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Donnerstag, 23. Juni 2011

Espootripping...

Und weil die Reiserei so schön war, sitzt meiner einer jetzt schon wieder im Zug und fährt drei Stunden nach Süden, nach Espoo. Businesspalaveri. Man hätte auch mit dem Auto fahren und saftige Kilometerpauschalen einkassieren können (46 c/km), aber das Zugfahren ist in Finnland um so vieles schöner. Ruhig im pieksauberen, neuerdings grünen statt roten Schnellzug sitzen, wie 90% der Passagiere das Laptop auf den Knien oder Smartphone in der Hand, kostenloses WLAN inklusive, mit extra Steckern für die Ladegeräte, genialem Ausblick auf Wälder, Seen und Wiesen, Kaffee und Pulla ein paar Schritte weiter und Ansagen in drei Sprachen. Fast wie im Flugzeug. Nur eins ist schwierig: im Pendolino zum Klo oder ins Restaurant zu laufen, ohne schwankenderweise auf den Schoss der niedlichen Businessfinnenjungs rechts und links von Gang zu fallen *lol*

P.S. Dem ganzen sei vielleicht noch hinzuzufügen, dass die Hauptstadtregion wirklich nicht schön ist. Gut, die Jungs da arbeiten in einem schicken Gebäude, mit einenem Restaurant, Gym und Sauna, es gibt viele neue Häuser (mit Glasbalkons...) und grün ist es auch, und "THE MERI" habe ich gesehen, aber ansonsten... igitt. Dreckige Bahnhöfe, komische Leute überall, inklusive meiner geliebten Aussengeländer, alle sind in Eile, niemand kennt niemanden, man traut sich kaum, Geld von Automaten zu holen, ohne ausgeraubt zu werden und so weiter *lach* Grosstadt halt... nee, also nicht wirklich. Ich war froh, als ich um 20 Uhr wieder aus dem Pendolino steigen durfte, nach neun Tunneln, kleinen Waldhügeln und vielen Seen draussen, an einem niegelnagelneuen und etwas überdimensionierten Bahnhof, und da standen die ersten Leute mit Crocs, Trainingsjacken und gelassenem Gesichtsausdruck. Dass der Zug hin nur 4, der Rückzug dagegen 14 Wagen hatte, sagte übrigens etwas darüber aus, wo die Leute ihr Mittsommerfest verbringen wollen, hehe *lach*

Montag, 11. Oktober 2010

Amsteltam...

Wieder einmal eine Reise eingeschoben, drei Tage Amsterdam mit Freunden und Kollegen aus (fast) aller Herren Länder. Mit Meetings von morgens bis abends, mit interessanten Gesprächen und vielen Strategiepapieren, aber auch einigen witzigen Minuten in Bars und Restaurants. Auf dem Laptop getipselt, mitgeschrieben, kommentiert, organisiert und sich Gedanken gemacht, bis es aus den Ohren, Fingern und Stiefeln qualmte. Full time von 6 bis 23 Uhr sozusagen.

Aber schön war es wieder. Ich liebe ja eh fremde Länder und Städte, vor allem die Architektur der ganz normalen Wohnhäuser, die Pflanzen in den Vorgärten und die viel internationalere Bevölkerung als hier und in meinem alten Zuhause. Vom Sprachengewirr ganz zu schweigen. Und am allerlustigsten war es *umfall*, dass ich dort zufällig stundenlang neben jemandem gesessen habe, den ich vor fünf Jahren mal ziemlich knuffig fand (siehe Liste unten), jetzt aber nicht einmal wiedererkannt habe. Also nee... soviel also zur allgemeinen Schussligkeit.

Und ganz allgemein zu Werten, nach denen man sein Leben ausrichtet oder umschmeisst, je nachdem. Der Abend ist immer klüger als der Morgen, eikö niin, hehe. Übrigens würde ich liebend gern noch einmal für mehrere Wochen, Monate oder Jahre im Ausland leben. Aber wenn wir dann in Tikkakoski mitten im finsterdunklen, tiefen Wald zwischen ein paar Seen und unter leuchtenden Sternen landen, bin ich doch wieder froh, hier im subarktischen Polar eine neue Heimat gefunden zu haben.

Samstag, 4. September 2010

Litauen...

Drei Tage Geschäftsreise in Litauen und es war so schön! Entgegen aller Befürchtungen habe ich unser Krawallkind und meinen Meckermänne überhaupt nicht vermisst, sondern die halbe Woche "nur ich selber" total genossen. Hach, war das schön und abenteuerlich, genauso wie mein Leben Anfang der 2000er. Donnerstag ganz früh bei minus 3 Grad und zugefrorenen Autoscheiben (wir haben einen sagenhaften Temperatursturz!) mit dem Taxi zum Tikkakoskier Flughafen gefahren. Dann im knackevollen Finnairflieger nach Helsinki gedüst, dort die Läden unsicher gemacht und Frühstückspulla mit heissem Kaffee heruntergespült und dann weiter nach Vilnius. Auf in ein weiteres osteuropäisches Abenteuer, als Kind habe ich ja glücklicherweise mit Mama und Papa schon fast alle Staaten des Warschauer Vertrages abgeklappert =)

Heutzutage muss man da ein bisschen mehr aus sich aufpassen, also alle Geldtaschen, Kameras und Handys sicher verstaut, alles gut durchgeplant und nicht allzu unsicheres Gesicht gezogen. Aber Quatsch, die Litauer hatten alle weitaus bessere Geräte als ich. Ausserdem habe ich mir eh angewöhnt, nur in Studentenkluft, mit zerissenen Jeans und uralten Rucksäcken zu verreisen, so dass gar keiner erst auf die Idee kommen könnte, mich auszurauben. Klar, ne olle halbkaputte 5 Jahre alte Kamera hätte ich denen gleich in die Hand drücken können, die hat nämlich auf der Reise endgültig ihr Leben ausgehaucht.

Aber weiter... meiner einer wollte nicht mit dem Taxi ins Zentrum, sondern unbedingt den erst 2008 eingeweihten öffentlichen Shuttle benutzen. Ganz allein im strömenden Regen die hundert Meter Überdachung zur Bahnstation gelatscht, die hypermodernen Anzeigen und den gläsernen Fahrstuhl bestaunt und dann in die superschicke und ganz leise Bahn eingestiegen. Von dessen Fenstern man dann renovierte und blitzneue Firmen und Gebäude neben den typischen halbverfallenen russischen Industrie- und Wohnruinen sehen konnte. Wie ich diese Kontraste liebe! Wie zuhause... ganz schick neben ganz kaputt und nichts dazwischen. Und genau die gleichen weichen Bäume und wucherndes Unkraut wie in deutschen Landen, hihi. Europa halt im Gegensatz zum schroffen Norden.

Am Vilniuser Bahnhof drei Runden gedreht, Klo gesucht, Märchenheft und Kühlschrankmagnet gekauft und dann Busbahnhof gesucht. Netterweise war der genau gegenüber. Tickets gab es bei "kasos", gar nicht schwer, und der Onkel verstand sogar, wie ich Druskininkai aussprach. Super, ich reise so gern auf eigene Faust und bin dann immer ganz stolz, wenn wieder etwas geklappt hat, ohne dass irgendjemand englisch kann. Übrigens klingt litauisch wirklich verdammt russisch, auch wenn die Sprachen überhaupt nicht verwandt sind und geschrieben völlig anders aussehen. Genauso weich, tief und gutteral, aber man entdeckt darin halt keine bekannten Wörter sondern hin und wieder ganz eigenartige Endungen. Und alle Balten sprechen fliessend russisch... da bin ich als Ossi richtig neidisch. Nach 8 Jahren Russisch in der Schule (und ich war ein guter Schüler!) kann ich immer noch keinen ganzen Satz sagen *grrrr* Aber es fehlt einem ja auch total an Übung.

Bussteig schliesslich gefunden, eingestiegen, sms an Männe geschickt und dann kam auch schon der erste Kollege, ein ganz netter älterer Schotte plus estnischer Freundin. Nach zwei Stunden Fahrt durch Wald, Dörfchen und Felder, mit vom Sturm ganz schlimm abgeknickten Bäumen an der Seite, landeten wir in Druskininkai. Ein Ferienresort mit vielen Sanatorien ganz nahe der weissrussischen Grenze. Neu neben alt, wunderschöne Holzhäuschen und super gepflegte Gärten und riesige Parkanlagen - und kein Mensch auf der Strasse. Genau wie in Vilnius, kaum Leute da. Ganz anders als z.B. Sankt Petersburg, wo man geradezu überrannt wird von den vielen Leuten und Autos, vom Lärm der Grosstadt. Gerade deshalb liebe ich auch meine Arbeit, man kommt in Gegenden, in die es sonst keine Mainstreamtouristen verschlägt =)

Die beiden nächsten Tage waren dann von der Konferenz geprägt, allerdings war ich diesmal nur Teilnehmer und musste gaaar nichts organisieren. Sehr erholsam. Mit alten Kollegen gealbert und schottischen Whisky getestet, das superlangsame Hotelrestaurant ausprobiert, riesige rote Koi-Fische beobachtet, mit neuen Leuten abwechselnd finnisch, russisch, deutsch und englisch gefachsimpelt, so gut es ging, spontan eine kleine Rede vor 180 Leuten gehalten und bei allen anderen Vorträgen fleissig mitgeschrieben, damit die verkaterten Augen nicht ganz zufallen. Verblüffend, wie viel Russisch man versteht, wenn man genug davon hört, das Langzeitgedächtnis funktioniert also doch noch irgendwie.

Einen sowjetischen Skulpturenpark haben wir auch besucht. Eigenartig, unsere völlig verdrängte und verwischte Vergangenheit wiederzusehen, etwas was wir in Ossiland natürlich noch viel mehr leugnen als die Balten es je wieder können. Sie haben die Russen sicher noch viel mehr gehasst als wir, und doch waren sie sehr viel länger und enger an das Sowjetreich gebunden als die DDR. Und doch waren sie unsere Freunde und alles ganz normal. Stolz und Wehmut und Wut und Nostalgie auf einmal... gross war die Freude über die verkleideten Soldaten der Roten Armee, die Oktoberkinder und der KGB-Tante in Lederjacke, gegrinst habe ich und gesagt "Ja iz GDR" und gleichzeitig rutschte aus alter Tradition die Angst in die Hose. Genickt und gelacht, während mein gleichaltriger estnischer Kollege mir erzählte, wie er sich damals geärgert habe, als sämtliche Kindersendungen für eine Woche gestrichen waren, als der olle Breshnew beerdigt wurde. Ja, eine bunte Vergangenheit haben wir! 20 Jahre her und doch gerade gestern und man weiss nicht, ob man darüber lachen oder weinen sollte. Aber die Balten wissen zumindest, wovon man redet.

Abends hatten wir auch immer ein tolles Programm. Entweder im Hotel, wo nach einer Stunde die Getränke, nach zwei Stunden das Essen und nach drei Stunden die Rechnung kam *ggg* Oder ganz offiziell eingeladen in einem wunderschönen Restaurant am Flussufer. Das bei Preisen, die wie finnische Euro aussahen, aber doch durch drei zu teilen waren. Ein riesiges Schwimmbad, Wellnesszentrum und viele Saunen gabe es im Hotel auch, aber natürlich blieb dafür keine Zeit. Vielleicht mal mit der ganzen Familie. Obwohl ich es inzwischen total witzig finde, wie man sich mit Leuten über seine Kinder unterhält, mit denen man früher eigentlich eher ganz andere Sachen im Kopf gehabt hätte. Mann mann, komisches Alter. Getanzt haben wir und einem Zauberer zugeguckt und ganz tolles Essen mit Wein und lokalen Drinks genossen und Flamencotänzer bewundert und dann kam auch noch Freddy Mercury... witzig, witzig und so schön. Wobei mir irgendwann wieder der Gedanke kam, dass vielleicht auch mein finnisches Studienjahr nur so superschön war, weil wir die ganze Zeit mehr oder weniger angeschickert und am Feiern waren, hahaha.

Jedenfalls habe ich wieder sehr viele neue Leute kennengelernt, mit vielen alten Freunden und Kollegen gesprochen, mein Russisch aufpoliert und wieder Namen gelernt, die ich als Mami neuerdings ständig und immer wieder vergesse. Man müsste noch viel öfter reisen und alles richtig kennenlernen. Land und Leute in Estland, Lettland und Litauen, in Weissrussland, Schottland, Holland, Russland, der Tschechischen Republik, Finnland, Deutschland und Israel. Und der Rest der weiten Welt.

