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Samstag, 3. September 2011

Mustersonnabend...

Heute war so ein richtiger Familienmustersonnabend, richtig super. Frida ist gestern mit uns in ihrem Zimmer eingeschlafen, wir haben danach noch lange geredet, und nachts ist die kleine Maus - ohne zu weinen, einfach so - in unser Schlafzimmer getapst und hat weitergepennt. Morgens dann nach Monaten zum ersten Mal von alleine, und ohne zu trampeln und zu schreien, aufgewacht. Das war himmlisch. Zu dritt gefrühstückt. Dann wollte der Papa Autohäuser abklappern, so wie wir das ganz früher immer mal gemacht haben. Mein Auto ist wie gesagt 17 (!) und Männes 12 Jahre alt und natürlich läuft einem bei den bulligen, glänzenden neuen Gefährten das Wasser im Mund zusammen (wenn sie nicht dummerweise das Doppelte wie in Deutschland kosten würden...) 

Frida fand es auch ganz lustig, vor allem, weil es jetzt wieder viele rote Autos gibt (ihre Lieblingsfarbe, jetzt sogar noch vor rosa). Und weil die am Wochenende oft kostenlos Kaffee, Würstchen, Kekse und Eis spendieren. Früher haben wir so oft das Mittagessen erschnorrt, hahaha. Und heute ist Männe sogar fündig geworden - ein ganz schnieker Octavia Kombi mit Vierradantrieb, in hellbeige. Sechs Jahre alt und knapp 18.000 teuer. Wautsi. Wenn wir uns das bloss leisten könnten... aber seine Eltern haben durchaus neulich durchblicken lassen, dass bald ein neues Gefährt fällig wäre, die würden dann unsers kriegen und Männes Schwesters alten kleinen roten Feuerwehrfiesta verscherbeln. Oder so ähnlich. Meinen Henry gebe ich zumindest nicht weg, bevor er nicht total auseinanderfällt. Auch wenn da heute so leckere Yaris' standen, aijaijai. 

Nach dem vierten Autohaus wurde es Tiita langweilig, man machte mittelschweren Blödsinn und kasperte und bockte, aber dann ging es auch schon zur Palokkaer Bibliothek, wieder einen Schwung Bücher wegbringen und holen. Und Essen kaufen, wobei wir Tante Laura getroffen haben, was Frida total die Sprache verschlagen hat *g* Danach durften wir sogar ein Video, Schokis, Chips und Limo bei R-Kioski kostenlos holen, weil Frida im Toyoto-Autohaus aufgemalt hatte, wie das Auto ihrer Träume aussehen sollte und wir dafür einen Kupon bekommen hatten. Weil alles so friedlich verlaufen war, trauten wir uns danach sogar noch ins Stadtzentrum. Tiita und Mika im Sokos Café mit Pizza und Hotdogs abgefüttert, Mami hat Latte bekommen (Makkiiiaaato kennt hier keiner) und Schokokuchen genascht. 


Monatsbild gemacht, bei Sokkari Bilderhefter für den Kindergarten und Ballerinabarbie gekauft, Bücher angeguckt und Outdooranzüge getestet (die neuen Herbstkombis von Ciraf sehen sogar besser aus als die teuren Reimas) und eigentlich wollten wir dann noch langärmlige Pullis für Frida kaufen (Lindex hat was mit Rentieren drauf...), aber die Uhr war mal wieder schneller als wir - 18 Uhr und Buden zu rings um Kompassi, dafür die ersten partylustigen Jugendlichen unterwegs und eine riesige Bühne. Aber macht nichts, hauptsache wir hatten einen schönen Tag.

Wie sehr sich auch Jyväskyläs Stadtzentrum und die Läden verändert haben - ganz neues Forum, total umgebautes, helles und schickes Sokos, neuer Kauppalaispiha, Polarn O' Pyret und name it und H&M und viele mehr, von denen noch keine Spur war, als ich '99 hierher gezogen bin =) Escada-Parfüm war auch gut, und ich habe ne neue Tasche fürs Büro, so eine aus Stoff, wie Studenten sie haben, wo auch das Laptop reinpasst. Sogar beinahe bunten Semesterkalender gekauft, weil die viel schöner sind als die ollen, die es im Dezember gibt. Wie war das mit Infantilisierung der Erwachsenen, huppari und co? ;-)

Der Abend dann ganz traditionell finnisch, was wir mit Kind bisher total selten gemacht haben... erst Film geguckt, Disney's Tinkerbell (nein, ich habe am Schluss fast gar nicht geheult...) und dann Sonnabenabendsauna. Beziehungsweise Frida in der Babywanne, sie kann ja Sauna gar nicht leiden. Aber sie ist jetzt weitaus weniger hibbelig, es war richtig schön! Sogar draussen auf der Terrasse waren wir, und ich habe die Herbstlampen aufgehängt und Kerzen angezündet. Danach Brot und Weintrauben und auf dem Saunaofen geröstete Würstchenscheiben, sininen lenkki, und Uutisvuoto im Fernsehen. Wie eine richtige finnikliche Familie. Ist das schön. Ich sag es doch, es ist schon lange so: wenn es ganz schlimm ist, dann ist es kurz darauf ganz ganz dolle schön =)))


Mit letzter Kraft noch die grosse Matratze, die seit dem Sommer Fridas Zimmers Fussboden verstopft hat, in unser Schlafzimmer gebracht, ihre neue LED-Lichterkette ans Bett gebammelt, Miina und Manu im Zoo-CD gehört und eingeschlummert - und wieder haben Männe und ich Zeit für uns bzw. ich für meinen Blog, hehe. Spülmaschine und Trockner und TV an, Meeris knuspern und Augen jucken und Kind schnarcht. Sehr detailliert heute, aber solche Tage sind wirklich selten. Und genau so müsste es eigentlich jeden Sonnabend sein *häppi*

P.S. Frida war heute sogar in der Zeitung. Wir sind mit ihrem Pfützenrennbild beim Sommerfotowettbewerb der lokalen Presse dabei, als eins von zehn Finalisten. Das ist wirklich super, ich habe mich riesig gefreut.

Sonntag, 17. Juli 2011

Saturday night...

