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Sonntag, 3. Juli 2011

Terrassenbau II...

Am meisten habe ich ja seit unserem Umzug meine niegelnagelneue Terrasse vermisst, die wir erst 2009 über die gesamte Breite unseres Reihenhauses gebaut hatten. Hier haben wir nur so olle altmodische, wacklige Quadratplatten von anno knips.

Nachdem der Schnee geschmolzen und auch sonst alle möglichen anderen Sachen erledigt waren (nein, gemalert haben wir immer noch nicht), wurde jetzt der Fachmann vom Dienst, sprich der finnische Opa, eingeladen und los ging es mit dem zweiten Terrassenbau. Nach bewährtem Modell natürlich, Latten auf Steine und darüber geriffelte Bretter, nur durften wir diesmal nicht grossartig breiter und tiefer bauen, als die alte Veranda war, weil wir die Bude ja nur gewohnrechtsmietet haben.

Na gut, vier Meter zwanzig statt drei Meter sechzig breit merkt keiner, dafür mussten wir die Bretter nicht kürzer sägen, sondern konnten sie im Standardmass vom Baumarkt abholen. Nicht ohne vorher Hund Ellu von unseren Freunden Kaitsu und Kirsi besucht zu haben, die uns netterweise ihren Anhänger leihen wollten. Das arme Landseer-Mädchen hat sich bei +32 Grad regelrecht die Zunge aus dem Maul geschwitzt, muss man bei Hunden ja so sagen, und uns lief die Sosse auch nur so den Nacken herunter...

Sonnabend und Sonntag haben also Männe und Pappa gewerkelt, schweigend natürlich, während wir Germanen mehr oder weniger störend dazwischenfunkten und die Klappe nicht halten konnten *ggg* Zum Schluss stand trotzdem ein wunderschönes Terrassenteil. Ohne die ollen Balustraden, die von Farbe uns Stil her eh nie gepasst hatten *freu* Richtig gross sieht der Garten jetzt aus! Und man sieht sogar die Staudenbeete und die Katzen können sich nicht mehr in den Pfosten verfangen. Sehr gut.

Und weil der arme Opa zwischendurch auch noch seine anderen Familienteile kutschieren musste, hatten wir abends und immer mal zwischendurch Pause: also waren Baden an Heikkilästrand und Laajavuori Spa angesagt. Erst bei dreissig Grad draussen und dann bei dreissig Grad drinnen, weil wir innerhalb eines Tages auf knappe 15 Grad draussen gesunken waren. Herrlich beides, immer schön abwechselnd... =) Und Frida ist schon wieder grösser geworden, das merkt man immer, wenn man an die gleichen Stellen kommt. Sie springt todesmutig und schwimmt ganz allein und man muss auch nicht mehr ständig Angst haben, dass sie einfach so umkippt und untergeht. War das schön!

Donnerstag, 4. November 2010

Myyty...

Aijaijaijai.... unser Haus ist verkauft und Sannesuse schuldenfrei und unsere Wohnrechtswohnung abbezahlt und die Miete überwiesen und Visa und das Sparbuch haben auch was abgekriegt.... und jetzt ist auf meinem Konto genau derselbe Stand wie im Frühjahr. Nicht mehr und nicht weniger. Hihi.

Was für ein Riesenprojekt, diese Wohnungssuche, im Mai 2009 mit einem mehr zufälligen Besuch in Kortesuo, unserem alten Wohngebiet angefangen, dann über zig Besichtigungen, zig "was wäre wenn", mehrere Enttäuschungen und einiges Aufatmen dann zu unserem Fast-Ideal-Heim mit sogar einem Zimmer mehr als wir geplant hatten, Abschied von Hochhaus- und Stadt-Träumen, hin zum eigenen Rasen und Spielplatz vor der Tür, Dableiben in Palokka, nervenaufreibende Kreditverhandlungen, schweisstreibende Malerarbeiten, eine bonbonfarbene Wand, viele Kindertränen, einige auch von Mama und eine fast zerrüttete Beziehung, ein paar blaue Pillchen und immer noch herumliegende Ikeatüten und Wollmäuse.

Dann jeden Sonntag mit Katzen am Auto Wohnungsvorführungen abgewartet, immer wieder nachgebessert und gehofft und geflucht und herumtelefoniert und am Ende gar nicht mehr daran gedacht, beim Einkaufen kaputtgespart und Männe zwei Jobs besorgt und sich gewundert, warum andere keinen Geschmack oder kein Geld haben - und jetzt hat sich endlich ein neuer Besitzer gefunden. Die renovieren sogar unser Bad, ich würde so gern das Ergebnis sehen. Das Haus war schön, nur eben zu klein... und anbauen geht im Finnenland ja nicht so einfach. Nelsons Zuhause. Aber der weiss ja eh immer, wo wir sind.

Also puuuh. Geschafft. Abgehakt. So sehr es mir auch in den Fingern juckt, einmal ein skandinavisch rotes oder modern graues Haus mit Wald und See und Wiese und einem blau-gestromten Afghanen zu besitzen - jetzt ist erst einmal Ruhe. Basta, nada, ausruhen und einleben. Ich will nix mehr von Krediten und Grundrissen und Etuovi.com wissen. Von wegen Finnenmantra Besitz ist biller als Miete.... hust und räusper. Ausser jemand will ein klitzekleines neues (!!!) Häuschen in Kuohu-Vesanka für einen Spottpreis loswerden *wohlselbernichtdranglaub* Oder ne schicke Bude mit Glasbalkon in Lutakko... oder oder... Ne Hintertür muss man sich ja immer auflassen =)

Sonntag, 24. Oktober 2010

Fortschritte...

Trotz Halsschmerzen und Husten ein ganz tolles Wochenende. Männe war bis auf Freitag Abend die ganze Zeit zuhause und wir sind richtig gut weitergekommen. Während ich meine Erkältung ausgeschlafen habe, hat er ganz freiwillig sein Zimmer begehbar gemacht, dann haben wir - gerade rechtzeitig vor dem zweiten Schnee - endlich das kleine rote Mökki an seinen endgültigen Platz geschafft und aufgestellt und mit Rindenmulch gefüllt und ich habe bibbernderweise drei Laternchen auf unsere Terrasse gebammelt. Von Sommerdeko also gleich in den tiefsten Winter.

Im Schlafzimmer hängt auch schon eine blinkende Herzchenkette am Fenster und unsere alten Wohnung glänzt seit heute mit niedlichen Tonttu-Vorhängen und einem grün-roten Teppich. Die Zäune im Garten hatten wir ja vor ein paar Wochen schon rausgerissen (siehe Foto), Bilder wieder aufgehängt und Blümchen besorgt. Ob das nun den Ausschlag gegeben hat oder nicht... jedenfalls hat der Mann, der schon wochenlang nach unserer Wohnung geiert, mal wieder sein Angebot um ein paar Hunnis erhöht und wir haben diesmal seufzend, aber doch zufrieden zugestimmt. Schlappe 104.000 statt der anvisierten 107, von 114 ganz zu schweigen, aber sie war ja nun wirklich lange genug zu verkaufen gewesen und wenn sie halt kein Ölscheich haben will, müssen wir uns mit etwas weniger zufrieden geben.

Immerhin elf Tönnchen mehr als wir damals bezahlt hatten. Wenn wir jetzt alle Kredite zurückzahlen, stehen wir mit plus minus 0 da und haben trotzdem unsere Wohnrechtswohnung mit verringerter Miete abbezahlt, das ist doch schon was. Adios nur mein angedachter Urlaub im Süden und meine neue Kamera, aber da Männe jetzt ja auch arbeitet, werden wir wohl bald wieder besser dastehen. Nicht zuletzt aufgrund des über uns schwebenden Pleitegeiers hatte er ja überhaupt angefangen... und wehe, der hört jetzt wieder auf =) Also, vielleicht alles okay, aber wie gesagt, letztens ist der Verkauf ja auch noch im letzten Moment geplatzt. Abwarten und Tee trinken!

Jetzt am WE haben wir uns übrigens wieder überall selbst eingeladen, Mikas Eltern und Tanten besucht, und gestern mit den deutschen Eltern beim Peukkula-Indoorspielplatz gewesen - alles Orte, wo man halbfiebernd einfach nur rumsitzen und zugucken braucht, statt ständig neue Spiele auszudenken, für Essen zu sorgen und gefühlte 99 Kinderfragen pro Minute zu beantworten *lach* Eben gerade war ich schon so fit, dass wir draussen eine halbe Stunde Schnee geschoben und sogar einen Schneebär gebaut haben, richtig mit Möhrennase und Steinaugen und dickem weissen Bauch. Cool, das habe ich auch schon jahrelang nicht mehr gemacht, war total lustig. Meine kleine Frida hat auch fleissig mitgemacht, sie ist auch so süss und schon so gross!

Donnerstag, 21. Oktober 2010

Erleuchtet...

Entweder die bittere Meduzin wirkt schon nach zwei Tagen (eigentlich erst nach einem Monat oder so), oder ich habe wirklich einmal eine Auszeit gebraucht. Heute doch noch zuhause geblieben, obwohl Tiita auch nicht im Kindergarten war - dafür konnte Männe früh für ein paar Stunden auf seine Arbeit und wir haben einfach bis Mittag unseren Husten ausgeschlafen. Super. Wieviel es immer ausmacht, so eine Flunssa gleich am Anfang im Keim zu ersticken, indem man sich wirklich ausruht und nicht ins Büro oder in der Weltgeschichte herumrennt.

Mit Quengelkind Danonino gefrühstückt, Memory gespielt und ab und zu ausgeruht und gar keine schlechte Laune oder Bauchschmerzen gehabt, sogar Männes Gemaule und Langsamkeit ertragen, ohne an die Decke zu gehen. Nur ganz leiche Übelkeit. Oder die Kopfschmerzen löschen die im Bauch aus. Auf dem Weg zum Auto hatte ich sogar einen Hihihi-Anfall, bei dem Männe gleich die Augen verdreht hat. Nachmittags eine Stunde auf Arbeit, um wichtige Mails zu verschicken, Mika und Frida waren derweil auf dem gegenüber liegenden Spielplatz und bei der Würstchenbude, danach bei Mummo verwöhnen lassen. Die hat uns sogar Pannari mit Erdbeergelee gemacht (Eierkuchen vom Blech, schmeckt superlecker) und natürlich quengelt Frida da weniger als bei uns zuhause.

War eine gute Idee... und angeblich haben die auch alle eine Rotznase, es besteht also keine Ansteckungsgefahr. Laurababy war auch da, sogar ganz alleine, während ihre Eltern im Kino waren. Süss die Kleine und lacht richtig viel, ganz anders als ihre sehr ernste grosse Schwester =) Abends hat Männe noch die Anfang der Woche in letzter Not gekaufte dreileuchterige Küchenlampe (sagenhafte 12,45 e statt 129...) angebaut, unter viel Gestöhne und Fluchen und mit ein paar Nothilfeeinsätzen von mir (mein Ex war Elektriker). Hat "nur" drei Stunden gedauert, sieht aber ganz toll aus. Was machen wir bloss mal, wenn es keine Omas und Opas mehr gibt, die solche tollen Sachen können?