Litauen ist übrigens auch auf dem Land wunderschön. Felder und dazwischen immer wieder bunte Holzhäuser, teilweise mit ganz steilen Dächern, und mit gekreuzten Fenstern, alle mit 1-2 Kühen an der Leine auf dem Feld und einer Reihe Sonnenblumen, überhaupt vielen Blumen und gemähter Rasen und mit Leuten, die auf den Feldern von Hand Kartoffeln einsammeln und Pferden, die die Äcker pflügen. Keine verwilderten Hunde, nur einige freie Katzen und alles sieht sehr nach heiler Welt aus. Ein ruhiger, schöner Platz für eine weitere Reise. Und es war noch Sommer, noch nicht so herbstlich wie bei uns. Toll, so ein Land kennenlernen zu dürfen.

Am Sonnabend waren wir noch im Zuvintas-Biosphärenreservat, wo wir aber Vögel und See und Schilf nur auf einem Video bewundern konnten, das richtige Hochmoor war leider nicht auf der Agenda, sondern nur einige wiederzuvernässende Flächen aus Sowjetzeiten. Danach sass schon wieder die Zeit im Nacken, bis 16 Uhr wollte ich unbedingt am Flughafen in Vilnius sein. Also mit einem deutschen Kollegen mit dem Mietwagen quer durch die Botanik in die Hauptstadt gedüst, wieder vorbei an Feldern und kleinen Dörfern und einigen Beerdigungen und einem Café, in dem es nicht viel weiteres als Limo, Schnaps und Snickers zu kaufen gab, durch Regen und Sonne und ewige Weiten. Wieder ein schönes, noch sehr naturnahes Land. Irgendwie müsste man die übervölkerten Metropolen dieser Welt aufs Land verteilen können, irgendwie, ohne auf Arbeit, Internet und Einkaufspaläste verzichten zu müssen. Ein Holzhaus, ein Garten, ein Afghane und Freunde ringsherum, das wäre schon genug zum Glücklichsein.

Abends dann zurück in Helsinki. Supermodern und nordisch kühl und die verrückteste Sprache der Welt, das ist immer einer meiner ersten Eindrücke. Witzig, sich im Ausland zuhause zu fühlen. Und gerade in Finnland, meinem Lieblingsland, was gar nicht mehr fremd ist. Im Ausland angekommen und doch daheim. Nur, dass die dämliche Finnair entgegen ihrer eigenen Werbung ihre Gäste gar nicht mehr "abends nach Hause" bringt. Nein, da muss man sich um 20:30 in einem Bus setzen, der zwar vor der Tür des Flughafens abfährt, aber dann erst die ganze finnische Botanik abklappert, inklusive Lahti-Kauppakatu voller Besoffener und die Dorfjugend in Heinola, Hartola und Joutsa... und dann erst um 0:30 in Jyväskylä eintrudelt. Hallelujah und das wo ich im Bus weder lesen noch surfen noch sonst etwas machen kann. Also geträumt, von Feldern und Sonnenblumen und anderen Dingen. Bis der Stress zuhause wieder losgeht. Eine sehr gute Reise. Old happy life for three days, thanx for that.

Samstag, 10. Juli 2010

Rovaniemi + Kuivaniemi...

Niemi heisst so viel wie Halbinsel und davon gibt es jede Menge im seen- und meerreichen Finnland. Heute also zwei davon. Zunächst war Aufräumen angesagt. Nach einer wieder halb durchwachten Nacht (hell und heiss...) mit Ach und Krach aufgestanden und das Mökki wieder in einen bewohnbaren Zustand versetzt, den auch Familien ohne Kinder ertragen können =) Zum Glück gibt es da auf den finnischen Ferienhäusern immer detailierte Anweisungen, falls man im privaten Leben hier und da schon Abstriche gemacht hat.

Pünktlich kurz nach 12 Uhr rein in die Autos, nochmal Rentiere vor dem Hotel besucht und gewinkt (Rückbankgejammer: Ich will aber gar nicht nach Hause!!!) und dann los. Nach zwei Stunden Fahrt hatten wir in Rovaniemi das Vergnügen, einen ganz alten und lieben Freund von mir zu besuchen. Julián ist Spanier und damals Anfang des Jahrhunderts *ggg* genauso wie ich hier im Polar hängengeblieben, nachdem er ein Jahr hier studiert hatte. Wir haben sogar ein halbes Jahr mit Holländern, anderen Spaniern und Kenianerinnen in einem wunderschönen Holzhaus unter einem Dach gewohnt, und ich habe ihn und meine Freundinnen schon in Madrid besucht - von daher ist er fast wie ein Bruder und wir können wirklich über alles labern.

Witzigerweise haben wir uns zufällig sogar einmal in Barcelona auf einer Reise- und Eventmesse gesehen, aber ansonsten sind selbst hier in einem Land die Treffen rar gesäht. War schön mit ihm bei Kaffee und Pulla eine Stunde zu plaudern, vor allem weil sein eigener Sohn nur ein Jahr älter ist als Frida. Von Gesprächen über Wein, Jamón und lappländische Weiten also ganz aktuell zu Nachtpötten, Legos und zweisprachigem Kauderwelsch =) Und ganz skurril finde ich es immer, wenn wir uns am Gesprächsbeginn erst einigen müssen, ob wir nun traditionell englisch oder inzwischen finnisch sprechen, hahaha. Eine schöne Wohnung haben sie übrigens - ich bin tatsächlich psychisch so weit wieder hergestellt, dass ich mich für Wandfarben und Möbel interessiere, oha!

Nach dem Aufenthalt bei unserem Ex-Fussballgegner (D hat wirklich miserabel gespielt...) weiter in Richtung Kemi. In Tervola an einer Tankstelle noch einmal das Kind, Männe und Grosseltern mit Hamburgern gefüttert und einen Souvenirladen umgekrempelt, auf der Landstrasse einem Rentier ausgewichen und Tiita endlich zum Einschlafen gebracht. Dann waren es auch nur noch weniger Kilometer nach Kuivaniemi, wo wir bei Merihelmi Camping ein Reihenhaus bestellt hatten. Sehr coole Wahl und ein Glücksgriff - schon auf der Hinfahrt war mir der Platz direkt am Meer und an der Landstrasse positiv aufgefallen und der Eindruck erwies sich als richtig. Topmodernes Holzreihenhaus nur ca. 30 m von der Ostsee, mit Spielplatz (Frida klettert allein auf ca. 2 m Höhe, Hilfe...), kleinem Sandstrand, vielen grossen und kleinen Hütten (davon drei direkt am Ufer!) und grosser Wiese für Zelte und wohnwagen sowie Restaurant und Läden in der Nähe. Nicht schlecht, Herr Specht.

Als wir ankamen, regnete es zwar und es war ziemlich kalt geworden, aber die Leute versicherten uns, dass ansonsten die ganze Woche Hitze und Sonnenschein geherrscht hatten. Muss ein toller Platz sein, vor allem, weil ich Meere und Ozeane über alles liebe. Ich wundere mich ja selber schon, dass mein letzter richtiger Badeurlaub schon 14 Jahre zurück liegt (Tunesien 1996), danach bin ich nur kurz auf Stippvisiten in Cadíz (2001), Valencia (2002) und Florida (2006) in Salzwasser gehüpft. Wir müssen unbedingt mal an den Sandstränden von Kalajoki, Kokkola oder Yyteri Urlaub machen, oder gleich in den Süden fliegen, aber das wird wohl diesen Sommer nichts mehr.

Den Abend verbrachten wir mit einem Achtpack Koff (cool, mal nicht fahren zu müssen), mit selbstgekochten Nudeln mit Tomatensosse (Ferienlagerromantik a la DDR), sandigen und nassen Füssen vom Strand, einem malerischen Sonnenuntergang, enthusiastisch kämpfenden uruguayischen Fussballstars und einer total abgedrehten Frida, die wirklich nur neben Mama und Papa und nach stundenlangem Gezappel, Gekratze und Gekreische zur Geisterstunde ins Bett gehen kann. Aber sie hat ja auch so viel erlebt!

Im übrigen habe ich vielleicht doch nichts mehr gegen die architektonischen 70er. Zumindest unser Haus hier erinnert sehr an deren spartanischen und kastenförmigen Stil, hat riesige Fenster, Holzpanele an der Decke, schlichte Möbelierung und ist in braun und grau gehalten - aber sieht einfach klasse aus. Vielleicht liegt es an den besseren und neuen Materialien, der Verarbeitung und der veränderten Raumhöhe. Auf jeden Fall denke ich immer mehr über ein ganz einfaches quaderförmiges Haus nach, so wie es u.a. in Hasserode gebaut wurde... das muss doch auch billiger sein als diese verschnörkelten pseudokarelischen Schmuckstücke, die hier überall neu entstehen. Mmmh. Aber das ist wieder ein ganz anderes Thema.

Freitag, 9. Juli 2010

Kemijärvi + Kitinen...

Der letzte richtige Tag im richtigen Lappland. Ein bisschen Stress herrschte morgens noch, weil ich diesmal den anderen Herrschaften die Auswahl des Tagesziels überlassen wollte - Männe und ich hatten nachts drei Stunden richtig gut geredet und ich habe u.a. meine Rolle als "Bestimmer" gelockert, während er es mit der Reinlichkeit genauer nehmen will *ggg* Aber am wichtigsten war es, überhaupt einmmal wieder Zeit für ein ernstes Gespräch zu haben. Vielleicht müssen wir wirklich daran arbeiten, dass Frida allein schlafen geht, damit wir alle aufziehenden Problemchen noch am selben Tag lösen können, bevor sie sich haushoch stapeln und zu diversen Frustanfällen führen. Von deren Einfluss auf die Kleine ganz zu schweigen.

Aber zu heute - wieder ein ganz toller Tag, auch wenn wir gar nichts besonderes mehr gemacht haben. Amethystmine ist vielleicht etwas für Grössere, Wandern fiel wegen Regen und Mücken aus, in Sodankylä und Pyhä waren wir schon nund die offiziellen Programme waren schon vorbei - also Kurzausflug nach Kemijärvi, 70 km südlich von hier. Im Auto war es schön trocken und warm und wir haben mit Frida gesungen und gelacht, dass die Karosse wackelte. Kemijärvi selbst glänzte mit riesigen Seen oder Flüssen, unter anderem fliesst der sehr breite Kemijoki da durch.

Im Zentrum sind wir an den üblichen Ketten in etwas älteren und mehr oder weniger durcheinandergewürftelten Gebäuden vorbei zu einer grossen Kirche gelaufen und haben dann Fotos an der grossen Brücke gemacht. Frida ist fleissig geradelt - so ein Laufrad ist doch ein tolles Werkzeug, ein Kleinkind zu einem längeren Fussmarsch zu bewegen =) An sich ist Kemijärvi also nicht so ein Knaller, aber wir haben ja auch nur wenig gesehen und natürlich ist es für die sonst eher wenig bevölkerte Region ein wichtiges Einkaufs- und Kulturzentrum. Und wenn da nicht wieder die abrückenden Deutschen dafür gesorgt haben, dass kaum noch alte Häuser standen... genauso wie in Rovaniemi, wo mich immer furchtbar mulmig und traurig fühle. Die noch vorhandenen Holzbauten waren eher verlassen und heruntergekommen. Die 60er und 70er dagegen hätten sie sich wirklich architekturmässig sparen können, in Finnland und anderswo auch.

Jedenfalls fanden wir nach unserem Rundgang ein kleines, gemütliches Café, in dem sogar schon eine Fernsehserie gedreht worden war. Mit Klo, allerdings ohne Topf für das windelfreie Töchterchen. Wir müssen wohl noch einen aufblasbaren Pott mit uns herumschleppen. Jedenfalls fragt sie jetzt immer "Habe ich eine Windel um?" bevor sie die Schleusen aufmacht, hahaha. Auf der Rückfahrt ist Tiita eingepennt und wir haben wieder alle paar Kilometer die obligatorischen Rentiere fotografiert.

