Montag, 17. September 2007

Vom Mais und Frida...

Gestern war wieder einer der typischen "Herbstereignisse", die die zweite Hälfte des Jahres ein bisschen angenehmer gestalten und aus denen schon eine richtige Tradition geworden ist. Ween Maan Wiljaa - ein riesiger Markt für land- und hauswirtschaftliche Produkte mit 170 Ständen und zigtausenden Besuchern. Bisher wurde das ganze immer im Hafen veranstaltet, aber in diesem Jahr ist man aus Platzgründen auf das Messegelände ausgewichen. Sehr schade, finde ich, denn so geht das Flair ein bisschen verloren. Es war immer schön, nebenbei noch das gluckernde Wasser des Jyväsjärvi, die schaukelnden Schiffe und in der Herbstsonne glühende Ebereschen zu sehen statt einem ollen staubigen Parkplatz auf den eigentlich Rallyautos gehören.

Aber naja... jedenfalls gabe es wie immer überall das gleiche: Äpfel, Preiselbeeren, die letzten Johannisbeeren, Maiskolben, Honig in allen Farben und Formen, Konserven mit Rentier-, Hirsch- und Wildschweinfleisch, leckeren gebratenen Lachs und Muikkus, Körbe, Holzartikel, Textilien, Mützen, Handschuhe, Socken... und alles was man sich sonst noch so vorstellen kann. Wir haben aber diesmal ziemlich wenig gekauft, da irgendwie durch das Elterngeld der Monat immer kürzer als die finanziellen Reserven ist und die Preise auf so einem Markt doch schwindelerregende Höhen erreichen. Aber Muikkus haben wir uns gegönnt *lecker* und ich habe für uns Preiselbeeren und für die Schweinies Maiskolben gekauft. Natürlich nur wegen der Blätter! Ein Stand hatte in diesem Jahr sogar grosse Maispflanzen zur Dekoration in einem Eimer stehen - und natürlich hat meiner einer gefragt, ob ich ein paar haben kann. Für die Meerschweinchen =) Die Frau hat ein bisschen eigenartig geguckt, aber egal, hauptsache Jaska und die Mädels können ihre Wänste füllen.

Danach waren wir noch in Kuohu bei Oma und Opa. Frida hatte mal wieder extremen Heul- und Quietschtag und ich war hundemüde, aber irgendwie bekommen wir das dann doch immer wieder in den Griff. Diese Woche hatte ich eh das Gefühl, dass ihre Reaktion extremer werden - es ist schwer zu beschreiben, aber alles schlägt sowohl im Positiven als auch im Negativen sehr viel mehr aus als vorher. So hat sie am Montag, als ich zur Rückbildungsgymnastik war und Mika zusammen mit Ulla auf Frida aufgepasst hat, einen richtigen Heulkrampf bekommen, obwohl Mika abgepumpte Milch und alle anderen Utensilien hier hatte. Mindestens zwei Nächte diese Woche waren auch so, dass sie sich absolut nicht hinlegen lassen wollte und wir am Ende völlig verzweifelt mit quietschendem Baby im Wohnzimmer sassen. Nur Herumtragen im Marsupi hat noch geholfen. Manchmal wirkt auch Wippen auf dem neuen Gymnastikball. Einschlafstillen, früher das Mittel der Wahl, funktioniert nicht mehr in jedem Fall. Sie ist dann offensichtlich müde, aber findet einfach nicht in den Schlaf. Oder nuckelt und nuckelt und nuckelt, kratzt meine Brust wie ein Katzenbaby und wird dabei ganz hektisch, weil sie die Augen nicht zubekommt. Oder brüllt, weil die Brust aus dem Mund gefallen ist. Auf dem Schoss sitzen oder gar liegen will sie dann aber auch nicht, sondern kreischt in den höchsten Tönen und fängt an, bitterlich zu weinen, wenn man nichts Besseres mit ihr macht. Herrjemineee... Da hilft nur da Müttermantra: "Alles ist nur eine Phase!!!"

