Da habe ich doch gerade erst das Tiitababy bei der Tagesmami angemeldet... *snif* Und jetzt geht es wieder einen Schritt weiter. Kindergarten. Weil wir noch nicht wissen, ob wir einen Platz in der privaten Kita bei uns um die Ecke bekommen, wollten wir Frida für den Herbst sicherheitshalber auch bei der öffentlich-rechtlichen Betreuung anmelden.

Man muss das jedes Jahr Ende März, auch wenn man bei der gleichen Tagesmami oder dem gleichen Kindergarten bleibt, aber die ordnen dann hin und wieder alles neu und bauen ggf. blitzschnell neue Kindergärten in Lagerhallen und so *lach* Eben weil alle Kinder einen Anspruch auf einen Kitaplatz haben, auch wenn die Eltern zuhause sind, und das notfalls innerhalb von zwei Wochen. In der Praxis werden dann Leute doch schon mal abgewimmelt oder mit einem Platz am anderen Ende der Gemeinde gedroht, wenn die ewig befristet beschäftigten jungen Mamis es doch wagen, wieder arbeiten gehen zu wollen.... Aber im März geht alles noch mit geregelten Dingen zu.
Eigentlich wollte ich Frida vorübergehend wieder bei Tante Laura angemelden, bis ein Platz in Nuutti frei werden würde. Aber ein kurzes Gespräch morgens zwischen Tür und Angel änderte doch alles. Frida könnte ruhig in unseren lokalen Kindergarten, weil sie doch die Kinder kennenlernen soll, die bei uns in der Nähe wohnen und mit denen sie in zwei Jahren zur Vorschule gehen wird. Aijaaa! Stimmt. Klar war mir das schon, aber mir hatte es bisher immer leid getan, Frida von Laura wegzunehmen.
Unsere Tagesmutter ist ja der Schatz schlechthin,sie mag Frida auch sehr, und wie ich unser Maulkind kenne, wäre sie nach einer Woche Kita wieder mit "Buuhhuaa, bei Laura ist es viiiieeeel besser" angekommen. Ist wirklich nicht ganz ausgeschlossen, in den wenigen Tagen im Kindergarten auf "Ersatz" weint sie auch immer morgens... aber sie wird vier! Ich kann mich noch gut erinnern, als Laura vor zwei Jahren von den vierjährigen Kiia und Mikael sprach, die im Herbst darauf im Kindergarten anfangen sollten "Ja, die machen eh schon mehr ihre eigenen Sachen" Brauchen mehr Anregung und so, kein Babywindelnwechseln und Huppsassa.
Frida rennt auch sehr viel und gern, braucht viel Platz zum Toben und sie soll ja auch andere Kinder kennenlernen. Vor allem, weil ihre Freundin Aino da nicht ganz ohne ist, sie kommandiert gern und am Freitag haben sich die beiden so richtig gekloppt, weil Frida (endlich!) sich nicht mehr hat ärgern lassen. Mami hat wirklich gesagt, nächstes Mal haust Du zurück... superpazifistisch, ich weiss, aber das habe ich selbst als Kind zu spät kapiert und jetzt scheint auch Ruhe zu sein.
Deren Mama ist übrigens total cool, richtig nett und zum Pferdestehlen, nicht so zart und tüttelig wie viele andere Finninnen, die ich kenne =) Frida und Aino sind auch richtige Haudegen, beide (zuhause) unmöglich und lernen auch noch voneinander wie man am besten randaliert und frech ist *seufz*, wobei Frida allerdings meist den kürzeren zu ziehen scheint, während Aino wohl ständig im "Aus" sitzt. Und wo anders ist Frida ganz lieb und still und staunt mit offenen Augen... erzählt aber auch mit allen möglichen Leuten (wie die Mama), wenn sie sich erstmal ein bisschen akklimatisiert hat und sieht, dass nichts schlimmes droht.
Also ein grosser Spielplatz, neue Freunde und viel Programm statt häuslicher Umgebung müssen her. Mit dem einen Satz hat Laura sie also "freigegeben" *schluck* und ich habe am gleichen Abend noch Haukkamäki (riesengrosser, ganz neuer Kindergarten mit 10 Gruppen *uff*, Kirri (älter und kleiner, mit drei Gruppen, u.a. unseren ehemaligen Nachbarskindern) und Mannila (weiter entfernt, aber sehr schön gelegen und mit vielen Einfamilienhauskindern) in das Anmeldeformular geschrieben. Huhu. Ganz ohne Wehmut, oder vielleicht doch ein bisschen. Wo ich im Gegensatz zu Männe grosse Menschenansammlungen liebe, the more the merrier!
