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Dienstag, 31. Mai 2011

Ganz allein...

Frida hat die erste Nacht ganz allein, und die ganze Nacht bis wir sie aufgeweckt haben, in ihrem Zimmer geschlafen. Woooow. Mit vier Jahren kann man das natürlich. Und die Mama war bis 1 Uhr nachts wach, weil das schnaufende Plüschkind neben ihr gefehlt hat. Beziehungsweise weil sie noch ewig surfend auf dem Sofa sass, weil sie dachte, dass die Kleine eh bald schluchzend in die Stube tapsen würde.


Pustekuchen. Getestet haben wir übrigens schon ab und zu, am Sonntag schon einmal ganz ernstlich (jetzt bleibst Du in Deinem Zimmer und schläfst schön... blabla), aber da war sie einfach nicht müde genug, hat bis Mitternacht gelesen und gekaspert und Quatsch gemacht (siehe Bild) bis wir sie bei uns eingeschläfert haben. Sonst wollte sie immer gleich bei Mami und Papi schlafen, oder kam spätestens nachts, oder hatte nach dem Vorlesen Sehnsucht nach Papa oder Angst allein oder ist völlig ausgetickt, geturnt und gerappelt oder da waren Monster.

Aber jetzt ist sie schon nach einer Prinzessinengeschichte ganz apathisch gewesen und ist dann freiwillig eingenickt, während die Mama auf dem Teppich VOR dem Bett sass. Dass ich das noch erlebe...

Montag, 2. Mai 2011

Sportskanone...

Heute war Abschlussfest bei Fridas jumppa, also ihrer allwöchentlichen Gymnastikstunde der Palokkaer Turnerinnen, die sie jeden Dienstag aus vollem Herzen genossen hat (im Gegensatz zur Musikschule letzten Herbst). Die Kinder konnten in der Sporthalle der Jokela-Schule toben, rennen, an Seilen schaukeln und über eine Hindernisbahn klettern und ab und zu musste auch die Eltern mit ran.

Ich fragte Männe, ob es stimmt, dass die finnischen Kinder in den Schulpausen immer Sport treiben (können) und mich selbst, ob das für mich als Kind ein Glücksfall oder Albtraum gewesen wäre - schliesslich fand ich schon im Kindergarten Sport ganz schlimm, weil ich immer am langsamsten und ungelenkigsten war *grusel*, von den Noten später in der Schule ganz zu schweigen. Andererseits hätte gerade Übung und zwangloses Toben da vielleicht Wunder wirken können... keine Ahnung. Heute hat es zumindest grossen Spass gemacht.

Frida ist im Gegensatz zu Männe und mir wirklich eine richtige Sportskanone. Sie rannte und hüpfte und kletterte und lachte dabei, war gar nicht mehr vom Trampolin zu kriegen und bekam es sogar hin, vom dort eine astreine Rolle auf die Matte zu legen - unglaublich. Ich bin superstolz und natürlich soll sie so weitermachen. Schade ist nur, dass fast alle Aktivitäten jetzt in die Sommerpause gehen - aber vielleicht bietet zumindest der Palokkaer Fussballverein sein Training auch in den warmen Monaten an. Fridas Kita-Freundin ist auch dabei und Fussball scheint ohnehin der letzte Schrei bei den Mädchen hier zu sein *lach* Hyvä Tiita!

Freitag, 22. April 2011

Hin und her...

Bei uns steht schon wochenlang im Kalender, dass wir zu Ostern "remontti" haben, also endlich unser Wohnzimmer renovieren wollen. Das hat nämlich immer noch die hässliche melierte Tapete, die unsere Wohnungsgesellschaft Anfang August angeklebt hat, nachdem wir vier Wochen lang darauf gewartet haben, dass sie die karierten und gestreiften Tapeten der Vormieter durch die in den Papieren vorgesehene weisse Wandfarbe ersetzen *örks* Nach dem Malern von zwei Schlafzimmern und dem Umzug waren wir dann so fix und foxi, dass wir das Wohnzimmer auf "irgendwann später" verschoben hatten.


Heute dann also volle Kraft voraus. Erstmal natürlich ausschlafen. Dann Frühstück (äähm Mittag), weil es schnell gehen sollte, den typisch finnischen Haferbrei aus der Instanttüte, der nur mit Wasserkocherwasser aufgegossen werden muss. Männe angelte natürlich noch die halbmeterlange Läbärvurst aus dem Kühlschrank, die Frida gestern unbedingt kaufen wollte. Dann alte Jeans an  und los - nein, erst lange Diskussion mit Männe und Frida, weil Frida ja gar keine "alten" Sachen hat, sondern nur zu kleine - letztendlich fand sich dann doch eine nach Mamis Meinung ausgeleierte Jogginghose und ein halbzerledertes Prinzessinenshirt (neein, das ist nicht oll!!! *kreisch*)

Küchentisch zur Seite geräumt. Frida wollte raus... also erstmal Tür auf und festgestellt, dass die Schweinies auch raus könnten - und Schweinies in den Garten. Frida barfuss raus, also erstmal Turnschuhe geholt. Wasser an der Wand inzwischen wieder getrocknet. Männe war inzwischen wieder mit irgendwem am Telefon. Weiter nass gemacht und abgerissen, zur Not allein, ging ganz gut. Kind wieder rein "Mami, komm, gucke mal". Okay, was denn? Ah, ein Hund da draussen. So ein Puschelohrpudel von der Hundefutterpackung, süss. Hoffentlich springt der nicht über den extrem niedrigen Zaun. Wieder rein. Katzen miauen. Achja, die haben ja auch noch kein Futter.

Ouni kratzt auf dem Fussboden. Mist, Katzenklo ist auch noch nicht sauber gemacht, weil ich ja nach dem Zähneputzen erstmal die Waschmaschine vollgestopft hatte. Frida schreit "Mama, mein Bett ist nass!" Klar, Katze (wenn ich nur wüsste, welche!!!) hat vor Wut auf die Decke gepinkelt. Kam schon wochenlang nicht mehr vor, aber irgendwann ist ja immer der Tag. Decke ins Bad geschmissen, wieder zur Tapete. Super, unter der Vermieter-Tapete klebte noch die Vormieter-Tapete (in der Hektik sagte ich zu Mika, die Tapete des Nachbarn, worüber der sich bis zum Abend scheckig lachte), aber darunter kam glatte weisse Farbe hervor. Dann sieht man ja gleich, wie ganz-in-weiss- aussehen würde, toll.

Frida spielt und liest, trägt Zeug rum, kletter und hüpft und macht Unordnung und nervt alle zwei Minuten, dass wir mit ihr spielen sollen (Einzelkind!). Laden spielen und Malen und Kleben und so. Das machen wir auch abwechselnd, aber natürlich soll immer gerade der andere Elter kommen. Und natürlich hat sie keine Lust, beim Tapetenabreissen zu helfen (ich habe das als Kind geliebt...) und die Klappe kann sie auch nicht für eine halbe Sekunde halten *seufz* Aufs Klo und rein und raus und Chaos überall, wie immer. Gestern stand übrigens in der Zeitung, dass frühgeborene Babys häufig zu ADHD-Kindern werden, aber ich habe da so meine andere Theorie... die haben nämlich im Bauch schon so gerappelt, dass die das keine Minute länger da drin ausgehalten haben *lach*

Draussen fahren die Nachbarskinder Fahrrad. Frida will auch. Mama ist froh, dass wir vielleicht eine halbe Stunde Zupfzeit gewinnen könnten, holt die wasserfeste Hose und die Jacke (Frida zieht sich in Windeseile selbst an!) und das blaue Laufrad. Neeeeein, nicht das, ich will das grosse Fahrrad! Was, das richtige? Nee, das geht nur, wenn ein Erwachsener mitkommt. In Gedanken sah ich schon meine Kleine zwischen lauter Autos quer durch Palokka radeln... Geheule und Auf-die-Knie-Werfen "Doch, aber ich darf!" Nein, darfst Du nicht, Du bisst doch noch viel zu... äähm... das kleine ist doch viel schneller!" Papa kommt und sagt, dass Frida schon einmal allein mit dem grossen Rad draussen war und die Kinder tatsächlich nur auf dem Hof fahren. "Ja, stimmt das?" Ja, stimmt. Also glückliches Kind mit Rad raus und mit Jere, Venla und Saana um die Wette gefahren. Super!

Mama macht vorbeugend Mittagessen, ähhm päivällinen um 16 Uhr. Statt Karfreitagsfasten gibt es heute schon Lammbraten, den ich intelligenterweise in Scheiben geschnitten und nur ganz kurz gebraten habe, sehr lecker. Für Frida und Mika mit Sosse, dazu Couscous, Zucchini und Männes Jamie Oliver-Salat =) Es klingelt, glückliches Kind ist fertig und kommt wieder rein. Mama schlägt vor, dass Papa mit Kind statt Tapete Salat zupft. Vorbeugend, damit sie zumindest nicht aus Hunger ausflippt. Und damit wir was zusammen machen. Trotzdem: alles geht immer eine Minute gut, dann gibt es Trara wegen irgendwas. Mein Temperament plus Männes Maulerei zusammen ist wirklich keine gute Mischung...