Dienstag, 31. August 2010

Vituttaa...

Wenigstens funktioniert jetzt das Internet in unserer neuen Bude, so dass ich schnell und effektiv tippen kann *grrrr*, aber ansonsten bin ich so was von stocksauer. Das v-Wort verwendet man ja als zivilisierter Bürger eigentlich nicht, aber es ist eines der ersten Worte, die ein Ausländer hier lernt - und natürlich gibt es das auch als Verb. Equivalent zum englischen it sucks und zum deutschen Anbrechen, aber durchaus etwas kräftiger ausgedrückt. Eniten vituttaa kaikkea...

Wir sind nämlich supersauer, weil der dämliche Käufer unserer Wohnung sie doch nicht gekauft hat. Vierundzwanzig Stunden vor dem Unterschreiben des Kaufvertrages mitgeteilt, dass er den Kauf storniert, und zwar, weil die Feuchtigkeitsmessung in unserem Bad ergeben hat, dass sich rund ums Klo auf der Fussbodenmatte etwas Kondenswasser gesammelt hat, wo deren superfeine Messgeräte natürlich sofort anschlagen. Und weil das Klobecken einen kleinen Riss hat und die Silikonsäume alle zwei Jahre erneuert werden sollten. Der Feuchtigkeitsmessonkel meinte, das sei bei einem 20 Jahre alten Haus völlig normal und würde sich entweder trockenpusten oder bei der nächsten Reparatur problemlos beseitigen lassen. Aber...

Klar verstehe ich die Phobie der Finns vor allen nassen und vor allen schimmelnden Sachen, ich habe mir ja bei unserem eigenen Hauskauf auch fast vor Angst in die Hose gemacht. Aber das Timing... der Junge hat den Bericht seit fast zwei Wochen und hat nichts gesagt. Der Vorvertrag war unterschrieben, der Banktermin vereinbart und wir alle sind fest davon ausgegangen, dass sie auch den Messbericht akzeptiert haben. Vor allem, weil die Krepelbande noch sooo über unsere Wohnung gemeckert hatten, weil sie von Anfang an zur Maklerin meinten, dass sie ja "eh alles" hier remontieren müssten! Wer hier schon war, weiss, dass das nicht ganz so ist.

Wir hatten fest angenommen, dass sie ohnehin das Bad rausreissen und neu machen würden - genauso wie wir das vor drei Jahren gemacht hätten, wenn nicht eine kleine Hugoliina dazwischen gekommen wäre. Mosaikfliesen statt Plastefussboden. Und genau die gleichen Leute hatten in der ersten Vorführung versehentlich den Griff von unserem Herd abgerissen, erst ein lausiges Angebot gemacht, dann auf unser Gegenangebot ewig nicht reagiert und letztendlich doch erhöht... nur um dann in der letzten Minute doch abzusagen.

Mich fuchst auch unheimlich, dass die Tante Maklerin unser Haus schon vor fast einem Monat aus dem Internet und den Immobilienzeitschriften genommen hat, obwohl - wie sich jetzt zeigt - noch gar nichts in trockenen Tüchern war. Normalerweise kann man bei solchen Stornierungen das Handgeld von 4% einsacken, aber da der Feuchtigkeitsreport Bedingung des Kaufes war, wird auch das flachfallen. Obwohl im Vorvertrag davon die Rede ist, dass bei der Beurteilung der Massgeblichkeit das Alter und der besichtigte Gesamtzustand eine Rolle spielen... wenn sie also von Anfang an meinten, das Bad eh zu remontieren, dürften sie aufgrund dieses Berichtes nicht absagen - oder wären das Handgeld los. Nur, dass wir deren Blabla nicht schriftlich haben.

Aber die Maklerin sagt auch, dass so etwas sehr selten vorkommt. Und dass es vielleicht besser ist, nicht an DIESE Leute zu verkaufen, weil sie sonst vielleicht später noch wegen etwas anderes Regress anmelden. Recht hat sie. Mutta mua vituttaa niin älyttömästi tää koko hommaa. Sollen sie doch ein neues Haus für 140 Tonnen kaufen, wenn sie alles tipp topp haben wollen. Man mich kotzt das an. Jetzt fangen wir wieder von vorn an, müssen weiterhin zwei Wohnungen von einem Gehalt bezahlen und haben einen ganz tollen Feuchtigkeitsbericht in der Tasche. Aber Männe hat schon rumtelefoniert. Immerhin haben wir eine Baufirma in der Bekanntschaft, der Fussboden lässt sich trockenpusten und eigentlich ist neuerdings sogar die Hausgemeinschaft für die Klobecken verantwortlich. Mal sehen.

Es wäre nur so viel einfacher gewesen, das Ding so wie es ist zu verkaufen und die neuen Leute nach ihrem eigenen Geschmack im Bad wirbeln zu lassen. Alter und Zustand sind ja im Verkaufspreis eh berücksichtigt, also dass Küche und Bad bewohnbar sind, aber nicht mehr heutigen Schönheitsidealen entsprechen. Das wissen wir auch selber. Arrrgggh. Aber vielleicht ergibt sich ja was. Unser Haus ist inzwischen bei den ständig steigenden Jyväskyläer Preisen schon sensationell billig geworden und die Maklerin sagte, dass auch nach dem Vorvertrag noch Leute bei ihr angerufen haben. Haus plus neues Bad ist immer noch billiger als Neubau, und immerhin wohnen wir nicht in einem Plattenbau oder in einer 70er Jahre Ruine *gottseidank*. Voi vittu kuitenkin. Ei voi olla totta. Auf finnisch kann man übrigens viel besser fluchen als auf deutsch. Perkele.

Sonntag, 22. August 2010

Luft raus...

So, jetzt reicht es mit der Kramerei. Am Donnerstag haben wir zum ersten mal GAR NICHTS gemacht, einfach nur draussen mit Frida gespielt, Abendbrot gegessen, ein bisschen in die Glotze geguckt und ins Bett gegangen. Ich weiss gar nicht mehr, wann wir zuletzt so einen Abend hatten - vielleicht vor drei, vier Wochen? Das Wohnzimmer sieht bewohnbar aus, mein Zimmer ist richtig schick, Fridas sieht aus wie ein rosa Prinzessinenparadies und Mikas Büro, die Bäder und Flure sind halt hier und da noch voller Kisten und Krempel, aber wen stört's?

Dreissig Kisten hat Niemi schon abgeholt und für den Rest zahlen wir 5 Euro am Tag - also geht das auch noch bis Anfang nächste Woche. Die ersten Tage haben wir nur gewirbelt und sortiert, aber jetzt ist die Luft raus und alles wird nur noch gaaaanz langsam und nacheinander eingeräumt. Aber sonst wären wir ja auch wahnsinnig geworden, vor allem Frida, die nur noch von einem Schürzenzipfel zum anderen tigerte.

Übrigens haben wir tatsächlich jeder ein eigenes Zimmer, aber Männe und Kind dürfen bei mir schlafen *ggg* So schlimm steht es um die Beziehung also doch noch nicht, wenn auch nach wir vor mehr die Fetzen fliegen, als mir lieb ist. Aber wir sind alle drei totale Individualisten, sehr eigensinnig und als Einzelkinder aufgewachsen, und da ist eigener Freiraum extrem wichtig. Lieber jedem sein eigenes Zimmer, in dem er machen kann, was er will, als sich tagein, tagaus über Rallyautoposter, Hundebücher und rosa Luftmatratzen die Augen auszukratzen. Und besuchen kann man sich ja immer noch. 

Frida hat übrigens die allererste Nacht zumindest bis 4 Uhr in ihrem eigenen Bettchen verbracht, aber inzwischen geht sie entweder sofort bei Mami und Papi schlafen oder sie liest noch ein bisschen mit Mami in ihrem Zimmer, sagt dann aber "Los, wir gehen zu Dir". Das sagt sie so lieb, dass ich sie  natürlich nicht zwingen kann, bei sich zu bleiben =) Nur die Katzen machen einen wahnsinnig. Denen gefällt der neue Garten nämlich so gut, dass sie nur noch draussen bleiben wollen. Oder in einem Affenzahn zur Terrasse rausrauschen, so dass man sie unmöglich an die Flexi legen kann. Alva war schon einmal unterweg und gestern musste ich Ouni aus dem Strassengraben fischen. Nicht gut. Hoffentlich wird es im Winter besser. Sonst müssen wir sie doch gegen einen Vierbeiner tauschen, der gross und tapsig ist und nicht klettern kann.

Ansonsten ist total viel passiert und ich habe auch wunderschöne Bilder vom finniklichen Spätsommer, aber in all dem Wirbel haben wir verpasst, das Internet umzumelden. Wie das passieren kann, weiss ich auch nicht *lach*, aber vielleicht ist es ganz gut so, weil wir uns so besser um die Trümmer und das Kind kümmern können. Mails und Facebook lesen gehen auch auf dem Handy und nach der Arbeit, und was man da nicht schafft, war wohl eh nicht wichtig. Witzig, der Gegensatz vom total verbloggten Juli zum ganz stillen August. Aber Ihr habt ja auch noch was anderes zu tun *ggg* Übrigens haben wir jetzt wirklich ein Kaufangebot für unser Haus, aber wir müssen noch die Feuchtigkeit messen lassen. Drückt Daumen, dass alles okay ist. Und dann ist erstmal Ruhe für die nächsten 1-2 Jahre =)

Sonntag, 15. August 2010

Maigasse...

Jihhaa, wir sind endlich umgezogen. Ganz andere Welten... irgendwie fühle ich mich jetzt richtig als Familie, als Mami, als ernstzunehmendes volljähriges Wesen, was mit Vater, Mutter, Kind in einem richtigen Erwachsenenzuhause mit Spielplatz vor der Tür wohnt (nicht lachen!) anstatt eines bunt zusammengewürfelten Pärchens, was vielleicht nur zufällig ein Baby bekommen hat *ggg* Bisher hatte ich mich (mit Ü30), auch auf Elternabenden immer gewundert, dass da soviele "junge" Leute herumkrebsen =)

Und wir sind tatsächlich erst umgezogen, als Tiita drei Jahre alt war - so hatte ich das ganz langfristig geplant, aber letztes Frühjahr schon zweifelnd über Bord geworfen, als die ersten Anträge liefen. Wer hätte damals gedacht, dass die Warterei tatsächlich 15 Monate dauern würde? Nein, wählerisch waren wir auch gar nicht =)

Aber zum Umzug: Erst hatte ich gewaltig Muffensausen, weil von den ca. 100-150 eingeladenen mehr oder weniger guten Freunden (Uni, Rally, Facebook und co.), die grosse Masse aus mehr oder weniger plausiblen Gründen (Sommersonntag...) abgesagt hatte. Meine Familie und alte Freunde können ja nicht extra aus D anreisen. Und die Finns, die sich gar nicht melden, würden ganz bestimmt auch nicht kommen, darunter unsere sogenannten besten Freunde (räusper), die wir erst vor zwei Wochen auf der Rally mit unserer Anwesenheit beglückt hatten. Typisch.