Abends dann noch ein lang ersehntes Programm: Besuch bei den Schlittenhunden. Zwar keine richtigen Huskies, aber die besondere Mischung des Neffen unseres Mökkinachbarn - die eingekreuzten Setter sorgen für bessere Lernfähigkeit und grösseren Willen zu ziehen - und offensichtlich für total süsse Schlappohren. Ich bin ja fast umgefallen, als wir um die Hausecke kamen und da gleich zwei Nelsons im Hof sassen. Die Ähnlichkeit war so frappierend!!! Nur der Charakter war wohl ganz anders, der eine der beiden Kameraden war sogar angekettet, weil er nur schlecht mit seinen Kameraden klarkommt und auch auf Menschen nicht allzugut zu sprechen war.

Die anderen wohnten in einem grossen Gehege, hellbraue, beige, schwarze und wolfsfarbene Schlappohren mit ganz langen Beinen. Der Mann war übrigens Halbfinne und sprach beide Sprachen fliessend - und dass wo ich aus eigenen Interessen, und um des lieben Hausfriedens willen, lieber heute als morgen auf Fridas zweisprachige Erziehung verzichten würde. Die Fütterung war auch interessant. Wie wilde Wölfe stürzten die Tiere sich auf das angebotene Futter. huuuaah, gut, dass sie nicht frei waren. Um Frida machte ich mir nämlich gerade wegen des Nelson-Zwillings Sorgen - was wenn sie den einfach hätte streicheln wollen? Am besten war allerdings, als wir einen 4 Wochen alten hellbeigen Welpen auf den Arm nehmen durften. Oh mann, war der knuffig. Und so klein. In die Handtasche hat er allerdings nicht gepasst.

Am Abend bereitete Männe noch leckeres Rengulasch mit Preiselbeergelee und Kartoffelbrei zu. Vielleicht sollte ich wirklich Vegetarier werden, aber es ist in Lappland halt normal, die lieben Rentiere voll und ganz zu verwerten. Und wer sein Leben auf den Weiden und Fjälls Nordfinnlands verbracht hat, kann vielleicht auch glücklich auf einem Teller landen. Lecker. Übrigens gibt es beim Tierschutzverein gerade ein lilacfarbenes Kebabrollenschweinchen, aus Zufall gesehen - wenn das Anfang August noch niemand wollte, zieht es wohl zu uns *versprech* Die haben so selten welche und dann auch noch ganz allein. Statt Husky und Schäferhund sozusagen =)

Donnerstag, 8. Juli 2010

Kopara + Aarnilampi...

Zur Abwechslung noch mehr Rentiere. Irgendwie neigt die Ferienwoche sich schon wieder ihrem Ende zu und wir arbeiten das restliche touristische Angebot hier ab, wo wir noch gar nicht richtig angefangen haben =) Heute also Rentiersafari. Zum Rentierpark Kopara zwischen Pyhä und Luosto gefahren. Sah aus wie eine kanadische Ranch, mit vielen Ausläufen und Prärie und Stangenzelten und schönen Bergen im Hintergrund. Eimer mit Poropellets abgeholt und los ging es. Erst nur Schilder mit Wissenswertem über die Fellviecher in sechs verschiedenen Sprachen, rechts und links zäune. Ich kam mir vor wie im Jurassic Park, gleich würden die wilden Biester über uns herfallen =)

Dann kamen sie auch, am Ende des Pfades war eine Art Hof mit Sitzplätzen, Hütten, Schlitten und vielem mehr und dazwischen tapsten die Rens herum. Eins war tatsächlich total wild und kippte uns fast um, wenn wir es füttern wollten. Hilfe, so eine dicke braune Schnauze und so riesige samtig behaarte Hörner, die vor einem herumfuchteln, während das weiche Maul abwechselnd Hände und Eimer traktiert. Hihihihi. Die anderen Tiere waren etwas scheuer, aber das war vielleicht auch ganz gut so. Frida war die Angelegenheit nämlich ziemlich unheimlich, aber das kann ich mir gut vorstellen, wenn man nur einen Meter gross ist und da so grosse hirschartige Tiere herumlaufen.

Hinterher gab es noch Kaffee und Heidelbeerkuchen im grossen Haupthaus der Farm, wo auch Rentiergeweihe, Pullis, Jacken, Messer, Schmuck und andere Raritäten angeboten wurden. Mit wunderschönem weiss gekalkten Ofen... Frida naschte wieder Eis und kaufte sich selber Schokoeier zur Feier des Tages, wir werden wirklich noch dick und fett in unserem wohlverdienten Urlaub. Männe kaufte uns gefrorenes Rengulasch, Poronkäristys, was im Gegensatz zum im normalen Laden erhältlichen auch keinen Zadder enthalten soll. Bin ich ja mal gespannt. 25 e pro Kilo... also wenn das nicht schmeckt, weiss ich es auch nicht =)

Ansonsten war ich auch wieder von der Nettigkeit und Gastfreundschaft der Leute hier begeistert. Der Onkel erzählte uns viel über Lappland und die Rens und man konnte alles mögliche fragen. Genauso freundlich wie die Einheimischen in Läden, Hotels und anderen Unternehmen. Klar sind sie in JKL auch sehr nett, aber hier kommt einem alles persönlicher vor und weniger durchorganisiert - vielleicht auch weil es im Sommer eh nur sehr wenige Urlauber gibt. Egal wo wir hinkommen, sind immer nur so 2-4 Familien mit uns unterwegs, wenn überhaupt und selbst im grossen Hotel rennt der jeweilige Anstellte von der Rezeption zur Bar, zum Laden und zum Restaurant und hin und zurück, wenn man etwas will.

Danach war noch viel vom Tag übrig und wir wussten angesichts einer sehr wehleidigen Frida (Heimweh?) nicht wirklich, was wir noch unternehmen sollten. Quengel und das nicht und nein und überhaupt.... Heiss war es auch und die Sonne knallte. Also erst einmal zu dem kleinen Verkehrspark vor dem Amethysthotel. Frida Bekanntschaft mit Tretautos geschlossen und mit Papis Hilfe um kleine Kirche, S-Market und Tankstelle gekurvt, während Mama Saft geholt und das Klo getestet hat.

Beim nächsten Heulanfall dann doch ins Auto und erstmal ins Mökki zurück, wo alle Beteiligten sich etwas ausruhen bzw. sofort wieder herumgeistern konnten. Mittagschlaf, wozu soll das denn gut sein? Wespennest unter dem Dachfenster gefunden, Fenster sofort wieder zugehauen, vor wilden Insekten in Sicherheit gebracht *ööörrkkkks* und weinendes Kind getröstet. Das baden wollte, und nach Hause nach Palokka und nach Laajavuori... also doch Badesachen eingepackt und wieder los.

Um den Ahvenlampi in Luostos Zentrum sollte ein rollstuhl-, kinder- und buggyfester Weg gehen. Wir an den See gelatscht, Aussicht genossen und einen breiten Steg auf eine kleine Halbinsel in Angriff genommen. Frida rannte hin und her und lachte und freute sich und rammte sich einen Splitter in den grossen Zeh. Währenddessen bereiteten sich Millionen von Mücken auf ihr Abendbrot vor, stiegen aus dem Sumpf und Morast und stürzten sich auf die deutschen Urlauber. Ach die Sch... das war wohl doch keine gute Idee, zumal Tiita auf den paar Metern Rückweg gleich wieder getragen werden wollte. Am Parkplatz wieder eine ganze Horde Rentiere. Und ein ganzer Bus voll deutscher, Rentiere knipsender Rentner *ggg*

Dann offiziellen Badestrand gesucht. Querstrassen zwischen urigen, aus grossen grauen Baumstämmen gebauten Ferienhäusern abgesucht und mit innerer Karte verglichen, ein paar Rens und Hasen verscheucht und dann gefunden, den Aarnilampi. Ganz in Ruhe, nicht weit weg von der Strasse, aber direkt vor dem Luostotunturi gelegen, mit malerischen schlanken Fichten und wild bewachsenen Ufern im Hintergrund und mit ölglatter Wasserfläche. Wow! Sogar einen Sandstrand gab es und einen kleinen Steg und es war windig genug, um die Mücken und Bremsen in Schach zu halten.

Frida gleich Sachen weggeschmissen und nackig und später mit Badeanzug gebadet und im flachen Wasser gespielt. Mami-Wasserratte erst mit hochgekrempelter Hose rein und dann doch umgezogen und plantschen gegangen. Im polaren See. Hach, war das schön! Auch alle Streitereien und Magenschmerzen und Kleinkindfrust vergessen, sondern einfach nur genossen. Kind hüpfte sogar vom Ende des ca. 1 m über die Wasseroberfläche ragenden Steges ins Wasser - und nicht immer an meinen Händen *blutundwasserschwitz*

Die Kleine hat wirklich einen Mut und eine Ausdauer bei so etwas! Ich rede mir nur den Mund fusslig, dass sie den Mund zumachen soll, wenn sie untergluckert, statt sich kaputtzulachen, und ich hoffe, dass sie bald lernt, dass es lebenswichtig ist, den Kopf oben zu lassen und überhaupt im Wasser ein bisschen vorsichtiger zu sein. Bis zur Brust geht sie schon ins Wasser und wenn sie da umfällt und nicht wieder hochkommt... aber wir sind ja immer in der Nähe. Und unser Mökki hat keinen See - ich weiss noch zu gut, wie ich letzten Sommer tagaus tagein nur gerannt bin, damit das wilde Kleinkind nicht in den Hankasalmer See fällt.

Als wir schon aufbrechen wollten und den letzten Sand aus den Sachen schüttelten, kam noch einmal die Sonne heraus. Inzwischen seitlich vom Berg, also mit ganz weichem Licht und ohne die Kameras zu blenden. Der See spiegelte sich ganz magisch und die Bäume waren grün statt schwarz und wir kamen aus dem Staunen und Fotografieren gar nicht mehr heraus. So etwas schönes und so ein schöner Urlaub überhaupt. Was eine Woche Erholung schon ausmacht. Auch wenn alle mit schlaflosen Nächten zu kämpfen haben, wenn die Mücken nerven und ich alle paar Stunden dieses Ziehen im Magen und diese tiefe Traurigkeit und Sinnlosigkeit habe, die meiner Meinung nach immer noch vom Umzugs-, Arbeits- und Familienstress herrühren.

Hoffentlich wird das besser, wenn wir zumindest unsere Wohnungsangelegenheiten geregelt haben. Manchmal denke ich, dass ich noch nicht einmal Nelsons Tod richtig verarbeitet habe. Und dass wir dringend an unserer Beziehung arbeiten müssen. Aber die Tage laufen einfach weiter, und ich tue mich auch schwer damit, als einziger Sprachkundiger hier zwischen ziemlich verschiedenen Welten vermitteln und planen zu müssen. Zuhause immer und jetzt im Urlaub. Aber das nur nebenbei. Bloggen als Therapie sozusagen.

Das mit Nelson ist mir vorhin eingefallen, als wir noch an einem Grilli angehalten haben, wo es neben Frischer Hausmannskost auch Souvenirs zu kaufen gab. Unter anderem gefilzte Hunde, die nach Kundenwünschen bzw. Fotos gestaltet werden. Mein Nelson... passenderweise sass bei den Leuten auch ein grosser Schäferhund im Kofferraum, der gefilzt auf der Theke stand. Im Gespräch stellte sich dann heraus, dass auch Remu aus Estland kommt, und zwar über Rekku Rescue und den Koiratarha Kulkuri. Super!!!

Draussen haben wir den Kerl dann noch einmal extra lieb begrüsst und gestreichelt und mit den Leuten geredet (ich sage ja, die sind alle supernett und aufgeschlossen hier). Vielleicht vermisse ich meinen Hund doch mehr als ich es seit seiner ersten Operation zugebe. Vielleicht hat er auch Mika und mich besser zusammengehalten. Vielleicht wird es auch besser, wenn Tiita grösser ist und nicht mehr so zickt oder ihr eigenes Zimmer hat und besser durchschläft oder falls Männe endlich mal arbeiten geht. Oder ich muss bei mir anfangen, zwischen den eigenen Löffeln Ordnung schaffen und optimistischer werden. Wer seit Jahren schon alles im Alltag mehr oder weniger unter den Teppich kehrt und immer wieder einfach nur zur Tagesordnung übergeht, statt den Dingen auf den Grund zu gehen, zu diskutieren und wirklich konstruktiv Lösungen zu suchen, muss sich nicht wundern, wenn irgendwann ein Kamel das Gras wegfrisst. Aber insgesamt war wirklich ein schöner Tag.

