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Samstag, 3. September 2011

Mustersonnabend...

Heute war so ein richtiger Familienmustersonnabend, richtig super. Frida ist gestern mit uns in ihrem Zimmer eingeschlafen, wir haben danach noch lange geredet, und nachts ist die kleine Maus - ohne zu weinen, einfach so - in unser Schlafzimmer getapst und hat weitergepennt. Morgens dann nach Monaten zum ersten Mal von alleine, und ohne zu trampeln und zu schreien, aufgewacht. Das war himmlisch. Zu dritt gefrühstückt. Dann wollte der Papa Autohäuser abklappern, so wie wir das ganz früher immer mal gemacht haben. Mein Auto ist wie gesagt 17 (!) und Männes 12 Jahre alt und natürlich läuft einem bei den bulligen, glänzenden neuen Gefährten das Wasser im Mund zusammen (wenn sie nicht dummerweise das Doppelte wie in Deutschland kosten würden...) 

Frida fand es auch ganz lustig, vor allem, weil es jetzt wieder viele rote Autos gibt (ihre Lieblingsfarbe, jetzt sogar noch vor rosa). Und weil die am Wochenende oft kostenlos Kaffee, Würstchen, Kekse und Eis spendieren. Früher haben wir so oft das Mittagessen erschnorrt, hahaha. Und heute ist Männe sogar fündig geworden - ein ganz schnieker Octavia Kombi mit Vierradantrieb, in hellbeige. Sechs Jahre alt und knapp 18.000 teuer. Wautsi. Wenn wir uns das bloss leisten könnten... aber seine Eltern haben durchaus neulich durchblicken lassen, dass bald ein neues Gefährt fällig wäre, die würden dann unsers kriegen und Männes Schwesters alten kleinen roten Feuerwehrfiesta verscherbeln. Oder so ähnlich. Meinen Henry gebe ich zumindest nicht weg, bevor er nicht total auseinanderfällt. Auch wenn da heute so leckere Yaris' standen, aijaijai. 

Nach dem vierten Autohaus wurde es Tiita langweilig, man machte mittelschweren Blödsinn und kasperte und bockte, aber dann ging es auch schon zur Palokkaer Bibliothek, wieder einen Schwung Bücher wegbringen und holen. Und Essen kaufen, wobei wir Tante Laura getroffen haben, was Frida total die Sprache verschlagen hat *g* Danach durften wir sogar ein Video, Schokis, Chips und Limo bei R-Kioski kostenlos holen, weil Frida im Toyoto-Autohaus aufgemalt hatte, wie das Auto ihrer Träume aussehen sollte und wir dafür einen Kupon bekommen hatten. Weil alles so friedlich verlaufen war, trauten wir uns danach sogar noch ins Stadtzentrum. Tiita und Mika im Sokos Café mit Pizza und Hotdogs abgefüttert, Mami hat Latte bekommen (Makkiiiaaato kennt hier keiner) und Schokokuchen genascht. 


Monatsbild gemacht, bei Sokkari Bilderhefter für den Kindergarten und Ballerinabarbie gekauft, Bücher angeguckt und Outdooranzüge getestet (die neuen Herbstkombis von Ciraf sehen sogar besser aus als die teuren Reimas) und eigentlich wollten wir dann noch langärmlige Pullis für Frida kaufen (Lindex hat was mit Rentieren drauf...), aber die Uhr war mal wieder schneller als wir - 18 Uhr und Buden zu rings um Kompassi, dafür die ersten partylustigen Jugendlichen unterwegs und eine riesige Bühne. Aber macht nichts, hauptsache wir hatten einen schönen Tag.

Wie sehr sich auch Jyväskyläs Stadtzentrum und die Läden verändert haben - ganz neues Forum, total umgebautes, helles und schickes Sokos, neuer Kauppalaispiha, Polarn O' Pyret und name it und H&M und viele mehr, von denen noch keine Spur war, als ich '99 hierher gezogen bin =) Escada-Parfüm war auch gut, und ich habe ne neue Tasche fürs Büro, so eine aus Stoff, wie Studenten sie haben, wo auch das Laptop reinpasst. Sogar beinahe bunten Semesterkalender gekauft, weil die viel schöner sind als die ollen, die es im Dezember gibt. Wie war das mit Infantilisierung der Erwachsenen, huppari und co? ;-)

Der Abend dann ganz traditionell finnisch, was wir mit Kind bisher total selten gemacht haben... erst Film geguckt, Disney's Tinkerbell (nein, ich habe am Schluss fast gar nicht geheult...) und dann Sonnabenabendsauna. Beziehungsweise Frida in der Babywanne, sie kann ja Sauna gar nicht leiden. Aber sie ist jetzt weitaus weniger hibbelig, es war richtig schön! Sogar draussen auf der Terrasse waren wir, und ich habe die Herbstlampen aufgehängt und Kerzen angezündet. Danach Brot und Weintrauben und auf dem Saunaofen geröstete Würstchenscheiben, sininen lenkki, und Uutisvuoto im Fernsehen. Wie eine richtige finnikliche Familie. Ist das schön. Ich sag es doch, es ist schon lange so: wenn es ganz schlimm ist, dann ist es kurz darauf ganz ganz dolle schön =)))


Mit letzter Kraft noch die grosse Matratze, die seit dem Sommer Fridas Zimmers Fussboden verstopft hat, in unser Schlafzimmer gebracht, ihre neue LED-Lichterkette ans Bett gebammelt, Miina und Manu im Zoo-CD gehört und eingeschlummert - und wieder haben Männe und ich Zeit für uns bzw. ich für meinen Blog, hehe. Spülmaschine und Trockner und TV an, Meeris knuspern und Augen jucken und Kind schnarcht. Sehr detailliert heute, aber solche Tage sind wirklich selten. Und genau so müsste es eigentlich jeden Sonnabend sein *häppi*

P.S. Frida war heute sogar in der Zeitung. Wir sind mit ihrem Pfützenrennbild beim Sommerfotowettbewerb der lokalen Presse dabei, als eins von zehn Finalisten. Das ist wirklich super, ich habe mich riesig gefreut.

Donnerstag, 1. September 2011

Testpost...

Blogger hat ein neues Interface, da probieren wir doch gleich mal, ob und wie das funzt. Ansonsten bin ich gerade aufs Sofa gekuschelt, mit Decke, Katze, Halsweh und 38 Grad dank Flugzeugerkältung. Frida hatte ja sowohl am letzten Tag im Urlaub als auch dann hier am vorherigen  Wochenende Fieber und jetzt bin ich halt dran. Ist aber ganz gut, mal alleine zuhause zu sein.

Gestern waren die beiden Familienberaterinnen wieder hier und haben sich lange mit uns unterhalten. Unter anderem ging es darum, mit Tiita wirklich konsequent zu sein, auch wenn sie schreit, haut, diskutiert und ewig anderer Meinung ist, dass wir beide bindende Regeln für unsere Familie festlegen sollten, die dann auch durchsetzen, und dass wir Kompromisse suchen, statt immer wieder über die gleichen Sachen zu streiten. Jalousien also runterlassen, auch wenn ich das auf den Tod nicht ausstehen kann und so etwas. Auch Vertrauen in den anderen, machen lassen, ja, wenn ich denn mal sicher wäre, dass Männe von sich aus daran denkt, Miete zu zahlen, Zähne zu putzen und Frida padagogisch richtig zu behandeln *seufz* Aber Recht haben sie sicher.

Es hat sich nur so viel Frust angestaut und tatsächlich ist bei uns schon immer morgens die Laune im Eimer, wenn das liebe Kind eine halbe Stunde brüllt und tritt, weil es nicht aufstehen will. Ganz toll. Naja, jetzt sollen wir Pläne schreiben. Reden, wenn Frida nicht da ist. Zähne zusammenbeissen, statt selbst auszurasten. Und Freiräume schaffen. Und überlegen, wie und wo Frida schlafen soll und dann daran festhalten. Im eigenen Zimmer schläft sie neuerdings schon sehr oft, aber nur mit Mama oder Papa oder gleich allen beiden. Naja... meistens scheitern die Routinen schon daran, dass ich nicht mehr weiss, was wir gestern gemacht haben, hahaha. Übrigens ging hier letzte Woche durch die Medien, dass gerade Supermamis, perfektionistische Mütter, die alles richtig machen wollen, das grösste Risiko haben, an Depressionen zu erkranken. Mhhh, kommt mir irgendwie bekannt vor. Ausserdem habe ich das Gefühl, dass bei der Kindererziehung Theorie und Praxis total weit auseinanderklaffen.