Aber hier und da kam doch eine "Ja, ich komme" SMS und Männe erwähnte auch ein, zwei Namen, die garantiert helfen würden. Jeder einzelne war Gold wert! Aber so ist das eben, wenn man massig Leute kennt, aber kaum richtig gute Freunde hat. Laster und Umzugsmann mieten wäre auch gegangen, aber das sind dann ja auch bloss 1-2 Mann für horrende Kosten *hust* Ganz zu schweigen davon, wievielen der oben genannten Kandidaten wir in den vergangenen Jahren schon die Möbel in und aus der Bude getragen hatten.

Dazu als Anmerkung, dass finnische Wohnungen grundsätzlich mit weissen Einbauküchen, allen Badschränken, normalen Herden und grossen Einbauschränken ausgestattet sind (was für eine göttliche Erfindung!), die fest installiert sind, so dass man immer "nur" Betten, Sofas, Tische, Sessel, Waschmaschine und persönlichen Krimskrams schleppen muss, aber keine gigantischen Schrankwände. Vielleicht auch ein Grund, warum die Finns so gern und so oft umziehen - es ist sehr viel einfacher als in D und lässt sich durchaus nur mit Vitamin B und ohne fachliche Hilfe bewältigen. Und man kann die zukünftige Bude, Schule und Kindergarten bequem in Street View begucken - das nur mal zur aktuellen Diskussion.

Also der Tag der Tage. Morgens früh raus, dann zukünftige Wohnung mit schickem neuen Laminat begutachtet und bei ABC Frühstück gegessen. Bei Kaitsu-Kumpel einen riesengrossen Anhänger abgeholt, in den unser Focus selbst gepasst hätte. Eine Stunde verquatscht, die hatten nämlich einen tollen riesigen Landseer mit braunen Tupfen und ganz gelben Augen. Nein, wir haben gar kein Hundefieber und zuhause wartete ja gar nicht jede Menge Arbeit... Eine Stunde vor Anpfiff die Kisten nochmal inspiziert, mit rosa Aufklebern verziert, Generalstabsplan überarbeitet und schlimmste Unordnung beseitigt.

Dann kam auch schon Männes Tante und los ging's. Die ersten der 60 Umzugskisten (sehr empfehlenswert, 16 Cent pro Stück und Tag von Niemi) in ihren Volvo verfrachtet. Inzwischen schneiten Sami, Timo und Cousins Jani und Katriina zur Tür hinein. Wir Frauen spezialisierten uns dann darauf, das Geschirr in die herumliegenden Keskisuomalainens einzuwickeln, während die Kerle die drei Dutzend Schlafzimmerkisten in ihre Obhut nahmen. Eine halbe Stunde später (oder waren es doch nur 10 Minuten?) drehte ich mich zufällig um. Schlafzimmer leer!!! Unglaublich.

Die Finnenmänner sind aber auch effektiv. Kein Wort, kein Gruss, einfach nur rein und hochheben und raus. Keine ewigen Diskussionen, keine (gesprochene) Planung, einfach stillschweigendes Übereinkommen und die Sache flutscht. Darüber wundere ich mich schon jahrelang... irgendwie müssen die einen siebten Sinn haben, über den sie kommunizieren. Klar, am Handy kann man stundenlang quatschen, aber wenn sie zusammen sind, fällt wirklich kaum ein Wort. Oder halt nur Blödelei, und die Sache passt trotzdem. Der Unterschied ist mir spätestens dann aufgefallen, als meine beiden deutschen Freunde plus Baby hier aufkreuzten.

Wie bei uns üblich, begrüsste man sich freundlich und redete über alles mögliche, fragte zwischendurch nach, was und wie wir als nächstes nehmen, sprach über eigene Umzugspläne und die Wohnung im Allgemeinen und so weiter - aber dafür waren wir auch ein bisschen langsamer beim Packen *ggg* Wobei die Germanen wieder länger blieben, sehr viel netter waren und gründlicher räumten - die Finns waren nach drei Stunden nämlich schon wieder spurlos verschwunden, obwohl hier und da noch Krempel herumlag und das Bier noch unangerührt im Kühlschrank stand *sprachlossei* Die Finnenfrauen sind übrigens noch ein besseres Modell, die sind freundlich _und_ schaffen mit wortloser Kommunikation =) So viel zu meinen interkulturellen Studien unter Belastungsbedingungen.

Die Grosseltern hatten netterweise in der neuen Wohnung schon Kaffee gekocht und Kuchen mitgebracht und da sassen wir dann auf unseren Trümmern. Aber auch sehr viel besser, als ich befürchtet hatte. Als wir von unserer Etagenwohung in das gleich grosse Reihenhaus gezogen waren, konnte man dort nämlich vor Tüten und Kisten kaum treten und wir hatten noch wochenlang später Platzangstphobien. Aber jetzt stand zwar überall etwas, aber man konnte dazwischen problemlos laufen und die Lage überblicken. Die gemieteten Kisten in nur ein-zwei Reihen sauber übereinander, Fridas Sachen in Fridas Zimmer (klar, wenn man von oben schon sieht, was in den Boxen drin ist!), mein Krempel in meiner Bude und Männes Utensilien bei sich, so im grossen und ganzen.

Und auf ganz magische Weise waren unsere Möbel geschrumpft! Ich dachte ja immer, dass die neue Wohnung trotz vier Zimmern mit ihren 81 qm relativ klein wäre. Dass wir kaum unseren Küchenschrank in die Essecke und das Sofa gerade so an die einzig mögliche Fensterseite quetschen könnten und dass ausser dem Doppelbett nicht viel mehr in mein Zimmer gehen würde. Aber das ist gar nicht so.

Im Gegenteil, mein kleines neues Zimmer ist ganz bestimmt genauso gross wie unsere alte, sehr grosses Schlafstube. Und in die Essecke würde locker auch ein 6er Tisch passen. Nur im Gesamtverhältnis hatte alles vorher so gewirkt, als ob es mehr Zimmer auf der gleichen Fläche wie unser altes Haus wären. Dabei ist alles grösser, heller und sogar viel höher. Irgendwann in den 90ern hat man nämlich in Suomi neue Standards zur Raumhöhe gesetzt. Absolut geil und gigantisch, so viel Platz. Sogar die Katzen sind ganz winzig geworden, hihi. Nur die vielen Autos vor dem Garten stören, aber das hören wir bestimmt bald gar nicht mehr.

Die Meerschweinchen konnten auch gleich den Rasen begutachten (natürlich ist der auch höher und grüner!), Frida spielte ganz stolz in ihrem Zimmer (mit karamellirosa Wand) und meiner einer wandelte von einer Ecke zur anderen und griente bis zu den Ohren (häppi!!!). Cool. Eine richtige Familie. Ein richtiges Haus. Es hat sich gelohnt, so lange zu warten. Jetzt müssen wir nur noch die Kisten auspacken und zurückbringen (10 Euro laufende Miete pro Tag...) und die alte Wohnung von den Wollmäusen befreien und verkaufen und dann sind wir fertich. YESSSSS!

P.S. Frida hat ganz von sich aus vorgeschlagen, dass ja Omi und Opi aus Deutschland in unsere alte Wohnung ziehen könnten. Ja, wieso eigentlich nicht *lach* Wenn das alles so einfach wäre!

Samstag, 7. August 2010

Malermeister...

Also nee, falls jemand denkt, dass wir schon längst umgezogen sind - nein, natürlich nicht. Wir haben zwar schon seit dem 12. Juli die Schlüssel, aber eigentlich sollte die Wohngesellschaft ja malern. Von denen alle, so wie ganz Finnland, im Urlaub waren. Letzte Woche hat Männe dann doch mal mehr oder weniger genervt da angerufen und es stellte sich heraus, dass sie uns wohl doch vergessen hatten *rrmmm* Nicht ganz so schlimm, weil es ja eh ätzend heiss war. Die wollten dann anrufen, wenn sie anfangen.

Umso mehr wunderte/freute ich mich letzten Donnerstag, als ein grosser Eimer im Flur stand und die ersten hässlichen Tapeten abgerissen waren. Oh, es geht los!!! Einen Tag später sank allerdings schon wieder die Stimmung - in der Stube und in meinem Zimmer waren statt der mehr oder weniger nackten Wände olle Allerweltsmustertapeten aufgetaucht. Neeeeinnn!!!! Die sollten doch malern!!! Und nicht eine hässliche Tapete durch eine noch hässlichere ersetzen. Meine liebe Güte. Auf dem Fussboden lag noch eine Auftragsliste, auf der keineswegs alle von uns beschriebenen Mängel zu beseitigen waren, sondern eben nur hier und da etwas. Schwarze und braune Wände weg, aber sonst nichts. Perkele!!!

Gut, dann müssten wir den Rest selber machen. Alles wieder runter. Und richtig sauer wurde ich, als mir am Montag einfiel, dass wir ja schon den lieben langen Juli und in meiner Urlaubswoche hätten malern und längst einziehen können, wenn die Idioten rechtzeitig gesagt hätten, dass sie eben nicht malern, sondern wieder olle Tapete ankleben. Unter anderem ein Grund, wieso ich diese Woche so schlecht gelaunt war und tagein tagaus mit Magenschmerzen zu kämpfen hatte (neben Quengelmika und Quengelfrida). Ei voi olla totta. Aber was solls, vom Haareraufen werden wir auch nicht fertig.

Also Dienstag gleich nach der Arbeit zu Terra gesaust und neben Männes Geburtstagsgeschenk (Happy birthday, Schatz!) jede Menge Pinsel und Rollen und Malerband gekauft. Gleich die Familie eingesackt und nach Nuutti gefahren. Huch, wir mit unseren linken Nerdpfötchen, hahaha. Aber diesmal wusste ich ausnahmsweise, was ich wollte. Tapete runter und zwar zumindest in Fridas und meinem Zimmer, in dem inzwischen schon drei verschiedene Texturen an der Wand waren (!).

Glücklicherweise finden wir im Kinderzimmer an - dort brauchte man nämlich nur an der Tapete zu ziehen und schon kam sie ganz trocken und in ganzen Bahnen von der Wand herunter. Herrlich! In meinem Zimmer dauerte es dann schon länger. Drei Lagen an der schwarzen Wand, puh, und natürlich musste man immer warten, bis das Papier endlich durchgeweicht war - und gleichzeitig noch eine zappelige Frida besänftigen. Das also, bis die Kleine ins Bett musste, aber immerhin, schon ein Anfang.