Mal sehen, wo es klappt. An Kindergärten in der Nähe mangelt es ja nicht, auch ein Waldorfkindergarten und noch ein privater sind in Spaziergangentfernung, aber der kleine direkt hinter unseren Häusern in Nuutti wäre mir am allerliebsten. Unser Baby ist also jetzt auf jeden Fall im August ein Kindergartenkind!
So, das war's für dieses Schuljahr. Fridas zweites Jahr bei Tante Laura ist vorbei, diesmal mit Aino, Jaakko und Ella. Im Herbst geht es weiter. Und nächstes Jahr schicken wir sie bestimmt schon in den Kindergarten. Grosses Mädchen!

Gott sei Dank ist Laura heute wieder verfügbar. Gestern war dann nämlich doch etwas seltsam. Morgens haben wir Frida mit vereinten Kräften zu der anderen Tagesmami gebracht. In einem Mehrfamilienhaus, im dritten Stock und nur mit grösseren Kindern. Mmh. Ich hatte ein noch unguteres Gefühl als am Mittwoch und war heilfroh, dass Männe meinte, er könnte Frida vielleicht schon vor dem Mittagschlaf abholen, wenn er eins seiner Projekte schnell fertig bekommen würde.
Da machte sich der Papa offensichtlich doch mehr Sorgen, als das vorgestern den Anschein gehabt hatte. Finnen sind ja ansonsten immer extrem auf der Schiene "Das ist jetzt so, da müssen wir durch" und machen nicht so eine Gefühlsduselei wie wir Germanen. Ich vertraute darauf, dass die Tante ja unsere Handynummern hatte. Und dass Kinder sich laut Verwandten, Bekannten und Zeitschriften doch relativ schnell an neue Situationen gewöhnen. So richtig glauben tue ich das allerdings auch nicht =)
Jedenfalls weinte Frida ein bisschen, als sie auf Pirkko's Arm musste, ging dann aber schnell mit ihr gucken, was die anderen Kinder machten. Aha, Kinderprogramm im Fernsehen... auch nicht ganz so mein Ding (obwohl wir zuhause doch manchmal darauf zurückgreifen...) Gut, dass das nicht unsere reguläre Pflegestelle ist. Auf Arbeit war dann viel zu tun und als ich mittags Männe anrief, war schon fröhliches Gekakel im Hintergrund zu hören. Man hatte also das Mäuschen abgeholt und weilte schon beim Freund mit der Schweinefarm.
Was ich dann später zuhause hörte, gefiel mir auch nicht... die Tante mochte unsere Stoffwindeln nicht (sowas wird angeblich in der Kita nicht benutzt), Frida hatte vormittags geweint und Hessus neuer Hund hatte angeblich die ganze Zeit Frida angeknurrt. Mika fand das nicht schlimm. Na toll, Männer! Und ich ärgerte mich, dass ich schon wieder nicht mitgenommen wurde, um den kohlschwarzen Juri anzugucken.
Aber Frida hatte auch gelacht und gespielt und war rumgelaufen. Und man lobte unsere Maus, weil sie schon so viel spricht und ziemlich gut sagen kann, was sie möchte. Das eigene Enkelkind, was sogar ein bisschen älter ist als Frida, sagt angeblich noch gar nichts. Wie andere Finnenkinder auch - aber ehrlich gesagt fand ich beim Babycafé auch immer, dass die meisten Mütter verdammt wenig mit ihren Zwergen reden. Von nix kann ja auch nix kommen =)
Jedenfalls ist Frida um 13 Uhr in Papis Auto eingeschlafen. Nach dem Mittagschlaf weinte man auch nur und sagte immer "auto" und "nukkua", bis der Papa wieder losgefahren ist. Zu einer Sitzung in die Stadt. Mami hat das Kind dann entgegengenommen und wieder zurückgefahren. Nach einer Stunde vor der Tür weinend aus dem Auto geholt und dann auf dem Schoss weiterpennen lassen. Vier Stunden lang. Zum ersten Mal in diesem Jahr eine richtige Fernsehsession *lach* Um 21 Uhr ist man dann gemeinsam ins Bett und hat dann erst um 5 Uhr wieder die Augen aufgemacht. 16 Stunden gepennt... ein neuer Rekord. Aber dieses Hin und Her war sicher auch anstrengend.
