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Freitag, 17. Juli 2009

Stellvertreter...

Um dort weiterzumachen, wo ich am Sonnabend angefangen hatte... irgendwie hat Nelson im Hintergrund dafür gesorgt, dass jemand auch nach ihm auf uns aufpassen wird. Ich habe doch im Tierpark zufällig mitgehört, wie sich eine Frau mit der Pflegerin über die Katzenkinder unterhalten hat. Eins sass schon in ihrem Wagen und "wollte mit" und die Tante meinte auf die allgemeine Witzelei, dass sich zwar alle Kätzchen seit dem Frühjahr reserviert sind, sich aber zwei Leute nicht mehr gemeldet hatten.

Die Frau staunte und freute sich und meinte, dass sie mit ihrem Mann sprechen müsste, gab aber ihre Telefonnummer. Ich war inzwischen näher getreten und hörte plötzlich meine eigene Stimme "Die kleine hellrote Katze ist nicht zufällig eine von den beiden, oder?" Natürlich konnte sie es nicht sein, so ein hübsches Vieh muss doch weggehen wie warme Semmeln. Was erwartete ich bloss... und spinnst Du, überhaupt zu fragen? Wo sollen wir denn mit einer Katze hin???

Zu meiner grossen Überraschung sagte die Frau etwas abwertend "ach, die helle, ja, die wollte eine Frau von gegenüber, aber von der habe ich auch nichts mehr gehört". Völlig ungläubig (und mit zitternden Knien vor schlechtem Gewissen) gab meine Stimme auch meine Telefonnummer. Sagte, dass wir einen ganz lieben alten Hund hätten und dass wir eigentlich wegen der kleinen Katze noch einmal in den Park gekommen waren. Absagen könnten wir ja immer noch. In der Nacht zum Sonntag überlegte ich mir, dass wir absagen müssen - kranker Wuffi mit unklaren Aussichten und Mökki und Meerschweinchen und überhaupt zuwenig Platz und zu viel Aufregung.

Am Sonntag dann mussten wir Nelson auf seine letzte Reise begleiten. Und beim Benzinholen klingelte das Telefon und ich erfuhr, dass diese Frau von gegenüber kein Interesse mehr hätte. Hat eh schon zu viele Tiere. Pinkkikissa vapaana. Nelsons Platz auch. Verdammt. Sollten wir? Natürlich musste ich zustimmen. Und freute mich riesig, überhaupt einen Lichtblick zu haben. In dem Moment wusste ich noch nicht, wie wir Nelsons Abschied überhaupt verkraften würden.

Klar, es ist eine heikle Sache, vielleicht sollten wir länger warten. Die Trauer zulassen. Die Zeit ohne Wollmäuse auf dem Fussboden geniessen. Später eine Katze aus dem Tierheim holen. Oder eine Rassemiez. Aber vielleicht hat Nelson das auch alles noch so eingefädelt. Pinkkitraumkatze statt Tax Free Retriever. Mmmh, ich bin gespannt. Am Sonntag können wir sie abholen. Innerhalb von einer Woche vom Hund zu Katze... ich bin übrigens einer der wenigen Menschen, die beide mögen =) Huch, ist das spannend.

Überhaupt muss ich zugeben, dass es mir jetzt besser geht. Die Sorgen um Nelson haben mich wirklich zermürbt, sogar die Schuppenpflechte prangte wieder hier und da - dagegen war das wirkliche Einschläfern ein leichtes. Endlich konnte man wirklich etwas tun und die Weltgeschichte ging weiter, irgendwie hingen wir seit 1-2 Jahren fest in sämtlichen unangenehmen Situationen, von der Wohnungssuche über Männes Job, Fridas Schlaferei und meinem Body zu den Tieren.

Und am wichtigsten ist ja, dass Hundi nichts mehr wehtut. Klar, wir streiten mehr als sonst, irgendwie macht sich alles als Frust und fehlender Geduld Luft, aber alles ist zumindest momentan noch sehr viel einfacher, als ich das gedacht hätte. Und danke für Eure lieben Wünsche! Vor allem die geposteten Erinnerungen in Facebook waren klasse - ich wusste gar nicht, dass so viele Leute Nelson gekannt hatten. Mein lieber lieber Hund.

Montag, 13. Juli 2009

Abschied...

Tja, Nelson hat es doch ganz eilig gehabt, über die Regenbogenbrücke zu kommen :( So richtig verstanden habe ich es bisher sicher noch nicht, ich warte bestimmt immer noch auf seine tapsenden Schritte und sein Gehechel im Flur, aber er ist wirklich nicht mehr da und eigentlich ging alles ganz schnell.

Am Sonnabend abend hatte ich noch gebloggt und bin, als Frida weinte, ins Bett gegangen, ohne zu Ende geschrieben zu haben. Am Sonntag früh schlief Nelson noch, als ich in die Stube kam. Als er dann aufstand, humpelte er ein bisschen. Beine ein bisschen eingeschlafen und steif. Sich streckend tapste er durch die Stube, geriet aber immer wieder ein bisschen aus dem Gleichgewicht, stolperte ab und zu. Wir dachten, dass es vom Schlaf kommt und frühstückten erst einmal. Nelson sollte sich hinlegen und ausruhen. Dann fuhren wir nach Kuohu, dort hatte Männes kleiner Cousin Geburtstag.

Irgendwie hatte ich aber die ganze Zeit ein schlechtes Gefühl. Bauchschmerzen und Nervosität, wie schon wochenlang, aber schlimmer. Ich drängte Männe, dass er doch einmal seinen älteren Cousin anrufen sollte, der diesen Hof mitten im Wald hat - dort wäre ein wunderschönes Plätzchen für Nelson, wenn er denn einmal von uns geht. Irgendwann am Ende des Sommers natürlich erst. Spontan fuhren wir dort vorbei und Männe bat feierlich darum, vier (!) Quadratmeter für den letzen Ruheplatz für unseren Hund mieten zu dürfen. Irgendwann später, wenn Nelson gehen würde. War kein Problem, natürlich durften wir. Dann fuhren wir noch einmal nach Hause, weil ich das Geschenk vergessen hatte. Und weil mir überhaupt komisch war.

Zuhause stolperte Nelson immer noch und er hielt den Kopf ein bisschen schief. Gefiel mir alles gar nicht. Dann ging Männe in die Küche und sagte, dass Nelson sein Futter noch nicht angerührt hatte. Saftiges Büchsenfutter. In dem Moment gingen bei mir sämtliche Alarmglocken an. Das hatte er noch nie gemacht. Trockenfutter bääh, aber saftiges Zeug und Fleisch hatte er immer gierig verschlungen. Ihm ging es wirklich nicht mehr gut.
Klar, das Gleichgewichtsorgan ist im Ohr... und vielleicht war ihm jetzt übel oder alles tat ihm so weh, dass er keinen Appetit mehr hatte. Ich wusste, dass ich jetzt einen Schlusstrich ziehen musste. Männe hätte gern noch bis Montag gewartet, bis unser Tierarzt wieder geöffnet hätte und bis meine Eltern da wären - aber ich erinnerte mich sofort an die schlimme Nacht als Lumi Meerschwein vor vielen Jahren diese Aufgasung hatten und wir nicht zur Bereitschaft gefahren waren - damals machte ich mir noch monatelang Vorwürfe. Äänekoski ist doch nun wirklich nicht weit entfernt, wenn man ein Auto hat. Und das sind wir ihm jetzt schuldig.

Also rumtelefoniert, von unserem Arzt die Nummer der Bereitschaft in Äänekoski und dann dort angerufen. Ja, wir könnten in einer Stunde vorbeikommen. Das war es also. Die klare Entscheidung, auf die ich gehofft hatte. Dass ich eines Tages wissen würde, dass es so nicht weitergehen kann. Nur drei Tage, nachdem er ursprünglich gehen sollte. Es würde nicht schlimm sein, er würde einfach einschlafen, keine Schmerzen mehr haben und dann würden wir mit dem Verlust leben müssen. Aber auch mit der Erleichterung, ihm diesen letzten Gefallen getan zu haben. Und zwar zu einem besseren Zeitpunkt als am Donnerstag.

Wir sind also ins Auto gestiegen und losgefahren. Von der Bonuskarte Benzin geholt, weil ich mein Portemoinnaie und alle anderen Besitztümer natürlich in Kuohu liegengelassen hatte. Den Tierarzt würden wir irgendwie bezahlen. Nach einer halben Stunde Fahrt, Nelson stand sogar relativ viel und guckte aus dem Fenster - waren wir in Äänekoski angekommen. Die Schwester war sehr nett und meinte, ich könnte mit meiner Tuohi-Karte bezahlen. Also Nelson aus dem Auto gehoben (ich wollte ihn noch einmal auf dem Arm haben...) und zum Haus gegangen. Zum letzten Mal geschnuppert und gepieselt - er lief fast normal und relativ schnell, eierte aber immer nach einer Seite weg wie ein Betrunkener und hielt den Kopf schief.

Drinnen dann warteten wir einige Zeit, schmusten mit Nelson, streichelten ihn und versuchten uns alles einzuprägen, wie er aussieht, wie er riecht, wie weich sein Fell ist. Ab und zu tigerte er durch den Raum, konnte aber auch dabei nicht richtig das Gleichgewicht halten und rumste gegen die Türen. Armes Hundi. Ansonsten war er ganz normal und ruhig. Dann kam die Ärztin und eine Schwester. Sie sagten, dass er tatsächlich ein ganz alter Opihund ist, die Muskeln schon ganz wenig geworden waren und dass er jetzt seine grosse Reise antreten würde. Er bekam ein Beruhigungsmittel und dann waren wir wieder allein.

Irgendwie war es ganz normal, so neben ihm auf dem Fussboden zu sitzen, schliesslich war es schon die dritte Narkose für ihn. Ich streichelte ihn und ermutigte ihn, schlafen zu gehen. Mein bester Freund, schlaf gut und ich habe Dich lieb. Für immer. Kuss auf die Nase und Pfote gehalten. Männe brach einmal in Tränen aus, aber ich sagte ihm, dass es Nelson Angst machen würde. Also waren wir wieder ganz ruhig und sanft zu ihm, bis er lang auf seiner Decke lag und schnarchte. Mach's gut, mein lieber Freund. Du bist ganz müde, ruh Dich aus. Irgendwie komisch, diese Grenze zwischen Schlafen und Tod.... soviel Unterschied ist da gar nicht.