Frida isst zwei Teller Couscous mit Sosse, schenkt das Fleisch Papa und die Zucchini der Mama. Beim Essen muss natürlich zehnmal aufgestanden und herumgerannt werden, so dass wir eigentlich nur am Schimpfen, Festhalten und Fast-ausrasten sind. Nichts mit geruhsamen Mahlzeiten in dieser Familie - komischerweise kann Tiita am Tisch bei Laura angeblich wie festgeklebt sitzen, während sie bei uns kniet und steht und läuft und kaspert und was weiss ich. Dabei weiss sie, dass es viel harmonischer ist, wenn sie mal artig ist... aber die Gefahr, dass ich mich mit Mika streite und rumbrülle wächst immer proportional zu ihrem Herumgehucke, und dann braucht man sich nicht zu wundern, dass das Kind noch verrückter wird.

Oh, Fridas Patenonkel kam übrigens auch vorbei, aber er wollte sich nicht zu uns setzen, weil er gerade anderswo gegessen hatte (in D hätte man aus Höflichkeit *lach*). Frida beruhigte sich ein bisschen, weil sie zu Anfang schüchtern war, las sogar ein Buch mit Mama auf dem Sofa, aber dann ging das übliche Wochenend-Abdrehprogramm weiter. Zweite Wand. Mami zupfte, Männe verschwand im 10-Minutetakt zu seinem Kumpel, um Videos zu schneiden. Mami füllte die Spülmaschine. Frida maulte und stänkerte. Wenn man ihr was zu tun gab, artete das auch nach wenigen Minuten in Streit aus... Tapetenreste in  Schüssel getaucht und dann Schüssel mit Kleistersosse auf den Boden gekippt *yesss*, barfuss draussen, ohne Hose draussen, Filzstift auf den schneeweissen Ikea-Tisch usw. Beim Mensch-ärger-Dich nicht hat Papa die falsche Farbe und der Würfel rutscht zu weit weg usw.

Wir spielten immer wieder mit ihr, aber egal was, sie stänkert, wenn sie zuhause ist und kann auch nicht eine Sekunde etwas in Ruhe machen. Arrgghh. Und Mama dreht aufgrund der Hektik ab, kann sich überhaupt nicht mehr konzentrieren und kommt sich vor wie Sysiphus, der ständig die gleichen Sachen wegräumt, Streit schlichtet, Männe antreibt, Frida beschäftigt, Stories mit halbem Ohr anhört und von morgens bis abends irgendwas sucht, was gestern noch da war. Kein Wunder, wenn man dann keine Zeit zum Spielen hat. Hamsterlaufrad hoch drei.

Ich schreibe das jetzt nur, weil ich schon ewig lange nicht mehr geschrieben habe, wie hektisch und schlechtgelaunt unsere Maus zuhause ist - nur um dann abends oder zwischendurch wieder die Mama und den Papa ganz fest in den Arm zu nehmen und zu sagen "Du bist mein Freund". Oder ganz unschuldig um Entschuldigung zu bitten oder zu sagen, dass es nur aus Versehen war - und dann wie aufgezogen weiterzumachen. Zwilling, Schatz und Teufelchen in einer kleinen Person... und anderswo ist sie ein ganz normales, liebes kleines Mädchen, oder?

Ich selbst nehme sie eigentlich so hin, wie sie ist- Bin nur genervt, wenn es absolut zu viel ist (und gebe mir die Schuld) und versuche sie zu beruhigen, so gut es geht, aber bei Männe ist es schon so, dass er bestimmte Dinge einfach nicht akzeptieren kann, er ist enttäuscht über ihre Huschigkeit und Unausgeglichenheit und man merkt oft, dass er heilfroh ist, wenn die Kleine unterwegs oder bei Laura ist oder bei Mummo mit ihrer Cousine spielt. Was ich noch schlimmer finde, weil sie ja nichts für ihr Temperament kann. Er muntert sie auch eher auf, spornt sie an, statt sie zu beruhigen, in den Arm zu nehmen und herunterkommen zu lassen, keine Ahnung, wie ich das sagen soll. Dafür freut sie sich aber auch so wie kein anderes Kind, tobt und lacht gern, kann sanft sein und hat unglaubliches Mitgefühl, je nach Anlass und Gemütslage.

Wir kommen besonders gut klar, wenn wir zu zweit irgendwo sind oder wenn Frida und ich einen Abend nur alleine und ganz zuhause verbringen. Bei Männe ist es genauso, als Kumpel ganz allein klappt es. Aber auch dann geht es - wie seit Babyzeiten - nicht ohne zwei, drei Kreisch-, Strampel-, Haarezieh- oder sonstige Ausraster. War gestern besonders lustig, als sie vor den Augen der Nachbarn ihrer Mom draussen das Gesicht zerkratzt und an den Haaren gerissen hat... Und wie als Baby kann sie sich abends nicht langsam runterfahren, sondern tobt und tobt und schläft nur ein, wenn man sie im Arm hält und sich totstellt. Irgendein Mechanismus fehlt da... und es ist nicht nur, wenn sie Hunger hat oder müde ist. Man muss sich natürlich ganz viel Zeit nehmen, aber auch das hilft nicht immer. Nur nach ihrer Nase geht auch nicht. Und irgendwer muss ja noch Essen kochen, aufräumen und so weiter... und je mehr sie abdreht, umso weniger Zeit haben wir ja *seufz*

Aber eine Erlösung wartete wieder vor der Tür. Männe war im Speicher und dann wollte Tiita draussen bleiben. Okay, Sandburgen bauen, und das ganze zehn Minuten ohne Eltern. Super, wieder ein Quadratmeter Tapete abgerissen. Da draussen sass sie ganz lieb beim Kuchenbacken *herzaufgeh* Dann bimmelte es und wir sollten abwechselnd gucken kommen. Ist okay, gern. Mika und dann ich und dann wieder andersherum. Inzwischen hatte Männe auch sein Zimmer aufgeräumt und noch einen Kubikmeter Dreckwäsche ins Bad geschmissen *aarggh* Tapete immer noch an der Wand. Und die Waschmaschine war fertig. Steckdose ging nicht ab, mach mal frau selber. Lappen weg. Und die Kerle fachsimpelten, statt mal eine halbe Stunde lang zusammen Papier von der Wand zu reissen. Also Mama stinkwütend und türenknallend raus. So wird das nie was.

Draussen Sonne und Sand angeguckt und vorbeigehende Hunde und Wind um die Nase wehen lassen und besser ging es. Ganz ruhig bleiben. Frida war auch friedlicher, weil sie wusste, was in der Luft lag. Dann kam ein ungefähr sechsjähriges Mädchen, was ich hier noch nie gesehen hatte. Frida lachte sie gleich an (deutsches Kind!) und sagte zur Mama "Voisitko tuoda ne kivet weg?" Kannst Du bitte mal meine Steine reinbringen? Frida sammelt Steine.. und das war eine gute Methode, die Mama loszuwerden - selbst Frida hat schon gemerkt, dass die anderen Kinder superschüchtern sind, wenn Erwachsene dabei sind =) Ich glaube, die sind erst hergezogen und das Mädchen hat auch keine Geschwister... in der Woche hatte Frida schon von einer "neuen Freundin" gesprochen. Super!

Also Mama rein, mit Männe und Teemu Quatsch gemacht, in Ruhe Kaffee gekocht, Pulla in den Ofen geschoben, nebenbei den Kofferraum von Henry Ford saubergemacht...bis eine kleine, gutgelaunte Maus in roter Jacke angerannt kam. Ich war dann auch nicht mehr sauer, als Mika von seinem Sonnabendbier zu reden anfing. Im Gegenteil, wenn die Kerle ein bisschen zupfen würden, könnte ich zu ABC fahren - und vielleicht sogar meine kleine Tiita mitnehmen, damit sie ihre Ruhe hätten. Gesagt, getan. Die Maus zog sich an, sagte "tschüss" und kam mit. Unter Mädels war es diesmal sogar richtig friedlich. Und die Mama guckte leicht sehnsüchtig die vielen Jugendlichen an, die frei und froh und mit dem ganzen Leben vor sich vor der Raststätte herumstanden. Vier Tage frei ist für finnische junge Leute das Paradies, und das auch noch bei der Frühlingssonne... terassikeli so to say =)

Komisch, wie lange ich von einer richtigen finnischen Familie geträumt habe und jetzt wünsche ich mir oft mein Singleleben zurück, mit eigener Bude, nur eigenen Sachen, meinem Hund und gaaaanz viel Zeit für alles mögliche. Aber wahrscheinlich kommt das eher wieder, als ich mir vorstellen kann. Wie gesagt, jetzt mit fast vier kann Tiita schon alleine draussen spielen. Wahrscheinlich ist das die entscheidende Stunde am Tag, die es möglich macht, die Alltagsarbeiten zu erledigen und dann haben wir wirklich Zeit für den Zwerg.