Fräulein Frida geht wieder schön brav jeden Morgen zu ihrer Tagesmami, wie man auf dem Bild sieht. Und manchmal wacht sie sogar von selber auf *ggg* Lacht und freut sich auf ihre Tagesgeschwister. Zu denen jetzt auch eine süsse 18-monatige Aino gehört.
Wir haben tatsächlich diese Woche damit verbracht, an ihrem Schlafrhytmus herumzufeilen. Nach ihrer mysteriösen Fieberkrankheit von letzter Woche war sie sehr weinerlich und verbrachte fast jeden Morgen und jeden Abend damit, sich auf den Fussboden zu werfen, jämmerlich zu weinen und die Bude zusammenzukreischen, dass ich schon fast einen Privatarzt konsultiert hätte. Aber gleichzeitig wusste ich, dass bei 15 Monaten wieder ein Schub anstehen würde. Mmmh, nur Trotz? Hunger? Sehnsucht? Stress? Zumindest schien auch die Müdigkeit eine Rolle zu spielen.Baby ging freiwillig jeden Abend um 18, spätestens 19 Uhr in die Falle und schlief fest 2-4 Stunden, so dass die erschöpften Eltern Zeit für sich verbringen konnten. Beziehungsweise aufräumen und essen kochen. Kurz vor Mitternacht rief sie uns zu sich *wuuaaaa wuaaaa* und die Familie sollte pennen. Damit aber fingen die Probleme an - entweder man nuckelte im Halbschlaf die halbe Nacht oder fing gegen 23 Uhr zu spielen an oder kreischte so, dass die Nachbaren aus dem Bett fielen. Oder die Mama konnte die Augen nicht zubekommen. All das trug zu unbefriedigendem Nachtschlaf und damit verbundenen Minderleistungen auf den Gurkentalerverdienststellen sowie mehr oder weniger entnervten Krisengesprächen im Familienkreis bei.Gestern hatte dann Männe die glorreiche Idee, dass wir zu zwei Tagesschläfchen zurückkehren könnten. So wie ich das auch gemacht habe, als Fridas Papa in Dshörmäni war. Also, ausprobiert. Kind im Auto einschlafen lassen, zur Oma gefahren, Kind eine Stunde pennen lassen, dann nach Hause, ordentlich Abendbrot essen, warme Milch ins Baby dann um 22 Uhr zusammen ins Bett. Und es hat geklappt! Frida hat abends dann richtig gespielt, statt nur zu heulen, ist beide Male sofort eingeschlafen, hat nachts kein Theater gemacht, Mami und die Brust schön schlafen lassen und war heute früh von selbst um 7 wach. Yesss. Jetzt muss das nur noch so weitergehen. Vielleicht könnten wir das zweite Nickerchen sogar mit einem schönen Abendspaziergang verbinden...
Diese Kinder... Frida brüllt morgens immer noch, wenn ich sie bei Laura abgebe. Aber zuhause, wenn sie fertig angezogen ist, rennt sie sofort zur Tür, versucht verzweifelt, ihre Turnschuhe an die dicken Knubbelfüsse zu bekommen und statiert laut und fingerzeigend "Kiia, Kiia". So heisst ja ihre Freundin bei der Tagesmami. Da will man unbedingt hin. Sofort! Also muss man so schnell wie möglich aus der Tür. Wehe, die Mama hat ihr Handy in der Küche liegen lassen und muss nochmal zurück *bäääähhhhh*
Also, ich glaube, ihr gefällt es da. Inzwischen schläft sie auch oft 2.5 Stunden am Nachmittag. Isst gut und ist eine liebe Maus, die der Tante deutsch beibringt. Und zweimal haben wir sie schon bis 19 Uhr wach halten können - mit dem Erfolg, dass sie dann zwar jammert und taumelt, aber später wie ein Stein schläft und Männe und ich stundenlang allein zusammenhocken müssen =) Ausserdem kommt ein neuer Zahn. Der vordere Backenzahn rechts, also hinter den noch nicht vorhandenen Eckzähnen. Vielleicht ist sie deshalb auch ein bisschen maulig. Und knabbert gern auf der Milchquelle herum, auuutsch.