Andererseits wird es wirklich immer schöner mit der kleinen Maus. Sie lacht ganz oft, wendet sich dann verschämt ab und sagt seit einer Woche dabei schon "hehe", "höhöhö" oder "ladidilaadilaadi" und sowieso schon seit langem "ärrä ähäm äch" =) Arabisch also. Oder letzte Woche ist sie zweimal ganz lieb im Kinderwagen eingeschlafen, als ich sie in den hellblauen Kela-Overall gewickelt und zusammen mit Nelson ausgeführt habe (im strömenden Regen übrigens!). Sie lag wie hypnotisiert da, hat den Himmel angestarrt, dann sind die Augen zugefallen und sogar zuhause hat sie noch zwei Stunden im Wagen gepennt. Ohne Weinen. Sehr ungewöhnlich, aber schön! Und wie lieb und fest sie vormittags immer neben mir schläft - wie ein kleiner Engel. Oder wie lange sie schon allein im Kinderknast, ääähm, Laufgitter bzw. im Babysitter spielen kann, wenn man wirklich mal die Hände frei haben muss. Und im Marsupi hält sie es sehr gut aus, egal ob draussen oder drinnen, Hauptsache man bleibt nicht stehen oder setzt sich hin *lach* Auf dem Bauch kann sie auch schon einige Minuten liegen. Nur das Zurückdrehen klappt noch nicht - sie meckert und kreischt dann ganz entsetzlich um Hilfe und ich muss sie umschubsen. Wenn sie unsere Sportlergene geerbt hat, wundert mich das Gejammere aber nicht =) Seit einiger Zeit greift sie auch nach ihrem Spielzeug, aber so richtig erforschen kann sie es noch nicht. Meist wird einfach draufgehauen oder geboxt, was das Zeug hält. Und sie sabbert neuerdings wie ein Bullmastiff...

Sonntag, 16. September 2007

Farewell Colin McRae...

Es kommt noch schlimmer. Mika hat es mir gestern abend gesagt, als ich schon im Bett gelegen und Frida gestillt habe:

Schock in England. Colin McRae ist am Nachmittag bei einem Hubschrauberabsturz ums Leben gekommen. In Schottland ist heute Nachmittag bei Lanark ein Hubschrauber abgestürzt, der auf den früheren Rallye-Weltmeister Colin McRae registiert war. Die Tragödie ereignete sich beim Landeanflug und es gilt als sicher, dass der Schotte selbst den französischen Hubschrauber Squirrel Helicopter geflogen ist. Gegenüber der Sunday Times bestätigte McRae´s Agent, Jean-Eric Freudiger, dass sich in der Maschine sowohl Colin McRae, wie auch dessen fünfjähriger Sohn und zwei weitere Personen befunden haben. Wie die Polizei mitteilte soll der Hubschrauber vollständig ausgebrannt sein und es keine Überlebenden geben. McRae war einer der erfolgreichsten Rallyefahrer überhaupt. 1995 wurde er Weltmeister und errang mit seiner Videospielserie weltweite Popularität. Im kommenden Jahr wollte der Schotte wieder in die WRC zurückkehren und auch an der Dakar 2008 teilnehmen. Colin McRae wurde 39 Jahre alt. Quelle: http://tinylink.com/?2vszm0m1qS

Da verfolge ich seit nur 6 Jahren die WRC und in der Zeit sind schon drei wichtige Personen gegangen: Richard Burns, Michael Park und jetzt Colin, der für mich den coolsten Namen im Rallysport hatte. Vielleicht wäre ja aus Hugo ein Colin geworden. Ungerecht... Rest in peace, Colin and Johnny and all others who were onboard. Hopefully there are fast cars in heaven, too. Hier kann man eine Kerze anzünden: www.lintukoto.net/muut/sytyta_kynttila

Freitag, 14. September 2007

Heippa Marcus...