Sonnabend wieder in die Stadt, aber ganz anders. Wir hatten mehr schlecht als recht und bei furchtbaren Lärm draussen im Garten im Zelt geschlafen (Tiita brauchte drei Stunden, um einzuschlafen und danach lag ich bis morgens früh wach), dann haben wir zuhause gewühlt, waren einkaufen und draussen spielen und haben das Blumenbeet neben der neuen Terasse neu bepflanzt, inklusive Plantagen-Ausflug allein mit Männe.

Ich komme wirklich nicht besonders gut mit ihm klar, aber auch nicht mit meinen älteren Herrschaften...  und schon gar nicht mit beiden zusammen, aber das liegt wahrscheinlich daran, dass ich ein chronisch missmutiger und frustrierter Einzelgänger geworden bin und auch sonst von allem viel zu sehr gestresst bin, statt meine Ferien zu geniessen... *seufz* Oh, und beim Friseur war ich. Endlich wieder braune Haare, aber mir hellen und roten Streifen, also genau andersherum als vorher. Sieht gut aus, vor allem ist die ausgefranste und herausgewachsene eklig lockige Mähne endlich weg...

Abends ging es dann sehr schön und locker weiter. Eine Freundin von mir wollte ausgehen, Männe witterte auch gleich eine gute Gelegenheit und schon stand der Plan: Ab zu seinem Freund in die Sauna bzw. gleich in die Stadt oder beides kombiniert. Dass die Babysitter schlafen gingen, bevor das Baby im Bett lag, erschwerte die Situation etwas, aber das bewährte Muminbuch beförderte dann doch das Kindlein ins Land der Träume und die Mama ins Bad, um sich schick zu machen. Mit neuen Haaren *freu*

Männe hatten wir vorher schon zu seinem Freund gekutscht und ich folgte gegen Mitternacht mit dem Taxi. Dort gab es einen schimmernden See im Nachtlicht, nackige Kerle in der Sauna und schreiende Möwen, die schönste finnikliche Mitternachtsidylle. So ruhig und so cool. Ein paar Cider und eine Flasche russischer Vodka trugen auch zur allgemeinen Entspannung bei. Besonders freute ich mich über das frischgetaufte Baby von letzter Woche und seinen Papa, die auch für einige Zeit dazu gestossen waren. Und die im See kurvende Bisamratte *lach*

Später sind wir alle in die Stadt, wo auch meine Freundin auftauchte. Bricks, und dann automatisch London. Eigentlich wollten die Finns ja nur auf ein Bier in eine Bar und nicht in einen Nachtclub, aber das endet immer so *kicher* Die Kerle standen an der Bar und quatschten und ich habe meine obligatorischen Runden gedreht, um alte Bekannte aufzuspüren, was mit Ile und Vesa auch gut gelang *freu* Die Mucke dort ist aber wirklich schlimm.... als ob über Dreissigjährige wirlich nur Dr. Alban und ähnliches Gedöhns hören würden. Glücklicherweise ging bald das Licht wieder an und die Leute wurden gegen 4 Uhr auf die fast taghelle Strasse geschmissen. Immer dieses schlechte Gewissen =) Nichtsdestotrotz sind wir barfuss noch bis nach Lutakko gelatscht und haben den restlichen Morgen bis 7 Uhr oder so mit Mika und Teemu auf Marjas Balkon verbracht. Sehr schön.

Nur der Kater am folgenden Tag war nicht so toll. Und der am darauffolgenden auch nicht - in dem Alter kann man wirklich nur noch zwei-dreimal im Jahr ausgehen =) Sonntag und Montag (!) also mit Matschbirne und flauem Magen. Glücklicherweise gab es wieder Freiwillige für Frida, aber es ist insgesamt doch angenehmer, wenn sie bei solchen Unternehmnungen ganz bei der finnischen Mummofamilie schläft und wir sie abends bettfertig nur abzuholen brauchen... aber selber schuld, wenn man so saufen muss wie die Einheimischen, nicht wahr?

Freitag, 15. Juli 2011

Keskusta...

Am Freitag war Stadt-Tag. Zum Verdruss meines einkaufsscheuen Papas ging es mit dem Bus in die Stadt (eigentlich erst mit dem Auto zur Bushaltestelle, weil der Bus in den Schulferien einen weiten Bogen um unser Wohngebiet macht...) Shoppen und gucken und Monatsbild vom Kompassi machen. Frida kurvte mit ihrem Laufrad über die Einkaufsstrasse und hätte mehr als einmal beinahe ahnungslose Passanten umgeschubst.





Knallpinke H&M Ballerinaschuhe gab es für sie. Und Anfang der Woche hatte Opi schon einen neuen Herbsthaalari von Jonathan sowie neue Fleecesachen gesponsort. Dunkler ist es übrigens auch schon geworden. Frida liebt übrigens öffentliche Verkehrsmittel - ist das bei Euren neumodischen Sprösslingen auch so?

Donnerstag, 14. Juli 2011

Peukkula...

 
 
 
 
 
 
Donnerstag ging es dann draussen weiter: Peukkula Abenteuerpark hier in Jyväskylä, gleich neben Viherlandia und dem alten Biokraftwerk. Mit vielen Häuschen, Prinzessin, Pirat, Hexe und Peukkis-Fellmonster, mit Blumen, Hüpfburgen, Bühnen, Kletterstrecke und zig Spielanlagen in einem riesengrossen Park. Im Winter hatten wir ja dort nur drinnen gespielt, aber die Aussenanlage ist auch richtig schön.

Tiita wuselte stundenlang mit den anderen Kindern und den Animatoren herum, guckte Theater, hörte einem Konzert zu,bewunderte die Prinzessinenbude, erschrak sich vor dem Hexenhaus, pflückte Erdbeeren, bastelte und spielte, ass Eis und liess sich die Sonne auf den Pelz brennen. Wirklich schön. Uns fiel nur öfter der Rattenfänger von Hameln ein, so wie die Kinder diesen kostümierten Wesen folgten, sie umarmten und förmlich anbeteten =) Eigentlich blieb uns nur übrig, hinterherzustiefeln, auf der Wiese zu sitzen und Fotos zu machen, hehe.