Am Mittwoch Pause wegen grauenhaftem Gewitter und allgemeiner Weltuntergangsstimmung. Donnerstag dann Verstärkung. Männe hatte seinen lieben Cousin und dessen Familie zur fachmännischen Begutachtung und zum Verputzen eingeladen. Es war schon viel lustiger mit drei Kindern und mit genügend "fremden" Leuten, die zumindest den schlimmsten Familienkrach in Schach hielten (ich kann mir wirklich vorstellen, dass sich viele Leute nach einem Hausbau scheiden lassen...). Danach ging es mir auch im Kopf sehr viel besser *ausquatschenkonnte*

Angesichts der immer noch halbfertigen Bude nahm ich am Freitag Urlaub. Jani war auch wieder dabei, als wir endlich die Wände schleifen, grundmalern und mit dem ersten richtigen Anstrich überziehen konnten. Bei einer Affenhitze natürlich, immer noch freut sich Finnland über 27 Grad im Schatten *puuuh* Ausser mehreren Meerschweinchenställen hatte ich noch nie Wände gestrichen, Männe auch nicht, aber wir beide schlugen uns wacker. Schön war es auch, mal in Ruhe durch den Baumarkt streifen zu dürfen. Und schön war es, eine Wand ganz alleine fertig malen zu können, während Mika schon Klein-Frida abholte. Sah richtig gut aus!

Zusammen sind wir dann baden gefahren. Niemijärvi nach langer Zeit mal wieder. Und glatt kamen uns auf dem Weg die gleichen grossen Hunde entgegen, Rocky und Anu. Nur, dass ich diesmal vor Angst fast in die Hose machte, weil sie uns lange allein gegenüberstanden, sehr aufmerksam guckten und sogar ein bisschen knurrten *gruuusel* bis endlich der Besitzer mit seiner Familie nachguckte, wer denn da wem einen Riesenschrecken einjagte. Tiita rannte übrigens splitternackt durch den Wald, ein Bild für die Götter! Dann wurde gebadet und geplantscht und sogar Mika stand bis über die Knie (!!!!!) im Wasser.

Aber insgesamt sieht die Natur wirklich schon anders aus. Sehr gelbe Gräser und hellorange Ebereschenbeeren und weisse Waldweidenröschenschleier und alles in weichem, rötlichen Abendlicht - das ist nicht mehr Hochsommer, sondern die ersten Vorboten des Herbstes. Weiss man, wenn man lange genug im hohen Norden gewohnt hat, hehehe. Aber zum Glück dauert es dann doch meist bis Mitte Oktober, bis es richtig schlimm wird =)

Heute dann die allerletzte Malerei. Mit Frida zusammen "nur ein Stündchen" in die Bude, Tiita die karamellirosa Wand in ihrem Zimmer begutachten lassen und dann der zweite Anstrich. Klar, mit dreijährigem Assistenten etwas schwierig. Aber irgendwie hangelten wir uns doch von Minute zu Minute und Pinselstrich zu Pinselstrich. Frida durfte auf der Terasse mit Wasser pinseln, die Balustraden anmalen, einmal mit Mama die Farbrolle hoch und runter rollern *ojeee*, eine ganze Wand unten mit dem Pinsel streichen und dann sind wir halt abwechselnd auf dem Spielplatz gewesen oder spazieren gegangen. Heikel ist sie wirklich, quengelt immer, mault oder will helfen oder ist gar nicht zufrieden mit dem Extraprogramm, was man sich für sie ausdenkt... eine richtige kleine Majestät mit eigenem Dickkopf (wie die Mama...).

Aber wir haben es geschafft. Puh, nach zwei Abenden, einem Tag und einem Nachmittag - mein Zimmer ganz in weiss und Fridas in weiss mit einer knallrosa Wand. Wenn das nicht schick ist. Irgendwann male ich bestimmt noch den Flur und wenn wir ganz viel Langeweile haben das mit oller Mustertapete beklebte Wohnzimmer. Aber angesichts der Zeit, die wir bisher gebraucht haben, bin ich heilfroh, dass wir die Tapete im Wohnzimmer erst noch drangelassen haben. Im Urlaub oder als kinderlose Familie wäre das kein Problem, aber so würde sich das alles noch wochenlang hinziehen. Ich weiss wirklich nicht, wie Freunde von uns mit zwei kleinen Kindern ihr Einfamilienhaus bauen (manche Finnenkids wachsen förmlich auf der Baustelle auf...), wenn wir schon beim Malern verzweifeln *ggg*

Aber jetzt isses fertig. Hat Spass gemacht und gar nicht viel gekostet. Und ein Angebot für unser Haus haben wir auch schon, aber ich versuche, das noch ein bisschen hochzuhandeln. Immerhin sind 2-3 Tonnen schon ein ganzer Urlaub. Oder hunderte Farbeimer. Oder ne ganze Malerbrigade. Mein allererster grosser Schwarm war übrigens auch Maler *ausdemnähkästchenplauder*... Am Dienstag kommt das Laminat und vielleicht können wir nächstes WE endlich umziehen. Frida hat auch schon gefragt "Äiti, tiet sä, kun tämä on meijän asunto, mä ihmettelen, miks meidän tavarat ei oo siellä?" (Mami, weisst Du, wenn das unsere Wohnung ist, ich wundere mich, warum sind unsere Sachen nicht da?) Tsja... gute Frage!

Donnerstag, 22. Juli 2010

Neuer Alltag...

So, langsam ist wieder der Alltag eingekehrt, der Herbstalltag bei 29 Grad und komisch leergefegten Strassen, Läden und sanfter Ruhe im Büro. Wo diese Woche sogar ein kleiner Hund namens Milou herumschnüffelt, hihi. Alle anderen sind wirklich noch auf ihren Mökkis. Und unser Alltag ist ganz anders als vorher. Frida geht seit Dienstag in einen richtigen Kindergarten und geniesst es offensichtlich. Viele Spielgeräte, viele Kinder, viele verschiedene Aktivitäten. Sie ist in den drei Tagen vom schüchternen Kleinkind zum aktiven Kindergartenkind gereift und kaspert jetzt da schon genauso herum wie zuhause. Wenn ich sie morgens hinbringe, tappt sie vorsichtig in den Frühstücksraum und will Mama gar nicht weglassen. Wenn ich sie gegen 16 Uhr abhole, rennt sie mir full speed entgegen und dann zeigt sie mir erst einmal halsbrecherische Kunststücke auf den Klettergerüsten, der Wippe und den Schaukeln und stellt mir ihre neuen Freundinnen vor. Puuuh.

Deutsch hat sie übrigens in den letzten drei Wochen auch richtig gut gelernt. Sie fängt tatsächlich an, von ganz alleine germanische Wörter zusammenzubauen und lacht sich ein Loch in den Po, wenn sie "Nein, Mama", "komm" oder "ich" sagen kann oder gar anfängt, ein paar konsonantenlastige unverständliche Sätze zu brabbeln. Wie gesagt, finnisch spricht sie fliessend, sie kann alles sagen was sie will und hält niemals die Klappe *ggg* Aber deutsch kommt in einer ganz komischen Babystimme und mit einer überdeutlichen Betonung, die erkennen lässt, dass es nicht wirklich ihre Muttersprache ist. Auch wenn sie z.B. die erste Strophe von "Alle Vögel sind schon da" auswendig singen kann. Wenn sie fast alles versteht, was Mama sagt, aber strikt auf finniklich antwortet. Und wenn sie mit wichtiger Miene auf dem Klo sitzend erklärt "Äiti, tiet sä, kukka on finnis ja deutschiksi se on Blumä" =)

In Fridas Ausweichbetreuung ist es übrigens immer richtig mäuschenstill. Dabei habe ich Kindergärten und Horts in Deutschland immer mit einer furchtbaren Geräuschkulisse in Erinnerung. Entweder es liegt daran, dass Ferien sind und nur wenige Kinder betreut werden oder die Finns haben wirklich diese magische, stille Ausstrahlung, die auf die Kinder abfärbt. Bei uns zuhause ist es übrigens auch ganz leise, wenn die Kleine jetzt immer um 20 Uhr im Bett liegt und schnarcht, damit sie morgens um 6:30 die Augen aufbekommt (strenger Zeitplan a la mama hängt am Kühlschrank... aber ich habe es immer noch nicht geschafft, nicht neben ihr abends einzuschlafen...)

Unser zweites neues Hobby sind Besuche in der neuen Wohnung. Die Post kommt ja sinnigerweise schon dahin und ich muss alle zwei Tage neugierigerweise nachgucken, ob nicht doch jemand schon gemalert hat. Junge, die haben aber auch eine A...ruhe. Wenn das so weitergeht, sind wir Weihnachten noch nicht umgezogen. Gott sei Dank haben sie vorgestern schon unsere Namen an die Einwohnertafel und den Briefkasten gepappt, wenigstens etwas. Ausserdem müssen wir die halbvertrockneten Stauden vor und hinter dem Haus giessen. Alle dunklen Gewitterwolken ziehen mit schöner Regelmässigkeit über Jyväskylä weg, was wohl den heissesten Juli seiner Geschichte erlebt hat. Naja, am Wochenende soll es kalt und regnerisch werden. Wer's glaubt?

Freitag, 16. Juli 2010

Hippi

Glücklicherweise ist Montag mein letzter Urlaubstag und nicht heute. Davon abgesehen, dass hier in Finnland Sonnabende eh als Urlaubstage zählen. Jedenfalls wäre es doof gewesen, wenn ich ausgerechnet diesen Tag damit vergeudet hätte, auf eine dämliche Spülmaschine zu warten. Die sollte zwischen 12 und 14 Uhr kommen, mein Handy war allerdings von 11 bis 12:15 ohne Saft und angeblich die Fuhre noch nicht unterwegs. Ab 13:30 waren wir dann in der neuen Wohnung (wird immer schöner, je öfter ich da bin!!!) und haben gewartet und gewartet. Zwischendurch mal angerufen... nix. Mit Murmeln gespielt, Blumenkränze geflochten, Schmetterlinge beobachtet, Post aus dem Briefkasten gefischt und Fish & Chips genascht. Und neuen Terrassentisch bei Kodin Ykkönen geholt (endlich!). Gegen 18 Uhr kamen dann die durstigen und verschwitzten Handwerker dann zum zweiten Mal und bauten das Teil ordnungsgemäss ein. Puuuh, das kommt davon, wenn man als deutsche Lady in Finnland nicht mit seinem Mobiltelefon umgehen kann.

Donnerstag, 15. Juli 2010

Laminat...