Die Ärztin rasierte seine Pfote, legte ein Druckband an und gab ihm langsam das Beruhigungsmittel. Nelson schlief einfach weiter und wir streichelten ihn weiter. Nur einmal guckte ich in sein Gesicht und die Kamera schien wegzuzoomen, ich dachte, dass er auf einmal verdammt tot aussieht, wie ein überfahrener Igel auf der Strasse oder so. Ein komischer Gedanke und kurz darauf nahm die Ärztin auch das Stethoskop und stellte fest, dass sein Herz nicht mehr schlägt. Nur Nelsons Barthaare hatten ein bisschen gezuckt. Schlafen für die Ewigkeit... und schon war es vorbei. Natürlich liefen die Tränen, aber es war nicht so schlimm, wie ich erwartet hatte. Nicht so schlimm wie letztes Jahr.

Wir hatten dann noch einige Probleme mit der Bezahlung, weil meine Karte doch nicht funktionierte, Männes Visa Electron aber leer war. Also Oma anrufen, die mussten erst nach Hause fahren, dann Pin durchgeben lassen und beim Tierarzt im Internet von meinem auf Männes Konto überweisen, damit er wiederum seine Karte benutzen konnte. Vielleicht hat uns diese Aufregung vor dem schlimmsten Zusammenbruch gerettet. Zusammen trugen wir die Decke mit Nelson ins Auto und dann ging es auf seine letzte Reise.

Bei Valintatalo noch Piroggen und Muffins geholt - wir hatten seit dem Morgen nichts mehr gegessen - und inzwischen war der Dauerregen (der Himmel weint, wenn Engel reisen) auch in den schönsten Sonnenschein übergegangen. Nelson würde in Finnland bleiben dürfen. Und er würde auf dem Hof von Männes Grosseltern liegen, inmitten von blühenden Feldern und dem dunklen Finnenwald, mit Grillenzirpen und einer ganz tollen Aussicht.

Auf dem Hof warteten schon der Cousin und seine drei Mädchen. Mehr lustig als deprimiert suchten wir einen Platz für Nelson, hinter dem Stall am Feldrand unter einer grossen Tanne. Neben Reku-Hund und vielen Katzen. Der Traktor schob Unkraut und Erde weg und dann buddelte Männe ein tiefes Loch, so tief, dass Fuchs und Bär nicht unbedingt riechen, dass dort jemand begraben wurde. Die Mädels witzelten und sangen und erzählten Geschichten und wir waren auch weit weniger traurig, als ich das erwartet hätte.

Nelson wurde wieder getragen, in sein letztes Bettchen gelegt und dann guckten wir ihn noch einmal an - er war immer noch weich und warm und lieb und schlief einfach. Decke zu und das war's... mach's gut und Du bist ja eh schon da oben angekommen und spielst längst mit Häkkinen und Michael Jackson und was weiss ich wem. Mein bester Hund hatte endlich seine Ruhe gefunden, keine Ohrenschmerzen, wacklige Beine und steife Hüften mehr. Und beklagen können wir uns wirklich nicht - schliesslich sollte er schon 2002 in Tallinn eingeschläfert werden, letztes Jahr im Juli bei seiner Kastration nicht mehr aufwachen und am Donnerstag für immer gehen. Und jetzt hatte seine Familie schnell und besonnen gehandelt, ihm einen letzten Dienst erwiesen und er hatte den schönsten Grabplatz der Welt.

Drinnen gab es noch Kaffee und Kekse und dann brachen wir auf, um Frida von Oma und Opa abzuholen. Die würde Nelson vermissen und es würde schwer werden, ihr alles zu erklären. Zuhause nahmen wir sie auf den Arm und sagten ihr, dass Nelson gestorben ist. Dass er weggegangen sei und nicht mehr wiederkomme. Frida machte ein ganz trauriges Gesicht, piepste wehleidig und legte ihren Kopf auf das Sofa. Ich denke, sie verstand zumindest etwas. Besser als eingeschlafen, ein Sternchen geworden oder im Himmel, es soll besser sein, den Kindern konkret zu sagen, wie endgültig die Lage ist. Damit sie nicht sucht... oder gar zu ihm möchte.

Wir haben ein Bild von Nelson in Kniehöhe angeklebt, damit alle ihn immer dort sehen, wo er immer war. Damit Frida ihn angucken und streicheln kann, wenn sie ihn vermisst. Damit wir ihn bei uns haben. Und sie nennt ihr neues Spielrentier aus Lappland jetzt Nelson. Hat sie sich selbst ausgedacht. Er wird immer bei uns sein. Wie war das... the best place for a dog is in his master's heart. Ruhe sanft mein kleiner tax free retriever. Du warst wirklich der beste Freund des Menschen, ein treuer, sanfter, lieber Kamerad wie er im Buche steht. Danke für die sieben Jahre und danke, dass wir Dich kennenlernen durften.

Samstag, 11. Juli 2009

ABC + Lemmikit...

Ich muss zugeben, dass mir Nelson nicht wirklich gefällt, er hechelt immer noch zuviel und ich überlege ständig, was ich für seine verstopften Ohren machen könnte. Und ich sehe mit Besorgnis, dass er den Kopf ab und zu schief hält (Ohrenschmerzen...) und dass seine Hinterbeine ihn nicht immer tragen wollen, dass er irgendwie wacklig ist. Mal sehen, wie er sich entwickelt. Vielleicht können wir dann eines Tages einfach ganz in Ruhe den Tierarzt anrufen und der kommt zum letzten Mal hier vorbei. Erstmal Urlaub, meine Eltern her (die können auch noch mal ihre Meinung abgeben, sie sehen Hundi ja nur selten und nehmen Veränderungen daher eher wahr) und das Mökki und dann sehen wir weiter.

Aber ich muss etwas anderes schreiben, oder vielleicht zugeben. Don't mourn the living und natürlich ist Nelson der beste Hund der Welt... aber ich habe die letzten Wochen wirklich damit zugebracht, mir verschiedene Katzen anzugucken. Meine jahrelangen Lieblinge, die Maine Coons und ihre puschligen Verwandten der Sibirierfraktion. Und dann Ragamuffins, eine ziemlich neue Rasse, die noch ganz selten ist, aber durch Sanftheit und Ruhe glänzt und damit ganz gut zu den Nagertieren hier passen würde. So ähnlich wie die Ragdoll, aber in allen verschiedenen Farben. Und dann natürlich die ausgesetzten und vergessenen Miezis im Turvakoti Magenda, bei Pelastetaan Koirat und Rekku Rescue.

Eigentlich hatte ich da schon im letzten Juli, als Nelson operiert wurde, einen knallroten estnischen Kater im Visier. Mehr oder weniger ernst, niemals als Ersatz für Nelson, sondern um mich an irgendeinem Strohhalm festzuhalten, um wenigstens irgendetwas positives für die Zukunft zu sehen. Blöd zu erklären, aber es musste einfach etwas geben, auf das ich mich freuen konnte - und das waren damals und sind jetzt grosse, halblanghaarige, puschlige Katzen. In rot oder schildpatt oder blau... klar, die kosten 600-800 Euronen und ich will ja eigentlich den heimatlosen Viechern helfen und überhaupt ist der liebe Hund ja noch da, aber gucken kann man ja mal.

Männe hat mir übrigens schon vor fünf Jahren eine kleine rotgestreifte Plüschkatze namens Artturi geschenkt, als ich unter unerklärlicher Katzensehnsucht litt. Irgendwann hatten wir auch mal ein Angebot für eine graugetigerte Langhaarkatze, aber die konnte ich unter schweren Kämpfen noch absagen *ggg* Später, wenn wir unser eigenes Haus haben, möchte ich unbedingt zwei Miezis. Oder jetzt, wenn der Nelson weggegangen ist... sie wird keinen Hund ersetzen, Katzen sind überhaupt ganz anders, aber wir sind momentan wirklich nicht die perfekte Hundefamilie. Zu wenig Zeit und Geld und Platz...

Na, ich sollte langsam zum Thema kommen... heute sind wir früh aufgestanden und haben so einen richtig schönen Urlaubstag (meinen ersten!) verbracht. Erst zu ABC nach Vaajakoski gefahren um Frühstück zu essen. Darauf wurde dann angesichts unserer knurrenden Mägen doch schon das Mittagessen. Um 10:30 *lach*, ich glaube, es gibt kein Volk in Europa, dass sich so früh schon den Mittagstisch hinter die Kiemen schiebt =) Dann Proviant eingekauft und weiter zum Ysitien Lemmikkipuisto gefahren, dem kleinen Zoo in Leppävesi.

Ich wollte dort noch einmal hin, weil der Platz einfach wunderschön ist, wenn man kleine Kinder hat (Erwachsene sind da in 10 min durch...) und auch, weil dort dieses rosafarbene Katzenbaby war. Mit halblangem Fell, die wollte ich unbedingt Männe zeigen, weil ich doch genau so eine auch irgendwann haben möchte. Und die beiden roten Kurzhaarmiezen, ihre Geschwister und die anderen beiden grauen, die wir mit dem deutsch-finnischen Verein im Mai bewundert und beschmust hatten. Damals musste ich mich übrigens tagelang davon abhalten, zum Telefon zu greifen und nachzufragen, was die mit den Katzen nach dem Sommer machen...

Jedenfalls rannte dort heute eine langhaarige rote Katze rum und ich staunte, wie gross mein Schatz doch schon geworden war. Wow, die wachsen aber schnell. Dann sahen wir die anderen Kätzchen - alle mächtig gewachsen, aber doch noch sehr klein. Also war die das nicht... aber wo war das rosa Miezenkind? Überall Kinder, die Katzen streichelten... und dann lag sie da, schlafend in einem Schuppen und liess sich schnurrend von zwei Jungs durchknuddeln. Immer noch so schön. Frida und ich setzten uns dazu, nahmen sie auf den Arm und genossen den Moment. So eine Schönheit und so lieb...