Als erste Massnahme haben wir im Kindergarten erstmal "bestellt", dass die Kleine mittags nur noch höchstens eine Stunde schlafen soll und das vielleicht noch einmal reduziert wird. Dann bekommen wir sie nämlich vielleicht doch einfacher um 20 Uhr ins Bett und sie ist morgens nicht so hundemüde, bzw. pennen wir beim Einschläfern ein. Schliesslich hält sie an Wochenenden schon seit mindestens zwei Jahren keinen Mittagsschlaf mehr und die Abende in Zypern waren richtig schön, wenn der kleine Maus nach einem Tag voll Toberei abends Punkt acht schon nach einer einzigen Geschichte die Augen zufielen. Da müssen wir zuhause auch hin - und dann hört vielleicht auch die ewige Streiterei von alleine auf.



Nachtrag vom Abend: Ist das schön im Herbst. Und wenn ich es zu Tiitas Babyzeiten gehasst habe, wenn Männe abends zum Eishockey war - ich glaube, dass ich es seit dem Frühjahr anfangen habe, zu geniessen. Richtig. Vorhin Frida abgeholt, ihren Wutanfall wegen falscher Autotür (ich will aber an der Beifahrerseite einsteigen!!!) ins Leere laufen lassen (und nicht auf die andere Seite gerannt), zuhause dann frische Würstchensuppe gegessen (man klaubt nur die Nakkis raus und ist dann angeblich satt), dann zum ersten Mal Kindergymnastik diesen Herbst.


Ich hatte schon Befürchtungen, dass es nicht die gleiche Gruppe ist wie im Frühling (Madamchen ist immer extrem kritisch mit so etwas), aber dann standen zum Glück die beiden bekannten Trainerinnen schon in der Tür *aufatm* Dass es jetzt in der niegelnagelneu renovierten Schule hier gleich um die Ecke und nicht neben Fridas Fussballplatz ist, ist eigentlich sogar besser, auch wenn Tiita sicher irgendwann wieder quengelt, dass sie zu der alten jumppa möchte (so ist das immer). Und die Mamis im Umkleideraum (alles andere Familien als im Frühjahr) haben diesmal gequatscht und nicht die halbe Stunde lang auf ihr Smartphone gestarrt, hahaha. Das geht immer am besten, wenn wer schon jemanden kennt, ich zum Bleistift die Frau, deren Söhne jetzt bei Tante Laura sind, und einige andere kannten sich auch untereinander. Dann fallen die anderen irgendwann ein. Sehr gut.

Über den Schulspielplatz im strömenden Regen zum Auto und nachhause. Da noch "fröhliche Sterne" gebastelt, mit Silberpapier, weil die Kinder im Kindergarten offensichtlich so etwas bekommen, wenn sie lieb waren (Frida kann jetzt twinkle twinkle little star sogar auf englisch!). Ha, das müssen wir bei uns auch einführen. Das Sternenkind bekam dann müderweise trotzdem noch einen Ausraster, als sie im Bett nicht noch einmal aufstehen und was malen durfte, gleichzeitig die Tür zumachen sollte (äiti tekee!!!) - und dabei an meine Nase krachte - aber dann bekam ich sie doch noch halbwegs in die Federn. Wie immer an die Mama gekuschelt, Beine an Bauch und Arme unter Mamas Decke... ich glaube, es dauert noch Jahrhunderte, bis das Mäuschen mal allein bleibt,bis die Augen zufallen. 

Aber das ist vielleicht auch nicht das erste Ziel jetzt, sondern nur Ruhe und Konequenz. Jetzt sitzt meiner einer in der Stube, es ist ganz leise, ohne TV, die blaue Katze schläft an meinen Füssen, Licht und Heizung sind an, Finrex steht dampfend vor mir und ich denke gerade, dass der Herbst doch ganz nett ist =)

Sonntag, 28. August 2011

Nachurlaubsstimmung...

Mmmh, schon doof, wenn hier der Herbst jetzt schon Einzug hält. Obwohl der Sommer so heiss und lang war, ein Schock ist es jedesmal schon. Wenn dann auch noch der Himmel sehr viel grauer ist als in Zypern, das Kind jeden Morgen (seit vier Jahren...) brüllt und tritt, wenn es aufstehen muss, abends aber nicht ins Bett will, und Männe ständig missmutig guckt, nur am Telefon mehr als drei Worte sagt, ständig das Handy in der Hand oder den Computer auf hat und man alles wieder selbst machen kann (oder am laufenden Band Befehle erteilen muss, vom Zähneputzen über Essen kochen und Zeitplänen zu herumliegenden Klamotten), hängt schon die Stimmung schief. Wochenenden sind bei uns schon seit Monaten die reinste Katastrophe. Keine Ahnung, wieso das alles nach acht Jahren immer noch nicht klappt. Ich habe echt keinen Bock mehr. Verdammte Scheissfamilie. Und im Büro der gleiche Ärger, weil Aussenstehende nicht das machen, was sie machen sollen. Aargghhh...

Freitag, 8. Juli 2011

Nochmal Hesa...

Und schon wieder in Helsinki. Diesmal privat, zur Taufe des zweiten Kindes von Freunden. Bei einer Affenhitze dahingefahren, Makeup war völlig überflüssig und selbst dem stolzen Papa rann der Schweiss so von der Stirn, dass seine Angebetete ständig tupfen musste *lach* Und diesmal war Helsinki wieder richtig schön. Grosstadt, klar, aber mit so viel Grün dazwischen, sogar mit einem riesigen Feld voll altmodischer Heuschober, mit Pferden und einen grossen Park, mit Kindern und Hunden und einem klitzekleinen Strand am dünnen Vantaa-Flüsschen *lach* Und das _innerhalb_ der "Wolfsgrenze", also dem berühmten Autobahnring III, der die dämliche Hauptstadt vom eigentlichen Finnland trennt *ggg*

 
 
 
 
 
 
Unsere beiden Kumpels wohnen da sogar ganz in der Nähe. Mmmh, vielleicht doch nicht so eine Katastrophe. Vor allem, da man ja probieren könnte und wenn es ganz doof ist, doch wieder ins schöne Mittelfinnland. Aber so wirklich, neeeiiin... und die Mieten dort erst... *umfall* Auf der Rückfahrt gab es noch einen wunderschönen Sonnenuntergang. So eine gleissend rote Sonne habe ich selbst hier noch nie gesehen. Oh, und die Kinder heissen Olivia und Oskari =)

Sonntag, 12. September 2010

Tanne...

Am allerbesten an deutschen Landen ist es immer, meine allerbeste Cousine und ihre Familie zu treffen. Frida geniesst Omi und Opi und ich meine seelenverwandte Sippschaft in blond und xl und mit einem super Humor. Oder so. Hach, ist das immer lustig. Schon in den ersten fünf Minuten haben wir so gegackert, wie ich das in Finnland nur selten und wenn nur nach einen durchzechten Abend zustande bringe. Hihihihi, wir bekommen schon seit unserer Kindheit immer von rein gar nichts Lachanfälle, die sich überhaupt nicht mehr stoppen lassen. Von Waschlappenschlachten, Club-Ausflügen, Ungarnmücken und gefundenen Passbildern ganz zu schweigen.

Da muss natürlich statt hektischen Abendbesuchen ein ganzes Wochenende her. Schickes Ferienhaus mit fünf (!) Schlafzimmern im Tannenpark in Tanne aufgespürt, gebucht und die lieben Verwandten mit Kind und Kegel eingeladen. Dass wir dann trotzdem mehr damit zu tun hatten, die Dreikäsehochs ins Bett und das Abendbrot auf den Tisch zu bekommen, als zu reden, tat eigentlich der fröhlichen Gemeinsamkeit keinen Abbruch. Früher sind wir selbst ja genauso rumgesprungen und unseren Eldis auf die Nerven gegangen (Zitat: Du bringst mich noch zur Weissglut!!!), nur dass wir damals nie gewusst haben, wie nah wir wohl doch einer Deportation nach Sibirien standen...

Das überforderte Kleinkind brüllte gefühlt einmal stündlich, der mittlere Steppke rief aufgrund dessen ganz verzweifelt nach der Polizei und das Teeniemädchen verdrehte die Augen, während das kindergärtliche Fachpersonal, die ältere Generation und der genervte Isi mehr oder weniger sanft Ratschläge verteilten und die Rabenmama schonmal nach ihrer skandinavischen Haarfarbe Ausschau hielt... hilfe =) Jaja, ist ja auch nicht so einfach, jede Nacht woanders schlafen zu müssen und plötzlich nur noch von mamasprache-sprechenden Wesen umgeben zu sein. Nix Sauna und nix Tagesmama und ewiges Schweigen im Walde =)

Aber schön war es trotzdem! Wir waren zweimal baden, haben die deutsche Bande in die Sauna gelockt (zum ersten Mal!), sind ewig Serpentinen gefahren, haben braune Kühe und grüne Hänge fotografiert, die fauchenden Brockenbahndampflocks bestaunt, leckere Currywurst und Kukkis dampfende Erbsensuppe gegessen, haben von Drei Annen bis Wernigerode draussen auf dem Perron gestanden und uns von Qualm und Russ einnebeln lassen, während der Harzwald draussen vorbeizog (okay, jemand hätte uns mit den Kindern reinlassen können, aber es war einfach viel zu voll).