Heute ist ein ziemlich trauriger Tag. Monatelang wurde spekuliert und heute war es dann leider soweit. Aber früher oder später auch zu erwarten. Ich kopiere mal nur:

Marcus Grönholm, der zur Zeit Führende der Rallye-Weltmeisterschaft, wird zum Jahresende seine Karriere beenden. Das gab der Ford-Werkspilot am Freitag bekannt. Auch Copilot Timo Rautiainen, mit dem Grönholm alle 30 WM-Siege errang, beendet seine Laufbahn nach der Rallye Wales. "Die Entscheidung war schwer, aber ich wollte aufhören, solange ich noch erfolgreich bin", erklärte der 39 Jahre alte Grönholm. Er galt in der WM als Späteinsteiger: Der Finne schaffte erst 1999 mit Peugeot den Durchbruch und wurde im Jahr 2000 erstmals Weltmeister. 2002 wiederholte er den Erfolg. Seit 2006 fährt Grönholm im Ford-Werksteam. "Der Rallyesport war für viele Jahre mein Leben", so Grönholm. "Wenn im kommenden Jahr die Rallye Monte Carlo startet, wird es für mich komisch sein, nicht an den Start zu gehen. Doch jetzt ist für mich der richtige Zeitpunkt gekommen, aufzuhören. Ich wollte Schluss machen, so lange ich noch den Speed habe, Rallyes zu gewinnen. "Die Zukunftspläne des Finnen: "Ich werde jetzt mehr Zeit für meine Frau und meine Kinder haben. Sie haben mich während der ganzen Karriere unterstützt." Quelle: http://tinylink.com/?kCcyeJ7zFQ

Kiitos Marcus ja toivottavasti nähdään taas jossakin pienessä rallissa tai katsojana. Tsemppiä! Hier gibt es noch ein paar Bilder aus seiner Karriere: http://tinylink.com/?a0TWvd0v6A

Donnerstag, 13. September 2007

Finnische Männer...

Endlich kann ich einmal eins meiner Lieblingslästerthemen aufgreifen. Die hiesigen Kerle. Darüber könnte man eigentlich Bücher füllen. Auf das Thema gekommen bin ich, weil es gestern bei www.saksalaiset.fi mal wieder einen sehr amüsanten Thread zum Thema "was muss ich erwarten, wenn ich mir einen Finn angele" gab und ich heute mal darauf geachtet habe, wie das bei uns so läuft. Insgesamt war ich mit *fingerabzähl* ungefähr vier Finnen näher befreundet und es gab da so gewisse Parallelen =)

Gestern in dem Thread hiess es unter anderem, dass frau sich dann für die nächsten paar Jahre darauf einstellen könnte, sich sämtliche Geburtstagskarten selbst zu schreiben, seine Blumensträusse selbst zu pflücken, in der Rangfolge weit hinter Kumpels, Eishockey, Bier, Kossu, Bars, blonden Schönheiten, Festivals und Juhannus zu stehen sowie sämtliche zu erörternde Probleme lieber mit weiblichen Verwandten und Bekannten zu belabern statt mit dem lieben Avio- oder Avomies. Reden... ja, das kann ein Finn natürlich auch manchmal - aber nur per Handy! Wie oft hatten wir richtig tiefgehende Gespräche, wenn ich auf Dienstreisen meinen Schatz für 9,99 pro Minute oder mehr angerufen habe =) Oder nach mindestens zwei Sixpacks Bier - aber dann erinnern sich in der Regel beide Gesprächsteilnehmer am nächsten Morgen nicht mehr, worum es eigentlich ging. Oder wachen (zumindest wenn man Matti und Mervi Nykänen heisst) am nächsten Morgen mit blaugeprügelten Augen und einem Messer in der Brust auf.