Ich habe tatsächlich fast zehn Jahre lang Eltern gelesen und weiss, dass wir selbst Ruhe und Frieden brauchen, weniger Stress und weniger Streit - nur in der Praxis ist es schwer, wenn drei Leute ständig in drei verschiedene Richtungen ziehen. Ich weiss, dass zwei und mehr Kinder sich gern untereinander in den Haaren haben, aber es wäre vielleicht schon besser gewesen, wenn wir gleich 2008 noch so einen Rüpel gebastelt hätten *lach* Zumindest ein Spielkamerad, der immer da ist, so wie das bei vielen befreundeten Familien ist, in Finnland sind 3-4 Kinder sehr normal. Aber vielleicht reichen auch die Nachbarskids.

Warum ich das schreibe... einmal gebloggt sind die Gedanken und Frustration aus dem Kopf und morgen geht es neu weiter. Mit Stress und Hektik und Zank und kleinen Momenten voller Freundschaft. Übrigens wusste ich schon, warum wir am Donnerstag weder Farbe geholt noch heute früh auf Männes Wunsch Aquarium und Fernseher abgedeckt haben... ich hatte schon geahnt, dass das Projekt zu dritt wieder wochenlang dauern würde *lach* Nach eineinhalb Tagen erst eineinhalb Wände ohne Tapete *hallelujah* 

Donnerstag, 17. März 2011

Drei Wochen...

Morgen ist der letzte Tag meines Krankheitsurlaubes (äähm, wie heisst das bloss auf deutsch) und ich bin geradezu entsetzt, wie schnell die Zeit vergangen ist. Hatte ich mir doch vorgenommen, diese Tage richtig zu geniessen, stundenlang vor dem Fernsehen und vor Einrichtungs- und Gartenzeitschriften zu sitzen, ab und zu ein Nickerchen zu halten, Blümchen und Tierchen zu versorgen und - last but not least - unsere Wohnung und sogar die Schränke in einen Zustand zu versetzen, in dem sie noch nie gewesen waren =)

Neeein, irgendwie sind die Tage rasend schnell und ganz anders vergangen. In der ersten Woche war ich ja noch ganz vorsichtig. Montag mein Büro schnell aufgeräumt, Dienstag endlich ausgespannt, und am Mittwoch ins Zentrum, um bei Mehiläinen Fäden ziehen lassen. Am Donnerstag war glaube Frida zuhause, weil sie die Nacht durchgemacht hatte und weil es so schön ist, mit einem kuschligen, warmen Kind bis Mittag zu pennen. Die Wochenenden haben wir immer wunderschön in Familie verbracht und entweder draussen etwas unternommen oder Verwandte besucht. Siehe Bilder in den anderen Posts.

Glücklicherweise war es auch in der zweiten Woche an fast jedem Tag so, dass ich morgens mit Tiita und Mika aufgestanden bin und wir gemeinsam die Kleine zu Tante Laura gebracht haben, so dass ich wirklich viel Zeit für mich hatte. Aber in reality mussten dann doch Rechnungen bezahlt, der Fussboden saubergeräumt, Wäsche gewaschen und Essen gekocht werden, und dann kam schon Mika und der Alltag setzte ein. Einen Tag war Madamchen auch wieder zuhause und am Donnerstag bin ich allein mit dem Bus in die Stadt, um der neuen Filiale von Polarn O. Pyret einen Besuch abzustatten und ein bisschen zu shoppen - das war am allerschönsten, so konnte es weitergehen.

Am Freitag dann konnte ich aber nur noch völlig entsetzt auf den Fernsehschirm starren. Furchtbare Bilder aus Japan, riesige Wellen, weggeflutete Autos, schwimmende Häuser, Müll und Schutt überall, so wie es selbst Stephen Spielberg sich nicht hätte ausdenken können. Ach Du Sch...!!!! Groteskerweise habe ich genau diese Woche meine Kanäle neu geordnet und dabei Arirang und NHK gefunden. Witzig, ein japanischer Kanal... dass der 24h später die Schlagzeilen bestimmen würde, konnte ich da noch nicht wissen. Live und in Farbe. Wasser überall und die Apokalypse auf japanisch. Nachts dann Brände, Explosionen und die ersten Bilder der zerstörten Kernreaktoren. Unstoppbare Vorgänge, schon die ersten Prognosen liessen schlimmes ahnen. Es ging mir wie damals 9/11 - ich habe nachts kaum ein Auge zugemacht.

Wollte die ganze Zeit Nachrichten sehen, aber das geht mit einem kleinen Kind natürlich nicht. Wo man lachend auf ein Auto auf einem Dach zeigen muss und "hups, die schwimmen aber schnell" sagt, während riesige Schiffe ziellos auf Brücken krachen... nee, das geht nicht. Also blieb der Fernseher ab da aus und das war auch für meine Nerven besser. Die News auf Facebook und der n-tv Nachrichtenseite waren und sind schlimm genug. Ich war nur heilfroh, dass man niemals Menschen in den Autos und Schiffen sah... ob die da gephotoshopped hatten?

Und dann fiel mir auf, dass die Finnen ganz anders berichten.  Hesari war viel besonnener, beruhigend, die guten Nachrichten herauspickend und (blind?) Authoritäten vertrauend, während sich in den deutschen Medien alles direkt vor der Haustür und in schlimmsten Bildern und Albträumen ereignete (alles völlig ausser Kontrolle) und eine Seite die andere an Grausamkeiten zu überbieten suchte. Häh, sollte das das gleiche Erdbeben und das gleiche Kernkraftwerk sein?

Letztendlich bin ich auf BBC und CNN mit sachlicheren, ausgeglicheneren Analysen umgestiegen. Und dann die Japaner, die mit Ruhe und Stolz, gefasst und ganz besonnen ihr Schicksal zu ertragen scheinen, zusammenhalten und sisu demonstrieren, während ihr Land einer unvorstellbaren Katastrophe entgegenschlittert und der Nordosten völlig zerstört ist. Keine Tränen im Fernsehen, keine Verzweiflung, keine Massenausreise. Was für ein Paradebeispiel für cross cultural communication.Wie unterschiedlich doch Völker sein können, auch in einer zusammengerückten Welt.

Und dann überlebe ich schon eine Woche lang, was man machen könnte, etwas konkretes, aber ausser Spenden und Internetaktionen sind uns wahrscheinlich einfach die Hände gebunden, wir können nur zugucken, wie Nippon mit letzter Kraft kämpft =( Früher haben Familien sich gegenseitig aufgenommen, Kinder wurden ins Ausland verschickt oder ähnliches, aber jetzt ist (auch glücklicherweise) alles so weit weg. Aber für die Zukunft muss umgedacht werden.

Irgendwie ist unser Energiekonsum und überhaupt der Verbrauch von Resourssen total irrwitzig. Wenn ich sehe, wieviel Spielzeug Fridas Zimmer verstopft, wieviele Bücher und unzählige T-shirts und Hosen sie hat (das meiste davon geschenkt..), wieviel wir jede Woche an Essen und Krempel kaufen - und dann doch stöhnen, weil wir keinen Platz haben und die Schränke proppevoll sind - muss das sein? Können wir nicht alle einen kleinen Schritt zurückschalten? Vielleicht ist das ein Weg zu helfen. Auf mein Baby aus Haiti warte ich übrigens immer noch. Und mir sass am Sonntag ein Riesenkloss im Hals, als drei asiatische Kinder mit Frida bei Kodin Ykkönen spielten. Die Welt ist winzig klein geworden.

Und diese letzte Woche verging dann wiederum damit, meinen und Fridas Schlafrhytmus ins Lot zu bringen. Zuviel Nachrichten, zuwenig Bewegung draussen und zuviel Internet... dafür quietschende Kleinkinder mitten in der Nacht, geschmierte Brote, vorgelesene Bücher und Janosch-Musical-DVDs. Am Montag wieder den halben Tag im Büro, dienstags und mittwochs Frida zuhause. Ewig lange geschlafen und dann haben wir beide eine Busreise in die Stadt, zu Café Voca und dem neuen Spielzeugladen im Forum unternommen (das hat Frida total gefallen!), bevor wir mit dem Papa zu Pasi nach Saarijärvi gefahren sind.

Heute abend war Männe wie so oft beim Eishockey und wir sind wieder mit Fridas Tretschlitten ums Haus gefahren, während alle anderen Kinder schon in den Betten lagen... hehe. Und das war es schon. Vier Wochen ohne Job, rasendschnell vergangen. Japan in Trümmern, und irrerweise dreht die Welt sich weiter. Hast Du auch schon einen von Origami-Kraniche gefaltet? 1000 Cranes for Japan... just to give a bit of hope.

Donnerstag, 10. Februar 2011

Bauchweh...

Unsere medizinische Nachtwache und die unkomplizierte Neuvola-Morgenstunde in Palokka sind Anfang des Jahres wegrationalisiert wurden und so mussten wir erst einmal die Bereitschaft im Krankenhaus in Jyväskylä testen. Frida hatte am Nachmittag, gleich nachdem ich sie von Laura geholt hatte, schlimme Magenkrämpfe, dazwischen erholte sie sich aber wieder und war ganz die alte. Als sie aber nachts um eins immer noch alle halbe Stunde schreiend aufwachte, bekam ich doch Muffensausen. Mika hatte schon abends gesagt, dass wir zum Arzt fahren sollten und mein schlaues Buch war auch der Meinung, dass man lieber einmal mehr als einmal zuwenig da aufkreuzen sollten. Also Kind zwischen zwei Anfällen angezogen und ins Auto verfrachtet. Zum Arzt wollte sie nicht, aber Papa abholen *räusper* klappte dann. 