Haben die wohl einzige Hochschule der Welt mit Schmalspurbahnanschluss wieder einmal gesehen (meiner einer hat ja vier Jahre lang die Loks vom Hörsaal aus beobachtet, hihi), haben Hasserode ohne Hasseröder angeguckt und das Westerntor ohne Cowboys und sind dann über die wohl romantischste Einkaufsstrasse Germaniens gerast, nur um ein paar warme Hausschuhe für das fusskalte Mökki zu kaufen. Vorbei an klingenden Schallmeienzügen und staunenden Touristen und dem schönsten Rathaus der Welt. Vor dem wir übrigens noch leckere Eisbecher und Macchiato Amarettos verspachtelten, bedient offensichtlich von Davido Gahanes Bruder *schonwiedergackernmuss*. Dann ins Auto, laut gelacht und gesungen, dass der Mersu wackelte und zurück in den Oberharz. Für noch eine Nacht. Wie schön.


Dumm, dass wir Sonntag schon wieder abreisen mussten. Aber da gab es ja noch einen dichten grünen Pilzwald, in dem ein mysteriöser rostiger Grenzzaun herumstand. Und tolle Baumstümpfe für die Kinder. Und ein, zwei verfallene Gruselschlösser. In Elbingerode konnte man noch echt deutsche Küche geniessen, Wildschweinsteak und Wiener, die keine Kuchen sind. Mit Rotkohl und holländischer Sosse und ähnlichen Spezialitäten, während Frida nur im Schlüpper und kurz vor dem Zappelkoller im echten, dreissig Jahre alten DDR-Bilderbuch blätterte (was ja nur zu gern in meiner Tasche gelandet wäre...). Sehr schön.

Und dann war das Wochenende auch schon wieder vorbei. Echter Urlaub. Schade, dass wir rosa Mökkis und schwarze Audis immer nur mieten und nicht für immer mieten können =) Dass die Rasselbande nicht zu uns nach Suomi kommt. Und dass überhaupt zwischen Mittelfinnland und dem Harz glatte 1,500 km liegen. Aber manchmal, sometimes, only sometimes... we're having fun!

Montag, 23. August 2010

Ystäväperhe...

Achja, falls Ihr einmal die kryptischen finnischen Worte in den Überschriften nicht versteht... google translation übersetzt einzelne Begriffe ganz gut. Bei ganzen Texten allerdings kommt man aus dem Lachen nicht mehr hinaus *ggg*

Jedenfalls sind wir jetzt ganz offiziell eine finnikliche friend family geworden. Als Austauschstudent hatte ich auch so etwas, also eine ganz normale finnische Familie, die ab und zu etwas mit einem ausländischen Studenten unternimmt, ihm oder ihr die hiesigen Sehenswürdigkeiten zeigt, die finnischen Sitten erklärt, mit aufs Mökki oder zu Familienfesten nimmt, gemeinsam Eishockey guckt oder was einem noch so alles einfällt. Die Adressen bekommt man vom internationalen Büro der Uni oder Fachhochschule, je nachdem, und dort kann man sich auch als Familie melden.

Ich hatte damals 1999/2000 eine ganz liebe Freundfamilienmami, die mir all das zeigte, was mein internationaler Saufgelagefreundeskreis nicht bringen konnte - finnische Holzhäuser von innen, Brotkäse mit Moltebeeren, Felsmalereien, Rentiere und gleich drei wildgewordene Kinder. Damals fand ich es manchmal nervig, ganz gesittet "meine Familie" treffen zu müssen, anstatt mit meinen Freunden herumzuhängen, aber im Nachhinein waren das die allerschönsten Erlebnisse, das richtige Finnland ausserhalb der Grosstadt. Der Papa hat sogar auf einem Eisbrecher gearbeitet - und wir haben immer noch Kontakt.

Vor zwei Wochen habe ich uns also auch angemeldet und jetzt ist der erste Vorschlag gekommen, ein Mädchen aus Lettland. Ich freue mich schon, hoffentlich können wir einiges zusammen unternehmen und hoffentlich ist sie nicht ganz so gelangweilt und von Kindern geschockt wie ich damals *ggg* Aber es heisst ja friend family =) So richtig finnisch sind wir ja auch nicht, aber internationale Familien gehören eben zu Suomi 2010 dazu! Jetzt muss ich nur noch ein paar Rentiere auftreiben... und ich muss versuchen, nicht allzu gruslige Stories aus meinem versoffenen Studentenleben zu fischen, hehe.

Samstag, 31. Juli 2010

Rallysorgen...

Ich habe früher die Rallytage hier in Jyväskylä geliebt. Eigentlich tue ich das immer noch und ich freue mich das ganze Jahr darauf, wenn Mikko Hirvonen, Sebastien Loeb und Petter Solberg mit ihren coolen bunten Autos unglaublich schnell (und ich meine jetzt wirklich schnell...) durch die finnischen Wälder rasen. Wenn die Stadt voller internationaler Touristen ist und wenn man mit seinen Freunden den lieben langen Tag in der Botanik herumrammeln kann, um die besagten Autos zu sehen, sich zu sonnen, zu quatschen und Spass zu haben.

Aber in Wirklichkeit ist es von Jahr zu Jahr schlimmer geworden. In den ersten beiden Jahren ist mir ein Typ namens Mika hinterhergestiefelt, der unheimlich lustig, kreativ, witzig und aufmerksam, aber überhaupt nicht als potentieller Partner geeignet war. Dazu jede Menge andere süsse Kerle. Ich habe es genossen, mit den Jungs zu albern und - bei allem Schlamassel - immer zu wissen, dass zumindest M. mich mag und mir immer helfen würde.


Tsja, inzwischen sind wir sieben Jahre zusammen, haben eine kleine Tochter und die Rallyrealität ist weit von dem entfernt, was mir in meinem Traumköpfchen vorschwebt. Nummer eins sind natürlich nicht Äiti und Frida, um Gottes Willen, sondern natürlich die Autos und seine Freunde. Das wäre okay, solange gewisse Grundbedürfnisse erfüllt werden. So lange man keine dummen Antworten auf sämtliche Fragen bekommt, solange Absprachen eingehalten werden, solange man daran denkt, dass ein dreijähriges Kind gewisse Ansprüche hat und dass man eben nicht so mitziehen kann wie unsere verdammten Singlefreunde. Klar, Mami kann zurückstecken und macht das auch ganz freiwillig. Aber der Papa... nö.

Da wird gesoffen, bis man weder seinen Namen noch seine Adresse kennt. Da wird gelabert und gelabert, während nebenan jemand fast auf Knien bittet, dass wir doch jetzt langsam nach Hause müssen (alles schon gehabt...). Da werden Würstchen und Bier gekauft, aber wenn frau ein Brötchen holen will, weil sie fast umkippt, haben alle es auf einmal furchtbar eilig. Klos gibt es im Wald (okay, macht nichts). Da rennt man ewig lange Schotterstrassen entlang oder fährt kilometerweise Fahrrad, ohne sich auch nur einmal umzugucken, ob der Rest der Mannschaft auch noch an Bord ist (typisch finnisch...). An Zeiten brauch man sich ja auch nicht zu halten, weil man ja Sekunden vorher mit dem Handy noch etwas anderes ausmachen kann. Und Leute, die vielleicht etwas langsamer und mit deutschen Akzent sprechen, sind ja auch so langweilig, dass man sich lieber abwendet und über was anderes redet. Oder lieber Rallyradio hört. Ganz toll. Mein Männe und meine sogenannten Freunde.

Das hat mich alles vorher nicht besonders gestört, ich fand es sogar witzig und ich bin in Deutschland inzwischen auch sehr viel eigensinniger und rücksichtsloser geworden. Aber mir tut es um Frida leid. Wenn der Plan zum Beispiel ist, um 21 Uhr ins Bett zu gehen und um 5 Uhr aufzustehen, um das schon die zweite Nacht bei der Oma übernachtende Kind (die Ärmste!!!) gegen 7 Uhr abzuholen, um einen gemeinsamen Familienrallytag zu verbringen - kann man sich dann bis 1 Uhr nachts in der Sauna seines besten Freundes herumtreiben und stockbesoffen nach Hause kommen? Wenn man schon darum gebeten wurde, nur kurz zu bleiben und nur noch ein Bier zu kippen?