Dienstag, 6. Juli 2010

Kultakero + Pelkosenniemi...

Langsam wird es schwer, jeden Tag aufzuschreiben, was wir gesehen und gemacht haben. Ich sehe immer nur Rentiere auf Asphalt und vor Wald und in allen möglichen Kombinationen vor meinem inneren Auge, hehe. Heute nacht wusste ich vor Hitze überhaupt nicht mehr wohin. Ohne Sachen und ohne Decke geschlafen, Fensterklappe ganz auf und Rollo runter, aber immer noch viel zu hell und zu warm. Kann nicht mal zur Abwechslung die Sonne untergehen? Oder eine frische Brise in unser Zimmer wehen? Morgens entsprechend fertig wach geworden. Aber egal, wir hatten wieder viel vor.

Mit unserem Auto nach Pyhä gefahren, Strecke kannten wir ja schon. Gleich zielstrebig zum Sessellift gefahren, der die Besucher ungefähr vom unteren Drittel des Berges auf den Kultakero-Berg bringt, Teil vom Pyhä-Fjäll. Übrigens einer der Gründe, wieso ich nachts kein Auge zugemacht hatte... ich konnte mir nicht vorstellen, wie wir die zappelige Frida da rauf- und wieder runterbringen sollten. Respekt vor Höhen und Tiefen hat sie gott sei dank inzwischen, aber wenn sie dort plötzlich weg oder absteigen wollte, mitten in der Fahrt, hätte niemand von uns sie festhalten können. Ein hauendes und sich windendes und kratzendes Kleinkind zehn Meter über scharfkantigem Geröll?

Also hatten wir uns schon im Auto geeinigt, dass Oma und Opa erst allein fahren, wir ins Naturzentrum oder Bistro gehen und uns dann abwechseln. Insgesamt hatte der Lift aber nur noch bis 15 Uhr auf. und insgeheim wäre ich schon gern mit Frida gefahren, hätte gern gesehen, wie sie das meistert - andere Kinder in dem Alter waren ja laut Auskunft des Personals auch schon ganz selbstverständlich mitgefahren. Aber die hatten ja auch keine Zappelgene... *grübel* Wie als unschlüssig an der Talstation herumgestanden und gegrübelt. Mit Gürtel oder Strickjacke oder Handyladekabel festbinden? Ergo hatten wir leider zuhause gelassen (wenn man schon mal etwas in die Schränke räumt, statt es an der Garderobe hängen zu lassen...)

Schliesslich fassten wir uns ein Herz. Los, wir fahren. Tiita kommt auf Männes Schoss, Mama hält die Kameras fest und das Herz in der Hose und wenn was schiefgeht, müssen wir uns abseilen, laut um Hilfe brüllen oder doch den locker umgebundenen Gürtel benutzen. und was passierte? Kaum waren wir auf den Doppelsitz gehopst, lachte und kicherte eine kleine Stimme laut, sagte "Kivaaaa!" und verlangte "lisää vauhtia!". Oh Du meine Güte. So ging eigentlich die ganze Fahrt gut. Ich zitterte innerlich und zählte die Sekunden, aber fest sass sie in Papis felligen Armen und erzählte, was sie da unten für Rentiere und Blumen und Wald sah.

Oben machten Omi und Opi riesige Augen, als Frida in das Tsokka-Restaurant marschiert kam. Wo auf der Sonnenterasse sogar ganz winzige Liegestühle für so kleine Personen standen. Oben tatsächlich scharfkantiges, mit Flechten übersähtes Geröll, grosse Funkmasten, niedrige Bäumchen und viele Baustellen. Und eine super Aussicht auf endlose Wälder, den knallblauen Pyhäjärvi und schöne gestreifte Aapamoore. Aaaaah. Ganz toll, so oben zu sein. Zur Feier des Tages gab es auch noch lecker Möhrenkuchen und Waffeln mit Beerensosse. Frida fand besonders das Vakuumklo superinteressant, und ich war froh, mein Handy mit frischem Gipfelstrom aufladen zu können. Beinache auch das Kabel dagelassen, weil alle vor Begeisterung nur hin und herrannten und sich gegenseitig die Sachen hinterhertrugen, aber natürlich nicht wussten, was wer wo gelassen hatte =)

Nach einer langen sonnigen Stunde mit vielen Fotos wieder zur Seilbahn und zurück. Glücklicherweise wollte Tiita wieder auf Papas Schoss. Ein kleines Drama entstand noch einmal, als kurz nach dem Aufsteigen etwas Blaues aus Fridas Hand fiel. Fridas Mickymaus! Ach Du liebe Güte. Ich schnell zu Opi hinter uns gebrüllt, der gerade aufsteigen wollte, aber so noch schnell hinunter ins Gras rannte und das fingerhutgrosse Teil aufsammelte. Das wäre sonst Grund genug zum Quengeln und Absteigen gewesen... so beruhigte sich die kleine schnell damit, dass die Maus hinter uns reisen würde. und ein kleiner Troll aus der Handtasche half auch. Puh.

Unten dann wieder das obligatorische Souvenirgeschäft, Frida guckt unheimlich gern die vielen bunten sachen an. Socken für uns beide fielen ab, mit Huskies und Elchen. Und eine Tasse mit Lapplandsymbolen. Dann draussen wieder die obligatorischen Rentiere, wieder mitten auf der Kreuzung und die ganze Herde auf einmal. Einfach Klasse und so schön. Vor allem, weil sie um diese Jahreszeit diese riesengrossen, weich umbasteten Geweihe tragen. Exotisch und schön und so wild.

Am späten Nachmittag auf Männes Wunsch noch eine Viertelstunde weiter nach Pelkosenniemi gefahren. Dort sollte die Statue eines berühmten Musikers stehen, Andy McCoy von Hanoi Rocks, der inzwischen wohl schon fast in den ewigen Jagdgründen des Rock'n Roll weilt. Wieder wunderschöne Landschaften, weite Moore, der Kemijoki-Fluss und rote und gelbe halbverlassene Häuschen rechts und links. Wie schön bei +26 Grad und wie einsam sicher beim gleichen Wert in minus. Die Statue stand mitten auf dem Dorfplatz, aus Holz und ganz bunt angemalt. Männe lachte zum ersten Mal auf dieser Reise, vielleicht in diesem Jahr und filmte.

Dann passierte noch etwas eigentümlicheres. Ein Mann kam mit einem Auto, stellte einen wackligen Tisch vor das Denkmal, kletterte darauf und fing an, die Plastik anzustarren und daran herumzutasten. Häh? Klar, das eine Bein des Helden war arg gespalten, obwohl das Ding überhaupt erst 2009 aufgestellt worden war. Herzholz zu schnell getrocknet, erklärte er uns fachmännisch. Dann holte er eine grosse Kettensäge aus dem Kofferraum. Oha, jetzt wird es spannend, dachte ich. Männe strahlte noch mehr. Nach weiterem Fachsimpeln begann der Mann, das Knie fachmännisch aufzusägen. Aha, der Künstler in Person! Und er würde vor unseren Augen das Bein reparieren. Klasse.

Frida hielt sich aufgrund des Sägelärms die Augen zu und wir mussten erst einmal zum Flussufer fliehen, während der Papa fleissig weiter griente und filmte. Fehlte nur noch, die frischen Fotos an Iltasanomat zu schicken. Dann gab es noch lecker Eis und wir guckten zu, wie zwei Männer einen frischen Stöckerzaun feststellten Diese aus doppelten vertikalen und darüber schräg gelegten und festgebundenen Hölzern bestehenden Bauwerke finde ich auch ganz toll. So einen könnten wir um unser neues Grundstück setzten, wenn wir nicht so viele furchtbar linke Finger in unserem Haushalt hätten. Die Pfähle sitzen übrigens nur 30 cm tief in kleinen, mit einer Metallstange gestossenen Löchern und die Enden sind angekohlt, um ein Verfaulen zu vermeiden. Wieder was gelernt, vielleicht versuche ich das doch noch selbst.

Erschlagen und müde die 40 km nach Hause. Mit Babyren auf der Fahrbahn. Bei der Post geguckt, ob mein Brief schon angekommen ist - schon alles zu. Kurzes "Ha, fahr mal hier rechts und dann halt an, ich muss ein Foto machen" vor dem Amethystenbad. Ursache war allesn klar - Wieder eine ganze Herde Rentiere, diesmal direkt vor dem Hoteleingang, den Balkons und der Schwimmhalle. Ob die ein Zimmer buchen wollten? Ganz zielgerichtet standen sie vor der Eingangstür, einige lagen, einige bewachten die Autos und alle sahen leicht gelangweilt aus, als die Touristen um sie herumhopsten und die Kameras zückten. Ach meine lieben guten Poros *knuddel* Hier ist was los... so schön habe ich mir das in meinen kühnsten Lapplandträumen nicht vorgestellt.

Abends haben wir noch zünftig gegrillt. Mit ein paar Mücken und vielen Bremsen und tatkräftiger Unterstützung unserer lokalen Nachbarn und Hausbetreuer, die sogar einen halbdeutschen Besucher vorweisen konnten, der netterweise auch noch eine Huskyfarm besitzt. Angesichts des heissen Wetters spendierte man uns sogar einen Greippilonkero *lecker* Danach die übliche Abendsauna und dann haben wir Tiita nach stundenlangem Herumgezappel zu Omi und Opi ins Bett verfrachtet. Mal sehen, ob sie da bleibt. Die erste Nacht allein in Omila =)

Montag, 5. Juli 2010

Ametistikylpylä + Pyhätunturi...

Auch wenn niemand von den geneigten Lesern die Überschrift aussprechen kann - heute war so ein richtig schöner Tag. Eigentlich sollte es regnen, aber bis auf einen ordentlichen Schauer unter Mittag konnte man sich wirklich nicht beklagen, so sonnig und warm war es. 25 Grad mitten in Lappland! Sogar die Mücken hatten sich verzogen, keine Ahnung, ob das am leichten Wind lag oder ob die wirklich alle ersoffen waren. Wir sind jedenfalls heute zuerst zum hiesigen K-Market. Flaschen und Büchsen abgegeben, nach gutem alten DDR-Modell in Kästen und Tüten gesteckt und an der Kasse nur deren Anzahl und Modell gesagt. Postfrage geklärt - Mummo muss uns einen Brief schicken, der aber nicht an die Mökkis verteilt wird, sondern bei der guten alten Post im Supermarkt abgeholt werden muss. Für das Modell wäre ich überhaupt, meiner Meinung könnte die Post nur 2-3 mal in der Woche kommen. Es roch in dem Laden auch ein klein bisschen nach DDR, nach Lebensmitteln und ein klitzekleines bisschen vergammelt *lach* *zuhausefühl*

Danach wie geplant in das Schwimmbad vom Amethyst-Hotel. An der Info noch die Details des Urlauberwochenprogramms erfragt, dann mit Kind, Omi und Opi zum Baden, während Männe das WLAn des Hotels ausprobieren musste. Ich gehe so gern in Finnland baden, vor allem, weil es grosse Umziehräume gibt und alle ohne Probleme nackelig in den Duschräumen herumlaufen, nicht so ein Firlefanz mit winzigen Kabinen und übereinander gezogenen und gezerrten Klamotten wie in Dshörmäni. Weil die Sauna selbstverständlich zum Baden dazugehört. Und es meist nicht so furchtbar kalt ist wie in den zugigen Gängen da. Von germanischen Saunamethoden jetzt mal ganz zu schweigen *nurnochdenkopfschüttelkann*

Das Amethystbad war zwar kleiner als ich ursprünglich gedacht hatte, aber das ist wahrscheinlich mit Fotos immer so. Ein grosses, willow grouse förmiges Becken mit flacher und tiefer Zone, viele Whirls und Spritzfälle und eine lila Grotte mit Sitzbank und Sprudeln. Nicht schlecht für ungefähr 2 Stunden Geplantsche mit Tiita. Sie sitzt dann immer auf dem Schoss und befielt, wo sie hinwill und das möglichst schnell. Wird Zeit, dass das Kind schwimmen lernt! Springen kann sie schon total gut, von Stegen in Seen und verbotenerweise von Beckenrändern innen. Noch nicht mal die Arme aufhalten darf man. Untergegluckert ist sie natürlich auch, aber ab und zu hält sie schon dabei den Häschenzahnmund zu, so dass kein Wasser in Nase und Mund läuft. Ich finde ja, je mehr sie im Wasser tobt, umso besser ist es später um ihre Schwimmkenntnisse bestellt.