Draussen unterhielt sich eine Frau mit der Tierpflegerin. Ein vorwitziger Kater war in den unteren Korb von deren Kinderwagen geklettert und schien sich dort pudelwohl zu fühlen. Die Kinder waren hin und weg und ich hörte, wie die Pflegerin halb im Spass vorschlug, dass sie den Kleinen doch mitnehmen könnten. Häh? Die gaben die also doch ab... die Frau war überhaupt nicht abgeneigt, erzählte von ihrem Schäferhund zuhause und dass sie tatsächlich schon lange eine Katze gewünscht hätte. Ob sie? Sie muss noch darüber schlafen und den Mann anrufen.

Die Pflegerin berichtete dann, dass die Kätzchen schon seit vielen Wochen praktisch von Besuchern "reserviert" worden seien, aber zwei sich nicht mehr gemeldet hatten. Meine Ohren spitzten sich. Die gaben sie also doch ab... (bis hierher am Sonnabend abend gekommen)

Donnerstag, 9. Juli 2009

Von der Schippe...

Eigentlich stand es fest, dass Nelson heute eingeschläfert werden sollte. Eigentlich wollte ich letzten Donnerstag schon dort anrufen und fragen, ob man den Termin nicht vorziehen könnte. Die Ohren stanken, es floss Blut und Eiter und der Hund hechelte von morgens bis abends, dass einem total die Nerven durchgingen.

Dann kam der Sonnabend, wo wir den kleinen Welpen gesehen hatten. Nelson fing an dem Tag im Hof an zu spielen und herumzuhüpfen, nachdem wir nach Hause gekommen waren. Der Sonntag, an dem er beim Spazieren vor und nicht hinter dem Herrchen lief. Montag und Dienstag, an dem er einen Riesenhunger hatte, alles beschnüffeln und untersuchen wollte, sogar Frida die Wurst aus der Hand geklaut hat, und ein Mittwoch, an dem er auch wieder total aktiv und interessiert war. Heute früh hechelte er auch nicht, als er neben mir auf dem Fussboden lag.

Klar, das linke Ohr ist immer noch verdreckt, aber insgesamt machte er einen weit besseren Eindruck. Ob das vom Kortison kommt? Von den Schmerztabletten? Weil es viel kühler ist? Auf jeden Fall steckte Männe mich nach und nach mit seinem Optimismus an. Heute früh flossen noch Tränen, aber dann fand ich eine Liste zum Beurteilen des Zustandes eines kranken Tieres und musste zugeben, dass vieles nicht zutraf und dass ich schon weit schlimmeres gesehen hatte. Vielleicht doch noch nicht... aber der Tierarzt würde entscheiden.

So kam es dann auch. Die Tante guckte in die Ohren (Matsch...), aber sagte auch, dass er eigentlich keinen sehr kranken Eindruck macht. Wir sollen ihm weiter Ohrentropfen geben und einfach mit der Situation leben. Wenn er abwesend ist, zusammenbricht oder leidet, dann wissen wir ja, wo wir hinmüssen. Ich wollte eigentlich heute einen radikalen Schlussstrich ziehen und auch meine eigenen Sorgen beenden, aber jetzt muss ich zugeben, dass ich heilfroh und grinsend vor dem PC sitze, hinter mir den schnarchenden Köter =)

Freitag, 26. Juni 2009

Michael und Nelson...

Huch, habe ich mich erschrocken, als heute früh in Facebook jemand gepostet hatte, dass der King of Pop sich verabschiedet hat. Genau wie damals bei Diana, unglaublich irgendwie. Aber vielleicht das Beste, was er machen konnte, ein einigermassen würdevoller Abgang nach einem wahnsinnigen Leben. Ich war nie Jackson-Fan, hasste ihn und die ganze black music in den 80ern fast, musste aber nach einem Konzert 1997 (zu dem ich die Karten gewonnen hatte) und nachdem ich seine Geschichte kannte, zugeben, dass er zumindest Achtung verdiente. Wenn nicht noch mehr. Tolle Show und bei dem Hintergrund kein Wunder, wie er leben musste oder wollte oder... ein erwachsenes Kind.

Auf jeden Fall könnte es sein, dass ihm im Himmel bald ein grosser grauer Hund zuläuft. Nelson war gestern und vorgestern beim Tierarzt, die Ohren wurden gespült und bestätigt, was wir befürchtet hatten: Tumore in den Ohren. Auf beiden Seiten und die hatten die Lauscher so weit verstopft, dass es zwangsläufig zu Entzündungen kommen musste. Mit Blut und Eiter... Das schlimme ist, das solche Karzinome meistens bösartig sind. Und wahrscheinlich weh tun. Die Ärztin spritzte etwas Kortison, um die Dinger zum Schrumpfen zu bringen, aber die Prognose ist wirklich nicht gut. Wahrscheinlich müssen wir uns daran gewöhnen, dass mein wuschliger netter Freund in zwei Wochen in eine andere Welt geschickt wird.

Und wenn man ihn so anguckt, ganz ehrlich, so langsam wie er sich hinsetzt, wie er hechelt, wie schnell er ausser Atem gerät, wie flockig sein Fell geworden ist, wie trüb die Augen und wie grau die Schnauze... vielleicht muss man dann zugeben, dass wir ihm damit einen Gefallen tun. May I go now? Ich weiss, dass es mir das Herz brechen wird, aber ich weiss auch, dass wir vernünftig sein müssen. Und vielleicht wird es okay sein, eine Erleichterung. Ich habe auch bei den letzten Meeris nicht mehr geweint. Sie hatten ein erfülltes Leben - und Nelson hat hier in Finnland immerhin 7 Jahre länger gelebt als er sollte. Und jetzt sogar noch ein Jahr mehr, nach seiner Operation. Vielleicht passiert doch noch ein Wunder... und wenn nicht, dann darf er gehen. Zu Häkkinen und Rekku, Jiro, Penni und Musti, seiner Generation.

Dienstag, 2. Juni 2009

Wiederhergestellt...

Zwei Stunden mits Japse-Hundi beim Tierarzt, jährlicher TÜV. Statt Einschläfern gab es Gott sei Dank nur mehr Entwässerungsmittel (Furovet) fürs Herz und die Lunge, Schmerzmittel (Rimadyl) für die Gelenke, zehn Tage Tropfen (Aurizon) für die Ohren und ein Pilzmedikament. Wer sagt's denn, so kommt der Junge noch über den Sommer und Winter! Die Ärztin war übrigens total überrascht, in den pottdreckigen und entzündeten Ohren auch noch Pilzgewebe zu finden.

Champignons im Gehörgang. Mich wundert's nicht, hat Nelson doch schon jahrelang Probleme mit den Lauschern und Antibiotika haben nie angeschlagen. Vielleicht hört er dann bald wieder? Wobei auch Tumore nicht ganz ausgeschlossen werden können. Andererseits sind Nelsons Nierenwerte jetzt im Gegensatz zum vergangenen Sommer völlig normal *freu* und er hat laut Röntgenbild keine Metastasen im Bauch. Wenn das kein Grund zum Feiern ist =)))

Das das ganze ein Loch von 220 e in die eh schon gähnend leere Familienkasse gerissen hat (Männe hat schon seit Januar keinen Job mehr), erwähne ich jetzt nur noch am Rande. Schliesslich hat der ganze Hund nur 84 e gekostet! Mein bester Freund und Teddybär... und habe ich mich je hier über die Steuern beschwert, die ich für mein dämliches (ebenso geliebtes) Auto zahle? Na also!

Freitag, 5. Dezember 2008

Geldsegen...

Irgenwie witzig, wenn man eine riesige Steuerrückzahlung bekommt und die dann sofort investiert. Hauskredit an Mama und Papa, Nelson und Jaska sofort zum Tierarzt und die erste richtige Durchsicht für Henry Ford nach 7 Jahren Finnland. Und wech war die Kohle wieder =)

Jaska hat offensichtlich Milben und der Tierarzt hat ihm auf meinen Rat hin Stronghold verpasst. Hier sind ja Meeris so exotische Tiere, dass man sich immer am besten das halbe Internet auf deutsch, englisch und finnisch ausdruckt, bevor man zu den Docs geht. Nicht dass die wieder nur mit Antibiotika und C-Vitamiini herumdoktern. Wir waren übrigens wieder bei der Otso-Klinik in Kinkomaa, auf die wir letztes Jahr mit Nelsons Ohrentzündung ausweichen mussten, weil es in Palokka und Jkl einfach keine freien Termine gab. Und die ist richtig gut! Jetzt waren wir mit beiden Tieren genau eine Stunde da und haben Antworten auf alle Fragen bekommen, die mir schon immer auf der Seele brannten, statt von total gehetzten Tuti-tuti-Frauenzimmern abgefertigt zu werden *sorryaberwahr*

Nelson hat also neben Herzfehler, daraus resultierenden (war mir auch neu) Nierenproblemen, seinem überstandenem Hodenkrebs und Taubheit auch noch grauen Star (sieht nur Schatten, heul), Probleme mit der Hüfte (daher setzt er sich so schwer hin) und eben zur Zeit eine Humpelpfote. Aber ansonsten fand der Arzt noch nicht, dass man ihn einschläfern müsste. Nur Entzündungsmittel hat er bekommen und den Rat, etwas für die Gelenke zuzufüttern. Aufatmen... aber irgendwann werden wir nicht umhin kommen, ihn zu verabschieden. Zumindest haben wir ihn jetzt tatsächlich auf Hill's umgestellt, da weder Barfen noch Billigfutter wirklich mit seinem maroden Hinterventil kooperieren wollten. Mal sehen, ob es besser wird - ich habe es satt, ständig hinter kackenden Babies und Hunden hinterherzuwischen =)

Jaska hat (meine Diagnose...) offensichtlich Milben, was ich ja schon letzten Freitag befürchtet hatte. Pilze vielleicht auch, aber ich denke, dass wir mit der Milbenbehandlung erst einmal hinkommen. Ausserdem fault sein einer Schneidezahn schon seit dem Sommer vor sich hin, er wächst total verkruckelt und immer wieder über den alten Stumpf hinweg, was meiner Meinung nach auch die anderen Probleme auslöst. Immunsystem im Eimer und dadurch nehmen die Milbchen überhand. Seine Augen sind auch irgendwie trüber geworden und er ist sehr dünn - frisst aber wie ein Scheunendrescher. Also aufpassen und abwarten. Mit seinen fast 6 Jahren ist er auch schon Opi...