Klar, die Alte kann ja fahren und kann sich morgen um das Kleine kümmern. Auch wenn sie die ganze Nacht nicht schlafen konnte, weil sie gewartet, sich grün und blau geärgert und Auswanderpläne geschmiedet hat. Klar ist Rally und nur einmal im Jahr - aber Herr M. ist absolut nicht in der Lage, irgendwelche Verantwortung zu übernehmen. Und ich könnte schon wieder heulen, weil ich so etwas schreiben muss, statt über braun-weisse Rallykühe, Mikko Hirvonens unglaublichen Crash und die schöne finnische Landschaft zu berichten. Oder liegt das alles nur an mir selbst? Daran, dass ich selbst unheimlich langweilig und eine richtige Zicke geworden bin? Ei oder Huhn? Oder nix wie weg mit dem Typ, mit Fridas Papa??? Er kümmert sich wirklich liebevoll um sie, aber die Mama ist halt doof und überflüssig und sowieso nervend. Ganz toll. Wobei ein Blick in den Spiegel ihm ja sogar recht gibt. Selber schuld.

Freitag, 21. Mai 2010

Cindy...

Heute Fridas neues Cousinchen besucht, sechs Tage alt. Und noch so klein und zerbrechlich. Die Kinder lachen auf dem Foto, weil Sintti nach fünf Minuten Fotosession ganz ungeduldig und plötzlich losgebrüllt hat - und Frida hat sich dabei so erschrocken, dass sie innerhalb einer halben Sekunde ungefähr einen Meter auf der Couch nach links geflogen ist *lol* Dann war liebevolles Trösten angesagt.

Aber nee, ich weiss nicht, wie haben wir das damals mit so einem kleinen Baby nur gemacht? Ich hätte sooo gern und in der Theorie zwei Kinder, aber ich möchte überhaupt nicht schwanger sein und auch kein brüllendes Baby betütteln müssen... ich glaube, dazu sind meine Nerven nicht mehr gut genug. Auch wenn sie sooo süss war =)

Sonntag, 9. Mai 2010

Mamitag...

Ist doch wieder alles gut geworden. Männe ist früh gegangen *schreck* Dann wiedergekommen und sogar Frida schlafend aus dem Bett geraubt *geschocktaufwach*, aber nur um die Kleine dann fünf Minuten später mit einer riesigen rosa Rosenblume und einer selbstgemachten Kugelmalkarte wieder ins Bett zu schicken. Dann gab es noch einen gedeckten Tisch mit Blumen, Kakao und Karamelleis für alle. Och manno, meine verrückte Familie!!!

Aber ich lösche nicht, was ich heute nacht getext habe, weil es grundsätzlich leider wirklich so ist. Zwei Tage Besserung und dann wieder zwei Tage Chaos - Fernsehen und PC und alles liegt rum - bis Mami erneut ausrastet und dann Tränen und Superaktionismus bis zum nächsten Mal. Aargggh. Wir hatten schon alle möglichen Listen und Tabellen und Magneten an der Spülmaschine, aber es funzt einfach nicht. Klar spielt er mit Frida und zieht sie morgens von sich aus an und bringt sie zu Laura und holt sie auch ab - aber aus eigenem Antrieb Spülmaschine einräumen oder Müll raus oder was vom Fussboden aufheben - Fehlanzeige. 

Und kein Schimmer von pädagogischen Hintergründen der Kindererziehung oder empfindlichen Befindlichkeiten von Frauenzimmern und keine ernsthaften Gespräche über gar nichts *seufz* Mir ist übrigens auch wieder eingefallen, dass ich allein lieber die Stadtwohnung genommen hätte. Aber Frida ohne Papa - nee, das geht irgendwie auch nicht. So schlimm ist es noch nicht.

Sonntag, 18. April 2010

Allein zu zweit...

Ha, wir haben also wirklich ein ganzes Wochenende nur zu zweit verbracht, auf diesem klitzekleinen Ferienhaus nur ca. eine Stunde von hier entfernt. War einerseits genial, aber andererseits auch sehr ernüchternd. Aber vielleicht von Anfang an.

Oma und Opa haben Frida gleich von der Tagesmami abgeholt und zu sich mitgenommen, damit wir freie Bahn und nicht sofort ein schlechtes Gewissen hatten. Wir schnell gepackt und dann los. Nicht ohne ein bisschen Abenteuergeist - schliesslich wussten wir, dass die meisten Lebensmittelgeschäfte wegen Streiks geschlossen sein würden - aber trotzdem fuhren wir grinsend an unseren Stammgeschäften vorbei, um auf dem platten Land die letzten Einkäufe tätigen zu können und damit die lokale Wirtschaft zu unterstützen (sprich: Bier und Würstchen für Männe). Die Sonne lachte und die Seen rechts neben der Strasse wurden immer grösser. Wohlgemerkt, noch zugefroren, aber schon ganz dunkelgrau und mit hübschen weissem Schleiermuster überzogen. Darüber dicke schwarze Wolken mitten in einem knallblauen Himmel, die ebenso vom Eiyafjüllawhatever hätten stammen können.

In Uurainen natürlich himmlische Ruhe und sämtliche Dorfläden geschlossen. Ich freue mich ja immer wieder über finnische Kleinstädte, die allesamt ziemlich gleich aussehen und die gleichen Ketten nebeneinander aufgereiht vorweisen können - Schule neben Alko neben S-Market neben K-Market neben Kela neben Pizzeria neben Bar und das war's. Aber hat auch was, nämlich Landidylle, weniger Stress, mehr Platz und billige Häuser, hehe. Müssen wir halt weitersuchen, verhungern tut im schönen Finnenland niemand, und der Kofferraum war ja auch voll. Erstmal weiter nach Lannevesi. Die Familie, die unser Haus vermietete, wohnte selbst in einem schicken, halbfertigen Haus und feierte gerade Kindergeburtstag.

Dann unser Mökki. Vautsi, das sollte ja nur 30 qm haben, aber in der Praxis war es richtig geräumig. Und vor allem superschick eingerichtet, mit riesigen Fenstern, einem warmen schwarzen Steinfussboden, Sauna, Dusche, Kamin, Schlafsofa, historischen Extrabett und Küche mit allem, was man so braucht. Umfeld noch halbe Baustelle, aber das Ding ist ja auch erst ein Jahr alt und die Schweinies durften sowieso nicht mit. Der See auch gleich daneben, sogar mit Sandstrand und viel grösser, als ich das erhofft hatte. Sehr cool. Männe freute sich natürlich am meisten über die Grillhütte. Und ich über das Design insgesamt - das war mal etwas anders als die bunt zusammengewürfelten Häuschen, in denen wir bisher mit Hund und Family logiert hatten.

Dann sind wir fix die 16 km nach Saarijärvi gefahren. Dort sollte zumindest ein Laden geöffnet sein. Richtig, K-Market mit allem, was das Urlauberherz so braucht. Einkaufskorb vollgepackt und natürlich mehr eingesackt als geplant =) Zurück aufs Mökki und Erholung offiziell gestartet. Was macht man dann so... Taschen ausgeräumt, Abendbrot gemacht, Plumpsklo und Sauna getestet, danach noch die Grillhütte in Beschlag genommen und Bett gebaut und durch den TV und das Handyinternet gezappt und ein Bierchen zum Abschluss (Wein vergessen zu kaufen) und zzzz ZZZZ zzz. Gespräche drehten sich natürlich um Frida, aber so richtig zum Reden kamen wir gar nicht. Ist ja auch schwer mit so einem Finnen, der nach jedem Satz am liebsten erstmal seine Ruhe haben möchte *lach*

Für den zweiten Tag waren wir uns eigentlich einig, dass wir erst in Ruhe frühstücken und dann Frida holen würden, weil es zu zweit doch viel zu langweilig war. Männe fiel dann ein, dass das Abholen insgesamt drei Stunden dauern würde und wir aufgrund der fortgeschrittenen Stunde dann erst wieder abends zurück sein würden, was auch irgendwie total für die Katz wäre. Also Grosseltern angerufen, ob sie das Kindchen nicht vorbeibringen und dann gleich mit uns essen wollten. Lockvogelangebot sozusagen. Antwort: Nö, die spielt gerade so schön mit ihrer Cousine und hat keine Lust. Ähhhm, das hatte ich nicht erwartet. Ich denke, Tiita vermisst uns ganz schrecklich??? Erst später ist mir eingefallen, dass Männes extrem alleholfeindlichen Eltern wahrscheinlich dachten, wir könnten nicht fahren und sie müssten das auch noch unterstützen...

Aber egal, also nochmal 24 Stunden allein mit dem ewig mürrischen Finn. Meinereiner versuchte auszuspannen. Draussen allein im Wald herumgelatscht und einen schönen plätschernden Frühlingsbach, zwei alte Boote und knallgrüne Heidelbeeräste für die Vase gefunden. Männe kam dann auch dazu und wir bauten einen kleinen Biberdamm in die Botanik (Spass gemacht). Dann nach Saarijärvi zum Shoppen gefahren. Hat auch richtig Spass gemacht, wir haben so ganz in Ruhe im Laden Dinge entdeckt, die es gaaaaanz bestimmt nicht bei uns in Jyväskylä gibt. Im Auto kann man auch relativ gut reden. Und Rally fahren. Und halbgespiegelte Fotos machen.