Jaaa, und Männe ist wieder da. Eigentlich freue ich mich ja, aber es ist auch stressiger. Irgendwie sind wir doch sehr verschieden, er wird immer schrulliger und ich immer ungeduldiger mit diesem Finnen *seufz* Manchmal denke ich, männlichen Wesen fällt es sehr viel schwerer, auf Familie und Verantwortung umzustellen. Aarghhhh... Fehlen halt die Hormone. Ausserdem ist irgendwie alles in der Schwebe - die Finanzierung für seinen Job läuft diesen Monat aus und wir haben keine Ahnung, was im September wird. Wahrscheinlich bleibt wieder alles an mir hängen *seufz* Aber wir dürfen auf keinen, keinen Fall unseren guten Daycare-Platz verlieren.
Kurre geht es wahrscheinlich auch gut. Gestern war ein sonniger Abend und die Zeit war gekommen, ihn wieder in den Wald zu schicken. Am Tag vorher war er beim Füttern schon aus der Hand geschlüpft und hatte in der Wohnung gezeigt, wie ein Hörnchen rasen, springen und klettern kann. Wuuuuuush.... und weg war er *lach* Zum Glück konnte ich ihn wieder mit der grossen Decke fangen und er hat dann noch eine Nacht mit Mandeln und Fridamilch verbracht. Jedenfalls war er dann gestern rasendschnell in der Kiefer vor unserem Haus verschwunden. Tschüss, mein kleiner Lieber und hoffentlich findest Du die Mama wieder!
Die grosse Überraschung kam dann heute früh. Männe hatte, als ich noch unterwegs war, auf Arbeit angerufen und ich sollte unbedingt zurückrufen... Kurre sass quicklebendig auf unserem Spielmökki! Er war es wirklich! Wir hatten extra den Käfig dort stehen lassen, damit er zurückkommen kann, falls es Probleme gibt. Falls er wieder nass wird oder nichts zu essen findet. Und da sass er, rot und keck und frech. Hihi. Hat kurz Mandeln geklaut und ist dann wieder abgedampft. Tsja, das Problem haben wir jetzt wohl für die nächsten 20 Jahre *ggg* Diese Fellnasen und Nacktfrösche...
Und schon wieder Freitag, die Zeit rast. Irgendwie komme ich zu nichts, aber wie gesagt, ist es auch sehr ruhig. Frida macht ja abends kaum mehr was als zu pennen *seufz* Ist aber auch gut so, ich bin nach 6 Stunden Arbeit auch nicht mehr besonders kreativ. Allerdings macht mir die morgendliche Weinerei zu schaffen. Hätte ich doch noch zuhause bleiben sollen? Ist sie mit einem Jahr noch zu klein für die Kita? Hätte Männe nicht noch ein paar Monate auf sie aufpassen können? Und warum ist der überhaupt auf dieser dämlichen Rally?
Aber andererseits weiss ich, dass dies die beste Lösung ist. Laura sagt immer wieder, dass Frida tagsüber eine ganz Lustige ist, viel Quatsch macht, inzwischen ohne Weinen und zwischen den anderen Kids liegend Mittagschlaf hält, gern Musik hört, total gern die Katzen anguckt, wie ein kleiner Hund bellt, immer wieder tanzt und lacht und stundenlang herumtapsen will. Ich glaube, die beiden mögen sich - nur morgens will halt Frida erstens nicht aufstehen und zweitens nicht, dass die Mama weggeht. Blöd. Männe meint, dass es vielleicht auch daran liegt, dass er nicht da ist. Und dass man sich ja überhaupt erst an alles gewöhnen muss. Wenn unsereiner einen neuen Job hätte, wäre ja auch erstmal alles fremd und doof. Und ich war am Dienstag auch traurig, weil Männe weggefahren ist, bin jetzt aber ganz zufrieden mit unserem Frauenhaushalt. Mmmmh.