Das liebe Henryauto (der dritte Opi) hat einen neuen Türgriff bekommen und die Fordmechaniker haben sich die Zähne an der Wegfahrsperre ausgebissen, sie aber nicht ausgestellt bekommen. Funktioniert also zumindest *ggg* Dass an der Wand hinter deren Auftragsannahme grosse Fotos mit Mikko Hirvonen als ganz normalem Mechaniker und Teammitglied hängen, fand ich richtig cool. Der hat da nämlich mal gearbeitet. Ausserdem wurden zig Ventile, Schrauben und was-weiss-ich ausgetauscht, neue Hinterbremsen eingebaut und überhaupt das Auto so geölt, dass es jetzt leicht wie eine Feder fährt. Woooow, das hat sich also gelohnt. Und die Moneten habe ich überhaupt nur bekommen weil ich a) während des Mutterschutzes nicht die Steuerprozente habe senken lassen (wohlweislich) und b) weil der nette finnische Staat 28% der Zinsen für Wohnungskredite sponsort. Sehr gut, oder?

Dienstag, 22. Juli 2008

Zombie...

Haaa, irgendwie hat gestern eine neue Zeitrechnung angefangen - ich kann das alles noch gar nicht glauben. Die letzen Tage waren ja mehr als bedeppert gewesen, Weltuntergangsstimmung irgendwie. Zig Fotos von Nelson gemacht, ihn ständig angeguckt und bewundert und sich vorsichtig ein Leben ohne ihn vorgestellt. Meine Hoffnung vom Urlaub, dass er es als Strassenhund schon schaffen würde, war immer kleiner geworden und gestern war ich sicher, dass ich ihn zum letzten Mal sehen würde. Ich bin noch einmal mit ihm spazieren gegangen, habe ein schönes Foto mit Halstuch im Wald gemacht und dann sind wir zum Tierarzt. Glauben konnte ich es immer noch nicht, es war wie im Film, aber die Minuten gingen einfach so um und ich konnte nichts aufhalten.

Erst hat Nelson eine Beruhigungsspritze bekommen und ich sass eine halbe Stunde neben ihm auf dem Fussboden, habe ihn gestreichelt und immer wieder angeguckt. Nelson, der die Nacht genauso wie ich grauenhaft schlecht geschlafen hatte, rannte immer nur im Kreis herum und hechelte, hechelte hechelte. Sicher wusste er, dass irgendwas nicht stimmte. Und ich liess unsere sechs Jahre Revue passieren, dachte an die Regenbogenbrücke und an Flügelhunde und an die bald nicht mehr vorhandenen Hundehaare auf unserem Fussboden. Mmmh. Good bye my best friend...

Die Schwester nahm Hundi Blut ab für eine letzte grosse Untersuchung. Ich zählte weiter die Minuten, wartete ungeduldig darauf, dass Nelson müde werden und sich hinlegen würde. Irgendwie konnte ich es nicht abwarten - grotesk... ich dachte immer wieder "nun geh schon", aber gleichzeitig machte ich mir die ganze Zeit bewusst, dass ich ihn jetzt zum letzten Mal gehen, gucken, hecheln und schwanzwedeln sehe, dass dieser wunderschöne und liebe Hund zum letzten Mal vor mir steht und dass ich den Moment eigentlich noch geniessen sollte. Komische Gedanken, schliesslich war er ja noch da und putzmunter.

Schliesslich kam die Schwester wieder. Mit sehr besorgtem Gesicht. Nelsons Nierenwerte waren relativ schlecht, was das Operationsrisiko noch weiter erhöhte. In dem Moment war mir vollkommen klar, dass daraus nichts mehr werden würde. Das war's Lars, Du hast einmal einen Hund gehabt. Den siehst Du nicht wieder, ab morgen hat Susku keinen Nelson mehr. So klar wie Klossbrühe war mir das plötzlich und dann schossen auch schon die Tränen in die Augen. Obwohl ich gar nicht wollte. Die Schwester fragte halb, ob wir trotzdem operieren sollten, sie riet aber unbedingt dazu. Ich sagte so gleichgültig wie nur möglich und Nelson streichelnd, dass ich gestern noch viele Fotos von ihm gemacht hätte und dass es okay sei, wenn er gehen würde. War es ja auch... schliesslich hatte ich mich schon wochenlang an den Gedanken gewöhnt.

Wir hoben dann Nelsie zusammen auf den OP-Tisch, er bekam einen Zugang in die Pfote gelegt und dann sollte ich gehen. Ganz nervös drückte ich den Schwestern noch mein durchgeschwitztes Nachtshirt in die Hand - vielleicht würde sich ja Nelson im Schlaf an uns erinnern, wenn er das Müffelteil vor der Nase hat und doch wieder zurückkommen. Er wurde nochmal gestreichelt, tschüss gesagt und das war's. Zum letzten Mal gesehen. Dass ich nochmal zurück musste, weil ich glatt mein Handy im OP liegengelassen hatte, war irgendwie irre - aber so habe ich halt zweimal "winke winke" gemacht. Dann endgültig weg und ins Auto gesetzt.

Auf dem Parkplatz regnete es in Strömen und genauso kullerten bei mir die Tränen. Mir war plötzlich klar, dass der Abschied schon in diesem Moment stattgefunden hatte und nicht erst, nachdem Nelson gegangen war. Das war es also... schon in diesem Moment war ich also allein und nicht erst, wenn ich sein Halsband und seine Leine aus der Tierklinik tragen würde. Fcuk fcuk fcuk... er war doch mein bester Freund gewesen! Eben noch so lebendig und so vertrauensvoll mitgekommen. Warum nur???

Wie betäubt sass ich im Auto und las Talo & Koti. Rief Mika an, sagte ihm zehnmal "I-i-ich bbbin gar nicht t-t-traurig" und "nein, ich w-w-weine nicht" und "i-i-ist schon okay". Ich habe in meinem ganzen Leben noch nicht gestottert und war selbst überrascht, dass ich vor kaum ein Wort herausbekommen habe. Alle Konsonanten doppelt und dreifach und ich habe nach Luft geschnappt wie ein Fisch. Dabei war ich wirklich nicht traurig, eher erleichtert - aber die Tränen flossen einfach so und ich konnte überhaupt keinen zusammenhängenden Satz sagen. Gehirn wie ausgeschaltet. Dann vergingen die Minuten irgendwie, draussen goss es in Strömen, Weltuntergangstimmung, wie passend. Nelson würde in diesen Momenten gehen, piiiiieeeeep würde der Monitor sagen und seine liebe Seele über das Häuserdach geflattert kommen.

Dann klingelte das Telefon. Ich überlegte sekundenlang, ob ich ihn mitnehmen würde oder ob er dableiben sollte. Ob ich ihn vielleicht noch einmal sehen könnte oder gar streicheln. Wie sie mir es sagen würden. Die Schwester war am Telefon und sagte mit einer ganz sanften Stimme, dass die Narkose gut verlaufen sei. Dass die Narkose gut verlaufen sei. Aber Patient tot, nicht wahr? Nein, sie sagte etwas anderes. Dass Nelson gerade aufwacht und dass ich ihn in einer halben Stunde abholen könnte.

Waaaaaass???? Das kam in meinem Szenario überhaupt nicht mehr vor! Ich hatte mich doch schon von ihm verabschiedet, zig Fotos geknipst und mich gedanklich an ein Leben ohne Hundeschnauze gewöhnt. Und jetzt kommt der zurück? Total irreal. Sicher würde er doch noch irgendwie abklappen, Komplikationen, Wärmeschock oder so etwas. Bloss nicht freuen. Mika heulte fast am Telefon, als ich es ihm sagte. Eine halbe Stunde später hob ich dann tatsächlich einen grauen nassen Sack ins Auto. Mit aus dem Maul hängender Zunge, ganz schlapp und leise brummend. Meinen Zombiehund. Da war er wieder. Nix mit tot.

Und jetzt fühle ich mich wie im "Friedhof der Kuscheltiere". Da läuft ein Hund durch die Wohnung, der eigentlich gar nicht da sein dürfte. Ein bisschen krank und schlapp und mit einer Narbe statt Eierchen, aber quicklebendig. Nelson ist also nochmal von der Regenbogenschippe gesprungen und ich kann es immer noch nicht glauben =) Euer Daumendrücken hat geholfen!!! DANKE... ich werde erst später begreifen, wie knapp das alles war.

Donnerstag, 10. Juli 2008

Penni...

Am Sonntag war Familiengeburtstag. Und zu aller Schrecken stellte sich heraus, dass Penni, der Hund von Männes Tante, schon im April eingeschläfert werden musste. Klar war er alt und ziemlich heruntergekommen, mit steifen Beinen, stumpfen Fell, Knoten auf der Haut, brummig und missgelaunt und nicht ganz ungefährlich. So ganz habe ich ihm nie vertraut, überhaupt habe ich ein bisschen Angst vor Hunden mit Stehohren. Aber dass er jetzt nicht mehr da ist... *schluck* Niemand hat es gewusst, sie konnten nicht eher darüber sprechen :(

Andererseits macht es die Sache mit Nelson ein kleines bisschen einfacher. Noch jemand, der da oben wartet und eine Familie, die genauso getrauert hat, wie das eventuell auf uns zukommt. Wobei ich nach dem Tierarztbesuch gestern wieder etwas optimistischer bin. Die Ärztin hat beim Ultraschall keine Metastasen im Bauchraum oder in der Prostata gefunden. Ist keine Garantie dafür, dass keine da sind, aber sie würde jetzt unbedingt zu einer Kastration raten. Auch wenn das Risiko gross ist. "Wenn es mein Hund wäre" sagte sie. Er wird auch ganz sanft operiert, mit besonderen Medikamenten und einer besonderen Narkose.