Heute war wieder ein richtig guter Tag. Erst bin ich allerdings fast vom Glauben abgefallen, als mir um 6 Uhr morgens ein grinsender nackiger Kobold mit Strubbelhaar ins Gesicht guckte und auch gleich ganz aufstehen wollte. Uff. Natürlich war ich nachts bei der Hitze erst gegen 2 Uhr eingeschlafen.... Dementsprechend verlief der Vormittag. Wir assen zwar gemeinsam Puuro und spielten und ich zog sie an, aber nachdem meine Eltern halbwegs fertig waren und Männe zur Schule gefahren war, legte ich mich mit rasenden Kopfschmerzen sofort wieder in die Falle, um den restlichen Tag zu verschlafen. Soviel also zu unseren Lerchenqualitäten... übrigens ist mein Kind mit so einer lauten Stimme und trappelnden Füssen ausgestattet, dass ich heilfroh bin, dass wir in kein Etagenhaus ziehen müssen.

Um 14:23 erblickten meine Adleraugen wieder das Sonnenlicht und los ging es mit schlechtem Gewissen und einer langen Aufgabenliste. Gestern hatte ich Männe erfolgreich zum Thema Laminat interviewt und herausbekommen, dass er doch mehr wusste (oder sich erinnerte) als ich - u.a. hatte die Vormieterin erwähnt, dass sie das Zeug bei Oro gekauft hatte. Also doch nicht direkt über unseren immer wieder ausweichenden Vermieter! Das war ein Anhaltspunkt. Also deren Website angeguckt (die verlegen das auch, jeeaah!), angerufen (falsche Nummer...) und schliesslich vorbeigefahren.

Männe und ich wühlten uns durch hunderte verschiedener Fussbodenbeläge, filterten dabei Farben, Muster und Preise und konnten beim besten Willen nicht bestimmen, welche der grauen Platten nun unserer Wohnung ähnlich sahen. Selbst mit Foto unmöglich. Dann rückte Männe damit heraus, dass der wohl nicht allzu teuer gewesen sein soll. Ich zum Mittelbilligregal gewechselt und dort genauer geguckt. Eine Platte stand da in grau und mit genauso breiten "Balken" und grossen Ritzen wie unsere. Mmmh. Sicher war ich aber trotzdem nicht. Verkäufer ranzitiert, der konnte auch nicht viel helfen, kannte sich aber mit den verlangten Parametern gut aus und wusste den Preis der anvisierten Latten. Als ich nachfragte, welches richtig billige Zeug denn noch erlaubt wäre, sank der ausgeguckte Preis nochmal um 3 Euro/m2. Heh, wie auf nem orientalischen Basar =)

Wir wussten aber immer noch nicht so richtig. Männe um Probestückchen gebeten. Resultat war, dass wir mit einer Riesenplatte zum Auto marschierten, in dem die kleine Frida selig schlummerte (sie war gegen 16 Uhr nach 50 m Fahrt eingeratzt). Opi sagte, dass sei viel zu dunkel und Omi, dass sei viel zu hell, ein gutes Zeichen! Nach Nuutti gefahren, neue Tür aufgemacht, Teil auf den Boden geschmissen und sofort war die Platte "spurlos verschwunden" wie ein Zebra in der glühenden Savanne. Cool!!! Genau das gleiche! Dass der Baumarkt davon nur noch 150 m2 hat und dass die eigentlich alle 1.5 Jahre ihre ganze Modellpalette umschmeissen, reicht gerade für unsere Zwecke aus. Ich freue mich schon so. Männe kennt eine kleine Baufirma, die uns das einbaut. Zwar auch erst nach den Ferien, aber immerhin. Langsam aber sicher.

Ausserdem waren wir heute übrigens während Fridas Schlafstunde bei Toys R Us. Meine Eltern haben noch nie so einen grossen Spielzeugladen gesehen, hihihi, und ich bin auch immer ganz froh, wenn Frida da nicht mit ist. Gibt nur Tränen, weil man ja gar nicht alles einsacken kann. Tiita hat jetzt einen heilen Schwimmreifen, eine Hello Kitty Luftmatratze, ein paar Glasmurmeln und zum nächsten Fest einen Prinzessinenschlafsack. Man schläft nämlich neuerdings im Zelt. Auf der Terasse steht mein höchstpersönliches 4-Mann-Zelt und da haben es sich Omi und Opi drin gemütlich gemacht, weil es in der Stube so furchtbar warm ist =)

Apropos warm - schwimmen waren wir natürlich auch wieder. Erst Fish & Chips bei Hesburger geholt (lekkaaa!), dazu Schinkensandwiches von ABC und eine gefüllte italienische Tasche... ja, im Urlaub lebt man ganz gesund. Tiita hat sich (zum xten Mal heute übrigens) weinend und trampelnd vor der ABC-Kasse auf den Boden geschmissen, weil Mami versehentlich schon einige Sachen auf das Band gelegt hatte (macht sonst Frida...) und als Belohnung von der Verkäuferin auch noch einen coolen ABC-Affen-Rucksack bekommen (ja, pädagogisch korrekt weil Frida ist der grösste ABC-Fan aller Zeiten!!!). Okay, sie wollte ja helfen...

Dann ab zu Heikkilä Beach, wo man für ein, zwei Stunden zufrieden im Wasser plantschte und schwamm und hüpfte. Das Wasser ist aber auch warm, fast wie in der Schwimmhalle. Man braucht sich gar nicht mehr vorher abkühlen, sondern kann einfach so rein. Sehr schön. Vor allem mit den dunklen Gewitterwolken, die in Finnland immer ewig am Himmel hängen oder einfach vorbeiziehen können, ohne sich abzuregnen. Ganz spät abends aber, da fielen auf einmal dicke, dicke Tropfen und alle rannten vor Freude raus in den Garten. REGEN!!! Ich weiss gar nicht, wann es zum letzten Mal in JKL geregnet hat. Aber die Hitze soll erst einmal noch weitergehen. Mal gucken, ob Omi und Opi heute nacht mit dem Zelt wegschwimmen... =)

Mittwoch, 14. Juli 2010

Spüli...

Also unsere neue Wohnung gefällt mir immer besser. Heute waren wir zum zweiten Mal dort, nachdem die Bude richtig leer ist, und langsam kann ich es kaum abwarten, dorthin zu ziehen. Wenn die das nur erst gemalert hätten! Dann wüssten wir auch, wann und wie wir mit dem Fussboden weitermachen sollen - momentan habe ich zwar schon dreimal gefragt, was es kosten würde, das gleiche Laminat in alle Räume zu legen, aber geantwortet hat noch keiner so richtig, alle immer nur von einem an den anderen verwiesen. Mal gucken. Vielleicht liegt es auch nur daran, dass alle in den Ferien sind.

Heute haben wir aber zumindest eins erledigt: zu Veikon Kone und eine Spülmaschine eingesackt. Hier ist es ja glücklicherweise so, dass die schönen weissen und grossen Einbauschränke und Küchen in den Wohnungen bleiben (erleichtert das Umziehen ungemein!), aber Spül- und Waschmaschinen mit umziehen. Unsere hier fällt auseinander, wenn wir die ausbauen *lach*, also gönnen wir (ich!) uns was neues.

Ich habe auch heute nicht lange gezögert, sondern mir nur vom Verkäufer den Unterschied zwischen zwei gleichpreisigen Maschinen von Siemens uns Whirlpool erklären lassen und dann sind wir gleich zur Kasse weiter. Mir egal, ob es anderswo Bonus X oder Y oder andere Firmen oder ein paar Cent billiger gibt - bei Veikko wird dafür ziemlich gut beraten und bei den Waschmaschinen vor einem halben Jahr haben wir genug gesucht. Mit Quengelkind auf der Rückbank bei 30 Grad rumfahren ist ja auch nicht gerade lustig. Jippi, endlich hat etwas mal schnell geklappt! Für die später dazugestossenen - unsere Wohnungssuche hat jetzt insgesamt 14 Monate gedauert und umgezogen sind wir immer noch nicht =)

Abends die Miezekatzen von Jani und Minna abgeholt, Patenkind beknuddelt und kleine Mädchen spielen gelassen. Apropos kleine Mädchen: offensichtlich wohnt direkt neben uns auch eine kleine Prinzessin, etwas älter als die Tiita. Hat sie heute auf dem Spielplatz schon leicht umarmt oder auf den Rücken getapst - so genau habe ich das von weitem nicht gesehen. Aber nach einer kleinen Umarmung sah es irgendwie schon aus, nur weiss ich nicht, was vorher passiert war. Hoffentlich versteht sie sich mit den Kindern da. Ich hatte als Kind immer Angst vor solchen Rabaukenjungs und allzu selbstbewussten Tussis (mit Westsachen...), das muss die Kleine ja nicht auch noch mitmachen.

Montag, 12. Juli 2010

Schlüssel...

Back home und 33 Grad. Schon in Viitasaari sahen die Leute bei ABC ungewöhnlich nackig aus, überhaupt waren die Menschenmassen dort sehr beunruhigend. Zuhause eine Affenhitze, wir mussten sofort sämtliche Fenster aufmachen und die Blümchen dem Hitzetod entreissen. Dann noch Santeris-Cousins Geburtstag. Wie immer wunderschöner Garten. Aber Nipsuhund ist krank, muss wohl auch bald eingeschläfert werden. Der letzte seiner Generation - irgendwie sind alle Hunde, die es Anfang des Jahrhunderts im Familien- und Freundeskreis gab, nicht mehr da und es gab keinen Ersatz. Traurig. Aber Frida hat Fahrrad fahren gelernt. Während alle anderen das Finale Holland-Spanien sehen wollten, ist da irgendwer immer vor dem Bildschirm herumgeradelt.

Heute dann etwas Erfreuliches. Mit gemischten Gefühlen und voller Skepsis zur Bank. Und die holten doch tatsächlich sofort die fertigen Kreditverträge aus dem Schubfach, waren total nett und freundlich (diesmal eine Frau), erklärten alles gründlich und bezahlten (am wichtigsten!) auch gleich den zu hinterlegenden Betrag. Für eine Sekunde Millionär sozusagen =) Danach sofort zu Avara, um die Quittungen abzugeben und die Schlüssel zu unserem neuen Schloss abzuholen. Tatsächlich, liebe Leser, wir haben diesen denkwürdigen Tag erreicht *ggg*

Jetzt muss nur noch geklärt werden, wer in der Bude die Tapeten abreisst und malert. Laut ersten Auskünften und deren eigener Broschüre der alte Mieter. Aber in der Praxis ist das vielleicht doch nicht so, wenn die Wände nicht ganz furchtbar aussehen. Meiner Meinung nach sehen sie allerdings furchtbar aus. Und ich hatte vorletzte Woche extra deshalb schon darauf hingewiesen, damit die während unserer Lapplandwoche malern können. Na, mal gucken. Männe muss da mal von Mann zu Mann und Finn zu Finn sprechen. Und bei der Hitze können wir eh nicht umziehen.

Auf jeden Fall waren wir noch kurz auf dem wunderschönen Markt, wo oft leider gar nichts los ist, diesmal aber viele Stände mit leckerem Gemüse standen. Am Nachmittag dann mit der ganzen Familie nach Saarijärvi, wo meine Eltern einen deutschstämmigen Freund besuchten und wir mit unserem Freund Pasi die wunderschöne finnische Seenlandschaft unsicher machten. Wow, mit einem grossen Boot, mit frischer Brise und genug Schatten unter einer brennenden Sonne, wie man sie in Finnland schon seit 75 Jahren nicht mehr gesehen hat. Super!!! 33 Grad ist wirklich zuviel. Das hält man nur auf dem Wasser aus. Gut, dass wir soviel davon haben.