Im übrigen war es weitaus einfacher, diese ganzen Unternehmnungen nur mit Omi und Opi zu machen - Männe war arbeiten - so brauchte ich weder zu übersetzen, noch seine ewig finstere Miene anzugucken noch sonstwie interkulturelle Differenzen und Zeitpläne auszugleichen. Meine eigenen inneren Kämpfe (dazu später) sind wahrlich schon anstrengend genug *lach* Aber draussen ist es immer wunderschön und es macht riesigen Spass, Tiita beim Toben, Tanzen und Spielen zuzusehen.
Die Finnen machen sowas auch immer mit viel Spass, Professionalität und Liebe zum Detail, auch wenn das ganze oft einen kleineren Rahmen hat als in Deutschland. Peukkula ist also wirklich einen Ferientag wert!

Mittwoch, 13. Juli 2011

Urlaub und Hoplop...

Die erste Urlaubswoche ist vorbei und ich komme kaum mit dem Bloggen hinterher =) Klar sind Omi und Opi da und kümmern sich um Frida, aber wir sind eben auch viel unterwegs, und irgendwie fällt es mir auch schwer, hier zu schreiben, wenn meine deutsche Familie da ist. So als ob einem jemand über die Schulter guckt *lach*, obwohl meine Eltern peinlicher- und netterweise eh schon ewig hier mitlesen. Aber so auf die Entfernung ist das doch anders.
Jedenfalls haben wir wieder total viel unternommen und die Tage rennen nur so. Urlaubsstress schlechthin. Am Montag war ich noch arbeiten. Am Dienstag überraschte Tiita uns mit ganz schlechter Laune und schlappem Körper - erst nachdem man eine Plasteschüssel mit dem gestrigen Essen beehrt hatte, war die Maus wieder halbwegs hergestellt. Mittwochs ging es dann los mit dem Ferienprogramm a la Kind: Hoplop Indoor Spielplatz, weil draussen das Wetter nicht so besonders war. Und wie die Kleine da toben konnte!

Am besten haben ihr diesmal die Tretautos gefallen. Sie war von dort überhaupt nicht mehr wegzubekommen, raste und legte sich in die Kurven wie Mika Häkkinen & Co. Super! Ganz der Papa *lach* Obwohl ich früher auch Liliput gefahren bin! Die restlichen Tage dann einzeln mit Bildern...

Mittwoch, 4. Mai 2011

Päijänne...

Unsere liebe Austauschstudentin fliegt nächste Woche schon wieder nach Hause. Gar nicht auszudenken, wie ich mich damals gefühlt habe - und schade, dass sie den finnischen Sommer so gar nicht sehen wird. Aber zur Feier des Tages hat die Fachhochschule sich für die friend families und ihre Studenten noch ein Schmankerl einfallen lassen... eine Rundfahrt mit der Rhea auf dem Päijänne-See. Das ist wirklich toll, und für Privatpersonen auch gar nicht billig. Aber ich hatte ja schon 1999 gestaunt, als alle neuen Studis mit original JAMK-Mappe, Kuli, Flaschenöffner (ganz wichtig!), Pins und survival package begrüsst worden, von der Ausstattung der Computerkabinette ganz zu schweigen =)


Ich litt zwar arg unter meinem Husten und abklingendem Fieber, aber allein wollte Männe auch nicht los, ich hatte tagsüber geschlafen, und zum Glück spielte auch das Wetter mit: Sonnenschein satt und eine sanfte Brise. Was haben wir auch für eine schöne Stadt, wie hübsch sind die roten Häuschen am Seenufer und das knallblaue Wasser, und wie toll ist so eine internationale Bande, die noch fröhlich und frei die Welt kennenlernen kann. Spannend fand ich es übrigens auch, dass viele Familien mit aus dem Ausland adoptierten Kindern dabei waren und einen Student aus genau diesen Ländern bzw. zumindest Kontinenten genommen hatten.


Und gut fand ich auch, dass diese Familien je zwei oder sogar drei Kids adoptiert hatten. So ganz einsam unter Finnen ist ja doch gewöhnungsbedürftig *lach* Vor allem seit dem dämlichen Wahlergebnis. Nicht nur mir geht es jetzt so, dass wir inzwischen ungern "draussen" unsere eigene Sprache benutzen bzw. noch schlimmer, gebrochen finniklich sprechen. Jugendliche, denen man ihre Herkunft ansieht, sind offensichtlich noch schlimmer dran. Weil es seit Herr Hakkarainen und Co. gesellschaftsfähig geworden ist, ein finnischeres Finnland haben zu wollen. Aber es waren ja nur 19%... und das war jetzt auch gar nicht das Thema, sondern wir hatten eine wunderschöne Cruise.

Sonntag, 6. März 2011

Der schönste Platz...




Der schönste Platz in Jyväskylä zumindest im März (6.3.) ist das kleine Kotacafé im Hafen. Hach, wie schön man dort auf Rentierfellen sitzen und heissen Kaffee schlürfen kann. Und Würstchen und Pulla geniessen. Was noch besser schmeckt, wenn man vorher auf dem See eine Runde Ski oder Schlittschuh gelaufen ist (da kommen wir auch noch hin). Mindestens seit 2008 sind wir jedes Jahr dort und tragen uns im Gästebuch ein. Was haben wir dieses Jahr gelacht, als wir glatt 4x Frida darin gefunden haben =) Übrigens ist das genau neben meiner Zwölf 2011-Stelle. Vielleicht hätte ich doch andersherum fotografieren sollen?

Samstag, 17. Juli 2010

Ausgehen...

Hah, so ein cooler Tag. Nach dem Baden ist mir eingefallen, dass die nicht mittaggeschlafene Frida eigentlich so müde sein müsste, dass sie abends ganz schnell einschnarcht und wir vielleicht etwas für uns und für unsere Beziehung tun können. Ausgehen, die Jyväskyläer Bars besuchen und unsere Freunde treffen, so wie wir das jahrelang jeden Sonnabend durchgezogen haben *vorfreudehupf*. Seitdem wir zusammen sind, aber nur extrem selten, und mit Familie so gut wir gar nicht. Wo meine Eltern schon mal hier sind und Frida inzwischen so richtig an ihnen hängt, klappt das bestimmt. Gesagt, getan.