Im Krankenhaus war es gaaanz ruhig, kein Wunder mitten in der Woche mitten in der Nacht und bei -20 Grad draussen. Wir bekamen sogar Wartenummer 001 und wurden, nach verschiedenen Anmeldeschaltern relativ schnell ins Arztzimmer gerufen. Den kannte ich sogar noch vom letzten Mal (nach der Schweineimpfung???), weil er so aussieht wie einer von YMCA =) Fridas Bauch wurde abgetastet, in die Ohren geguckt und die Brust abgehört. Dabei weinte sie wieder ganz schlimm, weil wohl gerade wieder ein Magenkrampf kam, und so richtig kindgerecht war der Doc ja auch nicht, obwohl er sein bestes gab... arme Kleine. Zwischendurch immer wieder warten, zum Glück gab es mit anderen wartenden Patienten und rumrennenden Schwestern genug zu gucken. 

Vor allem, als zwei riesengrosse glatzköpfige Polizisten und zwei schwarzuniformierte Wachmänner eine durchgeknallte und freche Neunzehnjährige brachten, die mit 1,1 Promille und im 8. Monat schwanger zum xten Mal versucht hatte, ihr Auto und sich irgendwo gegenzuknallen, weil sie sich mit ihrem Freund gestritten hatte. Ganz toll. Da fragt man sich wieder, wie manche Leute es verdienen, Kinder zu bekommen und andere jahrelang warten müssen :(. In Amerika hätte ich der Tussi ein paar Scheinchen in die Hand gedrückt und das arme Baby zu uns genommen... schlimm so etwas. Ganz schlimm. Darf man gar nicht weiter drüber nachdenkenk, vor allem wenn man immer noch mit dem Gedanken spielt, irgendwann mehr Kinder zu haben oder zu adoptieren. 

Frida wurde dann noch aus dem Finger Blut abgenommen und sie bekam ein tolles Pflaster und ich einen Krankenschein - und dann wurden wir nachts um drei wieder nach Hause geschickt. Sie hatte keine Entzündung, nix Blinddarm oder so etwas, sondern wahrscheinlich einen der herumgehenden Magendarmviren, die sich auch zunächst in Bauchweh äussern können. Wieder ein Tag zuhause... und wir haben bis 14 Uhr geschlafen, immer wieder unterbrochen durch Weinen und strampelnde Strumpfhosenbeinchen... aber ich bin froh, dass wenigstens ein Arzt mal geguckt hat. Jetzt gibt es Toastbrötchen (in Finnland gibt es keinen Zwieback) und verdünnten Kamillentee (Zaubersaft) und Pikku Kakkonen und MTV3 Juniori im Fernsehen fürs Mäuschen und dann ist sie hoffentlich bald wieder hergestellt.

Dienstag, 18. Januar 2011

Spitzensportler...

Huuaah, bin ich stolz. Frida war heute zum ersten Mal beim Sport (!!!) und es hat ihr superviel Spass gemacht. Die Ausrufezeichen daher, weil ich selbst eine absolute Niete in körperlicher Betätigung bin (das sieht man leider auch) und schon im Kindergarten weder rennen noch eine Bank hochrutschen konnte, was sich leider in der Schule als noch schlimmerer Albtraum erweisen sollte. Sannesuse beim 100 m-Lauf oder an der Kletterstange oder am Reck - die reinste Katastrophe, weshalb ich auch immer Angst vor dem Sportunterricht hatte und heilfroh war, dass man beim Abi die schlimme Sportzensur einfach aus der Wertung herausnehmen konnte. Nur Schwimmen und Basketball haben Spass gemacht, aber da wurde ich auch nie freiwillig in ein Team genommen *örks*

Also, bei Frida wird vorgebeugt und die bösen Gene ausgeschaltet, in dem sie schon von vornherein gut trainiert wird. Mit drei Jahren haben sie ja wenigstens noch Spass daran und sitzen nicht ewig in Bücher und Computer versunken in der Bude, mmmh? Wobei ich auch gern ins Fitnesstudio gehe (vor allen zu den Kursen), aber ich kann mich immer ewig nicht aufraffen und schäme mich vor allem furchtbar für meinen Schwabbelkörper und die Unfähigkeit, rechtes und linkes Bein in der richtigen Reihenfolge zu bewegen. Alles Mangel an Übung denke ich mal, aber uns DDR-Kids hat man ja den Spass an der Bewegung gründlich ausgetrieben, weil es eben nur um Leistung ging. Und ich hätte wahrscheinlich meinen Eltern einen Piep gezeigt, wenn sie mich irgendwo bei Leichtathletik angemeldet hätten...

Jedenfalls geht Frida jetzt im Frühling zu einer Kindergruppe (für 3-4 jährige) der Palokkaer Frauenturner (naisvoimistelijat). Ist einmal in der Woche bei uns in der dörflichen Sporthalle, mit zwei Profitanten und ungefähr 10 Kindern, wobei angenehmerweise auch viele kleine Jungs teilnehmen. Gestern hat Tiita gleich richtig gut mitgemacht, obwohl ich befürchtete, dass sie wie im Herbst bei der Musikschule die Mama vermissen, ganz schüchtern sein und weinen würde. Aber es ging alles gut, ich wartete auch zusammen mit den anderen Mamis im Umkleideraum, von dem man gut in die Halle gucken konnte.

Und wie süss die Kids da herumrannten und mitmachten, einen Luft-Schneemann bauten und sangen und durch Reifen sprangen und Bäumchen-wechsle-Dich spielten =) Mit ihren kleinen Tapsfüssen in Ballettschuhen, Stoffidas und Sandalen und den kurzen Beinen in Leggings und Joggern... ein Bild für die Götter. Frida hat beim Im-Kreis-Rennen soviel Spass gehabt, dass sogar die Zunge vor Lachen aus dem Mund hing! Wo sie doch sonst immer finniklich zusammengesch.. werden, dass sie weder in der Wohnung noch auf Parkplätzen noch sonst irgendwo rennen und ständig "sich beruhigen" (rauhoitapas nyt!) sollen. Eigentlich hatte ich ja ein Mama+Kind-Turnen für uns beide gesucht, aber das gab es nur in der Stadt (ich habe keine Lust, da in der rushhour vom Büro nach Hause und dann gleich wieder zurückzufahren) und war auch schon grösstenteil ausgebucht.

Also doch Kind alleine, aber vielleicht geht das ja diesmal gut. Sie ist ja auch schon wieder älter. Ganz begeistert war sie hinterher, zeterte noch nicht einmal, dass der Papa beim Eishockey war, und sie nickte auch, als Mami frage, ob das besser ist, wenn Mama die halbe Stunde nebenan wartet. Sehr cool. Da könnte man ja sogar in Ruhe eine Hauszeitschrift lesen oder auf dem Handy facebooken =) (Nicht dass jetzt jemand denkt, Finnen reden mit Fremden... *ggg*) Mal gucken, mir hat es gestern zumindest auch sehr gefallen - und ich habe Lust bekommen, Elixia höchstpersönlich mal wieder mit einem Besuch zu beehren, hehe. Es lebe der Sport!

P.S. Ich kenne in meinem deutschen Bekanntenkreis niemanden, der regelmässig Sport treibt... ganz im Gegensatz zu hier in Finnland, wo es zum guten Ton gehört, abends eine halbe oder ganze Stunde mit Stöckern durch die Gegend zu rennen und sich 2-3 mal in der Woche im Fitnesstudio auszutoben, sogar wenn man Kinder hat =) Wie ist das bei Euch?

Samstag, 15. Januar 2011

Onnellinen...

Irgendwie ist ein Wunder passiert. Dieses Jahr fängt supergut an und ich weiss gar nicht woran das nun eigentlich liegt. Während der Sommer und Herbst nur von Sorgen und Stress durchzogen waren, ich wegen Magenschmerzen und durchgedrehtem Kopf jeden zweiten, dritten Tag am liebsten von einer Brücke gesprungen wäre und überhaupt nicht mehr wusste, wo wir am besten anfangen sollten, sind die letzten beiden Wochen wie von Zauberhand richtig ruhig und wunderschön gewesen.

Entweder Frida ist schlagartig viel vernünftiger und ruhiger geworden oder das Umfeld hat sich so verändert, dass sie weniger zickt und ihre Familie wahnsinnig macht. Ich glaube ja schon lange, dass wir von Anfang an, seitdem ich mit dem Tiitababy aus dem Krankenhaus gekommen bin, in einem negativen Kreislauf von Hektik, Streit und Geschrei gesteckt haben, dass sie einerseits so anstrengend ist, weil wir uns ständig in den Haaren liegen, aber wir uns auch ständig in den Haaren liegen, weil halt das Kind immer "gegen alles" ist.

