Bei uns zuhause ist es übrigens auch ganz leise, wenn die Kleine jetzt immer um 20 Uhr im Bett liegt und schnarcht, damit sie morgens um 6:30 die Augen aufbekommt (strenger Zeitplan a la mama hängt am Kühlschrank... aber ich habe es immer noch nicht geschafft, nicht neben ihr abends einzuschlafen...)

Unser zweites neues Hobby sind Besuche in der neuen Wohnung. Die Post kommt ja sinnigerweise schon dahin und ich muss alle zwei Tage neugierigerweise nachgucken, ob nicht doch jemand schon gemalert hat. Junge, die haben aber auch eine A...ruhe. Wenn das so weitergeht, sind wir Weihnachten noch nicht umgezogen. Gott sei Dank haben sie vorgestern schon unsere Namen an die Einwohnertafel und den Briefkasten gepappt, wenigstens etwas. Ausserdem müssen wir die halbvertrockneten Stauden vor und hinter dem Haus giessen. Alle dunklen Gewitterwolken ziehen mit schöner Regelmässigkeit über Jyväskylä weg, was wohl den heissesten Juli seiner Geschichte erlebt hat. Naja, am Wochenende soll es kalt und regnerisch werden. Wer's glaubt?

Donnerstag, 4. März 2010

Herbstsemester...

Der frühe Vogel fängt den Wurm. Wobei wir gar nicht so früh sind, immerhin sollte man sein Kind spätestens vier Monate vor Bedarfsanfang für die Tagesbetreuung anmelden. Beziehungsweise zwei Wochen, wenn man ganz urplötzlich arbeiten muss (so wie die meisten der chronisch befristet beschäftigten finnischen Mütter), damit die Gemeinde noch ganz schnell einen Kindergartenplatz auftreiben oder, wie so oft in Palokka, einen Behelfskindergarten in irgendeiner Halle aus dem Boden stampfen kann =)

Aber jetzt haben wir ja einen ganz neuen und einen halbfertigen Kindergarten, einen der demnächst umzieht und einen, in dem auch alte Leute und Menschen mit besonderen Bedürfnissen betreut werden. Und viele mehr in der Umgebung, Kindergärten sind hier wirklich eine boomende Branche. Und ich lass den Zufall spielen... Frida wurde für das Herbstsemester sowohl für ihre geliebte Tagesmutter als auch für die beiden am nächsten liegenden Kindergärten angemeldet. Geht alles elektronisch und ist, wie immer im Finnenlande, sehr ausgeklügelt.

Man meldet sich mit seinen Bankpins an und dann sind da schon Namen, Adressen, Telefonnummern und E-mails voreingetragen, man muss nur noch ergänzen, ob man das Kind kutschieren kann, ob Allergien oder sonstige Unverträglichkeiten in der Familie grassieren, ob man Haustiere hat, ob und wo Mami und Papi arbeiten und ab wann das Kiddie für wie viele Tage und für welche Uhrzeiten eine Betreuung braucht. Dann kann man noch drei Wunschplätze angeben. Alles mit drop-downs, so dass die sofort eine funktionierende Datenbank bekommen. Zum Schluss abschicken, ausdrucken, an die eigene Mailadresse kopieren lassen und fertig ist man - ein Wunder, dass das ganze nicht noch für Facebook, diggit und die ganzen anderen Selbstbeweihräucherdienste teilbar ist =)

Ich bin ja mal gespannt. Frida gefällt es bei Tante Laura, aber andererseits könnte sie mit ihren drei Jahren meinetwegen auch in einen Kindergarten gehen, wo es mehr Freunde, mehr Abwechslung, mehr Spielzeug und mehr Platz gibt. Sie selber würde gern... geniesst es auch, wenn sie ab und zu mit den Tagesmutterkindern dort spielen darf. Aber wir sind so auch super zufrieden, vor allem mit der Flexibilität, Kontinuität und natürlich mit der Ersatzmama selbst. Vielleicht noch ein Jahr. Nur falls ein Baby den Familienplatz braucht, kann es das natürlich haben. Huch, haben wir nicht erst Fridababy für die Tagesmutter angemeldet?

Mittwoch, 17. Dezember 2008

Evakuierung...

