Gegen Einwanderung, gegen den Euro, gegen die EU, gegen korrupte Politik, gegen moderne Kunst und arbeitende Mütter, und vor allem gegen Zahlungen an Portugal, Griechenland und Co. Die Koalitionsverhandlungen sind in vollem Gange, das Konsensvolk wird wahrscheinlich eine breite Regierung mit allen bilden. Das Ausland geschockt, viele Finnen auch, die EU zittert. Wo ziehen wir als nächstes hin? Ich würde mich durchaus als linksliberal und intellektuell bezeichnen, ausserdem bin ich ein ziemlich realistischer Freund Europas, des Euro, von Erasmus, Multikulti und Homoehen, aber auch geldgieriger Banker und Vollblut-Wirtschaftswissenschaftler... und selbst Einwanderer. Was nun? Herra jestas. Die Kommentare in der deutschen Presse möchte ich morgen lesen, man schämt sich in Grund und Boden.
Interessant übrigens, dass die grüne Welle, die gerade in D herrscht, ganz und gar nicht in Finnland angekommen ist. Aber hier haben die Medien ja auch nur ganz unaufgeregt, japanese style und sachlich über Fukushima berichtet, während man ganz in Ruhe an Olkuluoto weiterbaut, völlig sicher und ohne jedes Risiko *hust*, aber auch ohne viele Alternativen. Ehrlich gesagt, bin ich zwar ein bisschen traurig, dass ich als Ausländer nicht wählen durfte, aber andererseits auch froh, keine Entscheidung zwischen
Das einzige Gute an diesem Tag ist, dass wir zum Wählen endlich mal in den Haukkämäki-Kindergarten gekommen sind und dass der von innen richtig nett aussieht, also wirklich eine Alternative zu Nuutti ist. Und natürlich war Frida heute wieder eine kleine Palmsonntags-Hexe (virvon varvon, tuoreeks terveeks, pizza sulle, karkki mulle...), wir haben den verkaterten Papa aus Himos abgeholt (Junggesellenabschied), die Sonne, die überschwemmten Felder und das erste Grün genossen und dann noch bei Mummo eine kleine Radtour mit den Kindern unternommen.
Aber jetzt das Fernsehprogramm, gruslig. Das einzige, was ich unterstreiche, ist, dass schwedisch als Zwangssprache in der Schule wirklich abgeschafft werden sollte. Einfach darum, weil die Kinder dann Zeit hätten, auch andere Sprachen zu lernen, spanisch und deutsch und russisch zum Beispiel statt des unbeliebten und relativ unnötigen schwedisch, was eh ausser den Finnenschweden keiner spricht oder sprechen will. Aber ansonsten... oder darf ich so etwas jetzt überhaupt noch schreiben? Naja, freuen wir uns trotzdem, dass zumindest zwei-drei Aussengeländer ins Parlament gekommen sind (nein, auch das hat am Ende nicht geklappt).
P.S. Ich wollte ganz still schlucken und schon mal gucken, wo man denn demnächst hinziehen könnte. Aber dann posteten meine Freunde auf Facebook, wie enttäuscht sie seien, wie entsetzt, welch ein schwarzer Tag für ein ansonsten freundliches und offenes Land - Links zu neuen FB-Seiten mit zigtausenden Fans innerhalb weniger Stunden, mit U2s "Sunday bloody Sunday" und Links zu Auswanderungsseiten, mit Wehrwölfen, traurigen Smilies, Ungläubigkeit und trotzigen Tsemppiä für die 80% Guten - und jetzt kann ich schon ein bisschen besser schlafen. Veränderung ja, aber nicht nach rechts.

