Ich habe oft überlegt, wie wir früher Konflikte gelöst haben, wir sind früher supergut klargekommen, aber natürlich kann eine dreijährige auch nicht die Schuld daran tragen, dass ihre Eltern durchdrehen =) Wenn man nichts in Ruhe machen kann, dann hat man auch keine Zeit mit ihr zu spielen und wenn man die nicht hat, stänkert sie noch mehr usw. Und wenn man sich dann mit ihr beschäftigt, dann liegt sie nach fünf Minuten trotzend auf dem Fussboden, weil irgendwas nicht richtig ist *aargghh* Ich meine, ich habe mindestens 10 Jahre lang Eltern-Hefte gelesen und weiss theoretisch relativ gut, was man mit Kindern machen muss... aber bei unserem Modell ist manchmal alles sehr, sehr schwierig und anstrengend.

Aber ich wollte ja schreiben, dass das jetzt eben nicht mehr so ist! Die Weihnachtszeit war ja, wie immer, sehr hektisch, dann waren auch noch meine Eltern hier, wir haben viel gearbeitet, Männe auch abends, hatten Hobbies mehrmals in der Woche usw. Ein Gewirr von Sprachen, Beschäftigungen, Meinungen und dazwischen eine protestierende, albernde und stänkernde Tiita. Die nicht hört, sich erst bei der 10. Aufforderung anzieht, von morgens bis abends herumrennt und keine Minute stillsitzen kann und kreischt und zetert und bockt und sauer ist, selbst dann, wenn sie weder hungrig noch müde ist und genug Leute zum Spielen dasind *haarerauf*...

Und jetzt im Januar kann man auf einmal richtig schön mit Frida draussen spielen, auf dem Po Schneeberge herunterrutschen, zuhause saubermachen, während die Kleine allein mit ihrer Kasse und ihrem Kinderwagen spielt, man kann mit ihr erzählen und sie hilft in der Küche und sie hört ab und zu, wenn man etwas sagt, zieht sich alleine an, wenn man sich einen lustigen Wettbewerb ausdenkt, putzt lieb die Zähne, wenn man dabei Bakterien sucht und einen Abend haben wir sogar nur auf dem Sofa und vor dem Fernseher zugebracht, weil Mami nach der Arbeit so müde war.... vorgestern hat sie mit mir Kohlrouladen gerollt und heute habe ich zum ersten Mal in der neuen Wohnung gesaugt und abends hatte sie das Yuri-Schweinchen eine halbe Stunde auf dem Schoss... alles ohne Trotzanfälle und Ausflipper.

Und wie von Zauberhand verstehen auch Mika und ich uns wieder. Kein Streit, sondern nur nette Worte. Wodurch Frida vielleicht auch wieder glücklicher und ruhiger ist... positive Verstärkung sozusagen, ich glaube es kaum. Jetzt haben wir eben gerade eine Stunde draussen gespielt, nur Mama und Frida, vorhin hat sie selbst ihr Spielzeug vom Fussboden aufgesucht, jetzt guckt sie mit ihrem Papa eine Witzsendung, während Mama bloggt... das kenne ich so alles gar nicht. Ist das der liebe Charakter eines Kindergartenkindes? Liegt es daran, dass sie vier wird? Das einzige, was wir wirklich geändert haben, ist, dass ich ganz dicke Gardinen in mein Schlafzimmer gehängt habe, so dass es nachts richtig dunkel ist und ich endlich wieder durchschlafe. Und wir haben den supertollen Wäschetrockner, über den ich mich jeden Tag aufs neue freue. Aber nur daran kann es doch nicht liegen, oder?

Ein bisschen muss ich auch an die Mail einer meiner besten Freundinnen denken, die zu unseren Beziehungsproblemen (sie hat gerade geheiratet und ist total verliebt...) sagte, dass Dinge oft die Eigenschaft haben, sich selbst zu regeln (typisch finnisch...). Vielleicht hat sie ein bisschen gehext, voodoo oder so... Sehr komisch alles. Übrigens wurden die Galle-Operationen aus Jämsä gerade wieder nach Jyväskylä verlegt, weil es dort unheimlich viele Komplikationen gegeben hatte. Ups! Wobei ich mich jetzt frage, ob ich jemals überhaupt etwas hatte... meinetwegen kann das Jahr so weitergehen. Und ich beneide alle Familien, die schon immer so ein pflegeleichtes Kind hatten... die letzten drei Jahre wären so das reinste Paradies gewesen. Ein Baby und Kleinkind, von dem man nicht jede Sekunde fürchten muss, dass es gleich losschreit =)

Wie man auf den Bildern sieht, schien heute sogar nach langer Zeit mal wieder die Sonne! Und dieselbige verschwindet jetzt erst gegen 15:30 statt 14:45 Uhr endgültig vom Horizont, richtig dunkel ist es dank Schnee und Mond erst weit nach 16 Uhr. Und unsere Wohnung ist dank der gewonnenen Zeit auch viel gemütlicher geworden. Sofa in der Mitte, davor ein beiger, sauteurer Wollflusenteppich, Blumen an der Decke und im Fenster, die Küche aufgeräumt, Werkzeuge gekauft, abends trinken wir jetzt immer Tee und meiner einer hat jetzt sogar einen eigenen, richtig warmen Winterhaalari, auf dessen Po man die riesigen Schneehalden in unserem Hof herunterrutschen kann =) Häppi!!!

Donnerstag, 1. Juli 2010

Co-sleeping...

Auch mit drei Jahren schläft man noch zu mindestens 99% in Mamis und Papis Bett. Dafür ist man aber fast trocken geworden. Letzte Woche endlich mal Zeit gefunden, die Windel abzulassen und das Baby, äähm Kleinkind, regelmässig daran zu erinnern, ob es nicht etwa Pipi machen muss. Papa extra einen Pissipass gebastelt, wo nach 7 Aufklebern eine kleine Eistüte erscheint. Und klappt super, sie hat sogar schon zwei Nächte ganz ohne durchgeschlafen. Tagsüber will sie oft nicht, oder macht aus lauter Jux falschen Alarm, aber wenn es dann erst wird, rennt sie doch. Nur ein, zwei mal ist etwas in der Hose gelandet, weil sie nicht daran gedacht hat. Aber das klappt ansonsten wunderbar. Ein Glück, dass wir uns vorher keinen Töpfchenstress gemacht haben. Und im Winter, mit den vielen Sachen und Overalls, wäre das auch so unmöglich gewesen.

Sonntag, 20. Juni 2010

Kirri...

Männe in Pihtipudas auf ner Rally und Mami mit Frida auf Tour =) Im Garten gegessen. Draussen Quatsch gemacht. Erst im Pyjama und dann mit Snoopyshorts und Hirvonenshirt. Die Katzen beaufsichtigt. Schliesslich zu Kirri baden gefahren. Das heisst, die Füsse ins eiskalte Wasser gesteckt. Danach Kuchen, Kaffee, Eis und Pizza bei Neste. Wieder ein schöner Sommertag, ganz um die Ecke.

Samstag, 12. Juni 2010

24 h die zweite...

Hah, und natürlich konnte meiner einer nicht einschlafen, vor allem, nachdem um 2 Uhr wieder jemand wie eine Heulsirene kreischte. Aappuuaaa. Zwischen stinksauer und ernsthaft besorgt bekam ich das Kind halbwegs zur Ruhe, vor allem umdrehen und ignorieren halfen am Ende, das jämmerliche Gejammer zum Erstummen zu bringen. Und es halft, dass ich wusste, dass sie nichts Schlimmes hat. Wie kann man nur so schauerlich heulen und sich gar nicht beruhigen lassen? Alle paar Minuten wieder.. und als sie gegen 3:30 Uhr einigermassen fest pennte, war ich reif für das Klo, etwas zu essen und ein bisschen Facebook zur Nervenberuhigung. Puuhh.

Irgendwann morgens wieder hingelegt und einfach die Augen zugemacht. Dank der frisch aufgehängten Verdunklungsvorhänge (vielleicht liegt's ja an der Helligkeit?) und dem leergelaufenen Handy vielleicht etwas zu lange. Frida fing irgendwann an zu spielen und ihre Bücher vorzulesen und als wir in die Stube wankten, was es statt der obligatorischen Mittagszeit schon *haltet Euch fest* 16:30 *umfall*. Also so lange habe ich noch nie einen Tag verschlafen und jetzt wisst ihr auch, wieso die 24 h so sensationell schnell umgegangen sind!

Irgendwas mussten wir aber trotzdem machen. Eigentlich hatte ich Frida versprochen, mit ihr in die Stadt zu fahren. Es regnete draussen cats und dogs und ich hatte überhaupt keine Idee, was wir hätten machen können. Drinnen wäre uns beiden die Decke total auf den Kopf gefallen, vom dem eh schon vorherrschenden Chaos ganz zu schweigen. Also doch, wie geplant, auch wenn alle Geschäfte schon um 18 Uhr zu sein würden.

Mit Frida die fünf Minuten ins Palokkaer Zentrum gefahren, aus dem Auto geholt und an die Bushaltestelle gestellt. Natürlich viel zu früh, weil ich im Internet geguckt hatte, wann man von seiner Adresse loslaufen muss und nicht, wann denn der dämliche Bus da lang fährt. Aber egal, Tiita sass vorbildlich mit ihrem Regenschirm im Wartehäuschen und wir wurden beide schön vollgenieselt. Dann der Bus, sogar freundlicherweise mit Absenkungstechnik für die kurzen Fridabeine (gegruselt hat sie sich vor der Hydraulik). 2,90 für ein Ticket - billig ist das bei uns nicht gerade...