Zurück in unserer Urlaubsoase. Essen vorbereitet. Männe wieder in der Grillhütte, Hähnchen gegrillt und ich drinnen in der Gesellschaft von Spargel und Sosse und Semmelbröseln. Mmh. Aber ist auch mal schön, ganz seine Ruhe zu haben. Dann kam etwas über afghanische Steppen und gruslige Magdeburger Massaker im Fernsehen, keine Afghanen dabei, aber trotzdem super interessant (zuhause gucke ich fast kein TV, Yle Teema ist aber wirklich klasse!!!) Zwischendurch immer mal Facebook begutachtet. Internet sollte eigentlich aus bleiben, aber wenn Männe eh wo anders ist... =)

Lesen stand auch auf dem Programm, ich hatte extra für diesen Zweck meine niegelnagelneue "Schöner Wohnen" und einen Erziehungsratgeber (hrrmmm) eingepackt. Sehr coole Sache, danach fühle ich mich immer super inspiriert und glücklich. Aber nicht, wenn man die gute Zeitung draussen auf der Schaukel liegenlässt. Was mit dem nächsten Disaster zusammenhängt - ab dem späten Nachmittag fing es an, draussen schön gleichmässig und ekelhaft zu SCHNEIEN. Ganz toll. Aus der fröhlichen grünen und bunten Landschaft wurde innerhalb einer halben Stunde ein graues, trübes Einerlei. Ich habe nichts gegen Schnee im allgemeinen und besonders im November/Dezember. Aber jetzt war es erschreckend, wie die Farben verschwanden. Und wie meine draussen vergessene inspirierende Einrichtungszeitschrift (übrigens mit finniklichen und Wernigeröder Holzhäusern!) von vorn bis hinten durchweichte und damit fast unleserlich wurde. Grumpf, maul, stink.

Wenn man schon keine tiefgreifenden Gespräche führen kann, könnte man sich zumindest angiften =) Männe stänkerte herum, als ich am Abend trotz Neuschnees noch einen Spaziergang unternehmen wollte, bevor es endgültig dunkel wurde. Ich war sauer, weil man auf dem sandigen, ansteigenden Weg mit mangelnder Fitness kaum vorankam und weil Männe alle hundert Meter fragte, ob wir denn schon umkehren können. Vor allem, weil danach sein dämliches Eishockey stundenlang nervenderweise aus dem Radio klang. Und er dann mit ein paar bösen Flüchen das Radio ausschaltete, weil die fast zu Schweden gehörenden Turkuer seine liebe Heimatmannschaft geschlagen hatten. Mannomann, wo ich Intoleranz und Ignorantentum so hasse. Dann auch noch Uutisvuoto, so eine nervende Comedysendung (7 Tage 7 Köpfe?), die alle Finns sonnabends abends lieben, die mir aber zu anstrengend und zu schnell ist. Ich denke, wir machen was zusammen?

Männe dann alleine in die Sauna (Frau bockt jetzt auch, will Haare nicht schon wieder nass machen) und nochmal grillen und meiner einer in den modernen Medien von Zeitschrift, Fernseh und Internet unterwegs. Klar, jeder hatte seine Ruhe und insgesamt war das ja auch, was wir wollten. Aber frustrierend ist es schon, so nach drei Jahren Dauerstress plötzlich aufeinander losgelassen zu werden. Ich verstehe gut, dass Rentner oft den absoluten Koller bekommen, wenn sie sich tage- und wochenlang ertragen müssen. Dabei verstehen Männe und ich uns eigentlich sehr gut, haben den gleichen schwarzen Humor und doch teilweise ähnliche Interessen - aber so ganz ohne Frida versucht jeder erst einmal, nur sich selbst zuzuhören und dann war es das eben. So viel zu unserem romantischen Ausflug.

Am Sonntag endlich wieder ein gemeinsames Projekt. Frühstücken (jeder was anderes... Reste von gestern), Männe trinkt als einziger Finne im Universum auch keinen Kaffee und isst ganz bestimmt nix anderes als english breakfast, dann aufräumen. Okay, Männe Grillhütte und ich drinnen. Aber zumindest ein Ziel und man kann sich ja zumindest über konkrete Dinge unterhalten, wie die Location des Schrubbers und des Ascheeimers und der restlichen Fressalien... Zum letzten Mal die wunderschöne Bude genossen. In das Gästebuch geschrieben, dass wir ganz bestimmt wiederkommen, aber nur mit der ganzen Familie. Und im Auto überlegt, ob die kleine Tiita wohl schon wartet - die schlief tief und fest in Omas Bett und fand es ganz selbstverständlich, als Mami und Papi plötzlich in der Stube sassen. Meine Kleine...

Aber insgesamt war es doch sehr schön. Vor allem das Haus, die Ruhe, die Zeit, die man für sich selbst hatte, das gute Essen, der immer hübsch gedeckte Tisch, die Farben, der Ausblick, der Vorgeschmack auf den Sommer und auch der sehr wichtige Einblick, dass es eben nicht das arme Kind ist, was uns mit seiner Hibbeligkeit nervös macht und aufeinander losgehen lässt, sondern nur wir selbst. Also zu dritt besser kommunizieren, machen lassen, und mal bewusst versuchen, nett zueinander zu sein statt sich ständig mit Vorwürfen zu überhäufen, denke ich. Oh, und natürlich denkt Männe, dass wir gar kein Problem hätten *lach* Haben wir ja vielleicht auch gar nicht. Aber ich stecke seit einem Jahr in so vielen offenen Dingen fest, dass sich das zwangsläufig irgendwo projiziert. Und kulturelle Unterschiede, finanzielle Dinge und die Tatsache, dass der arme Männe auch noch meinen Freundeskreis ersetzen muss, machen es nicht einfacher. Mmmh.

Samstag, 26. September 2009

Bärenfalle...

Nach zwei Tagen ääähm gefühlten zwei Wochen auf meiner Couch musste ich heute unbedingt raus. Sauerstoff an die mörderisch dröhnende Rübe und ein bisschen Bewegung an die wabbligen Knie. Also mit Tiita und Männe in den Wald. Endlich mal wieder. Auf dem ausdrücklichen Wunsch einer einsamen kleinen Lady kamen auch Oma, Tante und Cousine mit.

Denen ich lieber nicht sagte, dass ich mit höchstgefährlichen Schweinepestviren um mich warf (oder so). Aber man kann ja auch Abstand halten. Jedenfalls sind wir nach Sarvenperä, den altbekannten Naturpfad einmal anders herum angefangen und gleich nach einem Kilometer wie geplant auf einen Unterstand mit Grillplatz gestossen. Angesichts der fortgeschrittenen Uhrzeit konnten wir nur kurz grillen und dann mussten wir schon wieder zurück, aber so ein Marsch mit zwei Kleinkindern ist ja auch nicht ohne.

Vor allem, wenn man das eine sportliche Etwas dauernd tragen muss und sinnigerweise den Ergo im Auto vergessen hat. Aber es war sehr schön. Vor allem die Herbstfarben. Rot und gelb und grün und gelber Abendsonnenschein. Und das grüne weiche Moss. Und die Luft. Das ist alles absolut der Hammer. Kein Wunder, dass die meisten Finnen Herbst lieben! Nen Bären haben wir übrigens nicht gesehen. So hiess nur der Unterstand =)

Sonntag, 6. Juli 2008

Echte Familienbettler...

Witzig, wie lange es gedauert hat. Obwohl ich schon lange Pläne geschmiedet habe. Aber man muss so eine Investition ja erst gründlich überlegen =) Wir sind richtige Familienbettler geworden! Mama und Papa, die nachgegeben haben und das Welpi gerne und aus Überzeugung mit im Elternbett schlafen lassen. Ja, sogar extra dafür anbauen *ggg*

Ich habe ja schon längere Zeit nicht mehr versucht, Fridachen in ihr eigenes Gitterbettchen zu verfrachten. Und Männe fragte auch immer ganz vorwurfsvoll bei den seltenen und kläglichen Versuchen "muss das sein? warum weint die denn???" bis ich sie wieder in unsere Koje holte. Klar haben wir die Tatzenmethode versucht, aber wie bei so vielen anderen Babies (20% sollen es wohl sein...) half kein Streicheln und keine Flasche und kein Poklopfen, um Frida ruhig zu bekommen, sondern nur Mamis Milch, der schwabbelweiche Streifenbauch, die Tissikissen und überhaupt die Gemütlichkeit. Was ich ja irgendwie auch verstehen kann - wer schläft schon gern allein. Und selbst, wenn Frida im Gitterbettchen pennen würde - irgendwann wäre sie krank oder hätte sie Albträume oder bekäme Zähnchen... oder eben halt ihr Nachfolger oder der Hund oder was weiss ich, wer da in Zukunft noch bei uns schlafen möchte.