Vielleicht ist es nächste Woche besser. Ansonsten muss ich sagen, dass wir wirklich einen sehr guten Platz für Frida bekommen haben. Die Tagesmami ist sehr nett und gesprächig, erzählt jeden Tag, was und wie Frida gemacht hat, was es zu essen gab, ob Kaka gekommen ist, wo sie waren, was Frida alles lustiges neu gelernt hat und und und. Richtig nett. Und begeistert von unserer Kleinen. Und wie flexibel sie für uns ist - das gäbe es nie und nimmer in einem Kindergarten. Sie akzeptiert Fridas Stoffwindeln und wäscht sie sogar, obwohl sie nie vorher welche gesehen hat. Legt sich zum Einschlafen eine Weile neben die kleine Maus.
Möchte ein paar Worte deutsch lernen, fragt, was Fridas Lieblingsbrei ist und passt auch die Einschlafzeiten dem an, wann die Kinder müde sind. Frida darf selbst mit dem Löffel essen, wenn sie möchte, bekommt ihre Sachen und Windeln gewechselt, wenn sie dreckig sind, wir können sie bringen und abholen, wann wir möchten und bekommen beim Abschied Fridas Sachen fein sortiert in ihren Rucksack gepackt. Und das alles für nur 140 Euronen im Monat - die Rechnung ist nämlich gestern eingetrudelt. Danke Finnland und Jyväskylän mlk. Einfach toll. Jetzt muss die Kleine nur noch lernen, dass die Mama immer wiederkommt. Und dass 7 Uhr früh nicht mitten in der Nacht ist =) Heh, genau das hat bei mir offensichtlich 33 Jahre gedauert... oder noch mehr?
So, das war der letzte Urlaubstag und am Montag starten wir in den gefürchteten und geliebten Alltag einer ganz normalen finnischen Kinderfamilie. Unser erster Herbst mit Arbeit, Kindergarten, Sportkursen, Kerzen und Fleecepullovern. Das Wetter ist schon dementsprechend: seit heute nacht giesst es, es sind nur noch 10-15 Grad und es kann auch nicht mehr lange dauern, bis die Birken gelb werden. Meine Zimmerpflanzen hat der kühle und regnerische Sommer schon entschärft - die sehen alle ganz schlimm aus. Entweder verbrannt oder ersäuft oder sonstwie mitgenommen. Aber ich habe ja auch anderes zu tun, als meinen grünen Daumen auszuleben.
Frida hat sich gut bei der Tagesmama eingelebt. Von einer Stunde am Montag und zwei am Dienstag und Mittwoch sind wir gestern und heute auf knapp 6 Stunden Betreuung gekommen. Frida hat also schon zweimal bei ihrer Pflegefamilie geschlafen. Hat mir natürlich einige Bauchschmerzen gemacht - sie kann ja zumindest zuhause nicht ohne Mamis Milch oder das Geruckle von Auto oder Buggy einschlafen. Aber dort muss es klappen *seufz* Meine einzige Hoffnung waren die anderen Kinder und Lauras Erfahrung - und dass Frida immer grösser wird und vielleicht versteht, dass Schlaf nichts schlimmes ist, sondern dass man richtig glücklich in die eigene Falle sinken kann.
Frida hat sich auch einigermassen gut gehalten. Zwar geweint, aber dann ist sie auf dem Schoss der Tagesmama eingeschlafen. Zweimal wurde versucht, sie ins Reisebett zu legen, aber das Mäuschen wurde wieder wach und brüllte. Auf dem Sofa war sie dann so fertig, dass Laura sie doch für eine Stunde hinlegen konnte. Aber festgekrallt am T-shirt hat sie sich beim Einschlafen... mein armes kleines Kätzchen. Heute dann hat sie schon 2 Stunden geschnarcht, und zwar mit den beiden anderen Kindern zusammen im grossen Bett. Das ist doch was! Hat sie eben ne ganz kleine Mama und nen ganz kleinen Papa. Hauptsache nicht allein! Und im September kommt noch ein kleines Mädchen, dann kann man zur Not zu viert im Bett kuscheln.