Ha, gestern hatte ich noch mit meiner Kollegin darüber gesprochen und heute war es soweit: Tagesmami krank und Frida musste zusammen mit ihren "Geschwistern" evakiert werden. Aufteilung hiess das bei uns früher. Komisch, hatten wir uns doch tatsächlich gestern auf Arbeit doch über die Vor- und Nachteile von Kindergärten und Tagesmüttern ausgetauscht und meine Buchhalterin wies darauf hin, dass Frida sich zu eng binden würde - was, wenn Laura sich mal ein Bein bricht? Dann muss Frida sich eben _dann_ an jemanden anders gewöhnen, war meine Antwort.

Und schon kam abends eine SMS, zum allerersten Mal, dass die Schüsselkrankheit zugeschlagen hätte und wir Frida am Mittwoch ausnahmsweise zum Kindergarten am Sportpark bringen sollten. Zu den "kleinen Apollos". In Finnland ist das zum Glück alles geregelt - es gibt zu jeder Tagesmami eine Ausweichstelle und man muss nicht Hals über Kopf einen neuen Platz suchen oder gar freinehmen. Aber für Frida ist es natürlich schlimm, einfach so woanders abgegeben zu werden. Zum Glück würden Mikael und Kiia auch dort sein. Und wir können ja nicht immer zuhause bleiben.

Alles lief dann relativ gesittet ab. Wir mussten einen Zettel mit Namen und Versicherungsnummern des Kindes und unseren eigenen Telefonnummern schreiben sowie sämtliche Allergien vermerken (noch so eine finnikliche Volksseuche). Dann zum Urheilupuisto. So einem ollen Plattenbau mitten zwischen Stadion, Eislaufbahn und halb-verrotteter Schule. Aber drinnen war es ganz nett. Man übte gerade ein Weihnachtsprogramm ein, ein kleiner Eeli kam uns mit Teddy entgegen und Mami staunte Bauklötze, wie ordentlich die vielen Stiefel, Overalls und Mützen in Regale eingeräumt waren. Alle mit Namen und wirklich piekfein aufgehängt - das bekommen wir zuhause nicht mal mit einem Kiddie hin.

Frida wurde von einer Pipsa herzlich begrüsst. Man weinte ein bisschen, weil alles so nach Neuvola aussah (und weil man sicher merkte, wie nervös Mami und Papi waren), aber als die Tante Frida auf den Arm nahm, guckte sie nur ein bisschen schüchtern und winkte uns sogar nach. Gott sei Dank. Was dann passierte, weiss ich logischerweise nicht. Jedenfalls rief niemand total panisch an, dass wir das kreischende Bündel doch bitte schleunigst abholen sollten. Gegen 16 Uhr liefen wir mit vereinten Kräften wieder dort auf - und wussten dank gleichfarbigen Reima-Anzügen erst gar nicht, welches Plusterkind wir eigentlich mitnehmen sollten.

Aber dann war da doch das vertraute Grinsegesicht. Lief strahlend auf Mami zu und dann glatt vorbei, immer zur Tür hin. Nichts wie weg hier! Während Mama den Frida-Rucksack und den fast verloren gegangenen Bert aus dem Kindergarten holte, ging dann doch die Sirene an. Ojeeeee. Bis zuhausse. Bis ins Wohnzimmer. Bis Frida ausgezogen und ins Bett gelegt worden war. Man war offensichtlich fix und fertig. Und dank Kindergärtnerin wussten wir auch warum - natürlich hatte das Mäuschen nicht auf einer Liege oder Matratze schlafen können, sondern musste 1.5 Stunden auf dem Schoss einer Erzieherin schnarchen. Meine arme Frida.

Und das Schlimmste ist, dass sie morgens wieder wechseln muss. Man hat eine andere Tagesmami gefunden, die auf unsere Kleine aufpassen kann. Gut und schön, aber dann ist wieder alles fremd. Sieben Stunden lang. Und keine bekannten Geschwister. Keine Ahnung, warum die das so machen. Oder ob die plattgedrückte Erzieherin morgen ihre Ruhe haben will? Mich beruhigt allerdings, dass der Tag ansonsten glimpflich abgelaufen ist, also bis auf den Mittagschlaf. Und das ich nicht die einzige bin, die offensichtlich zu blöd ist, Prinzessin Jolanda schlafen zu legen *lach* Und dass wir vielleicht langfristig doch in einen anderen Stadtteil ziehen können...

Mittwoch, 9. April 2008

Eine Familie für Frida...