Im Zentrum dann wie geahnt total tote Hose. Alles nass und kaum Leute unterwegs - aber wir haben ja jede Menge schicke Hotels. Erstmal an den Bussen vorbei zu Nikolainkulma, dann über superinteressantes Kopfsteinpflaster und viele bemerkenswerte Schaufenster und vollgeschmierte Wände (fällt einem erst mit Kind auf) und an vielen unternehmungslustigen Jugendlichen vorbei zu Sokos Hotel Jyväshovi. Cool sind wir beiden Mädels, hehe, ganz auf Reisen irgendwie und weltstädtisch.

Bei Torero einen Terassenplatz ergattert und für Frida Eis und für meiner einer Tacos bestellt. Calamares und pan con tomato und jamón und churros... mmmhh... merkt man, dass ich ein Jahr lang mit Spaniern zusammengewohnt habe? Da leuchtet das Suseherz und da müssen wir unbedingt auch einmal mit Männe hin. Vor allem, weil Frida sogar eine eigene Speisekarte hatte, auf deren Rückseite man kleine Babystiere ausmalen konnte. Weil sie extra Buntstifte bekommen hat und das supernette Personal auch wusste, dass kleine Mädchen ihren Apfelsaft am liebsten mit einem Strohalm trinken. Sogar Tomatenbrot schmeckte der Tiita und sie war recht manierlich, von einem kleinen Ausfaller im Bad zu schweigen, als man unbedingt selbst Hände waschen wollte, obwohl das Becken viel zu hoch war. Aber zu der späten Stunde *zwinker* hatten die anderen natürlich Verständnis für die Allüren =)

Zum Schluss entdeckte Tiita noch ein extra Spielzimmer mit tollem Memory, Puppenhaus und Kritzelcomputer, liess sich aber trotzdem manierlich anziehen und die Treppe runter auf die Einkaufsstrasse locken. Nur noch 15 min zum nächsten Bus.... ob wir das schaffen? Klar, wenn man einen Sportwettbewerb veranstaltet. Tiita dann noch Bären eines Cafés angeguckt, die Zebrastreifen erforscht, laut "Bussi bussi" gesungen, an der topmodernen Haltestelle Platz genommen und schon kam der Bus zurück. Das macht total viel Spass und wir müssen das viel öfter machen. Wenn ich daran denke, dass meine Eltern überhaupt kein Auto hatten und es für uns stinknormal war, Bus und Bahn zu fahren - für die Kinder heute sind die öffentlichen Verkehrsmittel offensichtlich so was wie ein Freizeitpark, hehe.

Wieder in Palokka ein kleiner Aussetzer, als Mami frische Lupinen und andere Sommerblumen für die Vase pfücken wollte. Nein, das macht man nicht, schrie Frida und tobte wie ein Rumpelstilzchen. Sofort hinlegen und wir kaufen Blumen, ja??? Nicht abreissen und nicht von hier, nein, da hinten ist der Laden!!! Also arme Blümchen hingelegt und hysterisch schreiendes Kind ein paar Meter geschleppt, bevor sie sich auf die nasse Strasse schmeissen konnte. Uff. Vielleicht hat Laura es verboten, wilde Pflanzen anzufassen. Und aus Rabatten oder Kübeln darf man ja auch nichts abreissen. Wildblumenwiesen kennt mein Winterkind noch gar nicht *seufz*

Vor dem Blumenladen dann noch einmal Schreikonzert, weil der natürlich schon zu war und die Tür nicht aufging. Also doch zum Auto getragen. Zu müde. War ja auch schon 21 Uhr *räusper*. Zuhause war glücklicherweise schon der Papa gekommen. Und schon waren unsere 24 h um. Erlebnisreich und dann doch wieder nicht, aber mir hat es (bis auf die Nächte) sehr gut gefallen mit der kleinen Prinzessin *hugs*

Dienstag, 8. Juni 2010

Expressvirus...

Heh, vielleicht 10 min war alles in Butter, sogar eine Bekannte kam schnell vorbei... und dann holte Männe eine jämmerliche Frida ab, die sofort ins Bett, sogar das eigene wollte und zwei Stunden später 39 Grad Fieber hatte und ganz rot leuchtend und apathisch war. Oh nein! Und wie froh war ich spätestens da, dass wir den ersten Verkaufsvertrag genommen hatten. Meine arme Kleine. Inzwischen ist es Gott und Fiebersaft und Schlaf sei Dank schon wieder besser. Keine Ahnung, was das schon wieder war!

Höh, Pustekuchen, in der Nacht kam das böse Fieber zurück. Also Mami einen Tag zuhause und dann Papi einen Tag daheim, weil die Frau Communications Manager dringend im Büro gebraucht wurde. Wir haben nämlich nächste Woche ganz wichtige Meetings hier, mit ca. 100 Teilnehmern aus aller Welt und nur ganz wenige Leute, um das Ding zu schaukeln. Puh, nochmal gut gegangen. Ich freue mich schon darauf, meine Kollegen wiederzusehen. Aber natürlich ist es immer schlimm, eine kranke Fridi zuhause lassen zu müssen. Immerhin bin ich die Mama, auch wenn Männes Tagesbeschäftigung weit weniger wichtig und ertragsbringend ist. Irgendein 48 h Expressvirus also. Und ich denke wieder einmal, dass eine Ersatzpflegestelle für den Notfall ganz sinnvoll wäre, haben wir aber nicht, weil alle Bekannten und Verwandten selbst arbeiten müssen...

Sonntag, 30. Mai 2010

Partyyyy...

Pah, dafur hatten wir heute full house - 25 liebe Familienmitglieder, die Fridas Geburtstag feiern wollten. Das war so richtig schön, mir geht es ja eh mehr um die Gesellschaft als um alles andere. Cousinen und Tanten und Onkels und Kusscousinen...

Zum Glück haben sie auch nur mässig Geschenke mitgebracht, so dass die Bude nicht gleich wieder überquillt, viele Stifte und Malsachen und ein Eimerset und Klamotten und Plastegeschirr, und niemand hat Süsses oder Schokolade oder lautes Krachzeug angeschleppt, obwohl wir gar nichts gesagt haben. Ganz klasse.

Dafür gab es zum Kaffee lecker Torte (meiner einer hat als fast-finnische Mami zum ersten Mal richtige Torte gebastelt!), frischen Erdbeerkuchen und jede Menge von Männe gebrutzelte Pasteten und Pfannkuchen. Nix übrig geblieben, die Leute hatten einen Riesenhunger und -durst. Kinder waren auch reichlich da, in jedem Modell und von jeder Grössenordnung. Ganz toll.

Später waren sogar die Schweinies draussen (wir haben momentan irische Regenverhältnisse, alle halbe Stunde eine Dusche...) und die Kinder sind auf der Terasse rumgekrochen und gerutscht. Alles in allem richtig super. Mikas Familie ist wirklich spitze. Und irgendwie ist es schon jahrelang so, dass nach richtig scheisse Tagen richtig schöne kommen =)

Dienstag, 25. Mai 2010

Drei Jahre alt...

Huh huh. Da ist das Hugokind doch wirklich schon drei Jahre auf der Welt. Drei Jahre voller Hektik, Unsicherheit, aber auch viel Freude und Lachen und neuen Erlebnissen. Manchmal halte ich inne und überlege, was wir "früher" alles gemacht haben. Nach der Arbeit nur ins Internet geglotzt? Nur shoppen gewesen? Okay, meine kinderlosen Nachbarn und Freunde kümmern sich auch um ihre Gärten, machen die Bars unsicher und können stundenlang in der Sonne brezeln und Zeitschriften lesen.

Aber die haben auch niemanden, der nachts lustig schnarcht und einem die Käsefüsse ins Gesicht steckt. Der so laut lacht, dass die Wände wackeln. Und der das Bad wunderbar unter Wasser setzen kann. Der die tollsten Stories von weggelaufenen Klos, fliegenden Windeln und grünblauen Hunden erzählt. Der fliessend vorlesen kann, wenn auch was ganz anderes als im Buch steht. Der auf deutsch und finnisch sämtliche denkbaren Kinderlieder singen kann. Der mit Messer und Gabel isst, die Buchstaben A, M, F und S auseinanderhalten kann und der die lustigsten Bilder der Welt knipst.

Der die dicken Ärmchen liebevoll um Mamis Hals legt. Der Papa und Äiti sagt und Püppi und Koira liebt. Der malt, bis die Finger ganz rot und blau und lila geworden sind. Der am liebsten in Strumpfhosen und mit ungekämmten Haaren durch die Gegend flitzt. Gern mit dem Handy telefoniert, die Waschmaschine einknipst und am Computer fummelt. Der die Muumins und Dora und Hello Kitty besser kennt als die Mama. Der überhaupt superintelligent, an allem interessiert und immer gut gelaunt, aber auch sehr empfindsam geworden ist. Eine kleine Person von einem Meter Grösse, die vor Energie, Liebe und lustigen Einfällen nur so sprüht.