Die grosse Mama und der grosse Papa hatten dafür die Woche ihres Lebens. Zuerst sind wir ja noch kichernd einfach essen gefahren, aber am Ende der Woche haben wir nur noch das gemacht, was uns in den Kopf gegangen ist. Jetzt verstehe ich den Rat, dass man vor der Geburt eines Babies noch einmal viel zu zweit unternehmen soll! Statt Aufräumen waren wir jeden Vormittag irgendwo Kaffee trinken, haben die Stadt unsicher gemacht, stundenlang geshoppt, alles angeguckt, herumgefahren, gemütlich gegessen, noch ein Laden irgendwo, noch hier und noch da gucken, dann ein bisschen zuhause gesurft und notdürftig Ordnung gemacht... alles ohne an das liebe Würstchen denken zu müssen. So wie früher. Und das war wirklich erholsam. Ich liebe Frida über alles, aber so ein paar Tage für sich selbst sind Gold wert. Wir streiten uns auch viel weniger, sehr gut!
Das Abholen war auch immer schön. Frida spielte meist irgendwo, haute Musikinstrumente zusammen, alberte mit den anderen Kindern, ärgerte die Emppu-Katze, war auf Lauras Schoss oder kam uns mit einem "oh oh" entgegengekrabbelt. Sie hat immer gut Essen bekommen, die Windeln wurden wahrscheinlich regelmässiger gewechselt als bei mir und sogar schön ausgewaschen, man war draussen im Wald, im Sandkasten und auf dem Hof. Und abends totmüde. Wir müssen Frida jetzt nur wirklich gegen 18 Uhr Abendessen geben - sonst pennt sie uns beim shoppen gegen 19 Uhr ein und wacht nicht mehr auf.
Endlich ein richtiger Rhytmus, um 7 aufstehen, um 8 Frühstück, um 9 Kindergarten, um 10 raus, um 11 Mittag, um 12 Schlafen, 14 Uhr Zwischenmahlzeit, 15 Uhr raus, 16 Uhr nach Hause, 17 Uhr Essen, 18 Uhr Pikku Kakkonen und dann ab in die Falle. Möglichst so fest, dass Mama und Papa noch ein bisschen Zeit für TV und Internet haben. Wie lange habe ich schon nicht mehr vor der Glotze gesessen! Ich glaube, ich finde es ganz gut, so ein grosses Mädchen zu haben =) Und am allerallerschönsten ist der Moment, wo man das frisch von der Kita gekommene Welpi samt Overall und Gummistiefeln aufs Familienbett schmeisst und erst einmal ordentlich durchkitzelt. Meine Fridadida!!!
Heute war Fridas zweiter Tag bei der Tagesmami und wieder hat alles gut geklappt. Diesmal war sie sogar von 9 bis 12 dort, hat gespielt, gegessen, Laura an der Hand tausendmal durch den Hof geführt und zugeguckt, wie ihre "Geschwister" mit Steckenpferden durch die Gegend gehoppelt sind. Überhaupt soll sie wohl die Grossen sehr gut beobachten und genau verfolgen, was die so anstellen. Dann hoffen wir mal, dass Frida auch genauso wie Kiia und Mikael brav ins Mittagschlafbettchen geht, wenn es auf das Ende der Woche zugeht =)
Während der Zeit waren Männe und ich im Stadtzentrum - Männe auf Arbeit und ich habe H&M geplündert (die obligatorischen Bodies, hellblau-schwarze Snoopyshirts und Mütze sowie braune Retrosachen mit Tieren... süss!) und geschockt festgestellt, dass 80 und 86 die allerletzten Babygrössen sind *weia* Und Fridas bei huuto.net ersteigerte Schuhe sind angekommen - nagelneue himbeerrote Timberlands mit Klettverschluss für 25 statt im Laden satte 50 Euro *freu* Die unnützerweise im Dunkeln leuchten sowie schmutz- und wasserresistent und besonders für Babyfüsse geeignet sind. Da freut sich die Mama!