Donnerstag, 1. Juli 2010

Warten...

Warten auf den Lottogewinn. Oder auf unsere Bank. Wieder kein Anruf. Aber jetzt lasse ich die murkeln. Heute bei der Wohnungsgesellschaft gewesen. Männe hat schon länger darum gebeten, aber ich bin wie eine Katze um den heissen Brei geschlichen. Wenn schon die erste Zahlung da zu spät ist, wenn man Aussengeländer ist und nur einer einen Job hat - peinlicher geht es doch gar nicht. Aber irgendwas mussten wir machen.

Also da aufgelaufen, sogar mit Kind und Omi und Opi. Die Frau war am Telefon immer recht garstig gewesen, aber beim letzten Treffen ganz nett. Diesmal also heraus mit der Sprache - die Bank mauschelt, aber eigentlich dürfte nichts schief gehen, weil wir ja unseren halbabbezahlten Palast von Reihenhaus unter dem Popo bzw. im Etuovi-Heft haben. Vielleicht nächste, vielleicht übernächste Woche. Frau raschelte in den Papieren. Am 12. wollt Ihr erst die Schlüssel? Schüttelt den Kopf wegen komischer Geldbehörde. Hat Sommershorts und dünnes Hemd an. Im Sommer passiert nichts in Finnland. Vielleicht heisst das auch, dass im Sommer nichts negatives passieren kann, nichts schiefgeht.

Nein, die Wohnung läuft nicht weg. Gespräch erst übernächte Woche? Ihr bezahlt das dann eben Mitte Juli. Echt??? Coool. Vielleicht ist bis dahin auch unser Häuschen verkauft und ein Goldesel angekommen und wir haben ein paar Goldklumpen im Tornio-Fluss gefunden. Jetzt gehen wir erst einmal Rentiere angucken. In Ruhe und unter der heissen finnischen Sommersonne. Mann, mann mann.

Früher haben sie drei Balken aufeinandergelegt und ne Matte rein und fertig war die Bude, aber heutzutage geht bei sowas ein ganzes Jahr und ganze Tonnen von Nervensträngen drauf. Zumindest bei mir. Wenn man schon mal ordentlich deutsch was richtig machen will und eintütet... nordisches Chaosmanagement, blindes Vertrauen und Vitamin B wären vielleicht besser am Platz gewesen.

Mittwoch, 30. Juni 2010

Klartext...

Heute war der letzte Arbeitstag vor dem Urlaub. Und ich war stinksauer auf diese Sch.Bank, die ich noch vor wenigen Wochen so in den Himmel gelobt hatte. Am Telefon erreicht man die Idioten nicht. Persönlich auch nicht - ich bin extra ins Zentrum gefahren und wollte kurz die Immobilienkreditleute nach unserem Status fragen und denen den Überweisungsbeleg mit Datum vor der Nase herumwedeln, aber ging nicht. Nur mit Terminvereinbarung. Und das erst nächste Woche! Mitteleuropäerfrau stinksauer einmal die Papiere auf den Tisch geklatscht und echt finnisch geflucht und etwas von Bankwechsel durch die Zähne geknirscht, so dass die armen finniklichen Kunden ganz blass wurden.

Dann zu unserer eigenen Filiale. Die Fahrt dauert glücklicherweise eine Viertelstunde, so dass man sich einigermassen abregen kann. Den süssen Blondheini gesucht, ohne Terminvereinbarung um den Tisch geschlichen und ganz nett und vorsichtig gefragt, wie es denn aussieht und ob er daran gedacht hat, dass wir doch schon am Dienstag hätten... ja, ja, die oberste Kreditabteilung hat das noch nicht geschafft zu bearbeiten. Erst am Donnerstag. Ich redete vernünftig und supernett mit ihm, ein paar Lacher waren auch dabei und ein paar mitteleuropäische Scherzchen... und es liegt wohl daran, dass nicht nur die Dauer des Angebots um 1-2 Tage überschritten sei (buuhuuaahuuaa), sondern es auch eine anderes Objekt sei als unsere "leere" Anfrage im März (kreisch!!!) und ein anderer Betrag (fünf Euro oder mehr?) und sie deshalb alles noch einmal prüfen würden.

Unsere magere sonstige Finanzlage wurde netterweise auch angesprochen - tsja, ist halt eigene Selbstschuld, wenn man sich einen armen Künstler anlacht statt auf den richtigen Märchenprinz zu warten, und dann noch im Gegensatz zu vor fünf Jahren ein Kind hat - aber insgesamt war das Gespräch ganz positiv. Also warten wir auf den nächsten Anruf. Wenn es gar nicht klappt, müssen wir entweder den Verkauf total stornieren (teuer...) oder uns eben ganz fix zum August eine Mietwohung suchen (mmmh, Plan B). Ich hatte ja schon immer den Verdacht, dass uns während des einen Jahres nie Mietwohnungen angeboten wurden, weil die ganzen sorglosen eiligen Fälle und Zuwanderer schneller drankommen als wir... was zu beweisen wäre =) Doch noch Hochhaus im Zentrum?

Dienstag, 29. Juni 2010

Blödbänker...

Dämliche Bank trotz drei verschiedenen Rückrufbitten (Filiale, Zentrale, Netz) und persönlichem Besuch *grrrr* immer noch nicht gemeldet. Gestern hätten wir die 20 t Piepen überweisen müssen. Ich sehe schon, dass wir doch statt Reihenhaus in irgendeine Plattenbau-Mietwohnung ziehen müssen, weil uns unser Haus unter dem A. wegverkauft wird. Ganz toll.

Montag, 21. Juni 2010

Schwebe...

Erste Wohnungsvorstellung hinter uns. Mit protestierenden Katzen und riesigen Wäschebergen eine halbe Stunde in Palokkas Zentrum im sonnig heissen Auto gesessen und gewartet, bis die Herrschaften fertig sind, unsere Rumpelbude zu begutachten. Wenn überhaupt wer gekommen ist. Männes Tante hatte beim Aufräumen geholfen, Gott sei Dank. Jetzt ist es wieder supernett hier und ich esse den letzten Rhabarberkuchen und habe ein ganz leeres Gefühl im Bauch. Komisch, wieviele Sachen gerade in der Schwebe hängen. Morgen Laseroperation (falls ich danach nichts mehr sehe, war das mein letzter Blogeintrag...), Wohnung halb verkauft, neue noch nicht mal bezahlt, Kreditverhandlung erst am Donnerstag, drei Tage krankgeschrieben und danach drei Tage Arbeit und dann Sommerurlaub. Omi und Opi kommen. Umzug. Frida zuhause. Heh, in einem Monat sieht unsere Welt ganz anders aus - und es ist immer witzig, vorher nicht zu wissen, wie alles sein wird. Übrigens vermisse ich meine Kollegen. Ist mir gerade eben aufgefallen. So eine witzige und intelligente Truppe. Darunter viele Freunde und neue interessante Menschen. Schade, dass alle so weit weg wohnen. Und dass ich hier so wenig richtige Freunde habe. Beziehungsweise keine Zeit, sie zu sehen. Aber komisch - langsam komme ich in Urlaubsstimmung und alle Dinge erledigen sich fast wie von selbst =) Drückt mal Daumen, dass morgen hier wer anruft und uns unbedingt seine Millionen aufs Auge drücken will.

Montag, 7. Juni 2010

Guckies und Immopoker...

Hah, wieder zwei Sachen geschafft und weniger Bauchschmerzen *freu* Heute hatte ich einen Tag frei, was auch dringend nötig war, und habe zwei ganz wichtige Sachen erledigt. Erst bei Medilaser gewesen und Gucklöcher durchchecken lassen. Alles ganz normal und sie würden lasern!!! Heh, ich dachte, dass mir dass jetzt wieder Entscheidungsprobleme und Grübeleien bringen würde, aber gar nicht! Ich war gleich viel besser gelaunt als den ganzen Morgen, bin beschwingt zum Parkplatz (ganz oben über den Dächern Jyväskyläs) gehüpft und habe von einem Leben ohne Brillenaquariumgläser geträumt. Klar gibt es Risiken und ich muss noch seitenweise Papiere und Broschüren lesen, aber bisher sieht es so aus, dass ich das einfach auf mich zukommen lasse. Hundertprozentig kann man ja nie etwas ausschliessen und wer nicht wagt, der kann auch nicht gewinnen. Und blinder als jetzt geht es eh kaum noch. Dann noch kurz einkaufen gewesen, puuh, Streu fur die Schweinies und schnelles Mittagessen und dann unbedingt noch was für den verkratzen Tisch und irgendwie sehen unsere Snoopy- und Rallybilder an der Wand auch komisch aus... aber soviel Zeit hatten wir ja auch gar nicht mehr.

Zuhause die schon recht bewohnbare Wohnung noch feingetunet. Männe Schweinies saubergemacht und Fussboden gefegt, ich Spielzeuge und Klamotten und sonstige locker rumliegende Unnötigkeiten in die Schränke gestopft (Vorsicht Lawinengefahr!), die schlimmsten Fingertapsen von den Fenstern gewischt, die restlichen braungetupften Wände abgeseift, alles bunte und kaputte weggeschleppt, die ollen Muuminhandtücher gegen nagelneue von Pentik getauscht, Bücher vorsichtig mit dem Lineal ausgerichtet, zum ersten Mal unsere jahrealte Ikea-Tagesdecke über das Bett geschmissen, Fridas Bett umdrapiert, Akten unters Bett befördert, draussen Harken und Besen und Meerschweinchenauslauf ordentlich hingestellt, Blumen gedreht und Kaffee gekocht, damit das hier ja wie bei Talo & Koti aussieht. Die Finnen haben einen furchtbaren Einrichtungsfimmel und wer schon Hausmakler werden wollte, ist da bestimmt nicht ganz unempfänglich =)

Um 14:55 in schickste Alltagsklamotten geschmissen, Haare gekämmt und Lippenstift drauf und Männe nochmal abgestaubt und los konnte es gehen. Handy klingelt und Madama Makler sagt, dass sie leicht verspätet ist, hihi, typisch frau, genauso wie ich - aber so konnte ich noch einmal mit der Kamera durch unsere 59 qm sausen und die schlimmsten Fauxpaxe ausbügeln, die einem Fremden sofort ins Auge gefallen wären. Blaue Seife im ansonsten grau-beige-grünen Bad - das geht ja wohl nun gar nicht. Übrigens ist unsere Ouni-Katze unheimlich dekorativ! Und unser Haus wunder wunderschön, wenn es denn einmal richtig schnieke aufgeräumt ist. Warum kann das nicht immer so sein?