Allerdings war Tiita weder um 22 noch um 23 Uhr bereit, ins Bettchen zu gehen. Man hampelte und zappelte und spielte und fuhr Rad, weinte abwechselnd und war dann doch wieder munter und überhaupt total überdreht wie (fast) immer. Männe war bei seinem besten Freund in der Strandsauna, und Mami, Omi und Opi überboten sich wieder mit guten Ratschlägen und totsicheren Methoden, das Kind gewaschen, Zähne geputzt und ins Bett zu bekommen (am allerbesten klappt das übrigens, wenn ich mit ihr ganz allein zuhause bin). Nix da. Weder im Zelt noch im Bett noch sonst irgendwo, Tiita war wie aufgezogen. Als sie mitbekam, dass ich noch losgehen will, natürlich noch mehr.

Schliesslich schlief Omi im Zelt und Opi auf der Couch und ich stand - um die Zeit, wo ich Männe hätte abholen sollen - immer noch mit Schlabberklamotten hilflos im Wohnzimmer vor einer lustig auf dem Fussboden herumrollenden Zuckermaus. Och Manno... unsere Weichspülererziehung ist echt total für die Katz. Also zuhause bleiben und wieder einmal in das Mamaschicksal fügen. Ist ja meine süsse Kleine.

In dem Moment öffnete Opi die Augen und sagte "Geh los, ich bringe Frida ins Bett". Die Rettung. Nicht, dass mir Bars und Freunde wichtiger sind als mein Kind. Aber wenigstens einmal nach den vielen Jahren, oder vielleicht alle paar Monate mal. Vor allem, weil ich sonst kaum Leute sehe und es auch mit Männe ständig krieselt, äähm genauer gesagt, kracht.

Ich also angezogen, geschminkt, Haare in Ordnung gebracht und dann mit dem eigenen Auto los. Frida sagte "Immer bist Du weg" und weinte am Ende sogar bitterlich, aber manchmal müssen wir wirklich an uns selbst denken. Wenn sie schon geschlafen hätte, wäre die Situation anders gewesen... Rabenmutter!!!! Als ich das Autofenster herunterkurbelte, war aber alles schon still. Und später, um 1:18 Uhr, kam eine SMS, dass die Kleine endlich schnarcht...

Nach langer Zeit wieder einmal mit den Jungs unterwegs. Männe musste dummerweise noch einmal zu uns und die Schuhe aus der Wohnung holen, weil man mit ausgelatschten Turnschuhen angeblich nicht in Nachtclubs kommt. Frida sagte nur gut gelaunt "Zieh an, zieh die Schuhe an" und "Hei hei, Papa!" Dann mit dem Taxi in die Stadt, die wie immer voller feiernder Jugendlicher und möchte-gern Youngsters war. Mehr oder weniger angeschickert oder sturzbetrunken so gegen 1 Uhr nachts im Sommer, bei immer noch sensationellen 20 Grad und in einer wilden, nordischen Studentenstadt.

Zuerst Brick's, ein befreundetes Paar kam noch dazu und wir redeten bei Weizenbier und Kilkenny's über die letzten Jahre und Monate. Komisch, sich nur noch so selten zu sehen, vielleicht ein, zwei mal im Jahr? Glücklicherweise klappen Gespräche immer noch sehr gut, kein Gestotter wie bei manchen anderen Bekannten, wo sich einfach kein Faden finden lassen will. Danach sind wir zu London. Das wurde vor einigen Jahren als Ü-30 Club eröffnet und ich wollte da immer mal hin - jetzt ist es laut Expertenmeinung schon fast zu langweilig für die Stammgäste, haha. Überhaupt grotesk, in so eine "Alte-Leute-Disco" zu gehen, aber die Leute drinnen sahen alle ganz normal aus. Genauso alt oder jung wie wir. Haha, wenn man selber vor Falten strotzt... *ggg*

Susannita spazierte mit strahlenden Augen durch die verschiedenen Räume, hörte Musik und wippte mit den Füssen, guckte sich die Leute an und freute sich, immer wieder alte Bekannte zu treffen. Die Mom meiner alten friend family und Eddie aus der Clique einer Freundin von vor 10 Jahren und deren Ex und ein paar Typen, die früher schon in Nightlife zirklierten und einer, der mir mal ein Frühstück bei Shell spendiert hatte und schliesslich Männes Cousine, die uns noch zu einer Folgeparty mitnehmen wollte und und und... Cool. Witzig war auch die Mucke vom Anfang der 90er und 2000er, Ecuador und Dr. Alban und so ein schräges Zeug, hahaha. Männe tanzte sogar mit mir *grins* Wie in einer Zeitmaschine...

Schliesslich kam viel zu früh das Lichtzeichen für den letzten Drink und dann knipsten die ganz das Lampen an. Mein erster Gedanke war "Super, jetzt kann ich die Leute richtig sehen und gucken, ob ich noch wen kenne". Hah, wie albern ist das denn?! Früher mit halbgeschlossenen Augen entsetzt in die Lampen geblinzelt und Typ für die Nacht gesucht und überlegt, wie schlimm der Kater am nächsten Tag wohl werden würde - und jetzt das! Langweilig und zugleich schön. Eddie war übrigens auch verheiratet und hatte eine kleine Tochter... irgendwie, als ob uns alle jemand unmerklich 10 Jahre weiterkatapultiert hätte.

Um 4 Uhr morgens auf die reichlich bevölkerte Kauppakatu und ein bisschen spazieren gegangen. Leute angeguckt, bei der Hotdog-Schlange angestellt, dann doch weiter zur Pizzeria Casa Bella, wo es grottenschlechte Nachtnahrung für die Finnen gibt, die um die Uhrzeit eh keine Ahnung von Geschmack oder Geld mehr haben. Pizza und Kebab gegessen, mit den Jungs gealbert und die aufgehende Sonne über dem Marktplatz beobachtet, Möwen kreischen gehört und schliesslich zum Taxi und glücklich nach Hause. Ein Bier, ein Belorussian und ein Baileys sind wirklich nicht viel.

Tiita schlief selig mit Omi im Zelt. Opi hatte kein Auge zubekommen, bevor seine kleine Ü-30 Tochter nach Hause gekommen war. Männe schnarchte sofort ein. Und Suse fiel selig ins Bett und dachte über ihr lotteriges Vorleben und ihre kleine liebe Familie nach. Schön. Und schön, dass wir die Bars ab und zu richtig geniessen können und da nicht jede Woche hinmüssen so wie früher als unstete Singles. Oder kommt das noch einmal wieder? Alles ist ja immer nur eine Phase...

Samstag, 19. Juni 2010

Kuokkala...