Das alles wussten wir vor drei Jahren nicht, als wir ins Krankenhaus gefahren sind. Als das Grün draussen genauso frisch und nass und superneu und die Nächte genauso taghell waren. Nur irgendwie theoretisch. Aber in der Praxis ist das alles viel bedeutender, anstrengender, grösser und spannender. Nervenaufreibender und irgendwie immer noch total erstaunlich. Ein kleiner Mensch, der bei uns Chaoten wohnt, für den wir Verantwortung tragen und dem wir die Welt bedeuten. Plus Laura und die Verwandten und Freunde. Und die Tiere. Ein Kind - wie stolz das klingt. Frei nach Maxim Gorki...

Montag, 26. April 2010

Multikultifalle...

Irgendjemand hatte ja mal behauptet, dass die Trotzphasen mit drei Jahren weniger und alles überhaupt leichter wird - nur hat man dann angeblich das neue Problem, dass einen die lieben Kleinen immer und überall auf die Knochen blamieren. Klar, das macht doch gar nichts, das schaffen wir schon, dachte die Frau Mama (die das auch bei Koliken, Brüllanfällen, Nachtschreck und ähnlichem immer VORHER von sich annahm...).

Wenn aber das liebe internationale Kind mitten im Einkaufsladen von ABC unmittelbar vor einer jungen hübschen Afrikanerin mit Rastalocken stehenbleibt und laut kichernd und mit dem Finger zeigend "katso, musta täti!!!" sagt (guck mal, ne schwarzte Tante!) und dann wegrennt, dann wünscht man sich doch, dass sich einfach der Boden auftut und man da samt Nachwuchs sekundenschnell spurlos verschwinden kann.

Natürlich sprach die Tante später an der Kasse auch fehlerlos finnisch. Und war bestimmt nicht taub. Ich bin sowas von multikultitolerant und weltoffen und gar kein Provinzkrämler eigentlich, aber da war ich völlig hilflos. Das heisst, ich habe mir die ganze Zeit vor Lachen die Lippen zerbissen =) Was sagt man denn da? Sich entschuldigen? Oder "ääähm, die meint das nicht so?" Oder "aber das macht doch gar nix???". Oder gar "Mami möchte auch gern so gut aussehen???". Oh my goodness. Was kommt da als nächstes?

P.S. Finnland hat übrigens die sensationell niedrige Ausländerquote von 2,7 Prozent (gerade nachgerechnet). Genau wie Ostdeutschland also eine Bastion der alten Welt. Aber wenn nicht mal die Finns Arbeit bekommen, wundert mich das gar nicht, von der verflixten Ykäkö-Sprache ganz zu schweigen. Wobei die Situation natürlich in Grosstädten und unter jungen Leuten, besonders Kindern, schon ganz anders aussieht - da sind wir ein ganz normales Einwanderungsland. Die untere Grafik zeigt übrigens die Muttersprachen der Leute, erfasst also auch die Ausländer, die inzwischen "Neufinnen" geworden sind. Kommt ihr mit den finnischen Begriffen klar? =)

Freitag, 19. März 2010

Schnipp schnapp...

So, die Wolle ist weg. Und unser Kind sieht jetzt gar nicht mehr wie ein Baby aus, sondern wie ein kleines Mädchen. Mit grossem eigenen Willen und bereit für die Welt. Kein kleiner Stapfer mehr, der nur ganz zufällig ständig strampelnd und brüllend auf dem Fussboden liegt. Lange habe ich gezögert, weil sie doch sooo schöne Locken hat und wir wirklich lange überhaupt nicht die Haare geschnitten haben. Die tollen orangenen Sprossen mit 6 Monaten. Die weissblonden Fusseln danach. Und die langsam erbraunenden, schön blond gesträhnten Kleinkindhaare. Erst im Sommer ein bisschen den Ponni, weil sie gar nicht mehr aus den Augen gucken konnte. Und dann beguckte ich immer kritisch den Hinterkopf... irgendwie sah sie manchmal aus wie Wolle Petri oder Angela Davis, aber mit kämmen und ein bisschen Glättungsspray bekamen wir das immer wieder in ansehnliche Formen. Die Finnen kennen ja Lockenkinder so gar nicht und halten sie immer wieder für einen kleinen Engel *hust*

Bis auf diese Woche. Männe hatte an zwei Tagen Frida sowohl morgens an- als auch abends ausgezogen und natürlich nicht daran gedacht, die Haare zu kämmen... bzw. Frida wollte nicht, "auaaaaa" "ei saaaa!!!!". Meiner einer kam dann am dritten Tag überhaupt nicht mehr durch die bis zur Rückenmitte reichende Filzmatte. Heulen oder Kopfnüsse wie bei der Uroma geht natürlich auch nicht. Also ab in die Sauna und Wanne und dann haben wir Friseur gespielt. Frida brav auf den Mammut-Stuhl, Umhang um und Fernseher an und die Schere gezückt. Ging richtig gut, obwohl ich meine diesbezüglichen Künste bisher immer nur bei den Peruanermeerschweinen ausgelebt hatte =)

Nur einmal so quer in leichtem Bogen geschnipselt, ohne hochstecken und andere Spirenzchen. Langsam aber sicher fielen ca. 10 cm blonde Wallelocken auf den Fussboden und Frida war *abrakadabra* zwei Jahre älter, hehe. Die nach oben springenden Locken machten dann eine richtig kurze Frisur daraus, als die Pracht erstmal trocken war. Aber es sieht wirklich gut aus. Und ist kämmbar! Vielleicht sollte ich doch meinen eigentlichen Beruf an den Nagel hängen und als Friseuse aufs Land nach Lappi oder Nordkarelien ziehen, wo es doppelt so grosse Häuser zum gleichen Preis wie hier zu kaufen gibt. Nur mal so als Gedanke...

Samstag, 13. Februar 2010

Pisakind...

Ich staune immer wieder Bauklötzer, was kleine Kinder so alles können. Vor allem finnische. Da malt die dreijährige Cousine von Tiita doch tatsächlich äiti, isi und ihren Namen aufs Papier. Klar, ein bisschen zu rund, mit ein paar gespiegelten Buchstaben und eindeutig Strich für Strich abgepinselt, aber immerhin. Meine Tochter, die noch arg lispelt und nicht alles richtig sagen kann (aber dafür ununterbrochen quatscht und alles ausplaudert, was ihr so in den Sinn kommt), zählt in beiden Sprachen mindestens bis 10, neulich kam sogar schon viisikymmentä mit ins Spiel. Sie kann Lieder singen, die sie nur 2-3 mal gehört hat. Weiss wo unsere Sachen sind. Kennt Comicfiguren, die ich noch nicht mal kenne.

Fragt immer wieder was denn was auf deutsch und finnisch heisst und kann offensichtlich klasse Silbentrennen - sie schreibt Einkaufslisten, kritzelt dabei Hakenreihen aufs Papier und spricht laut vor sich hin "mai-to, ves-sa-pa-pe-ri, hei-nä, kis-san-ruo-ka". Boaah. Und wenn sie dann noch von sich aus das M für Mika, das F für Frida und Ä für Äiti aus ihren Magnetbuchstaben raussucht und mir zeigt und dann irgendwann beim Abendbrot aus heiterem Himmel sagt "Aino fängt mit A an", dann bin ich restlos platt. Ich hab ihr das bestimmt nicht beigebracht. Macht das die gute Luft? Die fennoskandischen Gene? Die Leserattenmama?

Sonntag, 24. Januar 2010

Wochenenden...

Obwohl ich Männe mehrmals pro Woche auf den Mond schiessen könnte und obwohl ich mir dann jedesmal ausmale, dass wir zu zweit unter Mädels viel besser klarkommen würden, bin ich dann trotzdem jedesmal total überfordert, wenn Frida und ich alleine zuhause sind. Das war schon so, als sie noch ein Baby war und es ist immer noch nicht besser geworden. Diese Unordnung und dieses ewige Rumgewusel und das Kein-Mittagschlafenhalten... kurz gesagt, nix klappt, was ich so denke, was normale Familien machen.

Rausgehen Fehlanzeige, weil es bei Madamchen meist ein bis 2 Stunden und mindestens zwei Heulanfälle ihrerseits und zwei Nervenzusammenbrüche meinerseits dauert, bis die Sachen an sind. Vom Reingehen ganz zu schweigen. Oder draussen hören, wenn Mama was will. Wenn ein Auto kommt oder ein grosser Hund oder so und Madamchens Ohren auf Durchzug gehen. Wenn sie einfach losmarschiert, keine Mütze aufsetzen oder stundenlang Schnee schieben will. Oder aus ihrem Wagen aussteigen, wenn sie denn überhaupt erst mal da drin sitzt. Backen oder basteln fangen meist gut an, aber enden dann auch im Chaos, weil nicht alles so passieren kann, wie die kleine Künstlerin es gerne hätte. Ich bin ja schon total nachgiebig, aber Kleber auf dem Sofa, Schere im Katzenpo und Kakao im Videorekorder machen sich nicht so gut. Also wieder Geschrei. 