Jedenfalls war die Maklerin ungefähr in unserem Alter, aber natürlich schick gekleidet und gestylt und auch nicht ganz so blondinenhaft, wie ich befürchtet hatte =) Alle Räume angeguckt und über Details ausgetauscht, Notizen gemacht und dann an den Küchentisch gesetzt. Ihre Firma vorgestellt und Ausdrucke vorgekramt, welche Häuser hier in der letzten Zeit verkauft wurden und zu welchem Preis und welche gleichartigen überhaupt noch in JKL zum Angebot stehen und wieviel die denn so kosten. Natürlich hatte ich das beides auch schon gemacht. Und aufgeschrieben, wann wir was gemacht hatten. Unseres würde sogar einen etwas höheren Quadratmeterpreis haben als die 75 qm im Nebenhaus, die letzte Woche innerhalb von 24 h zum vollen Preis einen neuen Besitzer gefunden hatten. Booaah, und die hatten extra Bad und Sauna remontiert....

Dann kamen konkrete Werte. Genau der Preis, den die gleich grosse Wohnung auch gegenüber im Herbst erziehlt hatte. Mhhm, nicht schlecht, dachte ich, guckte aber trotzdem ein bisschen abwartend über den Brillenrand (Pokerface!). Die gegenüber wohnen nämlich direkt an der Strasse und haben das Müllcenter und den Schuppen neben sich. Innerhalb des letzten Quartals hat sich alles insgesamt um 11.9% verteuert. Auch viel dunkler die Stube da, obwohl sie glaube das Bad zumindest renoviert hatten. Aber wir haben schneeweisse Wände und Birkenparkett... und überhaupt eine blitzneue Terasse. Männe fiel noch ein, dass die anderen neben uns erst remontiert hätten, nachdem sie gekauft hatten, also deren Wohnung im gleichen Zustand war wie unsere. Heh. Die Tante guckte nochmal auf die Papiere und sagte, dass wir natürlich auch noch Verhandlungsspielraum dazufügen können. Also nochmal einen halben Kleinwagen drauf. Nicht schlecht.

Ich weiss nämlich noch sehr sehr gut, wie verzweifelt wir damals beim Kauf des Hauses überlegt hatten, ob wir den vollen Preis anbieten oder handeln sollten. Wer voll bietet, bekommt es, alle anderen vielleicht nicht. Und wenn man wirklich scharf auf eine Wohnung ist, muss man das zahlen, was der Makler verlangt. Wenn es länger angeboten ist oder in einer öden Gegend, dann kann man immer weiter darunter gehen, was wir damals auch erfolgreich zumindest ein bisschen getan haben. Ich kann keine Zukunft lesen, aber bei der derzeitigen Marktlage in unserem Wachstumszentrum, bei dem miesen Angebot und unserer superhellen Stube und sonnigen, geschützten Terasse würde es mich nicht ganz wundern, wenn jemand voll zuschlägt und das sogar relativ schnell. Bin da mal Optimist. Und dann ist aus dem Verhandlungsspielraum ganz schnell Bares geworden (bin ich Banker?) und wir hätten uns in den Po gebissen, mit einem niedrigeren Preis anzufangen.

Hei, und genau dieser Mechanismus erklärt, wieso in Finnland die Immobilienpreise steigen und steigen, während der Rest des rezessionsgeschüttelten Europas auf seinen Bruchbuden sitzen bleibt. Plus der Einfluss der hier üblichen kurzfristige Kreditzinsen natürlich, in Fin wird zu Marktzinsen (Euribor + Marge) geliehen (momentan 2%) statt zu zehn- und mehrjährigen festen Zinssätzen und das lässt die Käufer natürlich übermütig werden. Die kennen seit ca. 1994 nur noch steigende Preise, zumindest in den Grosstädten, kaufen geht weit vor mieten und die Banken sind auch nicht allzu knausrig, weil man halt schon jahrhundertelang seine vier Wände selbst gebaut und finanziert hat. Lassen wir die Suppe ruhig Blasen kochen, solange wir am Verkaufen sind =) In einem Jahr kann man meinetwegen alles zusammenbrechen... und dann bauen wir =)

Als Belohnung für den stolzen Preis guckte ich kurz Männe an und schlug vor, dass wir gleich Nägel mit Köpfen machen und unterschreiben, statt noch auf die beiden morgigen und übermorgigen Makler zu warten. Wenn nämlich Frida erst nach Hause käme und zu spielen anfinge, könnten wir morgen wieder mit Aufräumen anfangen. Von den 1-2 Stunden Blabla mit den Immobilienhaien und dem darauffolgenden Entscheidungskrieg und der Telefoniererei ganz abgesehen. So können wir vielleicht schon jetzt am Sonntag, spätestens nächste Woche, die ersten Kunden empfangen. Ausserdem fällt es mir bei Gott nicht leicht, meine allerliebste und allerschönste und allererste Wohnung zu verkaufen und je weniger Nervenkrieg umso besser, sagt mein Magen =)

Also verkauft opkk jetzt unser Häuschen. Netterweise konnte die Frau auch gleich die nötigen Fotos machen (nein, ich habe keine Lust, dass hier sooo supersauber zu halten, obwohl es wunderschön wäre...), wir bekommen unseren OP-Stammkundenbonus auf die Courtage angerechnet und überhaupt ist es cool, bei einem der Marktführer zu verkaufen (Marketingfachmann spricht). Die dazugehörige Bank ist nämlich auch klasse. Vielleicht ein kleines Dankeschön dafür, dass sie im September 1999 einer kleinen, grottig schlecht englischsprechenden, von ihren finnischen Buddies begleiteten Studentin ein Konto eröffnet haben. Dafür, dass sie 2005 einer grottig schlecht finnisch sprechenden Bürotante einen Hauskredit gegeben haben, ohne jemals eine Aufenthaltserlaubnis oder ähnliches gesehen zu haben und das ganze auch noch mit Bürgschaft des freundlichen finnischen Staates. Und überhaupt immer sehr kompetent und sympathisch und gar nicht misstrauisch sind. Morgen werden die beiden anderen Termine abgesagt und dann ist abwarten angesagt.

Ich bin ja mal gespannt, was das jetzt alles wird. Nächste Woche "nur" noch internationale Meetings von morgens bis abends, dann noch stapelweise Minutes und Rechnungen verschicken, dann Augen lasern (vielleicht), Eldis empfangen, nach Lappland fahren und dann packen und umziehen und dann habe ich alles geschafft, was mir seit einem Jahr im Kopf rumgeistert. Ein Projekt wäre da noch offen, aber das können wir dann ganz in Ruhe im Herbst anpacken, wenn es sein muss. Und die Sonne scheint und draussen ist alles grün und so schön. Kesä!!!

Donnerstag, 3. Juni 2010

Und weiter...

Komisch, manchmal fällt mir jeden Tag was zum Posten ein und dann ist wieder tagelang Ruhe... irgendwie waren die letzten beiden Monate richtig aktiv, während ich z.B. im letzten Sommer den Blog sträflichst verlassen hatte.

Aber hier ein kleiner Update... die Wohnung sieht schon besser aus, weil mein und Nachbars Männe jeden Abend mit den Kindern den Sandkasten unsicher machen und Mami da ein, zwei Stunden (oder war es doch nur eine halbe) schrubben kann. Küchenschränke schon abgewischt, Wände geschrubbt (da hingen noch Rotzreste von Nelson dran!!!), Badfliesen poliert und Saunafenster geputzt - mal sehen ob das bis nächste Woche sauber bleibt. Am Montag, Dienstag und Mittwoch kommen nämlich die Herren Wohnungsmakler zu Besuch *bibber*

Übrigens bauen wir hier so richtig Potemkinsche Dörfer - die Schränke aufmachen dürfen die nämlich auf keinen Fall, sonst werden sie von Lawinen erschlagen =) Und was nicht in irgendeinen Schrank passt, muss noch zur finnischen Oma auf Land evakuiert werden. So wie unser drittes Bett gestern oder heute - wenn da nicht Mikas Freund (ich verweise jetzt mal auf einen Post von vor ein paar Tagen *augenverdreh*) statt, wie vereinbart, mit dem Kleintransporter um 16:30 vor der Tür zu stehen, erst um 21 Uhr angerufen hätte - nein, der hat keine Kinder und ich sage jetzt mal gar nichts mehr zu dem Thema...

Und noch ein übrigens: die Wohnung unserer Nachbarn, 3 Zimmer auf 75 qm wurde doch glatt innerhalb eines einzigen Tages verkauft, noch ohne dass die Makler es geschafft hatten, das Ding ins Internet zu setzen und noch ehe die erste öffentliche Vorführung war. Soviel zu unserem Immobilienmarkt momentan. Blasen und Irrsinn uberall, Preise dank anhaltender Minizinsen, grenzenlosen Vertrauens und gnadenlosen Wettbewerbs innerhalb eines Quartals um 12 % gestiegen, während im restlichen Europa alle auf ihren Bruchbuden sitzen bleiben. Aber als Verkäufer soll mir das ja recht sein, ein paar Tönnchen mehr auf meinen Konto sind mir ganz lieb, wo wir momentan noch nicht wieder kaufen müssen. Ich bin gespannt, was die am Montag ansetzen, hier wird der Preis des Maklers nämlich nicht über- sondern unterboten. Und deshalb muss die Bude auch so gut aussehen *stöhn*

Der ganze Stress schlägt mir natürlich immer noch auf den Magen, obwohl ich inzwischen bewusst versuche, ganz ruhig zu bleiben und z.B. auch Männe viel mit Frida spielt, ohne dass ich irgendwelchen Senf dazwischengebe. Die Arbeit ist auch nicht ganz unschuldig, dort mache ich momentan mehrere Projekte gleichzeitig, die in anderen Jahren hintereinander geschaltet sind bzw. im Ausland stattfinden und auch dort organisiert werden, statt in unserem schönen kleinen Finnenland. Puuhh... und das bei 90% Arbeitszeit und mit Umzug und hyperaktivem Kleinkind von 17 bis 20 Uhr plus durchwachte Nächte.

Glücklicherweise hat Cheffe mich hyperventilierende Ziege heute ermutigend darauf hingewiesen, dass wir doch schon fast alles in trockenen Tüchern haben - das stimmt dank zwei Wochen full speed, ist aber noch nicht in meinem Gehirn - und vor allem dem Magenbecken angekommen, haha. Morgen also erstmal der lang erwartete Helicobacter pylori-Test und dann wissen wir mehr. Manno, was bin ich dieses Jahr für eine schlappe Nudel... vielleicht doch diese dämliche Schweinegrippenimpfung???

Freitag, 28. Mai 2010

Ystävyys...

Irgendwie gibt es einen riesengrossen Unterschied zwischen dem, was man in (Ost)deutschland unter Freunden versteht und hier in Finnland. Oder es liegt daran, dass ich weder hier aufgewachsen, noch zur Schule oder gar zur Armee gegangen bin und natürlich finnisch immer noch mit tausend Fehlern und grusligem Akzent spreche.