Oho, sogar nach fast 10 Jahren Jykälä entdeckt man hier ganz neue Stellen! Ich war ja heute total begeistert. Eine Freundin hatte in Facebook geschrieben, dass sie mit ihren Kids in einem kleinen Haustierpark war und das zu Fuss. Also irgendwo im Stadtgebiet und nicht weit von Tikka entfernt, weil die kleine Pinja (deren Bauch vor langer Zeit mit Fridas Bauch schwimmen war) mit dem Rad gefahren war *sofortsehrinteressiertsei*.

Genaueres Nachfragen ergab, dass es sich um einen kleinen Park auf dem Gelände von Survon Kartano handelt und dass das ganze vom 4H-Club betreut wird. Aha, jetzt ging mir ein Licht auf - das gab es nämlich schon als Frida noch ganz klein war, oder noch eher, sogar mit Meerschweinchen, aber die haben wohl mehrere Jahre pausiert. Und jetzt ist es wieder da und eine super Anlaufstelle für unterbeschäftigte Mamis und Kinder *lach*

Wir also heute mit Kind und Kegel da hin. Mitten in Kuokkala, einem relativ modernen und dicht bebautem Wohngebiet gleich hinter der grossen Brücke über den Jyväsjärvi. Innerhalb weniger Meter war man - staun - von Betonfassaden in einer idyllischen Dorflandschaft gelandet. Schafe und Schweinchen und Hühner und Kaninchen und viel Gras und viele Holzhäuser.

Und ein toller Golden Retriever und ein finnischer Spitz auf Besuch. Klar war es nur sehr klein und aufgrund der mittäglichen Zeit nur sehr wenig Betrieb, aber ich war superfroh, wieder einmal ein neues Ausflugsziel gefunden zu haben. Sogar mit Bänken für Picknick. Und tollen alten Häusern.

Und als ich meine lauffaule Family weiterlockte, fanden wir noch mehr Perlen... eine riesige Freifläche, wo ich nie eine vermutet hätte, mit Obststreuwiesen mit grünen und roten Apfelbäumen und windzerzausten Rasenflächen, mit Gartenparzellen mit komischen weissen Frostplanen und lustigen Zäunchen und noch mehr Schafen, bis zum Ufer hin. Wo auch eine Trimmpfad für Fahrräder und Skates lang geht.

Da war ich wirklich noch nie gewesen, ich dachte immer, dass die Hochhäuser von Suuruspää gleich an die zweistöckigen Reihenhäuser vom Kuokkalastrand reichen. Aber nein, dazwischen ist noch ein riesiger Grünstreifen. Sehr gut. Da hätte man also auch einmal mit Nelson langmarschieren können. Sogar ein Spielplatz blinkte zwischen den Gräsern durch und interessante verschleierte Frauen hackten in der Erde herum.

Und vielleicht ist Kuokkala also doch nicht so eine Betongegend. Wobei die Wohnungen dort schick sind, sogar ziemlich teuer, aber eben für meinen Geschmack zu eng gebaut und zu nah am Zentrum - man muss immer über diese ewig zugige Brücke rennen, weil es sich für den Bus nicht lohnt *lach*

Aber jetzt mit so weiten Landschaften wie bei uns zuhause in Saxony-Anhalt... mmmh. Not too bad. War übrigens auch mal schön, sein Geld in einem anderen Supermarkt loszuwerden, hehe.

Und wieder einmal ist es so, dass man im Sommer von morgens bis abends Fotos knipst. Ich kann mich an all dem Grün gar nicht satt sehen. Und es ist wie Urlaub, jetzt wo aller Bürostress hinter einem liegt, jippijeee.... Kesä!!! Die lieben Iren kamen uns übrigens auch entgegen und es war wie aus einer anderen Welt =) Ick hab jetzt Urlaub.

Freitag, 17. April 2009

Siegesfeier...

Am Freitag war hier Himmel und Hölle los. JYP hatte doch die finnische Eishockeyliga gewonnen und das musste ordentlich gefeiert werden. Laut Polizeiangaben verstopften sage und schreibe 10.000 Männeken das Stadtzentrum. Darunter Susku und Mika, die das liebe Fridakind glücklicherweise bei der Oma unterbringen konnten.

Jiiihaaa, war das schön. Sogar mit Lokalmatador Matti Nykänen. Ich darf ja keinem erzählen, dass ich ein ganz klein bisschen wegen dem ausgerechnet nach Jyväskylä studieren gekommen bin. In den 80ern glänzte er ja noch mit super Skisprungkünsten statt Saufgelagen, war zierlich und knuddelig und so richtig rotzfrech =)

Inzwischen ist er eher die Witzfigur sämtlicher Abendblätter, aber wenn man ganz ehrlich sein soll, gilt er immer noch als Held unserer Stadt. Niemals nicht wieder wird einer so gut springen können, hört man immer wieder, zumindest nach ein paar Bier. Die Eishockeyjungs waren natürlich auch auf der Bühne, einer sogar als Uuno Turhapuro verkleidet. Und natürlich hatte der Torwart, Sinuhe Wallinheimo, ne eigene Band. Noch einer direkt vom Sportplatz ans Mikro sozusagen =)

Wir haben toll gefeiert (okay ich schreibe jetzt nicht schon wieder, wie ruhig die Finns bei sowas sind...) und waren sogar kurz auf einer Anwärmparty bei Mikas Freund. Paaartyyy... wie lange habe ich schon nicht bei Cider und Bier in so ner stinknormalen finnischen Küche mit lauter mehr oder weniger fremden Typen herumgehangen *hachja*

Am besten war übrigens das Feuerwerk... natürlich sah man bei hellblauem Himmel um 21 Uhr so gut wie gar nix, ausserdem kamen zumindest die resten Raketen kaum über das Gebäude von Kolmikulma hinaus. Da müssen die noch ein bisschen üben!

Gegen 22 Uhr musste dann Frida abgeholt werden, danach der schwankende Männe und dann fielen wir alle zusammen durchgefroren, aber glücklich ins Bett. Drei Stunden bei Frost und eisigkaltem Wind ohne Vodka draussen herumgestanden *bibbb biibb bibb* Da mussten gleich Sauna (mit Klamotten!) und ein Finreksi her. Aber es hat sich gelohnt. Wir müssen mal wieder so richtig ausgehen...