Heute hat seit langer Zeit mein Handy mal wieder geklingelt. Ich wollte schon die Lautsprecher anstellen und das Ding auf dem Küchentisch legen, um kichernd zu verfolgen, wie der nervende Zeitungsverkäufer am anderen Ende "hallo? hallo? ist da jemand???" ruft, nachdem er seinen 10minütigen Verkaufsmonolog heruntergerasselt hat, als die Worte "Frida" und "hoitopaikka" doch noch in meine Gehirnwindungen fanden. Die Frau wollte etwas zu Fridas Kindergartenantrag wissen, uuuups. Mama sofort ernst geworden - äähm, das ist ja bald soweit.

Also, es gibt wohl hier dank Babyschwemme in der unmittelbaren Umgebung keine Pflegefamilie für unser Baby, ääähm Kleinkind, aber wir könnten ab August einen guten Platz in Heikkilä bekommen. Also auch in Palokka, aber ungefähr 4 km weiter nördlich. Dort sind jetzt zwei Dreijährige und ein zweijähriges Mäuschen, die dann Fridas Tagesgeschwister würden. Genau wie im Kindergarten eine Betreuerin auf 4 Kinder, die alle in einem bestimmten Alter gestaffelt sein müssen. Von deutschsprachigen Familien wusste sie nichts, wollte aber in Jyväskylä noch einmal nachfragen. Wir sind ja berechtigt, sowohl im ehe nicht mehr lange existierenden Landkreis und in der Stadt Plätze zu beantragen. Jedenfalls habe ich erstmal zugesagt.

Nun müssen Männe und ich auf die schriftliche Bestätigung warten und dann laufen wir da persönlich auf. Hoffentlich ist die Tante nett, kennt sich mit Kindern aus und weiss unser extrem anhängliches, gern mal quengelndes, oft ungeduldiges, aber ganz liebes und sonniges Mädchen zu nehmen, ohne ihre Persönlichkeit ganz zu verfinnen *ggg* Hoiffentlich macht sie die Betreuung nicht nur, um wegen ihrer eigenen Kiddies zuhause sein zu dürfen, sondern aus Überzeugung. Hoffentlich hat sie viel Erfahrung, ist aber auch nicht zu altmodisch. Aber vielleicht haben die da auch einen besseren Rhytmus als wir. Und sie bekommt richtig finnisches Essen statt meine Tiefkühlschrankkocherei. Hoffen wir es.

Ansonsten gibt es immer noch die Möglichkeit, dass Mika mit Frida zumindest im Herbst noch zuhause bleibt. Oder noch länger. Bis zu 3. Lebensjahr bekommt man ja hier eine "Herdprämie", wenn man keinen staatlichen Betreuungsplatz in Anspruch nimmt. Das sind in unserem Fall sage und schreibe 450 bis 550 e im Monat, sehr viel Geld. Dazu würde man die 200 e Krippenbeitrag einsparen. Wenn also Männe für 700 e arbeiten gehen würde, wären wir mehr als blöd.

Also, entweder richtige Jobs im September für uns beide und Pflegefamilie für Frida *aaarggghhh* oder halt weniger Kohle, mit der wir allerdings erfahrungsgemäss super auskommen würden, und unsere Kleine bleibt noch zuhause. Wobei ich ja auch immer sage, dass Geschwister, eine professionelle Kinderhütetante, regelmässige Spaziergänge, echt finnische Mahlzeiten, mehr Routine und richtige Spielideen ihr ganz bestimmt nicht schaden. Andererseits mögen so kleine Kinder ja noch ihr gewohntes Zuhause, alltägliche Dinge, lange Morgende im Bett und Ruhe...

Wir entscheiden das im Juni. Vielleicht dreht Männe ja schon nach einer Woche allein mit Kind zuhause am Rad *ggg* Oder ich drehe durch, weil sich hier der Müll stapelt, das Kind vollgesch.. Windeln hat, stundenlang vor dem TV sitzt, vor Hunger weint und abends immer noch im Pyjama herumläuft. Auf jeden Fall wurde uns jetzt die Entscheidung abgenommen, ob wir eine Pflegefamilie oder einen Kindergarten für unser Mäuschen wollen. Sehr gut. Ich bin ja mal gespannt, wie das alles wird. Auf jeden Fall bin ich froh, dass ich sie den Sommer noch zuhause ist. Wo ist nur die Zeit geblieben?