Am allerbesten war es allerdings, als ich einmal kurz hinter mich guckte und auf der Wiese direkt hinter dem Schwimmhallenfenster, mitten zwischen Generatoren, Leitern und Treppen, wieder zwei auf der faulen Haut liegende Renner erblickte. Die lagen einfach da und käuten wieder und guckten uns beim Baden zu, ein Anblick für die Götter. Das sind wirklich Urviecher... und rennen einfach so im Dorfzentrum herum. Ein bisschen wie die heiligen Kühe in Indien, haha. Nicht nur ich rannte mit der Fotokamera in den nassen Händen...

Dann wurden die Grosseltern noch in die Geheimnisse der finnischen Sauna eingeweiht, Friederikchen geduscht und trockengerubbelt und es gab im Bistro Pfannekuchen, Pulla, Saft und Kaffee für die müden Krieger. Mit WLAN =) Und neue Rentiersocken in rosa. Danach sollte das Kind schlafen, endlich ein etwas ruhigerer Abend als gestern vielleicht. Also im Auto noch die 25 km nach Pyhä, dem Nachbarfjäll. Tiita tatsächlich im Auto eingepennt. Vorher hatten wir allerdings wieder zwei Rentiere fast umgefahren, die mitten auf der Strasse standen, und waren einmal versehentlich fast um den Orresokka-Berg herumgefahren. Opi auf Abwegen sozusagen.

In Pyhä gefiel es mir gleich noch besser. Dort sind die Hotels und Restaurants am Berghang und näher zusammen angeordnet, es sind wohl auch mehr und die Sonne schien aus allen Knopflöchern. Ich versuchte immer, mir alles mit viel Schnee vorzustellen, das muss wirklich auch total schön sein *wink an Karen* Mit Fridas Laufrad den grossen Parkplatz umkurvt, Best Western Hotel, Spielplatz, neuen Sessellift, Skischule und Info einen Besuch abgestattet. Die Hälfte davon natürlich geschlossen zu dieser Uhr- bzw. Jahreszeit. Tiita stänkerte mehr oder weniger herum, Männe war auch sauer und die Germanen verloren abwechselnd die Geduld, aber egal. Vielleicht zuviel für einen Tag.

Allerletzte Station also alter Lift und dann K-Market unten in Pyhä, weil jemand dreijähriges noch unbedingt einkaufen wollte (typisch Frau!). Souvenirs durchgewühlt, Lappenmützen ausprobiert, Finnenmesser bewundert und Postkarten begutachtet. Für alle Eis und Milch und Mökkizeitschrift gekauft. Mit letzter Energie auf dem Parkplatz gesessen und Eis genascht, das ein grosser Berner Sennenhund beinahe aus Fridas Hand geklaut hätte. Knacken hinter den Mülltonnen... schon wieder diese braunen Geweihviecher im Anmarsch. Erst einige wenige an der Böschung und dann eine ganze Herde über die Kreuzung. Oh Mann. Ich mache von nichts anderem mehr Fotos. Sie sind soooo schön.

Zurück aufs Mökki gefahren. Gut gelaunt aufgeräumt. Gehacktessosse und Kartoffeln gekocht (Männe) und Salat gemacht (icke) und als ich unser Werk fotografieren wollte, fiel der Blick auf dem Stubenfenster: Rudolph Rentier direkt vor der Terasse auf der Strasse. Buuaahh buaah haaa!!! Alle rausgerammelt. Alle gestarrt. Männe auf Socken (!) mit Videokamera die Strasse entlanggegangen, auf das grosse, ruhig fressende Ren zu. Das erst langsam davonschritt, sich aber dann blitzschnell drehte und im Schweinsgalopp auf Männe zuraste. Aaaahhhhh... Kamera auflassen, aber in Gedanken schon die Ambulanz anrufen und zerpieksten Mika aufsammeln und das Video ans Witzfernsehen senden.... aber das Tier rannte an Männe knapp vorbei und trollte sich. Machen Rentiere Scheinangriffe? Oder ist es wirklich nur versehentlich auf Mika zugerannt? Ganz schön mulmig, aber cool. Jetzt müssen wir unbedingt das Video ansehen, aber er bringt gerade die völlig erschossene Fridadida ins Bett. Was für ein Tag...

Sonntag, 4. Juli 2010

Luosto...

Um Mitternacht die letzten Fotos gemacht. Mit roter Sonne zwischen den Bäumen und noch ganz hell. Dann natürlich bis Mittag geschlafen. Glücklicherweise ist unsere Kleine noch nie von selbst zwischen 4 und 11 Uhr morgens wach geworden =) Ihr erster Satz heute war "Das Auto ist nass geworden". Oh, Dauerregen draussen. Ist aber auch nicht schlimm, vielleicht ersaufen so wenigstens einige der Milliarden schwirrenden Nervmücken vor der Haustür. Ausserdem wollten wir eh heute erst einmal nichts anderes machen, als unseren Ort zu erkunden und einzukaufen. Gestern die Broschüren hatten einiges offen gelassen, nämlich vor allem, ob und was im Sommer offen sein würde, was im Winter zum Normalprogramm gehört. Wo man langgehen und -fahren kann, ohne Ski oder einen Motorschlitten unter dem Hintern zu haben. Und überhaupt mit Kleinkind und ohne von den Moskitos aufgefressen zu werden.

Also nach zwei Stunden Anziehen (!) und Frühstück alle ins deutsche Auto gepackt und losgebrummt. Die paar Kilometer nach Luosto waren schnell erledigt und dann sahen wir da auch lauter grosse graue Holzgebäude und bunte Hinweisschilder vor dem wunderschönen riesigen Tunturi. Amethystbad und -hotel, Scandic Luosto, kleine Läden und jede Menge im Wald versteckte Ferienhäuser. Und immer wieder wollgrasbetupfte Moore und Seen. Alles um diese Jahreszeit sehr verlassen, hihi. Auf den grossen einsamen Parkplatz vor den Skiliften gekurvt und gerade angefangen zu überlegen, was wir jetzt noch suchen und machen wollen (K-Market?), als ich wieder in lautes Lachen ausbrechen und fast den Finger durch die Windschutzscheibe pieksen musste. Mitten auf dem Grünstreifen, mitten auf dem Parkplatz ein paar Meter vor uns ein äsendes Ren, wie eine Statue. Braun und mit dem Kopf unten. Hahaha.

Langsam rangefahren und mit drei Kameras und zwei Handies bewaffnet aus dem Auto gesprungen. Oma schimpfte, weil wir im Dauerregen und allgegenwärtigem Mückenangriff sämtliche Türen offen gelassen hatten und das Kind ohne Mütze draussen war - aber egal. Hauptsache Poro. COOOL. Ein weiterer Blick enthüllte, dass der Rand des Parkplatzes voller weiterer Geweihträger war. Braune und graue und weisse... und alle mit wunderschönen, grossen Geweihen und flockig abfallendem Winterfell. Wow. So schön. Natürlich sind wir ihnen mit der Fotografiererei auf den Keks gegangen und konnten uns selbst auch kaum einkriegen. Frida mit nassen Haaren wusste gar nicht, ob sie sich totfreuen oder Angst haben sollte, sie ging immer wieder ran und rief dann "die essen mich auf" und war wieder weg.

Opi stand seelenruhig vor den riesigen Hörnern, Männe filmte und filmte und sagte gar nichts mehr und meiner einer wusste nicht, ob er zuerst mit der richtigen Kamera fotografieren oder doch lieber ganz frische Handybilder auf Facebook posten sollte. Meine Güte! Das ganze trostlose Luosto war hinter den wunderschönen Tieren verschwunden. Grinsend musste ich auch daran denken, wie genervt wir beim internationalen Lapplandurlaub im Herbst 1999 von den hundersten Rentieren auf der Landstrasse gewesen waren, nachdem wir den ersten Exemplare noch stolpernd bis in die Kittiläer Sümpfe verfolgt hatten. Das passiert diesmal bestimmt auch noch. Verdammte Poros... die Luostoer legten sich dann seelenruhig auf einen grossen Sandhaufen zur Siesta. Und als wir doch endlich den K-Market suchen fuhren, kamen uns noch ein paar mit den Füssen knackend auf der Strasse entgegen. Und natürlich stand hinter dem Markt noch eins, ganz weiss und mit Glocke um den Hals *freu* Übrigens hatte Frida nach dem Besuch beim Weihnachtsmann laut gesagt "Mami, weisst Du was? Ich dachte, hier liegt Schnee!!!" Gut erkannt, Kleines!

Der herbeigesehnte urige K-Market wurde - ich hätte es fast geahnt - von einem Schild geziert, dass Sonntag geschlossen sei. Unser Kühlschrank gähnte aber vor Leere. Nix weiter in Sicht. Also Pyhä? Nur ein kleines bisschen grösser als Luosto und ein paar Kilometer weiter? Männe winkte ab - lasst uns die 40 km nach Sodankylä fahren, in die Kreisstadt. Auja, da wollte ich schon immer mal hin, allerdings nicht so schnell, sondern als Tagesauflug irgendwann nächste Woche. Kling so wild und nordisch und exotisch... vor allem auf der Wetterkarte und den Klimatabellen in meinen hunderten Finnlandbuchern zuhause. Allerdings sah das dann auch wie jede finnikliche Kleinstadt aus. S-Market neben K-Market neben Alko und den üblichen anderen Ketten *lach*.

Wir müssen das aber unbedingt noch genauer erforschen gehen. Diesmal nur 130 Euro im lokalen S-Bonusshop gelassen, vergessenes Handtuch und vergessene Fridasocken und jede Menge Fressalien eingesackt und fünf knallvolle Tüten rausgeschleppt. Warm war es übrigens, richtig schwül, ganz bestimmt über 20 Grad. Nicht dass jemand denkt, in Lappland ist es im Sommer kühl. Jyväskylä hatte heute übrigens auch 30 Grad und alle sind vor Hitze umgekommen. Von Sodankylä sind wir also wieder nach Süden getuckert. Noch ein kleiner Halt am Porttikoski, wo ein Schild auf Stromschnellen hinwies. Auto durch den flechtenbewachsenen Wald gesteuert, irgendwo an einen Parkplatz gestellt und geguckt, wo denn da nun etwas sei.

Ein paar Meter inmitten surrender Mückenschwärme gelaufen. Irgendwie wirklich fantastisch, wenn einen da hunderte Biester umsummen (der Ton ist schlimmer als diese Vuzuelas, sage ich Euch!!!), sich aber nicht trauen zu landen, weil man sich mit einigen Litern original finnischem Off eingedüselt hat. Tolles Deo. Wegen der Mückenviecher haben wir auf einigen Bildern übrigens auch eine Kapuze auf und langärmlige Sachen an, ansonsten wäre das überhaupt nicht nötig gewesen. Der Wald endete an einem heruntergelatschten Elchzaun und dahinter ging es zig Meter in die Tiefe, zu einem relativ schmalen, dunklen, gurgelnden Wasserlauf. Spannend. und mit so wilden Ufern und verknorrten Bäumen überall.

Noch spannender war es allerdings, die übermüdete Frida davon abzuhalten, geradewegs in die Tiefe zu hopsen. Puuuh. Vier Erwachsene und ein Kleinkind... das ist wirklich ein gerade ausreichendes Betreuungsverhältnis in unserem Fall. Noch ein, zwei Fotos gemacht, Kiefernzapfen gesammelt und Mücken totgehauen und wieder ins Auto. Frida hat Lieder über Rentiere und Doppelstockbetten und Mökkis gesungen, ist aber nicht eingeschlafen. Dann hat Männe die leckerste Lachssuppe der Welt gekocht. Mami aufgeräumt und Bett gemacht und Magenschmerzen auskuriert (binationaler und generationsübergreifender Stress...).