Zusammen baden oder duschen? Eigentlich lustig, aber gibt trara, wenn sie da wieder raus muss. Oder stundenlang Mama die Haare duschen will. Oder was weiss ich. Jedesmal Streit wegen irgendwas. Ich bin dabei schon total ruhig, schreie sie nicht an und tue ihr natürlich nicht weh, aber sie kann doch auch nicht ständig ihren Willen bekommen. Wenn einer schimpft, wird gelacht. Wenn man richtig sauer wird, weint sie. Na toll. Keine Ahnung, wie das Leute mit zwei oder mehreren Kindern machen. Oder meine Cousine, die Kindergärtnerin ist *allehaaresträub* Tanzen denen die Kiddies auch die ganze Zeit auf der Nase rum? 

Aufräumen müsste man eigentlich auch, weil in der Woche ja niemand dazu kommt (schreibe ich jetzt, dass Männe arbeitslos und zuhause ist?). Mama räumt vorne auf und Frida kramt hinten alles wieder raus. Kippt Stühle um, malt Wände an, kippt Milch auf den Tisch. Mit ihr spielen mitten im Chaos? Weiss nicht, meine Nerven sind nicht so gut. Sie muss ja auch lernen, dass man alles wieder wegräumt, was man vorholt. Zusammen lesen? Geht nicht, sie singt laut dazwischen, springt auf einem herum oder nimmt das Buch weg. In die Schwimmhalle, zu Freunden, zum Kindertheater... traue ich mich nicht, wegen Trotzanfällen und hysterische-fette-Ausländer-Assi-Mutter-Stereotyp.

Ich war früher während meiner Schwangerschaft einmal schockiert, in einer Babyzeitschrift zu lesen, dass eine finnische Mutter da schrieb, dass sie "nie mit den Kinder spielt und die wissen das auch". Fand ich ganz schlimm. So wollte ich nie werden. Aber in der Praxis sieht es wirklich so aus. Mama ist hauptsächlich Geldverdiener, Köchin und Putze und die Spielstunden sind rar gesäht. Was wahrscheinlich eins zum anderen führt, Frida sucht Aufmerksamkeit, indem sie sich unmöglich benimmt. Bei Laura ist sie ja der reinste Engel. 

Jedenfalls habe ich jetzt noch bis März das Vergnügen, jedes Wochenende mindestens einen Tag allein unter Mädels zubringen zu dürfen, zusätzlich fährt Männe noch zweimal für jeweils eine halbe Woche nach Schweden und Lappland. Hallelujah. Wenn er hier ist, spielen wir abwechselnd mit Frida. Oder er geht mit ihr raus. Oder wir beide fahren mit ihr irgendwo hin, zu Verwandten, zu anderen Kindern oder in die Natur, wo sie sich ein paar Stunden normal benehmen kann. 

Wenn ich alleine bin, ist es irgendwie eine richtige Hexenjagd... Frida randaliert, Mama räumt hinterher, versucht irgendwie pünktlich Essen auf den Tisch zu stellen und Aktivitäten zu planen, bitte lass den Tag schnell um gehen....und wenn Missi müde ist, wird natürlich nicht geschlafen, sondern weiter gekaspert. Tränen inklusive. Erst gehen 15, 16 Uhr, wenn es schon viel zu spät ist, aber man zum Wachbleiben auch zu müde ist. Meist im Auto. Heute im Bett, nachdem Mami einfach die Tür zugemacht hatte. 

Abends dann wieder nicht müde, der Nachmittag ist eh gelaufen, und raus kann man sowieso nicht mehr, weil es ja stockdunkel und kalt ist. Und überhaupt zu spät für kleine Kinder. Klar dreht sie ab, weil sie nicht an der frischen Luft war. Männe kommt wieder und geht erstmal in die Sauna. Mama kramt die letzten Nerven zusammen und macht Abendbrot. Bald ist Montag. Thanx god. Und dabei ist sie das allerbeste was ich habe... warum macht sie alles kaputt? Warum machen wir alles kaputt?

Freitag, 11. Dezember 2009

Abgestillt...

lso so ganz traue ich mich ja noch, davon zu schreiben, aber vielleicht mal eine Bilanz der letzten sechs (!) Tage... Männe hat sich ja vor vielen Jahren auch erst nach monatelangem Tabellenführen als Nichtraucher geoutet *ggg* Also, logischerweise durfte Frida seit Sonnabend nicht an meine tablettenverseuchte Milchbar - und irgendwie schwebte die letzte Nuckelmahlzeit eh schon lange in der Luft. Theoretisch jedenfalls. Mama war genervt und unausgeschlafen, Kleinkind unausstehlich und kein Ende in Sicht, obwohl Frida ja nun wirklich schon ewig kein Säugling im eigentlichen Sinne mehr ist. 

Aber irgendwie brauchte sie es noch, vielleicht auch als Trost, weil Mami ja stundenlang im Büro herumhängt und abends saubermachen muss statt zu spielen. Orangmütter stillen auch 3.5 Jahre (und haben dementsprechend Hängetitten, hahaha). So richtig zufriedendstellend war das aber alles nicht, vor allem, da das Kleine ja auch nachts gern an das beste Restaurant der Welt wollte und dann weder Mami noch Kind oder beide abwechselnd nicht mehr einschlafen konnten und morgens entsprechend gelaunt waren. Auf die ganzen Brachialmethoden wollte ich aber auch nicht zurückgreifen, sondern wartete Tag für Tag, dass sie von allein darauf verzichten würde, wie es so oft von den attachment parenting Familien beobachtet wurde. Ha, ich schreibe im Imperfekt... 

Jedenfalls scheint es jetzt tatsächlich von ganz allein zu funktionieren und ganz ohne Geheule auf beiden Seiten. Frida wusste schon tagelang, dass Mamas maito eigentlich weh tut und dass wir da mal grosse Pflaster kaufen müssen. Eigentlich schon nach Brüssel. Aber da war es so schön, die Kleine wieder ganz nah bei sich zu haben. Letzte Woche hat sie uns sogar selbst daran erinnert, dass wir in die Apotheke wollten =) Aber wann das Gebrüll und die drei-vier schlaflosen Nächte durchziehen? Heute, morgen, übermorgen, nächste Woche, Weihnachten, nächstes Jahr?

Am Sonnabend kam mit dem Hexenschuss endlich auch ein ernster Grund dazu - mit den Hammermedikamenten kann man unmöglich stillen. Am Sonnabend hat sie eh bei der Oma geschlafen, am Sonntag mit Papa allein zuhause und es hat wie immer gut geklappt. So wie bei Laura ja auch. Daneben gelegt, Händchen gehalten und weg war sie. Was niemals funzte, wenn ich hier war. Am Montag dann tatsächlich Riesenpflaster auf die Brust. Frida wurde vom Papa wohl schon instruiert, jedenfalls fragte sie gleich nach der Tagesmami "Äiti, onko sun maito vielä kipeä"? *schluck*

Abends kam uns der Fakt zugute, dass ich eh schon schlummerte, als Papa und Frida ins Bett gingen. Tiita nur hingekuschelt, ein bisschen erzählt und... zzz zzZZ zzzzZZZZZ. Woooow, ein Wunder, dachte ich grinsend und verbrachte die restliche Nacht auf dem Sofa und in Facebook. Morgens um vier vorsichtig hingelegt und nix passiert. Kind früh entspannt aufgewacht. Tagsüber bekam sie einmal die Pflaster zu Gesicht, als ich meine Sachen wechselte und zog anerkennend die Luft durch die Lippen "oijoi joi". Und fragte alle paar Stunden, wie es meinem Rücken und der Milch ginge, gab sich aber mit einem "immer noch krank" zufrieden. Auch nicht mehr getrotzt als sonst auch, eher enspannter, weil sie ja gut geschlafen hatte =)

Die Tage danach verliefen genauso. Ab und zu nach meinem Zustand erkundigt, aber abends gar nicht daran gedacht, dass da früher noch etwas anderes war. Einfach mit Papa hingelegt, meist später als die Mama, und einfach eingeschnarcht. Wenn man nachts wach wurde, höchstens umgedreht oder unter Papis Decke geschlüpft und weitergerunkst. Einmal durfte sogar der Papa eher rausgehen, als Fridas Augen noch offen waren: "Schläfst Du auch, wenn Papa in die Stube geht? - Joo." Und von allein eingenickt. Klar, ich lag daneben, aber das ist ja auch nicht schlimm. Familienbett ohne Nuckelei ist mir sogar sehr lieb. Haben wir das jetzt geschafft? Achja, und die Orangutandinger... vielleicht muss ich mal in die Gym. Soll dem Rücken ja auch gut tun, hehe.

Samstag, 31. Oktober 2009

Komisch ist...

Wenn meiner einer vier Tage auf Businesstrip in Brüssel weilt und das liebe Kind derweil nachts mit Papa von 8 bis 5 durchschläft. Und beim Anziehen kein Trara macht, lieb aufs Töpfchen geht und überhaupt ein richtiger Sonnenschein ist. Häh. Bis ich wieder hier hereinschneie, dann geht das Gezeter erneut los. Heisst das, ich sollte mir doch eine eigene Wohnung suchen? Mama = doof? Familie gescheitert? Oder sind die beiden Sprachen und Kulturen doch zuviel für sie?