Freitag, 14. Dezember 2007

Kita...

Puuh, ich habe es endlich geschafft, Fridas Antrag auf einen Kindergartenplatz auszudrucken und auszufüllen. Eigentlich wollte ich ja schon im August anfangen, die verschiedenen Einrichtungen höchstpersönlich anzugucken und die beste für das Hasenkind auszuwählen, aber irgendwie ist die Zeit viel zu schnell vergangen. Und mir dämmerte dann auch, besonders nach einem Gespräch mit Männes Cousines Frau Mari, dass es momentan in Palokka so viele neue Babies gibt, dass man froh sein muss, überhaupt halbwegs einen passenden Platz zu bekommen. Wir haben zwar eine Garantie dafür, aber in der Praxis ist es schon so, dass momentan überall Ausweichquartiere gesucht werden und man dann normalerweise in die Kita gesteckt wird, die in der Nähe liegt bzw. wo gerade ein kleines Stühlchen frei geworden ist.

Die wären umgefallen, wenn die deutsche Frau Mutter dort angerufen und gefragt hätte, ob sie denn mal vorbeikommen kann, um zu gewährleisten, dass ihre Prinzessin auch gut untergebracht wird =) Immer mehr Finninnen betreuen ihren Nachwuchs übrigens neuerdings auch zu Hause, dank in D so gescholtener "Herdprämie" namens kotihoidontuki, aber auch, weil sie so viele Kiddies in kurzen Abständen bekommen. Andere würden sehr gern, aber ein Gehalt reicht in den meisten Familien nicht zum Überleben und vor allem für die teuren Hauskredite aus. Ich bin ja mal gespannt.

Auf jeden Fall haben wir als erste Wahl einen Perhepäivähoitaja angekreuzt, also eine von der Gemeinde offiziell beschäftigte Tagesmutter. Da wäre Frida dann tagsüber in einer richtigen finnischen Familie mit Mama, äähm Äiti, und bis zu drei anderen Kindern. Das ganze finde ich gerade für so kleine Mäuse etwas gemütlicher und individueller, als wenn sie gleich in den Kindergarten geht. Ausserdem sollen gerade hier die Tagesmütter sehr erfahren und ziemlich gut geschult sein. Wahnsinn, sie würde lernen, wie man Pulla, Karjalan piirakka und komische Käse-Schinken-Brote isst, sie würde in viel zu dicke Klamotten gesteckt, die Muumins besser kennen als Pittiplatsch und Schnattchen und am Ende gaaar kein Wort deutsch mehr sprechen =) Aber stolz wäre ich irgendwie schon, so ein kleines richtiges Finnenmädchen zu haben.

Als zweite Wahl haben wir die umliegenden Kindergärten, also Ritoniityn und Luhtisen päiväkodit. Beide könnte man auch zu Fuss erreichen, wobei Ritoniity besser aussieht und auch mit weniger Bergsteigen verbunden wäre. Gut finde ich auch, dass dort auch behinderte Kinder sind. Allerdings ist es auch ein Kindergarten, der abends geöffnet ist - also werden die Plätze wohl in erster Linie an Eltern, die Schicht arbeiten, vergeben. Luhtisen päiväkoti wiederum ist mit einem Altersheim kombiniert, so dass die Kleinen gleich eine ganze Schar an Omas und Opas haben.

Dann kommt der Rest... Haukkamäki sieht sehr einladend aus und dort arbeitet die Frau von Männes Cousine. Päivärinteen päiväkoti wäre direkt neben meiner Arbeit, ist aber vielleicht gerade deshalb nicht so gut. Und als allerletztes Heinämäen päiväkoti. Ist zwar ganz in der Nähe, aber mitten im Industriegebiet und scheint wirklich nur ein Ausweichquartier zu sein *grusel* Na, warten wir es ab. Vielleicht müssen wir sie eh im Sommer noch ein bisschen hier behalten, weil die Kindergärten von Juni bis August praktisch im Ausnahmezustand sind. Die Kinder werden zusammengelegt, Betreuer und Eltern sind im Urlaub und und und - keine perfekte Umgebung für einen Anfänger. Aber wir werden sehen... auf jeden Fall bin ich platt, dass unser eben noch im Bauch schwimmendes Marsu jetzt schon in eine Kita gehen soll...