Dann Abendbrot gegessen, überdrehtes Kind ins Bettchen gebracht, dabei selbst wieder eingenickt, aufgeweckt wurden, dann noch Pläne für morgen geschmiedet und mit Männe eine kleine Runde zu Fuss durch die Muckenpampa gedreht (danke Omi und Opi für den Babysitterservice), Luxuskörper in die Sauna geschmissen, ein Lapin Kulta geköpft und ins Bett gefallen - nur um bei der Helligkeit kein Auge zuzumachen und dann noch schnell Blog zu schreiben. Notepad wegen fehlendem WLAN, aber das können wir alles noch später mit dem passenden Datum posten. Hauptsache in der stimmung des Augenblicks geschrieben. Und Fazit: Rentiere super!!! Mücken Scheibenkleister und wir müssen unbedingt mal wieder im Herbst oder Winter wiederkommen, wenn das hier alles ganz anders aussieht und viel mehr los ist. Aber noch haben wir ja gar nichts gesehen!

Samstag, 3. Juli 2010

Kemi - Luosto...


Der zweite Tag. Morgens mit Omi und Opi gefrühstückt, während die Finnen noch pennten. S-Market besucht und Handyladegerät fieberhaft gesucht. Gepackt und los und verfahren, weil die die neue Perämerentie bauen, die noch in keinem Navigationsgerät verzeichnet ist *ggg* Mit Ach und Krach und altmodischer Landkarte auf Suses Knien doch Ajos gefunden und den berühmten Eisbrecher Sampo. Der in echt so unheimlich klein ist! Aber selbst die frischgeknipsten Digikamera-Fotos enthüllten einen bärenstarken riesigen Schiffsbug. Hihi, eine optische Täuschung. Aber ich war trotzdem froh, dass wir ihn gesehen hatten. Damals, im Frühjahr 2000, waren wir zwar ganz kurz in Kemi gewesen, hatten aber nur eine halbe Stunde am Hafenbecken zugebracht und die Schneeburg nur von aussen gesehen... vielleicht auch Sampo mitten im Eis, aber nach dem heutigen Tag glaube ich es nicht mehr... nur auf ganz vielen Fotos!

Dann Richtung Nordosten. Am Kemifluss entlang nach Rovaniemi, der Hauptstadt Lapplands. Frida wollte unbedingt den Weihnachtsmann besuchen, der dort ein grosses Dorf bewirtschaftet. Klar, viel Kitsch und genauso viel Kommerz, aber insgesamt ist es auch wunderschön und magisch da. Gemeinsam kletterten wir die grosse Treppe zu Santas Büro hinauf. Vor 10 Jahren wohnte er noch unten hinter seiner Bibliothek, aber jetzt ist er umgezogen =) Namen genannt und Weihnachtswünsche abgegeben und mit Joulupukki geredet und ihm mitgeteilt, dass die kleine Tiita nächstes Mal woanders wohnt. Der Typ kannte sogar Laajavuori und Palokka und versprach, ganz bestimmt im Dezember mit seinem Rentierschlitten vorbeizukommen. Danach Souvenirs angeguckt, Lapland-Shirt und Mückennetzhut und Husky-Kühlschrankmagnete gekauft, Kaffee getrunken, Frida auf grossen Kletterspielplatz geschickt, Weinachtspostamt mit Besuch beehrt, Kakawindel gewechselt, viele Japaner, Russen, Spanier und andere Ausländer gesehen und wieder ab ins Auto.



Fridas Augen fielen fast augenblicklich zu. Vom Autofenster aus die schöne Spannbrücke über den Ounasjoki gesehen und das wunderbare Arktikum. Am Kemijoki weiter entlang gefahren. Dann nach Norden abgebogen. Huh, immer kleiner wurden die Bäume links und rechts und immer abenteuerlicher sahen die Höfe aus. Moore, Aapamoore und Keidasmoore. Mit hellgrünen Vertiefungen und dunkgelgrünen, mit Bäumen bestandenen Streifen, die von der Luft aus ein wunderschönes Mosaik ergeben. In der Ferne die ersten Fjälls *jippppiii*

Und dann in einem Feld ein eigenartiges Pferd. Hob und senkte den Kopf und hatte ein Geweih. Das erste Ren!!!!! Huuuaaah, wie schön!!! Ein paar Kilometer weiter ein paar eingezäunte Poros neben einer Raststätte. Gildet nicht. Dann musste ich mir vor Lachen den Mund festhalten, nach der Kamera neben mir tasten und gleichzeitig meinen Dad wortlos und kichernd anstupsen, damit er Männes Videocam anschaltete: vor uns latschte doch tatsächlich in ungefähr 100 m Entfernung ein dussliges Rentier neben den bremsenden Autos her. Hahaha. Die grossen Füsse und der tapsende Gang. Direkt links neben Männes Ford auf der Gegenspur. Vor unserer Motorhaube bog es nach rechts ab und trabte seelenruhig nach rechts in den Wald. Das sind aber auch urige Viecher...

Wenige Kilometer weiter dann runter von der grossen Strasse, auf einen Seitenweg. Und alles anders, noch mehr Moore, noch mehr Berge, noch wilder alles. Aaaaahh. Wo ich doch eigentlich alles ausser dem Arm der Finnlandjungfer als nicht echtes Lappland abtue. Aber das sah schon sehr echt und beeindruckend aus. Dann guckte der Luostotunturium die Ecke. Graue steile Wände und kahl und so magisch. Aivan ihana. Und als wir dann noch um eine Ecke bogen und unser schönes Haus sahen und dahinter gleich wieder die geniale Aussicht - hach. Hier werden wir eine ganze Woche verbringen. Fantastisch. Auch wenn die Mücken einem im Juli wie Heuschrecken um die Ohren fliegen.

Aber das Haus ist wunderschön, modern und geräumig und schick eingerichtet. Mit zwei Schlafzimmern und Galerie, mit Kamin und Sauna und allem, was man sonst noch braucht. Und wenn dann draussen gegen 23:30 im Taghellen noch kleine Glöckchen läuten und wie von Zauberhand eine Herde Rentiere auf der Strasse vor dem Haus auftaucht, dann ist die Welt perfekt. LAPPI!!!

Freitag, 2. Juli 2010

Jyväskylä - Kemi...

Endlich Urlaub. Und endlich wieder einmal in den Norden. Richtig weit, bis nach Lappland. Früher hätten wir sowas in einem Ritt durchgeschrubbt, aber mit Frida und Omi und Opi haben wir eine Zwischenübernachtung eingeplant. Und ich muss sagen, dass es so auch beeindruckender ist, langsamer und aufregender, bis dann auf einmal endlose Moore die Strassen säumen und die Fjälls vor einem aufragen *ganzaufgeregtsei*

Aber erstmal gepackt. Dummerweise mussten wir die Wohnung gleichzeitig noch vorstellungsreif machen, die dritte Führung steht am Montag an. Frida zum Glück solange mit den Nachbarskindern herumgetobt. Dann gegen Mittag die ganze Family auf zwei Autos verteilt und los. Gepäck für eine Weltreise. Bei ABC noch Kind abgefüttert, gleichzeitig Monatsfoto Palokka geknipst und los ging es, nach Oulu und für ungefähr 350 km nur geradeaus. Wälder und Seen rechts und links und dann mehr oder weniger plattes Land mit Feldern und Häuschen und Wald und Wiesen. In Pihtipudas ganz im Norden von Mittelfinnland zum ersten Mal angehalten, weil die liebe Kleine müde wurde und quengelte. Am Seeufer an einem kleinen Café Saft und Kaffee getrunken und frische Eierkuchen verspeist. Ja, das ist Urlaub. Langsam merke ich es auch. Toll.

Nächster Stop 10 km später in Vaskikello. Meine Eltern schwärmen schon lange von der kleinen Raststätte, an der tausende von Glocken ausgestellt sind, von riesengrossen gegossenen Glocken über Hanschellen zu allen möglichen Glockenblumen. Witzig irgendwie. Und laut, wenn man eine der riesigen Dinger lang genug anschubst. Huuups =) Familie mit erneutem Kaffee, Pasteten, Piroggen und Pizza versorgt. Danach hat Frida ihren wohlverdienten Mittagschlaf gehalten und wir konnten ganz in Ruhe die nächsten 200 Kilometer abarbeiten.

Abends Station in Oulu. Wir hatten keine Übernachtung vorgebucht, aber ich hielt es für sinnvoll, spätestens hier herumzutelefonieren, ob in Kemi, unserem Idealziel für die erste Nacht, überhaupt noch Zimmer oder Ferienhäuser frei wären. Gleichzeitig wollte ich unbedingt die Ostsee besuchen und den wunderschönen breiten Sandstrand bei Nallikari, den ich in einem Prospekt gesehen hatte. Ich liebe das Meer über alles!!! Meinetwegen hätten wir auch dort übernachten können, wenn sich eine schicke und bezahlbare Unterkunft finden würde. Männe war gar nicht so begeistert. Er wollte unbedingt noch nach Kemi, weitere 100 km, damit wir morgen eine kürzere Strecke hätten. Und telefonieren mit Hotels ist eh nicht sein Ding und der doofe Strand und Zeitvergeudung und so. Frau mal wieder explodiert. Allerdings stellte sich dann heraus, dass dort eh keine Mökkis mehr frei waren. Ins Eden wollten wir für die kurze Zeit nicht. Und am nächsten Tag *vorgreif* ergab sich sogar, dass seine endgultige Zieladresse im Navigator 200 km weiter lag als das, wo wir wirklich hinmussten. Kein Wunder, dass er es so eilig hatte... Also wieder versöhnt =)

Nach dem Strandspaziergang war Frida wieder munter und auch die älteren Herrschaften wieder so hergestellt, dass wir weiterfahren konnten. Diesmal deutsche im deutschen Auto und Finne allein mit Gepäckwagen. Immer am Meer lang bis nach Kemi. Die ersten Schilder von Rentierzuchtgebieten und über die Strasse hüpfenden Geweihträgern *cool* Ab und zu blitzte links das Wasser durch die Bäume. Und das Merihelmi-Hotel sah auch super aus *vormerkenmuss*

In Kemi, der Stadt von Eisbrecher Sampo und des weltberühmten Schneeschlosses Lumilinna, kamen wir gegen 21 Uhr an. Luxusmässig im Cumulus-Hotel eingecheckt, 80 e pro Nacht pro Zimmer. Dafür wolkenweiche Betten, Restaurant im Haus, natürlich Bettzeug und Klo im Zimmer, im Gegensatz zu den spartanischen Campingmökkis, die uns auch angeboten wurden. Ausschlafen für die grosse Reise. Nachdem wir Huviretki noch ausgiebig getestet hatten (Lehtipihvi & Siideri), fiel eine kleine Frida mit den Worten "Olipas pitkä matka! War das eine lange Reise!" müde ins Kuschelbettchen.

Samstag, 5. Dezember 2009

Und weil's immer noch so schön ist...



Und mir steigen immer noch jedesmal die Tränen in die Augen *ggg* Abends nach Hause, illaksi kotiin... auch wenn sie momentan Riesenprobleme mit streikendem Personal und sich tonnenweise stapelnden Koffern at Helsinki Airport haben *ggg*

Sonntag, 8. November 2009

Vesala...

Kurzausflug aufs Land, zum Freizeitzentrum Vesala nur ein paar Minuten von Fridas Grosseltern entfernt. Zusammen mit dem finnisch-deutschen Verein und vielen finnisch-deutschen Kindern. War super. Aber nicht so schön wie im letzten Jahr. Da waren wir lange draussen spazieren und abends alle zusammen in der Sauna - diesmal sind wir nur zwischen Gesprächsrunden und den brechend vollen Essenstischen gependelt =)

Aber rutschen war Frida. Und wir hatten schönen, wuschligen klatschnassen Schnee und geheimnisvollen Nebel. Passend zur Jahreszeit. Irgendwie könnte ich ständig verreisen. Wenn nur jemand anders am WE unsere Bude in Ordnung bringen könnte.

Montag, 23. März 2009

Stockholm...

Hier sind endlich mal ein paar Stockholm-Impressionen von Anfang März, habe es jetzt erst geschafft, meine Kamera zu leeren...

Grau in grau, schwarze Taxis und alter Schnee...

Man baut und baut und die Leute sind in Eile und die Narzissen blühen...

Auch den Schweden traut man nicht zu, in einem normalen Laden und neben Butter und Brot ihren Alk zu kaufen...

Als wenn es nicht frostig genug wäre... Susku in der berühmten Stockholmer Eisbar. Die nur winzig klein und überhaupt ziemlich enttäuschend ist. Lappland ist besser. Kemi Eisschloss zum Beispiel.

Fischig, fischig. Kongresszentrum in einem alten Gymnasium aus Glashausperspektive. Sehr cooles Foto, finde ich. Ob die wohl unter Höhenangst leiden?