Also haben wir gestern die grosse Umräumaktion gestartet. Erst unsere frisch gelieferten drei Betten von Kodin Ykkönen abgeholt, extra mit kostenlosem VIP-Transporter, weil ich ja letztes Jahr mein Schlepptopp bei denen gekauft hatte. Dann musste das Schlafzimmer geleert werden. Was bei der Ansammlung von Müll, die wir da aus Platzgründen unter und neben dem Bett lagern müssen (Zitat: "das will ich aber noch versteigern..." und "das brauchen wir noch"), ein richtiger Gewaltakt war. Aber geschafft! Nur, dass man dann weder im Flur noch im Bad noch im Wohnzimmer treten konnte. Pünktlich gegen 16 Uhr, als das Bett von sämtlichen Matratzen befreit war, wurde das Fridakind müde. Rieb die Augen und war stinkig. Upsista. Und jetzt?

Ich hatte die geniale Idee, Männe mit Frida nach Kuohu zu schicken, wo er ja eh am Abend noch hinfahren wollte. Meine Aufgabe war es, die restlichen Trümmer aus dem Schlafgemach zu tragen und vielleicht noch das Bett auseinanderzuschrauben. Einen eigenen Akkuschrauber habe ich ja *stolzbin* Also los. Wie schön ruhig es war. Und wie wenig man aufpassen musste, auf jemanden zu treten *lach* Und wie man alles selbst entscheiden konnte. Überhaupt bin ich soooo selten allein zuhause, vielleicht erst zwei-dreimal seit Fridas Geburt. Der Himmel auf Erden! Jedenfalls hat Susku getragen und gewischt und geschraubt und dann war alles leer. Nur die Sauna kann man nicht mehr benutzen, weil da die Teile des noch zu versteigernden Bettes stehen =)

Vor den Computer geknallt, Mails gelesen und über Nelson geschrieben. Nix von Männe gehört. Telefon war natürlich auch unauffindbar, aber die wissen ja, wo wir wohnen. Gegen 20 Uhr dachte ich, dass wir ja abends doch vielleicht irgendwo schlafen müssen. Hotel buchen??? Neee, ich habe mir dann doch schon einmal die Matratzen angeguckt. Riesige Holzrahmen, ob ich die ins Schlafzimmer bekommen würde? Vielleicht erstmal auspacken. Und die Schutzmatte extra legen. Nach und nach wuchtete ich dann alle drei Bettchen ins Nebenzimmer, wo sie artig nebeneinander auf dem Fussboden lagen und ich mir zum ersten Mal vorstellen konnte, wie so ein Familienbett eigentlich aussieht. Genial!!! Dann die Beine anschrauben. Dank Buchstütze bekam ich das auch allein hin *puuuh*

Gerade als ich unter der letzten Matte feststeckte, rauschte draussen ein grosses Auto vor die Tür. Meine Family! Mika kam herein und man konnte die Überraschung in seinem Gesicht ablesen, aber er sagte nur "Ah, so sieht das also aus" Kein Wort, dass ich das alles allein aufgebaut hatte *maul* Sowas muss man einem Finn immer explizit sagen bzw. ein Lob aus der Nase ziehen... Aber egal. Ich war ja selbst so stolz auf mich =) Den Rest des Abends verbrachten wir damit, im Auto zu pennen (Frida), den Müll aus der Stube und dem Flur wohlgeordnet unter dem neuen Bett und in den Schränken zu verstauen (Mama) und die Kameras für die morgigen Rallytests einzustellen (Männe). Dann gab es noch lecker Hähnchen und Salat für alle (natürlich von Mama zubereitet).

Und gegen 1 Uhr nachts sind wir dann alle in die schöne neue Falle gesunken. Dass Frida wie ein junger Hund zigmal im Kreis auf ihrer neuen Koje herumgehüpft ist und erst nach einer Stunde und nochmaligem Aufstehen einpennen konnte, muss ich ja vielleicht nicht mehr erwähnen. So munter und so aufgeregt. Ich glaube, die mag das neue Bett auch! Von sagenhaften 2 m x 2,40 m. Die sich richtig schön ins Zimmer einfügen, ein schneller Besucher sieht gar nicht, dass das Bett grösser ist. Von Wand zu Wand, so dass niemand herauskullern kann. Und wie schön aufgeräumt alles ist *schwärm* Hätten wir viel eher machen sollen... Oh, und das Gitterbettchen steht natürlich auch noch da. Weil es so niedlich ist und weil man vielleicht darin irgendetwas aufbewahren könnte oder Besuch darin schlafen könnte oder so. Keine Ahnung!

P.S. Als Nebeneffekt haben wir viele Sachen gefunden, die monatelang als verschollen galten. Fridas vier Zahnbürsten, diverse unbenutzte und eingestaubte Schnuller, eine 25-Euronen-Geschenkkarte von H&M, die ich seit Fridas Geburt fieberhaft gesucht habe *winkewinkeanpilzi*, Männes Unterhosen und meine Visaabrechnungen. Hat sich doch gelohnt, oder? Und einen besonders frischen Geruch bekommt man, wenn man versehentlich auf eine vom Baby vor langer Zeit heruntergeworfene Zahnpastatube tritt und den Inhalt dergleichen dann mit schön viel Wasser aufwischen muss...

Samstag, 3. Mai 2008

Schachkind...

Der Sonnabend war nicht so wirklich mein Tag *ggg* Wurde ich doch von einem milden, aber doch deutlich brummelnden Katertier geplagt, dass mich endgültig davon überzeugt hat, dass Schwangerschaft und Babyzeit ohne Allehol und Feierei doch ihren Nutzen haben und richtig genossen werden müssen =) Um 10 musste ich schon aus dem Bett klettern, um unseren Mietwagen abzuholen, während Mika auf das schlafende Baby aufgepasst hat. Weia mein Kopf.

Das Auto erwies sich dann auch als sehr viel grösser, als ich mir das vorgestellt hatte: ein Nissan X-Trial. Sehr cool eigentlich, aber nicht, wenn man noch im Halbschlaf und mit flauem Gefühl im Magen fahren muss. Aber egal, ich habe die Kiste trotzdem heile nach Hause bekommen. Dann brach auch schon richtig der Stress aus. Wir mussten unbedingt noch zum Zooladen, wo es angeblich jetzt verschiedene Abteile für verschiedene Meerschweinchen gibt. Dass die Viecher aber nur verdrecktes Wasser und kein frisches Heu hatten, trug nicht gerade zur Verbesserung meiner Stimmung bei. Naja, kaufen wir halt woanders...

Dann haben wir meine Eltern abgeholt und sind wieder mit Kind und Kegel nach Ströbeck. Der letzte Abend bei Cousinchen sozusagen. Es war wieder total schön. Erst waren wir auf dem Dorfplatz, wo das Lebendschachensemblebei Hitze und Sonnenschein zahlreiche tapfere Läufer und Läuferinnen sowie einige Nordic Walker in Empfang nahm. Sassi war einer der Bauern und sah richtig schick aus. Frida freundete sich mit einem sehr irisch aussehenden grossen Jungen und einigen gleichaltrigen Steppkes an, während Mika und ich uns über die doch sehr bayerisch anmutende Blasmusik amüsierten. Von wegen bei uns in Norddeutschland gibt's das nicht...

Dann waren wir wieder bei meiner Cousine zuhause. Frida ist mehrmals fast von der Terasse gefallen, hat im Sandkasten gespielt und händeweise Dreck gegessen, auf Grashalmen gekaut und überhaupt ihre Jeans eingeweiht. Sind ja nicht umsonst Arbeiterhosen, die halten sowohl bei Baby als auch bei Mama so richtig viel aus. Dann sind wir noch einmal mit Sassi zur Pferdeweide gegangen - diesmal hatte ich mich schon richtig an die germanische Landschaft gewöhnt und habe nicht mehr jeden Baum und Strauch fotografiert, der anders als in Finnland aussah =)

Ansonsten war es ziemlich stressig, weil ich nicht wusste, wann Frida schlafen, spielen, essen oder die Windel gewechselt haben will. Irgendwie ist mir das nach 11 Monaten immer noch ein Rätsel. Überhaupt ist die Esserei sehr viel schwerer geworden, ständig haut einem das unternehmungslustige Baby den Löffel aus der Hand, weil sie etwas ganz anderes machen will. Fingerfood geht aber auch nicht wirklich, weil sie von grossen Brocken meist sofort brechen muss. Schlafen kann man natürlich auch nicht, wenn es soviel zu entdecken gibt. Und ohne Mamibrust sowieso nicht - aber das kennen wir ja schon.

Abends waren wir noch kurz beim Maifeuer auf dem Osterberg (wie passend), haben die letzte Bratwurst dieses Urlaubs gegessen und dann ist Frida im Ergo eingepennt. So niedlich, das kleine Engelchen. Wir haben dann noch den Sonnenuntergang angeguckt, ich habe beschlossen, dass ich langsam, aber sicher doch nach Hause (sprich Jyväskylä) möchte und das am besten mit einem grossen Knall statt der tagelangen Reiserei - und dann sind wir nach HBS und packen gefahren. Das war also unser 2008er Kevätloma =)

Samstag, 26. April 2008

Alte Bekannte...