Und als ich Nelson dort beim Arzt (wir waren alleine da) lange angeguckt habe, ist mir aufgefallen, wie fröhlich, wie interessiert und wie stark er doch eigentlich noch ist. Perkele, er ist ein Strassenhund! Einer der mindestens ein Jahr lang in der Tallinner Kälte gehockt hat. Dessen Zähne halb ausgeschlagen sind und in dessen Blut Laika fliesst. Der packt das. Wir glauben da jetzt ganz fest dran. Diese Woche wird er erstklassig gebarft, nächste Woche geniessen wir unser Sommerhaus am See und dann wird operiert. Und wenn er es doch nicht schafft - dann haben wir alle unsere Erinnerungen, viele tausend Fotos und die Gewissheit, dass wir es zumindest versucht haben. So. Basta.

Donnerstag, 3. Juli 2008

Nelsonito...

Wir waren wieder mit Nelson beim Tierarzt. Er sollte ja noch einmal gerönt werden, um den Zustand seines Herzens zu überprüfen, ausserdem wollte die Ärztin verfolgen, wie sich sein Krebs entwickelt. Also wir mit Frida und Hundi hin. Leider ist die Lage immer noch so aussichtslos wie vorher - der Hoden ist innerhalb eines Monats um ca. 1 cm gewachsen und er müsste dringend kastriert werden. Das Herz ist aber natürlich immer noch vergrössert und macht schöne Nebengeräusche. Sicherheitshalber haben wir jetzt auch Entwässerungsmittel bekommen, damit sich in Nelsons Lunge kein Wasser sammelt. Er hustet zwar nur selten, aber sicher ist sicher.

Der einzige Lichtblick ist, dass sich jetzt eine Spezialanästesistin unseres Wuffis angenommen hat. Er wird nächste Woche 40 min lang gründlich mit dem Ultraschall durchleuchtet und dann treffen die Ärzte eine Entscheidung, ob wie und wann kastriert wird. Oder in klarem finnisch, ob sich so eine schwere Operation überhaupt noch lohnt. Wenn die Zellen schon gestreut haben, brauchen wir uns nämlich keine grosse Hoffnung mehr zu machen. Die Prostata ist auch vergrössert und im Brustraum waren einige Verdickungen zu sehen. Ach mein Nelson.... ich kann Dich unmöglich "gesund und munter" umbringen lassen. Vielleicht gehen wir als Partisanen in den Wald.

Aber ich weiss auch, dass ihm nichts wehtun darf. Dass er so fröhlich und munter gehen soll, wie wir ihn kennengelernt haben. Auch wenn es mich halb umbringen wird. Aber andererseits hatte er 6 schöne Jahre mit uns. Durch das Baby habe ich eh nicht mehr so viel Zeit für meinen Schatz wie damals, 2002 und 2003, als wir sogar Clickertraining gemacht haben. Als wir in der Hundeschule herumhingen, abends so lange spazieren gegangen sind, dass ich den letzten Bus in die Stadt (die Bars....) verpasst habe und mit dem Taxi fahren musste. Wo wir jeden Sommerabend zusammen an den Vietnam Beach Strand gefahren sind. Mehrmals täglich den Wald unsicher gemacht haben. Oder das Stadtzentrum. Wo der liebe Hund sämtliche Lover erstmal begutachten musste. Wo wir zusammen zu fünft im kleinen Fiesta nach Kuhmo gefahren sind. Wo er im Hundepark randaliert hat. Wo wir zusammen den Sonnenuntergang bestaunt haben. Wo er überallmithin durfte und mein aller, allerbester und einziger Freund war. Och mannooooooo...

Der einzige Lichtblick ist, dass er dort oben mit Häkkinen, Rekku und Musti zusammen wäre *ganzfestglaub*. Dass es dort viel Fleisch und leckere Knochen gibt. Dass wir uns eines Tages wiedersehen. Dass wir uns keine Sorgen mehr zu machen brauchen, weil Nelson zu viel allein zuhause ist, zu wenig gestreichelt wird oder zuwenig zu fressen bekommt, weil wir so viel anderes um die Ohren haben. Dort oben wird er wieder hören. Er wird sich blitzschnell hinsetzen können, statt langsam in die Knie zu gehen. Seine abgebrochenen Zähne werden wieder schön lang und weiss sein. Und er wird vielleicht von uns und der kleinen Frida träumen. Und wir hier auf der Erde könnten sein Plätzchen einem anderen Wesen geben, was dringend ein Zuhause braucht. Vielleicht eine kleine rote Katze. Vielleicht ein Wegwerfmeeri. Vielleicht später einmal wieder ein Hund. Der beste Freund des Menschen *unterstreich* Oder vielleicht zumindest ein paar mehr Euros für die estnischen Tiere. Ooooooder - ich glaube es einfach nicht - Nelson schlägt nach der Operation einfach seine schönen braunen Augen auf und fragt "war was?"

Dienstag, 1. Juli 2008

Gourmet...

Spaghettiessen in fünf Akten - am besten ich lasse das jetzt mal ohne Kommentar =) Wie man sieht, hat das Mäuschen die 8-Monats-Gläschen völlig übersprungen und ist direkt von der ganz feinen Pampe für 4 Monate alte Babies zum Erwachsenenessen übergegangen. 8-Monats-Gläschen mit Stückchen findet man nämlich immer noch zum K.... oder es liegt einfach daran, dass die Mama besser kocht als die Herren Piltti, Muksu, Semper, Nestle & Co. *wohlselbernichtglaubenkann*

Jedenfalls ist es wieder einmal gut, einen Hund zu haben, der hinterher in der Küche ein bisschen aufräumt. Oder genauer gesagt - aufschleckt. Das Kind musste natürlich in die Wanne =) Was auch ein Grund dafür sein könnte, warum Fräulein Wasserratte überhaupt so gekleckert hat *grins* An dieser Stelle übrigens noch ein Dank an die Herren Ecover, Luvil, Ariel und Persil, die unsere Sachen hinterher auf wundersame Art und Weise immer wieder strahlend sauber bekommen.

Freitag, 6. Juni 2008

Nelson krank...

Leider gibt es auch sehr traurige Nachrichten. Gestern war ich mit Nelson (und Frida natürlich) beim Tierarzt, wo er gegen Zwingerhusten geimpft wurde. Übrigens nett, dass die einen per Post an die Impfungen erinnern. Ich kenne zwar die Vorbehalte gegen das Impfen bei Hunden und Babies, bin aber nicht Experte genug, um da wirklich eine Entscheidung treffen zu können. Also hat die liebe Fellnase eine Spritze bekommen und nicht einmal mit der Wimper gezuckt.

Aber alles andere ist schlimm. Sein Herz hat immer noch wilde Nebengeräusche, seine Eckzähne sind schon eh und je im Eimer und beim Abtasten stellte die Tierärztin sofort fest, dass sich in den Hoden Tumoren gebildet haben. Na suuuper... ich wollte eh danach fragen, weil die Bammeldinger in der letzten Zeit irgendwie anders ausgesehen haben, etwas grösser und sie hängen einfach anders als vorher. Meist geht ja Mika mit Hundi spazieren und dem ist das noch nicht aufgefallen. Jedenfalls würde nur eine Kastration helfen. Dagegen habe ich auch nichts - aber das Risiko, dass er mit seinem Herzen nicht mehr aus der Narkose aufwacht, soll ziemlich gross sein. Und jetzt?

Entweder der arme Kerl stirbt an seinem schwachen Herz - er hustet und keucht jetzt bei der Hitze extrem und man muss ganz langsam mit ihm spazierengehen, wenn es nicht gerade früh morgens oder spät abends ist - oder an dem dämlichen Krebs. Welches kommt zuerst? Was ist schlimmer? Wie lange geht es ihm noch gut? Taub ist er ja inzwischen auch *heul* Oder er klappt ab, wenn er operiert wird. Wenn wir ihm eigentlich helfen wollen. Was soll man da bloss tun? Er ist doch mein grosser lieber Schmusebär, so einen Hund finden wir im Leben nicht wieder.

Auf jeden Fall bekommt er jetzt weiter Fortekor, wir stellen ihn wieder auf Barfen um, lassen das vorgeschlagene Röntgenbild des Brustkorbs machen, fragen dann noch einmal mindestens einen anderen Doc und dann entscheiden wir. So richtig begreife ich das alles natürlich noch nicht. Mein Nelson sterben??? Nicht wieder aufwachen??? Wo wir ihn selbst hinbringen??? Das geht nicht... Mein einziger Trost ist, dass er schon 2002 in Tallinn eingeschläfert werden sollte, weil ihn niemand wollte. Er sah "zu normal aus"... bis die netten Finns von Pelastetaan Koirat ihn auf ihre Website setzten und eine kleine frisch ausgewanderte Deutsche sein Bild sah und sich verliebte...

Seitdem hatte er sechs mehr oder weniger schöne Jahre bei uns. Ach mein grosser, lieber, knuddliger Nelsie. Du darfst noch nicht gehen. Aber wenn Du wirklich musst, dann helfen wir Dir natürlich. Versprochen.

Samstag, 10. Mai 2008

Sommer...

Hachja, der finnische Frühling geht immer mehr oder weniger nahtlos in den Sommer über. Oder sagen wir, dass hier eigentlich der Frühling die Jahreszeit ist, wo zwar noch Schnee liegt, aber schon die Sonne vom Himmel knallt und es nicht mehr dunkel ist. Sobald draussen alles grün wird, haben wir dann Sommer - und das ist jetzt =)

Männe ist für zwei Tage in Kouvola auf einer Rally (wo sonst?) und Frida und ich amüsieren uns allein zu Hause. Sehr schön, sehr geruhsam und gemütlich. Auch, wenn ich zwischendurch Anfälle bekomme, weil ich trotz ständigen Aufräumens aus unserer Bude keine Vorzeigewohnung machen kann. Irgendwie fehlen uns Schränke und Platz, oder wir haben zuviel Gerümpel für unsere zwei Zimmer. Gestern war ich vormittags auf Arbeit, was diesmal richtig schön war. Ruhiger und gezielter als Zuhause, also freue ich mich jetzt doch auf den Juni. Vielleicht müssen wir dann etwas gegen die finnikliche Arbeitslosenquote tun und eine Putzfrau anstellen. Man bekommt ja hier sogar eine Steuerermässigung dafür, auch wenn es im Gegensatz zum deutschen Wessiland hier extrem selten ist, dass jemand sich privat eine Haushaltshilfe hält.