Jedenfalls scheint es so, dass man in Deutschland nicht nur schneller und einfacher ins Gespräch und auf einen Nenner kommt (jaja, Klischees...), sondern die dort gewonnenen Bekannten auch treu sind wie deutsche Schäferhunde. Einmal kennengelernt, kann man sicher sein, dass sie einen auch noch Jahre später auf der Strasse grüssen, dass sie Mails und Postkarten schicken und sogar totbeleidigt sind, wenn man sie nicht besucht, sobald man mal wieder in der Heimat auftaucht.

Ganz anders die Finns. Zunächst ist es so gut wie unmöglich, fremde Leute kennenzulernen. In der Gym, in Kursen und anderen Stätten, wo man unfreiwillig aufeinandertrifft, geht man sich so weit wie irgend möglich aus dem Weg. Kein Gelaber über das Wetter oder die heruntergefallenen Sneakers oder wie furchtbar anstrengend das Gehampel denn heute wieder war. Die Finns sagen, dass man einander in Frieden lässt - und das kann auch ganz nützlich sein. Nur Fremde werden beispielsweise an der Tür begrüsst und wieder dorthin gebracht, andere dürfen selber ins Haus latschen und brauchen auch nicht hallo zu sagen - grobe Unhöflichkeit in deutschen Landen =)

Angeblich dauert es sehr lange, einen Finnen kenenzulernen und als Freund zu gewinnen. Aber wenn man dazu gezogen ist und noch niemanden kennt, muss man doch irgendwo neue Leute kennenlernen? Freunde von Freunden ist eine Methode. Oder auf der Arbeit oder gaaaanz lange Kurse, wo man sich zwangsläufig täglich sehen und miteinander umgehen muss. Ich schreibe das mehr theoretisch, weil ich meine richtigen, ursprünglichen finnischen Freunde während meines Austauschjahres hier kennengelernt habe und somit doch recht gut eingebunden bin - nur wir sehen uns dank Arbeitsstress und dem alles verschluckenden Moloch namens Helsinki kaum.

Damit wären wir beim zweiten Problem. To have and to hold. Die ollen kühlen Skandinavier sind alles treulose Tomaten. Gut, es kann sein, dass ich noch nicht in ihre intimsten Freundeskreise vorgedrungen bin und das als Ausländerin vielleicht auch nie werde (Stichwort Armee und Grundschule usw.). Aber auch sonst bringen die es nicht auf die Reihe, Freundschaften zu pflegen. Während meines Düsseldorfjahres habe ich mit meinen spanischen, französischen, holländischen, englischen, französischen und germanischen Kameraden gemailt, dass die Finger glühten. Sogar gegenseitig besucht haben wir uns und ewige Freundschaft geschworen.

Habe ich in der Zeit auch nur eine einzige Mail von einem Finnen bekommen??? Nööö, obwohl wir in ihrem Land studiert haben und hier die allerdicksten Freunde waren. Kaum stand ich allerdings wieder in Jyväskylä und versendete die ersten SMS, tauchten sie nacheinander wieder auf. Viele stolz, jemandem aus dem Ausland zu kennen - auf dem Level blieb es dann aber auch. Genauso wie jetzt in Facebook - ja, da sind sie alle und drücken fleissig "gefällt mir" Knöpfe, kommentieren und posten Bilderchen. Mit neuen Bekannten kann man sich über Deutschland unterhalten, aber ansonsten Fehlanzeige. Junge, ich wohne da schon zehn Jahre nicht mehr und habe keine Ahnung, wer welcher Minister ist oder wie die Kinderbetreuung jetzt geregelt wird...

Okay, in Düsidorf hatte ich auch nur ganz wenige Freunde und die waren auch noch aus Schottland und sonstwoher. Aber da sollte ich ja auch nur für zwei mal vier Monate wohnen und nicht für die Ewigkeit und da habe ich mir auch gar keine grosse Mühe gegeben. Ich kann mich auch noch daran erinnern, wie 1990 ein Freund aus Minden (NRW) bewunderte, wie wir Ossikids zusammenhielten und wie gute Freunde wir waren, während er nicht einmal wusste, wieviel Mitschüler sie in der dortigen Hauptschulklasse überhaupt hatten...


Die finnikliche Mentalität ist anders als zuhause, irgendwie sehr viel selbstbewusster, eigennütziger und selbständiger. Das, was gerade am besten passt, wird mitgenommen. Alles andere kurzfristig abgesagt. Chatfenster zugehauen, Parties nur, wenn nichts besseres ansteht, von Geburtstagsfeiern jenseits der 20 keine Spur, spontane Besuche schon gar nicht und wann habe ich das letzte Mal mit einer Finnin telefoniert?

Gut, ich bin ja auch selbst schuld mit meiner Schreiberei... inzwischen auch so verunsichert und schüchtern, dass ich liebe maile und facebooke, als auch nur einen von ihnen einfach mal so anzurufen oder mich selbst einzuladen, wie das Männe z.B. öfter mal macht. Wenn mal das Telefon klingelt, erschrecke ich mich total und stammle nur unsinniges Zeug. Dann wird natürlich aus der zwischenmenschlichen Kommunikation auch nichts. Aber selbst wenn wir uns denn mal getroffen haben, auf der Strasse oder im Supermarkt oder auf meine Initiative im Restaurant - es kommt nie etwas zurück. Keine Gegeneinladungen, keine "das war aber schön"-Mails und so etwas, Fehlanzeige. Aus den Augen aus dem Sinn.


Gut, ich habe Männes riesige und superliebe Familie. Und meine ehemaligen Freunde. Die ich momentan nur noch einmal im Jahr auf der genialen Neste Oil Rally sehe. Aber seitdem Frida da ist, und sich niemand und keiner mehr bei mir gemeldet hat (wenn sie was wollen, fragen sie über Männe... aarrggh), habe ich auch keinen Bock mehr, dort die liebe nette deutsche Freundin zu spielen. Die können mich nämlich alle mal. So, dass musste jetzt gesagt werden. Im übrigen habe ich total nette Leute im Babycafé und beim Mamaschwimmen kennengelernt, die sogar meine FB-Freunde sind - das heisst wir haben uns nicht aus den Augen verloren. Aber von denen meldet sich auch niemals keiner nicht persönlich. Wahrscheinlich sehe ich Leute als Freunde, die in Finnland unter "schonmal gesehen und drei Worte gewechselt" laufen =) Was wiederum damit zusammenhängt, dass wir z.B. beim internationalen Wirtschaftstudium hier ziemlich amerikanische Verhältnisse hatten, wo ja jeder jeden gleich zum lebenslangen Kamerad erklärt.

Naja, egal. Ich bin jedenfalls immer wieder erstaunt, wer z.B. meinen Blog liest und wer im Gesichtsbuch kommentiert - das sind mindestens zu 50% meine Netzfreunde, die ich noch nie gesehen habe! Die aus dem Namensforum und aus Eltern und alten Meerimailinglisten, sogar uralte Hundeforen und Ausländergremien, dazu Blogschwestern (hey, ich bin schriftlich witziger als im real life!!!) und in Finnland lebende Deutsche und einige deutschlandliebende Finnen, mit denen ich regelmässig zu tun habe.

Aber echte Finns? Meine richtigen Freunde??? *hust räusper verschluck* Vielleicht fehlen auch die Nuancen, die kleinen Gesten im Gespräch - aber gerade so etwas soll es ja hier gar nicht geben. Oder die fürchten sich vor den lauten, lustigen und gefühlsduseligen Mitteleuropäern, lassen sie gar nicht erst an sich heran. Die Grosstadt mit ihrer Anonymität und den tausenden Alternativen tut ein übriges dazu. Und Prioritäten verschieben sich - Leute ohne Kinder sind sicherlich genervt, wenn man mit der hundersten Fridastory ankommt - während ich inzwischen zu misstrauisch bin, mich wirklich auf neue Bekannte einzulassen.


Darauf gekommen bin ich übrigens nicht nur, weil ich von Jahr zu Jahr enttäuschter und frustrierter werde, sondern auch weil Männe und ich am Donnerstag einen Aufruf zu einem Subbotnik verfasst haben. Unsere vor allem noch kinderlosen Freunde könnten uns helfen, die alte Wohnung so in Schuss zu bringen, dass wir uns trauen, den Wohnungsmakler für ein Preisangebot einzuladen. Von Käufern ganz zu schweigen. Mir ist das Aufräumen vorher sogar noch wichtiger als das allgemein übliche gemeinschaftliche Kistentragen, was wir schon mehrmals erfolgreich im Freundeskreis geübt haben. Vor allem nach dem Chaos was wir nach drei Jahren durchwachter Nächte und gehetzter Abende in, auf und unter den Schränken haben *grusel*

Jedenfalls 30 Freunde eingeladen, sechs haben sofort per Mausclick abgesagt, eine deutsche (!) noch relativ flüchtige Bekannte hat sich ganz lieb entschuldigt und dann wären da noch 23 andere, die "unsicher" sind. Boah, die lesen alle ständig ihre Mails und der Grossteil davon sind nach meinen Kriterien richtig gute Freunde... aber natürlich muss man erst gucken, ob am Sa nicht noch eine andere Party läuft oder vielleicht die Sonne scheint und man baden gehen kann oder überhaupt, saubermachen??? Selbst bei kostenlosem Bier und Pizza und Cider...

Ich sehe schon, wir müssen das alleine stemmen oder Fachleute für 30 €/Stunde minus 60% Steuervorteil beauftragen. In Finnland hat man es nicht so mit moralischen Verpflichtungen und Liebesbezeugungen und Höflichkeit. Und wenn jetzt morgen dreissig Mann mit Schrubber und Besen in der Hand vor der Tür stehen, mache ich ein Foto und entschuldige mich postwendend bei allen Blauweissblütern, ja? Männe meint nämlich, ich sei eine furchtbare Pessimistin und Panikmachtante. Ich bin mal gespannt.

Oh und noch etwas positives zum Schluss... in meinem Englischkurs sprach mich neulich eine Frau ganz freundlich an, ob ich mich noch an sie erinnere, wir waren zusammen auf einen Adobe CS Kurs im Sommer. Huuu, ich habe innerlich so gegrinst.Wir hatten im August tatsächlich kein Wort gewechselt und ich hatte sie für eine total arrogante Ziege gehalten. Cool! Und gestern im Schwimmbad in Laajavuori hat eine ältere Frau mit Frida und mir deutsch geredet, von ihren Enkeln erzählt und über Vornamen diskutiert. Und eine Familie aus Joensuu mit zwei kleinen Jungs hat gefragt, wie wir das mit der zweisprachigen Erziehung machen. Heh. Vielleicht liegt es ja daran dass ich jetzt kurze Haare habe und Brille trage und mit meinen Trainingshosen auch ganz wie ein echter Finn aussehe *prust*