Huch, die Zeit rennt wieder schneller, als ich mit dem Bloggen hinterherkomme. Am Sonnabend war ich zum Absolvententreffen an die Hochschule Harz eingeladen. Dank Elternzeit war es das erste Mal, dass ich daran teilnehmen konnte. Sonst schwirre ich ja immer im Mai auf wichtigen Dienstreisen herum. Überhaupt einmalig, zur Zeit der riesigen gelben Rapsfelder, leuchtenden Tulpen und zarten grünen Blättchen in D zu weilen, wo in Fin die Natur ja gerade aus dem Winterschlaf erwacht. Seit 2001 habe ich das nicht mehr gesehen... aber ich schweife schon wieder vom Thema ab =)

Jedenfalls sind wir in Wernigerode zunächst etwas orientierungslos durch die Gegend geschlendert, weil alles von den Besuchern des Tages der offenen Tür verstopft war. Sinnigerweise hatte ich das Programm des Absolvententages auch zuhause an der Kühlschranktür vergessen. Ausgehängt war das sinnigerweise auch nirgends (wo ich wieder meinen beliebten Satz "Aber in Finnland wäre... blabla" hervorkramen musste). Im Café gab es auch keine Mikrowelle und auf dem studentischen Klo auch keinen Wickeltisch, aber was erwartet man auch... es handelt sich ja schliesslich um eine Stätte der höheren Bildung und keinen Kindergarten.

Jedenfalls haben wir dann festgestellt, dass die Alumniveranstaltung erst nachmittag und im ganz neuen Gebäude stattfindet. Keine Ahnung, ob ich das überlesen hatte oder ob die tatsächlich was geändert hatten. Aber nicht schlimm - so hatte ich nämlich die excellente Gelegenheit, einigen alten Profs über den Weg zu laufen und ihnen ungestört von anderen Ex-Studis die Ohren vollzulabern und Fotos zu machen. Cool. Meine Marketingprofs Schubert und Manschwetus, Mathe-As Wiese, Herr Roland und sogar Mr. Cowan, der uns damals mit ganzem Körpereinsatz englisch beigebracht hatte. Ausserdem einige Touri-Profs, die ich nur vom Sehen kannte. Witzig, das ist alles schon wieder 10 Jahre her...

Ausserdem waren Mika und ich im Akademischen Auslandsamt und haben denen da erzählt, wie gefährlich es ist, Studenten ins böse Ausland zu schicken - die kommen nämlich nie wieder =) Wo doch meine beste Freundin auch in Frankreich gelandet ist, hihihi. Gegen Mittag haben wir Frida dann ins Auto verfrachtet und sind einkaufen gefahren. Das heisst, ich habe neben dem sanft schlummerndem Baby im Auto geschmort, während meine Family Edeka leergekauft hat. Danach wieder zurück zur Hochschule.

Da hatten sich inzwischen einige Herrschaften in Businessklamotten, mit Geheimratsecken, Bierbäuchen oder wechselweise schreienden Kindern auf dem Arm eingefunden - die Ehemaligen. Wie erwartet, kannte ich niemanden - nur ein Mädel vom Sehen, aber es war trotzdem interessant. Schickes Gebäude mit tollem Audimax, aufs feinste ausgestattete Tonstudios, schöne helle Bibliothek und nagelneue, seeeehr interessante Masterprogramme. Ich ärgere mich ja in Finnland ständig darüber, dass mein deutsches FH-Diplom nur als Bachelor anerkannt wird *grummel* Vielleicht später einmal...

Den Abend haben wir dann bei meiner Cousine in Ströbeck verbracht. Hach, war das wieder schön. Das, was ich in unserer Exilheimat am meisten vermisse: meine laute, lustige, verrückte Familie *lach* Und das beste war, dass Frida sich sofort mit den dortigen Kindern verstanden hat. Obwohl sie sich bisher nur ein einziges Mal gesehen hatten! Sassi hat sie ohne jedes Fremdeln gleich angestrahlt und ist sogar ein paar Schritte an ihrer Hand gelaufen. Die ersten Schritte wohlgemerkt! Und Robbie war soooo süss... hat Frida gestreichelt und getröstet, als sie müde wurde. Obwohl Frida ihn mehrmals an seinen langen Haaren gezogen hat. Und Tante und Cousine haben natürlich die kleine Maus durchgeknuddel und immer wieder gestaunt, wie gross sie doch schon geworden ist.

Wahnsinn, die Kiddies. Und schade, dass wir so weit weg wohnen. Später haben wir noch einen grossen Spaziergang rings ums Dorf mit seinen Blumengärten, freilaufenden Katzen, Pferdchen und blühenden Birnen und Kirschbäumen gemacht, während Frida im Wagen geschlafen hat. Und dann gegrillt. Deutsche Bratwürstchen mit Mozzarella-Salat, Tzatziki, Bierchen und Knobibrot. Hach ist es schön, Urlaub zu haben!!! Sozusagen in tropischen Breiten. Und statt traurig zu sein, dass wir immer zwischen zwei Welten pendeln, muss ich wirklich froh sein, diese beiden Welten zu haben. Das Wort zum Sonntag sozusagen =)

Sonntag, 20. Januar 2008

Flaschen und mehr...

Ha, wir hatten doch noch ein schönes Wochenende. Nachdem Männe am Sonnabend vom Eishockey gekommen war, haben wir auf Wunsch einer einsamen Dame noch einen kleinen Ausflug gestartet - zur ABC Raststätte nach Keljonkangas. Also nur ca. 12 km, aber immerhin konnte man sich ja vorstellen, dass man auf einer grösseren Tour ist und unbedingt dort einkehren muss. Männe wollte eh noch sein obligatorisches Saunabier kaufen =) und ich habe einen heissen Kakao und Pulla abbekommen (wie war das nochmal mit dem Süssigkeitenstreik???)

Am Sonntag war ich früh mit Frida wach, dann haben wir noch einmal bis 13 Uhr die Augen zugemacht. Sehr erholsam... aber ehrlich gesagt weiss ich jetzt wirklich nicht mehr, ob ich nun unter einem Schlafdefizit oder zuviel Pennerei leide. Nachmittags waren wir in Kuohu. Dort war diesmal richtig Party angesagt - Mikas frisch getrennte Cousine aus Schweden war zu Besuch sowie der zurück nach Finnland gewanderte Bruder samt schwangerer Freundin. Deren Baby hat übrigens in der gleichen Woche Entbindungstermin wie unsere Frida Geburtstag - mir kommt das also alles ein bisschen dejavu-mässig vor *lach* Dann kam noch Männes Schwester mit Mann und Kleinkind. Wie Petra und Frida sich immer freuen, wenn sie sich sehen. Richtig drollig die beiden Zwerge =)

Oh, und wir haben neue Flaschen. Für Cider und Limo und sogar für Bier. Man recycelt jetzt nicht mehr die Plastedinger, sondern schmilzt die verbrauchten Flaschen ein und macht daraus nagelneue. Das wusste ich zwar als Marketingexperte im Voraus, war dann aber doch überrascht, wie hübsch die funkelnden neuen Flaschen im Regal aussehen. So schön glänzend und einladend und in verschiedenen Formen... Da kauft man doch glatt eine mehr *hicks* Weia, ich sehe die Alleholstatistiken schon wieder in die Höhe schnellen, nur weil der Siideri jetzt so lecker eingepackt ist...

Eben gerade, also kurz vor Mitternacht, haben wir übrigens noch einen schönen Winterspaziergang mit Fridadida im Kinderwagen gemacht. Wie schön die 5 cm Schnee sind. Und wie still es ist, wenn Pulverschnee auf den Strassen liegt. Und wie die Bäume glitzern... nächste Woche sollen -13 Grad werden. Hoffentlich. Das wurde nämlich auch mal Zeit.

Samstag, 8. Dezember 2007

Ensimmäinen keikka...