Am Nachmittag waren Baby und ich bei einer befreundeten Familie, die ganz um die Ecke wohnt und deren Sohn fast genauso alt wie Frida ist - nur haben wir es in fast einem Jahr noch nicht geschafft, uns mal zu besuchen. Jonas wächst auch zweisprachig auf und wir sind beide beim Babyschwimmen, aber er scheint ein sehr viel einfacheres Kind als Frida zu sein. Schläft regelmässig, mäkelt nicht beim Essen herum und wächst wie ein Weltmeister, während man bei unserer Quengelnase nie so richtig weiss, was sie wann machen möchte. Männes Schwester sagt immer, Frida hat nur zwei Gesichter - entweder sie strahlt wie ein Honigkuchenpferd oder sie weint ganz jämmerlich... Ein bisschen traurig war ich dann gestern abend schon - aber dafür hat unsere Maus das niedlichste Hamstergrinsen und den besten Humor auf der ganzen Welt!

Abends sind Frida dann schon um 18 Uhr ins Bett und haben bis heute um 4 geschlafen. Also mal wieder eine Morgensaktivitätswoche *lach* Um 9 waren wir beim Babyschwimmen, was Frida so richtig genossen hat. Sie war ja wegen ihrer Schnupfennase, unserem Urlaub und ihrer Pennerei wochenlang nicht mehr dort gewesen. Aber heute fand sie sofort alles toll, hat geplantscht und gelacht und mit den anderen Leuten dort geschäkert, dass ich wieder richtig stolz auf sie wurde. Das Duschen ist jetzt auch viel einfacher, wo sie nicht mehr still im der Babyschale sitzen und warten muss, sondern in den Duschen herumrobbt und mit den anderen Kindern und Erwachsenen flirtet, während ich in Ruhe meine Haare und den gestreiften Luxusbody waschen kann. Sogar in der Sauna sass sie ganz lieb da. Ich muss nur aufpassen, dass sie nicht bei ihren Stehversuchen auf die glatten Fliesen klatscht *weia*

Und jetzt schläft das Kind im Autositz schön zugedeckt auf der Terrasse, daneben sonnt sich der Opihund (den ich seit gestern schweren Herzens auf Trockenfutter umstelle, weil ich zum Barfen momentan viel zu zerstreut bin...), die frisch gewaschene Wäsche wiegt sich im Wind, der Himmel ist knallblau, die Sonne scheint, die Vögel singen und ich hole mir die fünfte Erkältung, weil ich nur im T-shirt im Garten herumgehüpft bin. Sommer!!! Und bald können auch die Meeris nach draussen. Löwenzahn und Giersch haben sie schon gekostet und für gut befunden. Eigentlich könnte es immer so sein...

Sonntag, 10. Februar 2008

Waschmaschinenstreik...

Ich glaube, unsere Waschmaschine meldet sich bald freiwillig bei huuto.net an, um ein neues, freundlicheres Zuhause zu finden. An schicke Bürosachen und flauschige Freizeitbekleidung sowie eine schonende Behandlung gewöhnt, muss sie sich neuerdings mit sehr eigentümlichen Aufgaben beschäftigen. Die Herrin des Hauses stopft ungefragt vollgekäkkerte Windeln und Mulltücher in das freundlich dreinblickende grosse Bullauge. Mit Maisbrei verklebte Lätzchen und mit Heidelbeerpampe vollgeschmierte Bodies. Vollgekotzte Laken, Schlafsäcke und Pupspyjamas. Statt wohlriechendem Ariel und duftendem Weichspüler muss men ekliges unparfümiertes Waschmittel von LV oder Erisan trinken oder gar das ganz und gar alternative Ecover von der Ökofraktion. Yäks.

Wenn Upo-Minna das Zeug dann fleissig gewaschen hat, muss sie alles noch stundenlang im langsam aber sicher verrostenden Bauch behalten, bis die liebe Emäntä endlich mal Zeit zum Aufhängen findet. Oder nochmal waschen, wenn es allzu lange gedauert hat (ich bin ja dafür, dass so ein Maschinchen leise zwitschert, wenn es fertig ist und dann vielleicht einmal pro Stunde, bis sie geleert wurde) Das nette Waschmaschinengesicht könnte auch mal wieder mit einem Lappen von Staub, Haaren und undefinierbaren sonstigen Resten befreit werden. Und überhaupt ein paar Streicheleinheiten bekommen. Aber am aller, am allerschlimmsten ist der Opahund. Nicht nur, dass seine Haare die ganzen empfindlichen Waschmaschinenporen verkleben und schwarze Wäsche sowie Socken völlig unreinigbar machen - neeein, der olle Fellhaufen hat auch zunehmend Probleme mit seinem hinteren Schliessmuskel - und dann fliegt ein, zweimal im Monat ein bräunlicher Teppich in die Luke.... nein, das ist wirklich das Letzte.

So geschehen letzte Nacht. Verschnupftes Baby schläft neben Mama lieb ein, schnorchelt durch die Rotznase. Pyjama durchgeschwitzt, Windeln waren schon tagsüber nett mit braunem Muster verziert worden. Also in die Waschmaschine gestopft. Nicht schlimm. Nachts komischer Geruch. NEEEELSON!!! Vorsichtig nach Brille getastet, nicht gefunden. Dunkler Schatten auf grünem Schlafzimmerteppich liess Böses ahnen. Na super. Also Nelson im Nachthemd und praktisch im Blindflug in den Garten befördert, Waschmaschine wieder ausgeräumt und stinkenden Teppich bei 60% gewaschen. Ein Glück, dass man im Finnenländle Parkett und Laminat richtigem Bodenbelag und grossen Teppichen vorzieht. Nelson wieder reingeholt. Gestreichelt und ins Hundebett gebracht.

Weitergeschlafen. Gegen 6 Uhr beschlossen, dem langsam aufwachendem, schnaufenden und hustendem Baby noch einmal Meduzin zu geben. Auf Empfehlung der Apotheke süssen Panadolsaft statt Zäpfchen. Wirkt schneller und man braucht keine Windel auszuziehen. Baby mag aber Pobehandlung mehr. Weint und schiebt die Spritze weg. Ist müde. Panadolzäpfchen sind alle, also Saft. Papa beruhigt Baby. Baby schluckt zentimeterweise süssen Saft. Schluchzt nur leise. Reibt sich die Augen. Hat viel Schleim im Hals (warum muss sie auch soviel Milch trinken...) Mama findet Brille. Schmeisst dabei etwas auf ihre Füsse. Erkennt es als einsames, letztes Zäpfchen. Doppelt Meduzin geht aber nicht. Mmmh. Schulterzucken. Baby Küsschen geben. Papa geht aufs Klo. Baby hustet einmal laut und sagt zweimal "yöööäääks" und Mama, Pyjama, Bettdecke und Laken sind schlagartig von literweise klebrigem Saft, halb vergorener Milch und grünem Schleim bedeckt. "%#%¤!" Mama flucht und gibt Aufgabe an die Waschmaschine weiter. Man gut, dass wir im 21. Jahrhundert leben. Und dass die Waschmaschine keine Beine zum Wegrennen hat, hehehehe.

Dienstag, 25. Dezember 2007

Joulupäivä und die verflixte Sieben...

Der heutige Tag ist schnell vergangen. Meiner einer ist schon um 4 wieder wach gewesen und glücklicherweise habe ich in einem Anflug von Aktivität sofort vormittags die Ente gebraten. Was sich als sehr nützlich erwiesen hat - beim Zubettbringen von Klein-Frida um 10 Uhr (Männe pennte noch) sind mir auch wieder die Augen zugefallen. Um dann umso schneller wieder aufzuklappen, als Mika mich weckte und sagte, dass es 15 Uhr sei und in einer Stunde seine Eltern zum Entenessen kommen würden. Ach die Sch... ich also raus aus dem Bett, Kartoffeln aufgesetzt und Rotkohl warmgemacht. Puuuh.

Ich ärgere mich jeden Tag grün und blau über den verkorksten Tagesrhytmus - aber wenn es immer dunkel ist, muss man ja zwangsläufig mit der Schlaferei durcheinander kommen. Also haben wir gegen 17 Uhr lecker Ente gemampft - die Finns wie immer mit Milch anstatt Wein im Glas *lach* und dann sind wir nach Korpilahti gefahren, um die Verwandten mütterlicherseits auf dem Friedhof zu besuchen. Mit Navigatorunterstützung. Wobei ich im Auto schon wieder ständig eingenickt und schliesslich zuhause um 22 Uhr wieder ins Bett gefallen bin. Normal ist das nicht, oder?

Mein extrem tolpatschiger Hund hat es übrigens geschafft, in eine der beiden vor der Haustür brennenden Kerzen zu tappen. Es hat ihm sicher weh getan und jetzt müssen wir zusehen, wie wir das Wachs von der Pfote bekommen. Ich hoffe, dass sich nichts entzündet - bisher sieht die Tatze ganz normal aus. Aber ich habe noch nie ein Tier gesehen, was so ungeschickt wie Nelson ist...