P.S. Männe hat noch befohlen aufzuschreiben, dass es der erste Sieg war. Und dass sie darauf 25 Jahre warten mussten (Matti nach eigenen Angaben ganze 46 Jahre). Und dass sie jetzt alle bis Juhannus feiern werden. Ojaaaa, da verdient der finnische Steuerbär wieder an der Flüssigkeitszulage in mittelfinnischen Breiten...

Donnerstag, 7. August 2008

Markt...

Eigentlich haben alle finnischen Städte einen Markt. Nur der Jyväskyläer hat in den letzten Jahren ein trauriges Schattenleben geführt - abseits der Haupteinkaufsstrasse und etwas bergauf gelegen, mit einem ollen Busbahnhof aus den 70ern im Hintergrund, sonstigen Müllgebäuden, lauten staubigen Strassen und einer fast verwaisten Markthalle umgeben, war dort einfach überhaupt nichts mehr los. Noch schlimmer kam es, als der Busbahnhof abgerissen und durch eine riesige Baustelle ersetzt wurde. Wobei ich Fotos von 1999 habe, als noch Stände auf dem Markt standen. Aber das ist lange her.

Im gleichen Jahr, im August, habe ich nämlich das Marktleben in Helsinki liebengelernt. Ganz am Hafen gelegen, gibt es da frische Fische, saftige Erdbeeren, knackige Erbsen, frisch geflücktes Gemüse, ulkige Souvenirs, blau-weisse Fahnen und Buden mit Pyttipannu, Pulla, Muikkus und sonstigen finnischen Spezialitäten. Schiffe und Möwen, Touristen und Finnen. Stundenlang bin ich da immer rumgelaufen, habe geguckt, gekauft und das Geschehen beobachtet. In Jyväskylä gab es sowas nicht (mehr). Sogar der ganz neu erfundene Weihnachtsmarkt fand an einem hässlichen, zugigen Ende der Kauppakatu statt und nicht auf dem Marktplatz, wo er ja dem Namen nach schon hingehört. Was habe ich immer geredet und geredet, wie man das anfangen müsste...

Heute allerdings habe ich etwas ganz Verblüffendes entdeckt. Männe war kurz auf Arbeit und hat mich aufgrund einer roten Ampel schon an der Ecke von Väinönkatu und Yliopistonkatu ausgesetzt. Und was war das denn? Stände und Musik auf dem Marktplatz? Häääh? Ungläubig bin ich die Treppen hoch und da war tatsächlich das, was ich jahrelang vermisst hatte. Buden mit Kaffee, Kuchen und Fleischpasteten, bunte Blumen, Erdbeeren, Blumenkohl, Möhren, Erbsen, Honig, Flechtwaren und sonstigen Sommerprodukten. Und ein Opi sass auf dem Brunnenrand und spielte traurige finnische Weisen auf dem Akkordeon, während sich andere Omis und Opis sowie Familien mit Kindern ihren Kaffee schmecken liessen und mit dem Handy in der Weltgeschichte herumtelefonierten. Cooool! Eine Fata Morgana, hahaha.

Tatsächlich hatte der Platz schon Anfang des Jahres gemütlichere Züge angenommen, als eine hohe Hausfassade an der Nordseite errichtet wurde und damit die Fläche ungefähr um die Hälfte verkleinerte. Dann schien heute die Sonne, es war warm und Urlaubszeit. Und vielleicht hat es sich langsam herumgesprochen, dass der Markt zu neuem Leben erwacht ist. Touristen, aber auch viele Einheimische. Und alle freuten sich sicherlich, dass auch wir im Korndorf wieder einen Markt haben. Mit fast italienischem Flair. Jedenfalls möchte ich nicht wissen, was die neuen Wohnungen kosten, die da ihren Balkon in Richtung Marktplatz haben. Und deren Preis ist heute sicherlich noch um ein paar Euronen geklettert =) Nur für Balkonkästen mit Blumen reicht es offensichtlich nicht mehr *läster* Jetzt hoffe ich nur, dass mit dem Markt auch die Markthalle wieder erwacht. So eine hat nämlich auch jede finnische Stadt - nur unsere steht verwaist und traurig herum. Oh, und interessant war überhaupt, dass einige der Marktverkäuferinnen offensichtlich aus Thai- oder anderen asiatischen Ländern stammten. Globalisierung...

Freitag, 4. Juli 2008

Sommerabend...

Komisch, obwohl ich viel über Nelson nachdenken muss, bin ich doch zur Zeit richtig glücklich. Jedenfalls entweder himmelhoch jauchzend oder zu Tode betrübt - mir fällt nämlich gerade ein, dass ich mich auch mehr als notwenig mit Männe in der Wolle habe. Das Abwechseln beim Babyhüten bringt nämlich doch ziemlich viel Stress - jeder versucht, seine knappe Freizeit bzw. sogar die Arbeitsstunden um jeden Preis zu verlängern *ggg* was dann aber am anderen Ende wieder nicht hinkommt.

Aber ansonsten bin ich richtig froh. Heute habe ich schon um 12 Uhr das Büro (wo sich auch langsam Licht am Horizont meines überquellenden Schreibtisches zeigt) verlassen, weil Mika dringend einige Kunden besuchen musste. In der Stadt waren dann Himmel und Menschen. Kein Wunder bei weit über 20 Grad und ganz sanftem, erfrischendem Wind. Also habe ich spontan beschlossen, mit der müden Frida eine Buggyrunde zu drehen. Was ja in der Stadt dank Brüllbaby mehr als selten vorkommt. Aber diesmal war Frida ganz lieb! Zumindest solange man um die Geschäfte einen weiten Bogen machte. Nur ganz kurz war ich in Kapp Ahl, habe eine andere Mama gegrüsst, die ich vom Sport kannte (die erinnerte sich natürlich nicht an mich... Finnen!), dann einen neuen Buchladen durchstöbert (und Frida nur dadurch beruhigt, dass ich ihr das ungefähr 10. Tierbuch gekauft habe), die neue Filiale von Juniorit begutachtet (schön gross, aber zu weit vom Schuss) und dann wieder zurück zum Auto - Parkzeit abgelaufen. Und Frida schnarchte.