Ansonsten ist Nelson heute seine Satellitenschüssel und die Fäden losgeworden (Narbe sehr gut verheilt!) und wir waren in Karstula, um ein - sorry für alle, die das nicht verstehen können *ggg* - Meerimädchen abzuholen, dessen Partnerin gestorben war. Eine ganz weisse Schönheit mit Rubinaugen. Die Art von Schweinies, die die meisten Leute nicht leiden können oder gar für Versuchslaborratten halten, aber ich finde die wunderschön... Die kleine Nela stand schon seit einiger Zeit als Anzeige bei suomi24.fi, als Albinoschweinchen (die es ja gar nicht gibt) und niemand interessierte sich so richtig für sie - vielleicht wegen der Farbe, vielleicht aber auch, weil sie mitten in der mittelfinnischen Pampa wohnte - jedenfalls war das genau das richtige für mich =) Namensvorschläge können gern unter Kommentaren abgegeben werden - ich suche was mysteriöses, feenhaftes mit drei Silben... muss demnächst mal meinenirisches und walisischen Namensbücher vorkramen. Und sie sieht soooo sehr aus wie Talulah, gross und schön und weich - nur etwas zu heiss gewaschen, also ohne Farbe *lach*
Eigentlich hatte ich schon vor der Rally nach einer Mitfahrgelegenheit für die Kleine gesucht bzw. wollte selbst die 100 km fahren, aber irgendwie waren unsere Tage zu vollgestopft und so ist halt Dienstag daraus geworden. Männe hat gleich die Gelegenheit genutzt, bei seinen Freunden Pasi und Jami in Saarijärvi vorbeizufahren und Pläne für seine deutsche Rallyreise nächste Woche zu schmieden und Frida hat ihr Mittagsnickerchen halten können, während wir durch die spätsommerliche Landschaft düsten.
Überhaupt beobachte ich ja momentan wieder mit Argusaugen, ob sich die ersten gelben Blättchen an den Birken zeigen, während sich das noch grüne Korn im Wind wiegt, die Waldweidenröschen langsam verblühen und die Kapuzinerkresse im Abendlicht strahlt. Einem Deutschen kann man das vielleicht so erklären, dass in Finnland sofort nach dem Mai der September ausbricht *grusel* und tatsächlich ist es momentan schweinekalt - morgens nur so um die 10 Grad... ob das nochmal was wird mit dem Sommer???
Ohne Frida waren wir heute für eine Stunde und es war irgendwie komisch. Ich kam mir vor wie ein alberner Teenager, hahaha, als wir zu zweit essen und shoppen gegangen sind, während Frida sich in Ruhe an die Tagesmami gewöhnte. Erst hatten wir eine Dreiviertelstunde mit Baby, Tagesmami und der fast vierjährigen Kiia auf dem Fussboden gespielt, bis Frida einigermassen aufgetaut war. So gut konnte sie sich also doch nicht an unseren doch recht gelösten Besuch im Juni erinnern =)
Dann sind nacheinander ich und dann Männe gegangen. Weia, wie spannend. Und wieviel Frida schon versteht! Ich sagte laut, dass Mami jetzt einkaufen geht, viel Spass und ich hole Dich gleich ab und tschüss. Frida stand sofort auf, nahm meine Hand und marschierte in Richtung Ausgangstür. Uuups, dass war eigentlich anders herum geplant. Die Schuhe anziehend sagte ich auf finnisch zu Mika, dass er sie auf den Arm nehmen und beide mir zusammen winken sollen. Was macht Frida? Winke winke zu Papa und zerrt mich zur Tür. Öööhm...
Laura kam dann glücklicherweise auf die Idee, den Kater angucken zu gehen und weg war ich. Draussen im Auto war es komisch zu warten. Ob sie weinen würde? Mein armes Häschen. Hoffentlich ist sie nicht zu dolle in Panik. Aber wir haben ja keine Wahl. Dann kam Mika raus - er war einfach still und leise gegangen, als Frida in ein Spiel vertieft war. Pädagogisch falsch, aber zumindest erfolgreich =)
Wir fuhren zum Euromarket, gingen Mittag essen und shoppen (siehe oben) und dann war es auch schon wieder Zeit, das Kind abzuholen. Mit ganz mulmigem Gefühl schlichen wir zum Haus und horchten. Ohrenbetäubendes Gebrüll? Tränenbäche aus der Haustür? Eine verzweifelte Tagesmami? Nix da. An der Tür kam uns Frida auf dem Arm entgegen und als sie dann auf der Erde stand, machte sie ganz verdutzt: oh oh oh und guckte uns gross an. Nanu? Wo waren die denn? Als ich mich allerdings hinkniete und Mäuschen auf den Schoss kletterte, flossen dicke Tränen. Buuaaaah, ihr habt mich allein gelassen! Laura musste lachen - hatte sie vielleicht da erst gemerkt, dass wir gar nicht da waren. Auf Mika war Frida auch böse - weinte auch, als er sie auf den Arm nehmen wollte. Ach arme Frida.