Und: ich hätte fast vergessen, dass heute wieder der 25. ist! Frida ist genau 7 Monate alt geworden! Klar, dass das im Weihnachtstrubel untergehen musste. Aus aktuellem Anlass knuddle ich also hiermit mal aufrichtig alle Leute, die Ende Dezember und Anfang Januar Geburtstag haben oder gar jetzt zu den Feiertagen. Die bekommen sicher ihr Leben lang nur halb so viele Geschenke wie andere, kaum jemand kommt zu den Feiern und und und. Ich glaube, wenn Frida jetzt geboren wäre, hätten wir einfach im Sommer eine sozusagen gespiegelte Geburtstagsfeier gehalten *lach* Zumindest Ihren Namenstag hat sie ja Ende Dezember =)

Jedenfalls ist 7 Monate schon eine ganz andere Liga. Die Kiddies habe ich früher nie so richtig beachtet, weil es ja schon fast Kleinkinder waren. So wie die Jungs in der Musikschule. Auf dem Weg zu einem dünnen, schlaksigen, aufgeweckten, krabbelnden und erste Schritte machenden Toddler... Wobei ich zugeben muss, dass ich kurz nach Fridas Geburt auch befreundete Babies im Alter von drei bis sechs Monaten für eine "ganz andere Liga" gehalten habe. Statt meinem zarten, zerbrechlichen, winzigen und wunderschönen Zuckerpüppchen waren das so dicke, pausbäckige, riesengrosse und unbeholfene Maden im Speck *lach* Und drei Monate später habe ich Fridas Neugeborenenbilder nur noch mit Entsetzten angeguckt - sie war soooo dünn, die arme Maus! So schmal und klein, so winzige Fingerchen und so dürre Beinchen - neee, danke, da mag ich mein Michelinmädchen mehr!

Donnerstag, 13. Dezember 2007

Frost...

Da hatte ich doch gestern und heute ständig mit Frostproblemen zu kämpfen. Kein Wunder in einem Land, wo von November bis März Minustemperaturen zur Tagesordnung gehören - aber es ist ein bisschen vielschichtiger. Also, erstens kann ich mich überhaupt nicht damit anfreunden, dass in den besagten 5 (!) Monaten ständig die Autoscheiben eingefroren sind. Ich hasse Autokratzen wie die Pest. Vor allem, da ich jedesmal vergesse, dass es dieses Phänomen gibt und entweder keine Handschuhe mithabe, überhaupt zu dünn angezogen bin, der Kratzer spurlos verschwunden ist oder Frida das Auto zusammenbrüllt, während ich draussen herumhampele. Perhana...

Am witzigsten sind dann immer die eiskalten Tage im Januar und Februar, wo die Autoscheibe sogar innen von dickem Eis überzogen ist. Beim Kratzen rieselt dann leise der Schnee auf Haare, Jacke und das Armaturenbrett. Dazu kommt, dass die Gangschaltung und die Lenkung klemmen, weil das Öl am Einfrieren ist. Willkommen in Finnland! Oder die Tage, wo sich sofort nach dem Kratzen wieder eine dünne Dunstschicht auf der Windschutzscheibe bildet, die schönes, aber zum Durchgucken völlig ungeeignetes Milchglas bildet, so dass man nach 100 m Fahren irgendwo im Blindflug eine Bushaltestelle ansteuern und fluchend aus dem Auto springen muss, um noch einmal zu kratzen. Oder die Tage im März, wenn die Sonne schon scheint, aber so flach durch das halbwegs freigekratzte Fenster guckt, so dass man überhaupt nichts mehr sieht. Glas weiss, Strasse weiss, Böschung genauso weiss. Aaarrghhhh.

Das Kratzproblem haben wir also jetzt nahezu jeden Tag. Und besonders ärgert es mich, dass es zwar solche Innenheizungen gibt und sie nur ca. 300 e kosten, ich sie aber nie eingebaut habe, weil ich immer mit dem Ableben meines geliebten Henry Ford gerechnet habe - inzwischen 6 Jahre lang. Und ich wette immer noch, dass das liebe Auto spätestens einen Tag nach dem Umbau die Reifen hochreisst =) In Finnland sind Autos übrigens so wild, dass man sie zumindest im Winter abends auf dem Parkplatz festbinden muss *lach* Neee, im Ernst, sie werden in eine Steckdose mit Zeitschaltuhr gesteckt, so dass zumindest der Motor vorgewärmt wird, bevor man am nächsten Morgen startet. Und gut gerüstete Autos heizen auch den Innenraum, siehe oben. Das ganze System muss aber in einem aus Deutschland importierten Henry Ford erst nachgerüstet werden. Wäre ich man doch nach Spanien gegangen... *lach*

Gestern Abend allerdings wartete eine andere böse Falle auf mich. Ich hatte Frida mit Ach und Krach geweckt, sie auf dem Arm zum Auto geschleppt - und dann gingen die Türen nicht auf. Total eingefroren bei -9 Grad, nachdem es tagelang warm war und geregnet hatte. Naaa super! Mit einer Hand konnte man auch nicht genug Gewalt anwenden. Baby auf den kalten Fussboden ging auch nicht. Geschweige denn das Handy aus der Handtasche fummeln, um den lieben Gatten um Telefonsupport zu bitten. Zum Glück kamen in dem Moment gerade unsere neuen Nachbarn nach Hause. Erst zogen und schoben sie und dann musste der Mann irgendeinen Keil in den Türrahmen schieben, damit die Blockierung gelöst wurde. Puuuhhh. Aber selber schuld, wenn man die Gummis nicht rechtzeitig mit Silikon einschmiert.

Mein zweites Frosterlebnis kam dann gestern nachmittag. Im Gefrierschrank hatte sich so dickes Eis gebildet, dass die Tür nicht mehr zuging. Na toll... aber wir wollten das Ding ja eh schon länger abtauen. Glücklicherweise war genug Frost, um unseren Garten zum überdimensionalen Gefrierschrank umzufunktionieren. Die Elstern, Nelson und was-weiss-ich gierten um die Boxen herum, aber alles konnte heute früh unbeschadet wieder eingeräumt werden. Nur dass das Parkett in der Küche mehr oder weniger überschwemmt war und wir es durch den ganzen Stress schon seit vier Tagen nicht in die Sauna geschafft haben...

Das dritte Mal hatte ich dann heute mit Frost zu tun. Endlich habe ich einmal rechtzeitig daran gedacht, im Internet nachzugucken, wann denn der Kennelrehu LKW nach Jyväskylä bzw. Palokka kommt. Früher war ich jeden Monat da, um gefrorenes Fleisch und Knochen für Nelson zu holen, aber mit dem Babystress ist alles irgendwie durcheinander gekommen, so dass wir meistens sein Futter bei Draculan Rehu oder im normalen Supermarkt besorgt haben. Wobei das Angebot von Kennelrehu viel vielseitiger und auch billiger ist. Jedenfalls war es gerade heute soweit, ich bin spontan alleine los und habe kiloweise Magen, Leber, Rippenknochen, Hühnerhälse & Co. für unseren Hauswolf eingesackt. Dann werden wir wohl doch weiter barfen, statt auf Hills oder Eukanuba umzusteigen, wie ich es aus praktischen Erwägungen kurz in Betracht gezogen hatte. Nelson freut es =)

Ansonsten war ich heute vier Mal in Jyväskylä - erst zu Kennelrehu und Neuvola, dann Mika auf Arbeit gebracht, dann gleich zum Tragesackgeschäft, nachmittags zum Babycafe, über Puuppola eine kleine Frida-soll-in-Ruhe-schlafen-Runde zu Neste gedreht und dann Mika wieder abgeholt. Kein Wunder, dass die Kleine jetzt fertig ist und im Bett schnarcht =) Aber ich habe seit langer Zeit mal wieder Tageslicht gesehen und es schien sogar die Sonne! Wie schön... Und meine Tragesackentscheidung baumelt jetzt zwischen Yamo und Patapum. Männe und ich müssen am Dienstag nochmal zusammen anprobieren fahren. Und schon wieder eine Woche rum!

Sonntag, 18. November 2007

Doggies...

Wir haben ein schönes Wochenende hinter uns. Da Frida tagsüber kaum noch schläft, brauchen wir uns noch nicht einmal um Zeitpläne einen Kopf zu machen, sondern können einfach losfahren. Wenn sie müde wird, schläft sie halt im Auto oder im Buggy ein - eine Garantie für zufallende Augen haben wir nämlich momentan zuhause auch bloss nicht *lach* Heute früh habe ich mir schon ein Bein ausgefreut, weil ich endlich mal Bilder der Kinder von Martin Gore im Internet gefunden habe. Cool irgendwie, die Sprösslinge meines "besten Jugendfreundes" zu sehen. Komisch, dass ich noch nie vorher danach gesucht habe.

Dann waren wir traditionell bei der Internationalen Hundeausstellung, die hier jedes Jahr im November stattfindet. Wie immer bin ich gleich zu den Afghanen in Ring 21 gerast, habe die Fellberge mit den schönen langen Nasen angehimmelt, bis mein Blick auf die viel leichter zu pflegenden Salukis fiel, habe Mika sämtliche Hunderassen erklärt, bis er sich überhaupt nicht mehr durchgefunden hat und habe am Ende doch festgestellt, dass unser Nelson der allerschönste, liebste und süsseste Hund der Welt ist *lach*

Was mir an Rassen ausser dem berühmten Estonischen Tax Free Wolf Retriever noch sehr gut gefällt: Afghanen, Salukis, Chinese Cresteds, Labradore, Dogo Argentinos, Rottweiler, Weimaraner, Karelische Bärenhunde, Westsibirische Laikas, Whippets, Bulldoggen, Huskies, Wolfshunde und sogar Pitbulls... Gar nichts anfangen kann ich mit den meisten Spitzarten und Schosshündchen, also alles was hektisch und nervös ist und viel bellt. Aber auch Jagd- und Schäferhunde reizen mich nicht so besonders, vielleicht weil sie zu anspruchsvoll sind. Aber am interessantesten an solchen Shows finde ich immer, die Hunde, die ich aus Büchern kenne, auch mal "in echt" zu sehen - schon allein um die Grössenverhältnisse und das Verhalten besser einschätzen zu können. Hachja, die Fellnasen...

Zum Schluss haben wir für Nelson ein neues Bett gekauft, diesmal mit limegrünen Marimekko-Muster, wie es sich für einen Hund von Welt gehört, und endlich mal zum Abziehen und Waschen, wie es am besten zu unserem Schmorferkel passt. Man lernt schliesslich dazu! Abends hat der alte Herr erst drei Runden um das Ding gedreht, weil er dachte, dass es Frida gehört - und dann hat er doch dankbar seine Rübe darauf gebettet. Ich hoffe, dass jetzt Baby's Decke auch wirklich dem Baby vorbehalten bleibt. Aber woher soll der Hund auch wissen, dass seit diesem Frühling nicht mehr jede Decke auf dem Fussboden für ihn bestimmt ist =)

Mittwoch, 15. August 2007

Tag zwei von sieben...