Heute hatte Fridas Band ihren allererstes Konzert. Wenn es nach Mika geht =) Tatsächlich hatte meine hochgebildete Maus ihren ersten Auftritt im Rahmen der Babygruppe der Musikschule PiaCello *lach* Die Wahrheit liegt irgendwo dazwischen: Frida geht doch zum Vauvamuskari, zur Babymusikschule, wo die ganz Kleinen mit Spiel und Spass an verschiedene Instrumente, an Tanz und an Fingerspiele herangeführt werden. Alles macht viel Spass und es ist eine willkommene Abwechslung. Immer eine halbe Stunde am Dienstag nachmittag, auch für die geplagte Mama, der nie etwas einfällt, was man mit Frida so alles machen kann =)

Und die Musikschule hatte heute ihr traditionelles Weihnachtskonzert in der Kirche Palokka, bei dem als allererstes die Kleinsten, also Frida, Samuli und Jenna aufgetreten sind. Zu "kilisee kilisee kulkuset" sind wir im Kreis gelaufen, die Zwerge auf dem Arm herumwackelnd, und bei den langsamen Teilen durften sie in der Mitte zusammenkommen und nach oben wandern. Tolle Choreographie *lach* und die Zuschauer waren begeistert. Vor allem von den Tonttu-Kostümen, die die Babies anhatten =) Schade nur, dass Elias und Kasperi fehlten, zu fünft hätte es sicher noch besser ausgesehen. Übrigens witzele ich immer, dass Frida bestimmt das erste deutsche Kind ist, was je eine Kantele in der Hand hatte =)

Den Rest des Konzertes sassen wir dann an der Seite und unterhielten die Besucher ganz nebenbei weiterhin mit Wutausbrücken (Samuli), mit Gesangseinlagen (Frida) und einer endlosen Sabberei (Jenna), bis es endlich Kaffee und lecker Blätterteigsternchen gab. Danach ist Frida wie erschossen im Auto eingeschlafen. Zuviel Kultur... Wir sind noch schnell in den Supermarkt und dann kam auch schon Männes Lieblingscousine vorbei, die ja neuerdings in Helsinki wohnt *garnichtverstehenkönn* Sie ist ja gleichzeitig die Patentante von Frida - hatte die Kleine aber seit der Taufe nicht mehr gesehen. Zitat "Du bist ja richtig gross geworden. Du bist ja schon richtig ein Mensch"... Ohne Worte =)

Sonntag, 2. Dezember 2007

Invasion...

Heute wurden wir von einer Horde "seltener" Vögel überfallen. Ich glaubte, meinen Augen kaum zu trauen, erst waren da vier gelb-braune Flattertiere, dann neun und schliesslich sogar dreizehn auf dem Boden unter dem Futterhaus. Die Sorte hatte ich noch nie gesehen, sonst haben wir ja immer nur Elstern, Eichhörchen, Kohl- und Blaumeisen. Aber ich hatte ja extra ganz feines Finkenfutter gekauft - und prompt stand laut Vogelbuch die ganze Familie Keltasirkku vor der Tür =) Schön! Überhaupt war ja eines der besten Dinge am Kauf meines Reihenhauses, dass wir endlich die Vögel füttern dürften. Obwohl ich ja im Nachhinein zugeben muss, dass die Autos, Spaziergänger und Fellnasen, die bei uns in Kortesuo vor dem Fenster vorbeispaziert sind, auch ganz interessant waren =)

Ansonsten waren es ein schönes, erlebnisreiches Wochenende. Gestern früh waren wir wieder mit Frida schwimmen. Diesmal war eine russische Freundin aus Studizeiten mitgekommen und ausserdem stellte ich in der Schwimmhalle erfreut fest, dass Jonas, das andere "Juniormitglied" des finnisch-deutschen Vereins, jetzt auch in unserer Gruppe ist. Frida paddelte gut gelaunt und grinsend im Wasser herum, dann durfte sie dreimal ganz kurz tauchen und schliesslich näherte ich mich vorsichtig dem Fotografen, der zum letzten Mal in diesem Halbjahr in der Halle war. Vielleicht könnte er ja wenigstens ein Foto von uns über der Wasseroberfläche knipsen.... Alle anderen Babies tauchten schon tief und lange vor der Linse herum - natürlich konnte das unsere Frida noch nicht.

Aber dann kam die Lehrerin zu mir, sah mein entsetztes Gesicht und bot an, dass sie mit Frida tauchen könnte. Ähhhm, also wenn sie meint, dass unser Baby bereit dazu ist??? Ich zitterte fast vor Aufregung, als ich Wasser über Hasis Köpfchen schütten musste, und dann gluckerte die Kleine auch schon fast zwei Meter durch das blaue Wasser. Weiaaaaa... ich würde sie nie wieder sehen... und dann kam sie schon prustend, aber lachend wieder hoch. Die nassen Wimpern und überraschten Augen sahen so süss aus! Beim zweiten Unterwasserfoto habe ich sie schon geführt und dann bekamen wir auch noch unsere Oberflächenbilder von Mama und Kind. Ich bin schon gespannt, wie sie geworden sind =)

Nachmittags waren wir dann wieder in Kuohu, bei Mikas Schwester und den Eltern, und in Halla bei seinem Cousin. Schön, so durch die verschneite Botanik zu fahren. Diesmal durfte ich nach langer Zeit auch einmal wieder vorne sitzen, weil das Baby tief und fest geschlafen hat. Überhaupt ist es spannend, wie unser Leben nach und nach ins Normale zurückgleitet, ohne dass man gross Notiz davon nimmt. Frida gehört schon richtig zur Familie. Und ich kann mir auch mehr und mehr Zeit für meinen lieben Hundeschatz nehmen, der in den vergangenen Monaten wirklich sträflichst vernachlässigt wurde. Ausserdem muss ich sagen, dass ich mich durch die Kinder richtig mit meiner Schwägerin angefreundet habe, was ich früher nie für möglich gehalten hätte =) Auch Mikas Familie ist mir jetzt viel näher als vorher. Wie meinte meine Kollegin mal vor vielen Jahren? Den Vater seiner Kinder wird man nie wieder los *lach*

Heute war ausserdem der 1. Advent und im Gegensatz zum vorigen Jahr habe ich heute abend tatsächlich die Bude saubergemacht, den Schwibbogen aufgestellt, die Glitzerkette im Fenster angeschaltet und Kerzen auf den Tisch gestellt. Mika hat Glühwein gekocht und Spekulatius serviert, so dass richtiges Weihnachtsfeeling aufkam. Am Nachmittag waren wir nämlich traditionell auf dem Weihnachtsmarkt in Paviljonki gewesen. Der überhaupt kein Weihnachtsmarkt ist - es gibt dort die gleichen Basteleien und Handwerksarbeiten sowie Essen zu kaufen wie bei den anderen Märkten im Jahr. Keine Musik, kein Weihnachtsduft, kein Glühwein und keine Pfefferkuchen *schnarch* Dementsprechend haben wir auch nichts gekauft, uns aber fest vorgenommen, demnächst auf den neuen, fast deutschen Markt auf Aren Aukio zu gehen. Der wurde letztes Jahr zum ersten Mal veranstaltet und war winzig klein, aber zumindest einigermassen so etwas, wie man sich unter einem Weihnachtsmarkt vorstellt. Hihi, damals habe ich die ersten Puschen für Frida gekauft, noch ganz dünn, vorsichtig und irgendwie ungläubig =) Jetzt bringen sie jemandem anders Glück...

Was noch.. heute ist der letzte Tag von Big Brother. Mika ist deprimiert, aber ich kann es gar nicht erwarten, endlich mal wieder normal Fernsehen gucken zu können *lach* Du meine Güte... ich habe ihm schon vorgeschlagen, dass er ja hier Kameras aufstellen und mich und Frida beobachten könnte =) Oder die Nachbarn, hihihi. Ausserdem habe ich vorhin eine halbe Stunde blinkenderweise mit Henry Ford an einer Bushaltestelle gestanden, und zwar auf dem Rücksitz und mit dem hungrigen und müden Baby auf dem Schoss. Der Pizzeria war der Pizzateig ausgegangen (!!!) und mein Männe hat natürlich gewartet, während wir draussen standen. Und zwar an der Bushaltestelle statt Parkplatz, weil die Strasse so steil und glatt war, dass wir da ansonsten erst wieder im April weggekommen wären. Meine Güte... so ein Verkehrshindernis. Wo hier doch dauernd Busse fahren. Genau als ich das Baby in seinen Sitz zurückgefriemelt hatte, von hinten aus dem Auto und auf den Fahrersitz geklettert und endlich losgefahren war, klingelte natürlich das Telefon, dass Männe fertig sei *aargghh*

Und Frida hat Aufwischen gelernt. Vorhin ist sie seit langer Zeit mal wieder rutschenderweise auf Expedition gegangen. Von ihrer Decke hat sie rückwärts erst in Richtung Fernsehen rangiert, dann gewendet und unter dem Tisch eingeparkt. Ich hätte mich scheckig lachen können. Sie hat sich immer vorn mit gebeugten Armen auf ihre Spielzeuggeige gestützt, dann die Arme durchgedrückt und geschoben. Und wenn das nicht geholfen hat, so lange den Po hochgedrückt und geschlängelt, bis sie ein Stück weitergerutscht ist. Und der stolze, lachende Blick in Richtung Mama! Das ist nicht das gleiche hilflose Wesen, was wir im Mai aus dem Krankenhaus geholt haben! Und es wird höchste Zeit, unsere Bude babysicher zu machen. Sowie das Hundi einzutapen, damit der nicht mehr seine Haare hier durch die Gegend schmeisst...