Also habe ich den guten Automaten nochmal gefüttert (gut, dass neuerdings immer Münzen in den unaufgeräumten Hosentaschen stecken) und bin mit pennender Frida weitergetrabt. Und zwar zum Hafen. Der ist richtig schön, obwohl er gar nicht offiziell als Jyväskyläer Sehenswürdigkeit gilt und ziemlich klein ist. Aber dort gibt es schmucke alte Dampfschiffe und funkelnde kleine Yachten zu besichtigen. Der See funkelt und plätschert lustig vor sich hin. Ausserdem sind meist Enten da und am Kiosk gibt es leckeres Eis. Jedenfalls für Leute, die ihr Geld noch nicht am Parkautomaten verbraten haben. Also habe ich nur ein Wasser gekauft und bin langsam mit dem Mäuschen zurückgeschlendert. Sehr schön, so ein Spaziergang. Auch wenn man hinterher total verbrannt und verschwitzt ist.

Zuhause haben Frida und ich gegessen und dann ging es gleich weiter - Männe war bei einer Kundin auf dem Mökki eingeladen und wir durften mit. Überraschenderweise mussten wir mit zwei Autos dahin, das heisst, ich habe unsere Familienkutsche gesteuert. Aber da muss ich mich eh dran gewöhnen - schliesslich kann man Fridas grossen Sitz nicht mehr einfach so von einem Auto ins andere schleusen. Puuuh, fast 60 km über staubige Waldstrassen, bis endlich die Hütte vor uns auftauchte. Per Luftlinie ist es gar nicht so weit, aber in der Praxis muss man zig von uralten Gletschern in die Länge geschliffene Seen umfahren, wenn man von hier aus nach Nordosten will. Auf dem Mökki hat Frida alles durcheinandergebracht, wir haben uns bewirten lassen und zahme Eichhörnchen mit Erdnüssen gefüttert. Das eine sass fast auf Mikas Hand, hahaha. Sehr schön. Wo man doch als Städter sonst kaum Gelegenheit hat, mal einen Abend in einem Haus an einem See zu verbringen.

Aber was rede ich da - abends waren wir schon wieder ganz woanders. Bei Männes Eltern in Kuohu, wo die gesamte schwedische Verwandtschaft eingetrudelt war. Samt neuen Baby von Männes Cousin. Und das war dann der alles entscheidende Moment: Frida ist nicht mehr die kleinste! Das noch namenslose Wesen war genauso gross wie unsere damals, als genau die gleichen Leute zu Fridas Taufe hier waren. Boaaaaaah. Wie die Zeit mal wieder rennt. Jetzt sass Frida schon staunend und ohne festgehalten zu werden, auf der Couch daneben und hörte sich das Gebrüll an, was die kleine Puppe in rosa da von sich gab. Und die Mama des Babys bestätigte, wovor ich sie gewarnt hatte: Frida wird jetzt für Dich ein Riese sein. Genau so wie es mir vor einem Jahr mit der Tochter von Männes Schwester gegangen war. Hahahaha. Und alles Girls!!!

Aber über eines bin ich froh: ich finde immer noch, dass meine Tochter die Allerniedlichste ist. Hatte ich doch ein bisschen befürchtet, mein grosses Mäuschen nicht mehr sooo knuffig zu finden, sobald das neue Zwergi da ist. Dass ich mir meine Zwergenfrida zurückwünschen würde. So wie ich vor einem Jahr alle Kinder, die nur wenige Wochen älter als Frida waren, komisch dick, gross und ganz fremd fand und nur meine zarte süsse Prinzessin liebte. Aber das ist nicht so. Das kleine Baby ist zwar niedlich, aber es kann ja noch gar nichts. Nicht niedlich lachen, lustig "koira koira" sagen und die allerbesten Grimassen ziehen. Weint viel zu viel, wedelt unkoordiniert mit den Armen, kann nicht laufen und hat noch gar keine Haare. Hat die Natur schon richtig eingerichtet, dass man immer genau die Kiddies mag, die zu einem gehören *lach*

Zum Vergleich nochmal das Foto von vor einem Jahr, hahaha. Auf unserem Ferienhaus im Juli aufgenommen, die beiden Mädchen, die da oben auf dem Bild rechts sitzen. Unglaublich. Wenn das so weitergeht, hat Frida Amanda bald überholt =)

Sonntag, 4. November 2007

Jyväsdingenskirchen...

Aaalso, da schreibe ich schon seit einem halben Jahr Blog und habe noch kein einziges Mal unsere schöne Stadt erwähnt. Jyväskylä, mit ungefähr 85.000 Einwohnern die 9. grösste Stadt im ganzen Land. Mit j wie Jürgen, v wie Walther, ä fast wie a, mit kurzen Vokalen und jeweils vorn auf den y's betont. Und wenn endlich der Landkreis Jyväskylä, der paradoxerweise sämtliche Behörden, Kirchen und Friedhöfe in der Stadt Jyväskylä hat und eh schon total urbanisiert ist, endlich mit derselben zusammengeht, was für 2009 geplant ist, sind wir eine richtige Grosstadt. Naja, Wolkenkratzer oder zumindest Hochhäuser gibt es jetzt schon genügend. Besonders städtisch sieht das ganze in Lutakko, rund um den neuen Bahnhof und am Matilanniemi (meinem Lieblingsplatz!) aus. Ausserdem haben wir eins der schönsten Stadtzentren Finnlands, wenn man mal historische Zentren wie in Rauma und Porvoo ausser Acht lässt. Eine schöne Fussgängerzone, mit Lampen, die ganz langsam die Farbe wechseln, eine süsse kleine rote Kirche mitten in einem Park, dahinter der Hügel Harju mit dem Uhrenturm, unzählige Bars und viele Passagen und Geschäfte, um sein sauer verdientes Geld loszuwerden.

Genau das habe ich heute auch gemacht. Angesteckt von meiner sich gerade in Frankreich amüsierenden Freundin, musste ich mir neue Mascara und neuen Puder kaufen. Wurde auch mal Zeit nach knapp einem Jahr, wo ich nur Babyzeugs im Kopf und somit aus Lagerbeständen gelebt hatte. An der Kasse fiel ich fast um: 26 Euro. Hat das Zeug schon immer soviel gekostet? Ich rege mich ständig auf, dass das Babyzubehör so teuer ist (aktuell: Wärmesack 99 e, Decke 49 e, Kinderwagenschild 25 e), aber alles andere steht dem offensichtlich in gar nichts nach. Mmmh.Naja, wo wir dann schon einmal beim Verschleudern der finanziellen Reserven waren, konnte ich auch gleich noch einen warmen flauschigen Schlafanzug und eine blau-grün gestreifte Strumpfhose für Klein-Frida mitnehmen. Das Kind soll ja nicht frieren.