Ojee, unser Leben hier "unter Mädels" ist wirklich arg spannend. Der zweite Tag ohne Mika ging relativ gut, ja, wir waren sogar ziemlich in Eile. Zunächst wurde ich bei meiner nächtlichen Surferei - Frida schlummerte schon süss im Schlafzimmer - von einem Klawitter überrascht. Gerade als ich schlafen gehen wollte, zuckten die ersten Blitze. Und dann hatte ich natürlich zu viel Angst, einzuschlafen. Bis nachts um drei lag ich wach im Bett, spielte mit dem neuen Nokia und liess im Radio Suomipop laufen, um nicht ganz in Panik auszubrechen, während das Fridababy pennte. Zum Glück ist der arme Nelsonhund inzwischen so taub, dass er nichts von dem Blitzen und dem Donner mitbekommen hat. Als das Gewitter dann weitergezogen war, durfte ich eine weinende Klein-Frida beruhigen *aarggh* Irgendwie brüllt sie jetzt doch seit Freitag jede Nacht bis zu einer Stunde... Wir dachten zuerst, dass es daran lag, dass ich Kaffee bzw. sogar etwas Energydrink getrunken hatte, aber da muss noch etwas anderes sein. Vielleicht mal wieder ein Wachstumsschub *schulterzuck* Naja, da müssen wir dann wohl durch. Jedenfalls pennten wir beide dann schlagalle bis Mittag.

Geweckt wurde ich eigentlich durch Nelsons Ohrenschütteln und der erste Blick in die Schlapperlappen zeigte dann die Bescherung: viel schlimmer entzündet als gestern. Also Tierarzt angerufen. Die Tierklinik Palokka hätte erst am Freitag (!) einen Termin gehabt, also beschlossen wir, die Otso-Klinik in Keljonkangas zu testen. Der Termin war schon eine Stunde später - nix wie Baby wecken, windeln, anziehen, Hund schnappen und ab ins Auto. In mein Auto, was eigentlich nicht mehr für Hundetransporte gedacht war, mühsam hatten wir damals die Rückbank von Haaren saubergesammelt... Natürlich war Frida nicht gefüttert und brüllte dann beim Arzt gleich für den armen Nelson mit. Und der hatte natürlich noch keinen Nachmittagspaziergang gemacht und setzte einige kleine Köttel auf den Boden im Wartezimmer. Zum Glück barft er und macht keine Riesenhaufen. Weiaaa, kaum ist Männe nicht da, bricht hier wirklich das Chaos aus. Die Rechnung von 85 e für Ohrengucken und Medikamente war dann auch nicht gerade erheiternd - aber was tut man nicht alles für seine Vierbeiner...

Danach sind wir gleich nach Kuohu gefahren. Nelson ins Haus der gerade in Lappland weilenden Schwiegereltern gebracht, kurz mit Miksu gesimst und dann ab zu Takkula. Dort haben wir den Rest des Abends gelabert und Fernsehen geguckt. Es ist immer interessant, Frida auf Soljas Arm zu sehen - sie hat sie nämlich als eine der ersten fremden Personen gehalten und ich weiss noch genau, wie die Grössenverhältnisse damals waren *lach* Und es gab Essen und Trinken - sehr gut, da konnte sich unsere Mikrowelle ein bisschen erholen =) So gegen 21 Uhr sind wir zurückgekommen und ich musste traurig feststellen, dass das Internet nicht funktioniert... verdammt, irgendein Passwort will der PC haben... keine Ahnung! Mika hat auch keine Lösung, ich soll morgen mal unseren Mikrotuki anrufen. Mmhhhh, blöd, all sowas passiert gerade wenn man allein zuhause ist...

Montag, 9. Juli 2007

Morgenstunde...

Eigentlich gibt es kein spezielles Thema, über das ich schreiben könnte. Gestern zusammen mits Kind bis 17:25 (!!!) geschlafen und natürlich bekomme ich jetzt die Augen nicht zu. Was aber, wie gesagt, auch egal ist, weil es ja eh fast rund um die Uhr hell ist. Siehe Webcam. Worüber macht man sich da so Gedanken....

Unsere Kleine ist enorm gewachsen. Wenn man sich Bilder von vor einem Monat ansieht, denkt man kaum, dass es noch das gleiche Baby ist. Der Kopf ist oval geworden, nicht mehr kullerrund, sie hat dicke Bäckchen und sperrt viel öfter die schönen Knopfaugen auf, als sie das früher gemacht hat. Ihre gestreifte Knastihose, die vor einiger Zeit unten gerade so die Zehen freigab (sie sah aus wie ein kleiner Schimpanse), geht jetzt nur noch bis zu den Knien - und unten gucken dicke Speckbeinchen heraus. Komisch, einerseits kann ich es gar nicht erwarten, dass sie ein richtiges kleines Mädchen wird, dass sie lacht, spricht, lange Haare bekommt und zu laufen anfängt - andererseits vermisse ich jetzt schon den kleinen Murkelwurm von Ende Mai. Tsja, Mutterschicksal =)

Ausserdem ärgert uns die Bürokratie. Bekomme ich doch am Freitag einen Brief, dass Maistraatti gerne noch eine Bestätigung über meinen Familienstand in Deutschland hätte. Na toll, das fällt denen jetzt ein, wo wir am 15.6. die Vaterschaft bestätigt haben und in genau 6 Tagen die Taufe stattfindet. Hintergrund ist natürlich, dass Mika kein Papa sein kann, falls ich in D schon verheiratet bin. Aber hätten die nicht schon eher mal anrufen können? Mich ärgert es auch irgendwie jedesmal, wenn finnische Behörden oder Firmen mir allein aufgrund des Namens auf englisch schreiben... obwohl es natürlich sehr höflich wäre, wenn ich kein finnisch könnte. Haaaach, wie immer kann man es mir nie recht machen! Jedenfalls hoffe ich, dass Fridadida trotz allem den Nachnamen ihres Papa bekommen kann. Mit meinem ist sie ja hier aufgeschmissen, siehe drei Sätze zurück. Jetzt müssen wir mal sehen, ob das Bürgerbüro in HBS das gebacken bekommt. Am Telefon hiess es, sie können die Bestätigung schicken, aber keinesfalls auf englisch. Also müssen wir das dann offiziell übersetzen und beglaubigen lassen. Was sicher wieder dauert. Also, Resultat: die finnischen Behörden sprechen das an englisch zuviel, was die deutschen Behörden zu wenig können *lach* und überhaupt nutzen die ganze EU und Schengen bei sowas überhaupt nix. Booaaah, Bürokratie...

Und dann ist hier noch eine kurze Zusammenfassung, was wir in den vergangenen Tagen gemacht haben:

  • Tierarztbesuch mit Nelson. Der arme Kerl hatte Tag und Nacht gehechelt und wir haben uns wirklich Sorgen gemacht. Schon am Tag vor Fridas Geburt wurden ja bei ihm Nebengeräusche im Herz festgestellt - und die Diagnose hat sich jetzt bestätigt. Herzklappenfehler, vergrössertes Herz und Verdickungen im Brustraum. Er bekommt jetzt Fortekor und ich hoffe, dass es ihm dadurch besser geht. Armer lieber knuffliger süsser Opihund. Ich hoffe, wir haben ihm nicht mit unserem Baby das Herz gebrochen *seufz*

  • Besuch in Takkula. Hihi, anscheinend sind wir neuerdings begehrte Gäste. Dauernd bekommen wir Einladungen, bei Mikas Familienmitgliedern und unseren Freunden vorbeizukommen, die haben alle furchtbare Sehnsucht nach uns. Oder doch nach Friiiida? =)

  • Klamottenshoppen. Miksu und ich haben samt Kinderwagen das Jyväskyläer Zentrum unsicher gemacht, um Sachen für die Taufe zu kaufen. He, ich hätte mir nie träumen lassen, mal zu dritt, mit meiner eigenen kleinen Familie über die Kauppakatu zu schlendern. Wo ich doch schon als mittellose Studentin, später als verliebte Urlauberin, als eilige Geschäftsfrau und als versackte Barbesucherin herumgeschlumpft bin. Mika hat einen Anzug für 100 e und meinereiner ein Shirt für 12 e bekommen. Danke ALE(nnusmyynti).

  • Mökkiparty bei Sami. Wir waren in Vuontee bei Laukaa, haben an einem schönen Sandstrand Makkaras gegrillt, Eierkuchen schwarz werden lassen und bis zum Abwinken Erdbeeren genascht. Und meiner einer hat freiwillig den ganzen Abend ein Bündel mit Matti-Nykänen-Hosen (also bis unter die Achseln) festgehalten, dass unbedingt bei Mami sein wollte. Was soll's....

  • Mökkiparty bei Timo. Am gleichen Abend - Mika hat sich vollaufen lassen und ich war nur kurz da, um das Baby herumzuzeigen. Lustig, wie unsere Freunde immer staunen. Habe ich ja vor einem Jahr auch noch so gemacht. Ich hatte wirklich null Ahnung von Kindern - und jetzt sind wir selbst Eltern *schnellmalinarmkneif* JP sind fast die Augen herausgefallen. Und Timos Tochter ist jetzt 8 Monate, er hat Mika gute Tips gegeben, jedenfalls soweit der sich erinnern konnte *ggg*

Und man merkt wirklich, dass Sommer ist - man kommt aus dem Stress kaum noch raus. Alle Finnen leben wie auf der Überholspur: grillen, Freunde einladen, Makkaras essen, Bier trinken, Kater haben, in die Sauna gehen, baden, verreisen, sich sonnen, Rasen mähen, Heu ernten, Rallyrouten abfahren, Erdbeeren kaufen, Mücken totschlagen, nach der Sommerliebe suchen, Eisessen, Mökkis mieten, auf Festivals fahren, zelten, heiraten, angeln und und und. Vielä on kesä jäljellä =)