Aber sie hat brav dort Mittag gegessen, fast einen ganzen Teller voll, ist viele Runden an der Hand durch die Stube marschiert, den Namen der Katze gelernt "Emm Emm", mit Kiia und Mikael Bekanntschaft geschlossen und hat sich offensichtlich auch sonst gut gehalten. Dass hinterher Tränen kommen, soll wohl normal sein. Sicherlich gewöhnt sie sich an alles. Schwierig wird es nur, wenn sie dort schlafen soll. Ohne Mamibrust. Und wenn Mama und Baby erst einmal realisieren, dass das jetzt Alltag wird. Dass wir nicht nur einfach mal so dort sind, sondern dass Frida dort "arbeitet" und dass wir nie wieder einfach nur so zuhause herumhängen können. Nur noch abends zuhause. Komisch. Das war's nun also endgültig mit der Babyzeit.
Ojee, Frida ist ein grosses Mädchen. Heute geht sie zum ersten Mal zu ihrer Tagesmami. Oder sagen wir, sie muss, ääähm darf, zum ersten Mal dort ein bisschen allein bleiben. Wobei allein auch wieder völlig falsch ist - sie hat ja dort die Tagesmami, ihre neuen Geschwister, zwei Katzen, zwei Hunde und was weiss ich für Hausstaubmilben, Flöhe und Blümchen auf der Fensterbank. Nur die Mami und den Papi nicht. Aber es ist ja nur kurz. Und unsere kleine Frohnatur schafft das bestimmt. Jedenfalls ist meiner einer ziemlich aufgeregt, obwohl ich es mir eigentlich noch schlimmer vorgestellt hätte.
Irgendwie habe ich als DDR-Kind so eine fröhliche Vorstellung vom Kindergarten, dass ich mich eigentlich für Frida freue, dass sie jetzt tagsüber Spielkameraden haben wird und nicht nur mit der blöden und total einfallslosen Mami herumhängen muss. Andererseits kenne ich meine Kleine und weiss, dass sie weder alleine einschlafen kann noch bisher grossartig von der Mama getrennt war. Selbst bei Oma setzt ein ohrenbetäubendes Kreischen ein, wenn sie mich eine halbe Stunde nicht gesehen hat und dann plötzlich meine Stimme aus einem anderen Raum hört. Und beim Babycafé kam sie immer ganz aufgelöst hinterhergekrabbelt, wenn ich noch schnell etwas aus dem Auto holen wollte. Aber das war im Mai und jetzt ist August. Mit meinen Eltern allein hat sie es sehr gut ausgehalten. Klar wird sie das schaffen. Und eine Tagesmami ist ja immer da, arbeitet nicht in Schichten so wie die Erzieherinnen im Kindergarten. Und dort gibt es so viel zu sehen und zu machen. Die wird das schon schaukeln, andere haben das auch geschafft!
Ein bisschen Sorgen macht mir nur der Fakt, dass Männe nächste Woche in good old Germany weilen wird und Frida somit dann schon volle 6-7 Stunden bei der Tagesmami zubringt. Aber ich habe noch ein paar Überstunden, die ich im Notfall abbummeln kann. Hoffen wir, dass alles gut und diese dämliche Woche schnell vorbeigeht. Siehe letztes Jahr, apua apua. Apropos Männe: der hat heute Geburtstag und hatte gestern abend plötzlich eine ziemliche Frida-Tagesmami-Krise. Auf einmal fiel ihm ein, dass Frida doch noch ganz klein ist und unmöglich weggegeben werden kann. Dass er doch hätte noch länger zuhause bleiben können und so. Hah, das hätte er sich vielleicht doch ein klein bisschen eher überlegen müssen. Männer!!! Aber im Notfall ginge es, vielleicht für ein halbes Jahr oder so. Mit seinem Künstlerjob verdient er nämlich meinen Befürchtungen nach weitaus weniger als wenn er mit Frida zuhause bleiben würde *stöööhn* Aber daran will ich noch gar nicht denken.