Freitag, 10. Oktober 2008

Reisende...

Hach, Familie P. ist wieder einmal in den guten deutschen Landen eingefallen. Und das war diesmal wirkich aufregend. Wir wollten ja mit dem tollen finnischen Intercity nach Helsinki fahren, der sogar einen richtigen Kinderwaggon sein eigen nennt. Von dem ich schon soooo viel gehört habe - mit dem Maulwurf und mit Felix, mit einer Rutsche, einem kleinen Zug im Zug, mit Büchern, jeder Menge Spielzeug, Familienabteilen und und und.

Tsja, und dann brach am Donnerstag bei der finnischen Reichsbahn das totale Chaos aus. Zentrale Fahrleitstelle kaputt, Kompjuter abgestürzt und nix lief mehr. Stundenlange Staus auf allen ääähm 10 (?) Strecken, ewige Wartezeiten und totale Ungewissheit, wie es weitergehen sollte. Alle Züge wurden praktisch von Hand herumgeschoben, bis der grosse Rechner wieder fit war. Und am nächsten Tag sollten wir fahren und nach Möglichkeit nicht unseren Flieger verpassen. Ich hatte vielleicht Muffensausen. Natürlich hätten wir auch mit dem Auto fahren können, aber die Parkplätze in Helsinki kosten fast 100 e, der Opa brauchte das Auto und ich hatte schon so viel Gutes von dem Kinderzug gehört...

Also Risiko eingegangen. Mit dem Taxi früh zum Bahnhof. Im Internet gekauftes Ticket abgeholt, nochmal Kaffee geschlürft und Frida Banane knabbern lassen und dann in den grossen Doppelstockzug. Frida fand die Kinderetage sofort klasse. Ist Treppe hoch und runter, gerutscht, geklettert, hat gelesen, ist bei der Schaukelei zigmal auf die Nase geknallt und hat trotzdem weitergemacht. Sehr gut! In Tampere mussten wir mir unserem Sack und Pack umsteigen, puuuuh. Dann Riihimäki, der kritische Ort, in dessen Süden gestern alles zusammengebrochen war. Der Zug fuhr aber noch. Kurz vor Tikkurila, 45 min vor Ankunft, Stop auf offener Strecke. Okay, nix schlimmes. Aber dann kam eine Durchsage, dass das Leitsystem keinen Pieps mehr sagt und der Lokführer noch nichts genaues sagen kann. Och nöööö.... zum Glück war direkt neben den Gleisen eine Strasse, Männe hatte sein Navi mit und auch eine Taxifahrt hätte nicht mehr unsere sämtlichen Ersparnisse aufgefressen.... also warten. Kurze Zeit später ging es weiter.

Vor dem Bahnhof in Tikkurila dann wieder "Stau". Irgendwas blockiert. Als dann die reguläre Durchsage kam, dass es von Tikkurila eine Busverbindung zum Vantaaer Flughafen gibt, haben wir blitzschnell Frida in ihren Overall gehievt, unsere Koffer geschnappt und sind wie von der Hornisse gestochen aus dem Zug geflüchtet. Froh, und kichernd und lachend - wer weiss was bis Helsinki Hauptbahnhof alles noch passiert wäre. Ich wusste zwar, dass es diese Verbindung gibt, hatte sie aber bisher noch nie ausprobiert, weil ich es noch nie eilig hatte und meist noch kurz in Hesa shoppen war, bevor ich geflogen bin. Hah, sehr gut.

So kam es, dass Frida dann in einem grossen Bus landete und nach 10 Minuten, in denen sie unseren Banknachbarn, der Chips futterte und Milch aus der Tüte trank, gierig angeguckt hatte, die Augen einfach zufallen liess. Gute Nacht, Baby! Im Ergo wurde sie zum Schalter getragen, das Gepäck eingecheckt und noch ein paar Läden unsicher gemacht. Dann Augen wieder auf. Välipala im grossen Café mitten auf dem Flugplatz. Mit Gläschenkost für Frida, Makkara für Papa und einer grossen Eisschokolade für die müde Mama. Frida ist dann herumgerannt und hat die anderen Reisenden wahnsinnig gemacht. Hihi. Gänge rauf und runter, Gepäckkarren geschoben, sich nicht tragen lassen, fremde Leute angegrinst, Regale ausgeräumt, Rentier gestreichelt, grosse Flugvögel beobachtet und ans frisch geputzte Fenster gehauen.

Dann sassen wir auch schon im Air Berlin Flieger. Ich hatte mir Sorgen gemacht, dass wir den Pfefferhintern nicht würden ruhig halten können. Aber kein Problem - Frida guckte aus dem Fenster oder spielte mit ihren Bausteinen oder nuckelte an Mamis Brust. Alles okay und keine Tränen. Aber auch nicht geschlafen. In Berlin angekommen, mussten wir erst weit laufen, bis wir die Mietwagenzentrale fanden. Frida sass lieb im Buggy und guckte sich good old Germany an. Dann in den Autositz geklettert - Avis hatte nur einen Seat f+ur uns, grusel - Augen zu und das war Fridas Reisetag. Mama und Papa mussten mit Ach und Krach noch zwei Stunden wach bleiben, aber schliesslich kamen wir alle wohlbehalten in Harzer Gefilden an. Staubige, weite Landschaften mit Sonneuntergang und Windmüuhlen ohne Bäume, Seen und Granitfelsen, haha.

Mittwoch, 17. September 2008

Suotripping...

Sooo, und jetzt ein paar schöne Fotos von meiner ersten Reise ohne Frida - Mama war ja am Dienstag und Mittwoch auf Dienstreise im Kymenlaakso, also die Gegend um Lappeenranta, Kotka und Hamina im Südosten Finnlands. Dass Frida in der Nacht mit Papa nur drei Stunden geschlafen hat, erwähne ich jetzt lieber nur am Rande...

Der Waldpark Mustilan arboretum in Elimäki. Mit interessanten Bäumen und jeder Menge Rhododendren aus Noramerika, Asien und anderen exotischen Regionen, einem tollen Café in einem uralten Holzhaus und mit einem Pflanzenverkauf. Es gab lecker Lachssuppe, Brote und Kaffee.

Im Moor, nach langer Zeit endlich wieder einmal. Die Farben waren umwerfend, die Spaghnum-Moose breiteten sich wie Teppiche aus, die Wasserflächen spiegelten den grauen Himmel und die ersten Moosbeeren konnten gekostet werden. Der Rundweg auf Bohlen war fast 3 km lang und führte durch schöne Landschaften, nur die Rennerei war wie immer etwas nervig. Man würde nicht mal bemerken, wenn 10 m neben dem Weg ein Elch stünde...

Moose und Moosbeeren. Sehr hübsch, oder? Und sie tragen sehr gut, man muss nur an Gummistiefel denken. Der Torf war an diesen Stellen bis zu 5 m hoch, also Jahrtausende alt. Meiner einer hat übrigens vor drei Jahren einen Moorpflanzenkurs an der Uni Jyväskylä besucht und gelernt, die Pflanzen und Moortypen zu klassifizieren, aber irgendwie ist das mit dem Mamagehirn ziemlich in der Versenkung verschwunden *grübel*

Der Hafen von Lappeenranta. Da war ich auch noch nie gewesen, leider hatten wir keine Zeit auszusteigen und die Stadt, die Festung und den Hafen anzusehen. Vielleicht irgendwann einmal. Wir müssen sowieso viel mehr reisen - bloss irgendwie fehlt immer die Zeit dazu.

Noch ein Moor. Insgesamt haben wir mit der finnischen Moorgesellschaft 10 verschiedene Moore und andere Sehenswürdigkeiten angesteuert. In dem hier wurden Torfproben genommen, danach sahen wir uns Instrumente an, mit dem man die Treibhausgasemissionen messen kann. Sehr wichtig in der jetzigen politischen Diskussion um die globale Erwärmung.

Vorbereitung zur Torfproduktion. In Finnland gibt es so viele Feuchtgebiete und Moore (30% der Landfläche...), dass der Torf industriell abgebaut und neben der Verwendung in Kultursubstraten (sprich Blumenerde) zur Wärme- und Energieproduktion genutzt werden kann. Dafür werden bereits durch Gräben teilentwässerte, oft aufgeforstete Moore richtig trocken gelegt und der Torf über viele Jahre hinweg von oben abgefräst, in Luft und Sonne getrocknet und in eine Form gebracht, die von Kraftwerken leicht genutzt werden kann. Also Pulver, Briketts, Elefantendung oder Pellets, alles schon gesehen =)

Die letze Enklave des Westens - Teboil Tankstelle an der Grenze zu Russland. Bei dem Anblick rutschen einem normalen Finnen immer die Hosen in die Knie *lach* Ein bisschen gruslig ist es schon, wenn plötzlich die Speisekarte auf russisch ist und man von lauter Igors, Sergeis und Aljoshas umgeben ist =) Von der kilometerlangen Schlange von Trucks ganz abgesehen... ich finde das immer aufregend.

Ausserdem weilte am Dienstagabend so ein Monster im Badezimmer. Sass mit den anderen Frauenzimmern gemütlich in der Sauna, kippte sich ganz in Ruhe ein Lapin Kulta hinter die Binde und dachte gar nicht daran, zuhause anzurufen. War ne gute Entscheidung =) So ne Torfmaske macht übrigens Jahrzehnte jünger, hehe. Wenn's was bringt...

Sonntag, 15. Juni 2008

Tulach Mhór...

So, da simma wieda. Wie der aufmerksame Leser vielleicht schon vorletzte Woche feststellen konnte, waren Mika, Frida und ich für eine Woche in Irland. Tullamore, in the Midlands, Co. Offaly, the middle of nowhere und doch im Herzen der grünen Insel. Inmitten der einsamen, wunderschönen, schauerlichen, geliebten und gehassten, als Habitat, Einkommensquelle und Erholungsgebiete sehr wichtigen Moore, Bog of Allen, Clara Bog, Lough Boora und wie sie alle heissen. Meiner einer ist ja sozusagen die rechte und linke Hand eines grossen Verbandes für alles, was sich wissenschaftlich und industriell mit Mooren und Torf befasst.

Alle vier Jahre haben wir einen grossen Kongress und der fand nun, ganz passend in der zweiten Woche nach meinem Mamaurlaub, in Irland statt. Die ganze Familie musste natürlich mit, weil Frida selbstverständlich noch die Mama braucht (bzw. deren Milch), die Mama aber tagsüber anderweitig gebraucht wurde und dann der Papa einspringen musste. Der sich überhaupt als ganz tapferer Recke erwiesen hat.

Während die Mama fast Vollzeit auf Meetings, in Vorlesungen, mit drei Kameras, Heftern und Handy in der Hand, buchverkaufend, minutesschreibend, smalltalkend und last but not least auf glanzvollen Dinners herumhing, trug der tapfere Papa das Babymäuschen stundenlang im Ergo herum, fütterte leckere irrländische Gläschen in gierige Schnäuzchen, wehrte nette Tanten und Onkels vom schlafenden Nachwuchs ab und tat auch sonst alles, damit der Familiensegen einigermassen erhalten blieb. Trotz 24/7 Stresses, trotz Affenhitze und Regenschauern, trotz ausfallenden Handies, verlängerten Palavern, dämlichen Twin-Bett-Zimmern und sonstigen Widrigkeiten.

Aber alles in allem hatten wir eine schöne Woche. Frida hat jede Nacht durchgeschlafen, hat es halbwegs gut allein mit dem Papa ausgehalten, die Mama hat schönes Feedback bekommen und konnte endlich wieder einmal ihre vielen netten Kollegen (500...) aus aller Welt treffen, wir haben schöne Landschaften, Häuser und natürlich Moore gesehen und uns zwischendurch auch ein klein bisschen erholt.

Bei lecker Guinness, Smithwicks und labberigen Sandwiches, Kartoffelbrei, zerkochtem Gemüse, dem leckeren Tullamore Whisky und sonstigen Spezialitäten. Mit Riverdance, Irenmucke und Fussball auf RTE. Mit vielen Kühen, Schafen und Katzen. Hecken, Steinmauern und Gruselschlössern. Die grüne Insel war genauso grün wie Finnland im Sommer *lach* und ich hatte natürlich meinen Kauderwelsch Gälisch-Führer zuhause gelassen. Aber egal, schön war es trotzdem.