Ungeplanterweise knurrte uns beiden dann der Magen - also zu Subway. Normalerweise schmecken Paninis besser, aber unsere Stammbude hat noch keine Weihnachtsöffnungzeiten am Sonntag. Dann noch frische Lakritze-Donuts von Arnold's geholt und der Tag war gerettet. Hach, wie selten solche Shoppinganfälle neuerdings sind! Früher, als ich noch allein gewohnt habe, bin ich jeden Sonnabend nachmittag stundenlang shoppen gewesen, habe dann gründlich aufgeräumt (mit aufwischen!!!), mir die Birne vollgekippt und dann die Bars unsicher gemacht *lach* Komisch, im Nachhinein ist es schwer zu sagen, wann solche liebgewordenen Routinen eigentlich verloren gegangen sind.

Gleich danach sind wir wieder zu Mikas Eltern gefahren, haben das Pony in Nachbars Garten bewundert, frischen Karjalan paisti probiert, nach einem Mökki für Ostern geguckt und sonst alle vier gerade sein lassen. Und Frida hat in meinem Auto wieder nicht geweint! Im Gegenteil. Eingepennt ist sie und jetzt schläft sie seit 19 Uhr tief und fest. Mit Tagesklamotten an. Willkommen im Rabenelternclub =)

Sonntag, 5. August 2007

Als Rallywitwe...

Wir haben hier in Jyväskylä gerade den Höhepunkt des Jahres, Ostern und Weihnachten zusammen: die Neste Oil Rally hat wieder einmal ihre Zelte in Mittelfinnland aufgeschlagen und bringt unsere kleine grosse Stadt zum Toben. Das legendäre Sportereignis war früher als "1000 Seen Rally" bekannt und findet seit 1951 jedes Jahr statt, mit inzwischen ungefähr 100.000 Zuschauern. Man kann sich vorstellen, was dann hier los ist. Zigtausende Leute trampeln im Wald herum, um fliegende und wie wahnsinnig rasende Autos zu sehen, sie verstopfen die Strassen und Bars, torkeln nachts auf der Kauppakatu herum, die üblichen Schlangen vor den Kneipen und Discos werden noch länger als sonst schon, der Bierumsatz steigt um das zigfache und fast jeder Einwohner hat seine Bude mit zusätzlichen Gästen belagert. Genial!!!

Wir freuen uns jedesmal schon monatelang auf die Rally. Mika war wohl als dreiwöchiges Baby schon auf einer Special Stage (EK) und dementsprechend hat er auch einen kleinen Knacks bekommen *ggg* Über nichts anderes kann man sich mit ihm so gut unterhalten wie über Henri Toivonen, Marcus Grönholm, Colin McRae, Carlos Sainz und all die anderen mutigen und ein bisschen verrückten Rallystars, über Strecken, Aufschriebe und und und... Am meisten wurmt es mich übrigens immer noch, dass er schon vor fünf Jahren mit einem selbstgemachten Mikko Hirvonen Shirt herumgelaufen ist und gesagt hat, dass aus seinem zarten Kumpel einmal ein klasse Fahrer wird. Wir haben damals so gelacht, aber er hat Recht behalten...

Mika ist natürlich auch der beste Rallyguide der Welt. Jedes Jahr fahren wir mit 10-20 Leuten an die Strecken, sitzen biertrinkend im Gras, gucken den Autos zu und machen nachts die Bars unsicher, um am nächsten Morgen um 5 wieder zu den Strecken aufzubrechen. Total erschöpfend, aber sehr cool. Natürlich habe ich Mika auch an einer Rallystrecke kennengelernt. Valkola 2001, mit klirrenden Steinchen in den Bierdosen. Und dieses Jahr kann ich nicht mit! Natürlich liebe ich meine kleine Frida über alles, aber diesmal tut es schon sehr weh, zuhause zu sitzen und alles nur vom TV aus zu verfolgen. Hachja. Aber die Vernunft siegt: es wäre viel zu laut und anstrengend für die kleine Maus - und die 12 Monate bis zur nächsten Rally vergehen bestimmt wie im Fluge.

Donnerstag Abend war Killeri EK, was ich noch gut zuhause ausgehalten habe. Man konnte eh alles besser im Fernsehen verfolgen *galgenhumoran* Am Freitag früh um 5 habe ich die Bande vor unserer Haustür verabschiedet, mir dann die Decke auf den Kopf fallen lassen, Frida auf dem Schoss bespasst und den Nachmittag verpennt, bis Männe verstaubt, angeschickert und glücklich um 21 Uhr wieder hier war. Gestern dann morgens das gleiche: tschüssi für die müden Krieger (ich war die einzige, die dank Mamahormonen richtig wach war, hahaha), dann geschlafen und Rallyradio und TV verfolgt, bis ich zu Mikas Tante fahren konnte, wo Jani, von und zu Cousin und zurückgewanderter Finnenschwede, sich mit seiner finnischen Freundin verlobt hat. Auf die Knie ist er zwar nicht gefallen, aber so hatte ich wenigstens Unterhaltung und mir wurden netterweise sogar Essen und Trinken vor die Nase gestellt, was allein zu Hause wirklich Seltenheitswert hat. Nicht zu vergessen, dass das süsse Quietschbündel ab und zu entführt wurde =)

Abends durfte ich dann wieder die Alleholleichen in Empfang nehmen *ggg* Und Mika meinte zu meiner grossen Überraschung, dass er heute vielleicht doch zuhause bleibt und nur mit uns zur Abschlussfeier geht. Offensichtlich wurder der Tag heute auf 3 EK gekürzt und, ehrlich gesagt, müssen die anderen Helden - Ellu mit Dickbauch, Anna, Janne, JP, Claes, Teemu, Susanna, Tuukka, Hessu, Kristiina, Lisa & Co. mit ihren inzwischen um die 30 Lenzen wahrscheinlich nach der dritten Barnacht doch mal ins Bett. Hahahaha =)