Wir müssen da unbedingt mal Urlaub machen. Auch wenn ich noch herausfinden muss, wie in aller Welt man dort herumkommt, ohne einen Mietwagen nehmen zu müssen. Der Linksverkehr ist wie immer arg, arg gewöhnungsbedürftig. Besonders, wenn man nach drei Tagen dann gar nicht mehr weiss, in welchem Land die Autos denn nun von wo kamen und nur noch am Rennen ist *ggg* Es gab übrigens auch eine Post-Congress-Tour, die unter anderem nach Galway und Belfast führte, aber das war für Frida noch zu anstrengend. Vielleicht später einmal...

Freitag, 22. Februar 2008

Im Zoo...

Manno, die Zeit vergeht wieder so schnell. Ich muss nämlich noch von unserer wunderschönen, aber viel zu kurzen Reise schreiben. Wir sind nämlich am Donnerstag nach Ähtäri gefahren, wo es einen der wenigen finnischen Tierparks gibt. Ist ca. 120 km nordwestlich von hier, ich war schon einmal im Winter 1999 mit meiner Friend Family dort und wollte immer mal wieder hin - und jetzt hat es endlich geklappt. Badepaket mit Übernachtung, Halbpension und Eintritt ins Schwimmbad für 70 e/Person. Mein Purzeltagsgeschenk sozusagen.

Eigentlich wollten wir morgens gleich nach dem Frühstück losfahren, aber in so einer Babyfamilie ist das alles nicht so einfach. Beziehungsweise, wenn man den vorherigen Tag mit Ereignissen so vollstopft, dass man abends keine Zeit mehr hat, seine Sachen zu packen. Und wenn man nachts jede Stunde von irgendeinem Nachtschreck geweckt wird, steht einem morgens um 7 auch nicht gerade der Sinn nach Aufstehen... Also sind wir gegen 11 aufgestanden (mein Handy bimmelte für "lounas"), haben in Ruhe gefrühstückt, alles eingepackt und Frida fertiggemacht. Zum Glück hatte ich drei Leute hier, an die ich diverse Aufgaben deligieren konnte *lach*

Erst gegen 14 Uhr sassen wir im Auto. Je näher wir Ähtäri kamen, umso mehr schneite es und man sah kaum die Hand vor Augen. Mmmh, nicht perfekt für einen Tierparkbesuch. Aber aufgrund unseres verspäteten Aufbruchs war es dann auch einfach, zu Plan B überzugehen. Sonst würden wir nachher im Dunkeln da herumstapfen. Also den Zoobesuch auf Freitag verschoben. Laut Wetterbericht sollte da sogar die Sonne scheinen. Optimisten =) Das Mesikämmen Hotel war dann richtig klasse. Gar nicht so ein 70er-Jahre-Bunker, wie ich das befürchtet habe, sondern schön nordisch gestylt, luftig und interessant - natürlich etwas im 70er Stil, der ja inzwischen wieder topmodern ist *lach* Am besten waren die Flure... tief in die Felsen gebaut und an den Wänden lief sogar Schmelzwasser herunter. Wie in einer Tropfsteinhöhle...


Unsere Zimmer waren ganz vorne mit Seeblick. Natürlich mit unsichtbarem, da zugefrorenen See, auf dem im Minutentakt Motorschlitten kreuzten. Sehr cool. Frida tobte auf dem Doppelbett herum und war gleich ganz zuhause. Unsere Reisemaus. Wir sind dann auch schnell aufgebrochen und nach Tuuri weitergefahren. Dem grössten Dorfladen der Welt, wo Millionen von Touristen jedes Jahr hinpilgern. Was ich eigentlich gar nicht verstehe - das Kaufhaus ist nämlich so ein ziemlicher Ramschladen. Nicht besonders attraktiv, kaum anderes als anderswo, aber eben ein paar Cent billiger. Und die Gebrüder Keskinen haben es geschafft, das ganze fleissig zu vermarkten. Ein richtiges Imperium sozusagen. Mit kitschigem Orient-Hotel, grossem Hufeisendenkmal und zig Läden, im Sommer gibt es im "Glücksdorf" Tuuri sogar Konzerte und ähnliche Ereignisse.

Glücklicherweise war der Laden diesmal nicht so überrannt wie wenn wir sonst am Wochenende mit Kuohus Feuerwehr dort waren. Man wurde nicht herumgeschoben und musste 45 min an der Kasse anstehen, sondern konnte frei laufen und sogar in einem der vielen Restaurants essen, ohne von anderen Shoppingwütigen zerdrückt zu werden. Gekauft haben wir aber nicht viel... wie gesagt, wir sind ja inzwischen voll eingerichtet und haben überhaupt keinen Platz mehr für Plunder jeder Art. Von den fehlenden Moneten ganz zu schweigen =)

Und ausserdem hatten wir es eilig. Sehr eilig. Das Hotel hatte nämlich unser Übernachtungspaket so schlau gepackt, dass sowohl das Schwimmen als auch das Abendessen gegen 20:00 endeten. Ääähm. Wo ich doch unbedingt baden wollte. Und natürlich auch was hinter die Kiemen bekommen musste. Im Auto meckerte ich enttäuschterweise nur vor mich hin und legte zig Pläne zurecht, was ich wann machen wollte und wie in aller Welt ich beides schaffen sollte. Schliesslich half nur rennen. Um 19:00 waren wir im Hotel, um 19:10 stand ich vor der Spa, um 19:20 kam ich ins Wasser, bis 19:30 schwimmen, dann schnell noch Whirpool, Sauna, Duschen und Anziehen und Punkt 19:50 fiel ich mit nassen Haaren, knallrotem Gesicht und Schlabberklamotten, aber superglücklich im Restaurant ein. Sowas geht auch nur in Finnland. In England und anderen eleganten Ländern hätten die mich in dem Zustand gar nicht an die Futterkrippe gelassen =)

Im Restaurant waren auch viele andere Kinder, die dann später auch Karaoke machten. Cool, wie solche Zwerge singen können. Frida sagt ja immer nur "gagn gagn" =) Als die Babyaugen immer kleiner wurden, sind wir aufs Zimmer. Wo Frida wieder putzmunter auf dem Fussboden herumrutschte, bis wir gegen 22 Uhr beschlossen, doch noch etwas zu trinken zu holen. Und vielleicht ein paar Minuten in der Hotelbar zu sitzen. Gesagt, getan. Mit Baby in einer Bar - irgendwie total cool. Männe trank Bier, ich Wasser und wir hörten eine halbe Stunde Musik, während Frida neben uns im Hochstuhl herumalberte. Glücklicherweise war es auch nicht laut und wir waren nicht die einzigen mit kleinen Kindern. Richtig erholsam *freu*

Die Nacht war dann durchwachsen - das Mäuschen wachte mehrmals schreiend auf und ich beschloss daraufhin, Wache zu stehen, das Händchen zu halten oder gegebenenfalls schnell die Brust zu reichen und gleichzeitig mein neues Astrid Lindgren Buch zu lesen. Und das, obwohl das Hotel sooo schöne weiche schmusige Betten hatte. Bis kurz vor vier sass ich da, mit brennenden Augen und lahmen Gliedern. Aber vielleicht irgendwann einmal... jetzt bin ich ja erst einmal hauptberuflich Mama *festnick*

Komischerweise komme ich aber trotzdem mit wenig Schlaf aus. Um 9 mussten wir schon wieder aufstehen, um noch Frühstück abzubekommen. Jetzt weiss ich, wieso ich auf Fotos neuerdings so tiefe Schatten unter den Augen habe. Im Restaurant habe ich mich durchs Buffet probiert, dann haben wir bezahlt, gepackt und Frida hat sogar noch eine grosse Unicef-Puppe bekommen. Aus Stoff. Wo ich doch Plastepuppen nicht ausstehen kann... als Kind hatte ich auch nur Plüschtiere gern =)

Nach einem kleinen Umweg nach Ähtäri, um Makkaras und Limo zu kaufen, kamen wir dann endlich zum Tierpark. Haaachja. Da war ich ja 1999 mit meiner Friend Family schon gewesen. Aber noch total unkundig, das heisst, ich wusste weder wo wir uns befanden noch was wir vorhatten noch verstand ich besonders gut finnisch... alles war also neu und fremd und total exotisch. Diesmal wusste ich schon was ich wollte: Ahmas sehen, Poros und Sudet. Also Vielfrasse, Rentiere und meine geliebten Wölfe. Aber es gab auch viele andere interessante Tiere. Und der Rundweg war mit ungefähr 3 km auch gut mit Kinderwagen zu schaffen. Frida guckte grösstenteils interessiert in die Landschaft oder liess sich mit kurzen Spurts gut vom Quengeln ablenken. Und dann kam sogar die Sonne raus - knallblauer Himmel auf schönem weissen Pulverschnee. So wie sich das für Finnland gehört! Hatte Mika doch recht behalten....

Die Vielfrasse und Bären waren leider nicht zu sehen, aber alle anderen Tiere waren so schön und interessant. Lustige, mit den Füssen knackende Rentiere, im Bau sitzende Biber, riesige Wisente, viele verschiedene Rehe und Hirsche, Rot- und Polarfüchse, verschiedene Eulen, die es in Mitteleuropa nicht gibt, verpennte Otter, grunzende Wildschweine, süsse Luchse und wunderschöne pelzige Schneeleoparden... also alles mehr oder weniger in der nordischen Hemisphäre vorkommende Tierarten. Dazu gab es gut gemachte Schautafeln, sogar auf deutsch, Spiele für Kinder und spannende Lichtschalter =)

Beim Elchgehege wurde die erste und einzige Rast gemacht. Die riesigen Pelzberge standen an ihren Raufen und futterten, so dass man gar nicht sehen konnte, wie gross sie eigentlich waren. Also packten wir auch erstmal unsere Makkaras aus. Grillen über dem offenen Feuer - noch etwas, was nur in Finnland möglich ist *schwärm* Und Möhrenkartoffelbrei in einen Babymund zu stopfen, der sich aufgrund der Minustemperaturen tief in einem dicken Overall befindet. Eigentlich könnte so ein Haalari von Anfang an rotorange gefärbt sein =) Irgendwie bekam ich das Baby doch satt und konnte selbst eine halb verbrannte Wurst mampfen. Inzwischen waren die Elche unmerklich ans Gatter gekommen. Booaaaah, solche grossen Brummschädel, solche grossen Augen, so lange Quanten und so ein weiche sanftes Maul. Der eine grosse Elch liess sich sogar streicheln - genau wie damals vor sieben Jahren. Cool. Mich knutscht ein Elch =)

Von dem ganzen Tiereangucken war Frida dann so fertig, dass sie fast ohne zu Meckern im Kinderwagen einschlummerte. Bei den Mardern plinkerte man noch einmal, aber dann war Nachtruhe angesagt. Und wir konnten in Ruhe Wölfe gucken. Diese geliebten und gefürchteten Räuber, die ein tolles Sozialleben haben, aber auch Hunde und Schafe von Höfen holen. Gar nicht weit von Jyväskylä. Die von der EU geliebt, aber von den Finnen auf dem Lande gefürchtet, gehasst und ab und zu abgeschossen werden. Fast lautlos lief das Rudel durch den Schnee, einzelne Tiere näherten sich dem Zaun, guckten und liefen weiter, übergaben an andere, die dann mit grossen klaren Augen die Besucher musterten. Und weiterliefen, um nach wenigen Minuten wieder lautlos da zu sein. Mit dickem grauen Nelsonfell. Mit ganz spitzen, gut bewaffneten Schnauzen und so schönen aufmerksamen Augen. Wenn man so einen Hund hätte... *träum* Den man knuddeln und streicheln könnte. Der zahm ist und nicht beisst. Soooo tolle Tiere! Aber im Wald möchte ich denen nicht begegnen =)

Nach knapp drei Stunden Rundgang kletterten wir dann müde und durchgefroren, aber glücklich ins Auto. Schade, dass es in Finnland nur so wenige Tierparks gibt. Aber freie Tiere sind ja noch besser. Auch wenn man sie fast gar nicht zu Gesicht bekommt. Und wir haben ja unsere eigenen Fellnasen. Nelson wurde aus Kuohu abgeholt und den Abend verbrachten wir dann wieder zuhause. Irgendwann im Sommer machen wir das ganze nochmal *festvornehm*