Dann diese Nüchternheit. Es gibt Tage, wo ich das absolut knuddlig süss und cool finde, an anderen treibt es mich im Rakententempo die Palmen, äähmmm, Fichten hoch. Ein Beispiel? Eben gerade - Männe ist beim Eishockey in Kuopio, ich sitze krank mit Baby zuhause. Was nicht so schlimm ist. Aber grotesk: ich habe ihn gebeten, ab und zu eine SMS zu schicken, damit es nicht so langweilig ist. Und was kommt da? "Ergebnis erste Halbzeit 1-1". Punkt. Aaarrghhhh... ich meinte sowas wie "sind gut angekommen, ist schön hier, tolle Stimmung, freue mich schon auf Euch". Dann: "Immomen hat Tor geschossen." Aija. Die doofen Ergebnisse interessieren eine deutsche Lady natürlich einen Fuchs!!! Wenn Mika wüsste, dass ich noch nichtmal mehr weiss, wer da nun gegen wen spielt und warum das so wichtig war (siehe Stilldemenz).... Hihihihi.

Lustiges Beispiel? Typisch trockener Finnenhumor? Männe hatte sich beim Essenkochen vollgekleckert. Kommt zu mir geschlendert, Socke in der Hand und sagt mit ganz ernstem Gesicht, dass er nicht wüsste, ob er das Teil in die Waschmaschine oder in die Spülmaschine stecken soll. Hääääh? Spinnt der? Was soll das denn schon wieder? "Na, da ist doch Kartoffelbrei dran." Sagt er, ohne die Miene zu verziehen!!! Während sich das deutsche Fräulein vor Lachen kullert und keine Luft mehr bekommt. Oder diese Sturheit, das minutenlange Schweigen, Worte abwägen, Räuspern mitten im Satz, die durchdringenden Blicke auch der Kinder... und dazu im Gegensatz die ausschweifenden, verquasselten, verknuddelten und so geliebten Parties, wo sie alle wieder ganz anders sind.

Und die sind alle so =) Es soll wohl Finnen geben, die es sogar ablehnen, auf der Strasse Händchen zu halten oder sich zu küssen. Ausserdem "dated man sich" mindestens ein halbes Jahr, bevor ein hiesiges Pärchen hier zugeben würde, dass sie zusammen sind. Sex natürlich von Anfang an inklusive, da wird nicht lange gefackelt. Für Austauschsemester im Ausland trennt man sich oft vorsorglich, damit freie Bahn herrscht. Babies bekommt man mit demjenigen, mit dem man mit 25 gerade zusammen ist, danach trennt man sich halt wieder. 50% Scheidungsrate. Unabhängigkeit, extreme Flexibilität, eigener Wille, Sisu. So scheint das aber überall in Skandinavien zu sein. Es gibt da auch so einen Witz, dass ein norwegischer Bauer seine Frau so sehr geliebt hat, dass er es ihr fast gesagt hätte. =)

Der Umkehrschluss ist natürlich, dass ich ruhiges und liebes deutsches Mädel ständig als heisses Temperamentsbündel abgestempelt werde. Als überschwenglich, launisch, vielleicht zu anhänglich und zu viel grübelnd... dabei sage ich nur ab und zu laut, was ich gerade denke, freue mich ehrlich und durch die Wohnung hüpfend über den ersten Schnee, die ersten grünen Blätter, den Weihnachtsmann und Fridas Leuchteaugen und kriege andererseits Tobsuchtsanfälle, wenn todernste Themen mit einem "mmmh", "wenn Du meinst" oder "niin" abgewürgt werden, wenn der Abfall mal wieder überquillt oder Hasi mal wieder Fernseh und Radio gleichzeitig geniesst (noch so eine Unsitte... dank Untertiteln).

Gefühlsausbrüche in nüchternem Zustand sind einem Durchschnittsfinnen also völlig fremd. Was noch nervt, ist das im Vergleich zu Deutschen oft urwaldähnliche Verhalten. Da gab es mal eine lustige Diskussion in einem englischsprachigen Forum unter richtigen Britenladies, die gar nicht amused waren: auch ihre Finnen rülpsen und pupsen am Essenstisch, stopfen ihre Pyttipannu und alle anderen Mahlzeiten nur mit der Gabel in die Schnute, lieben Klohumor über alles, brüsten sich mit ihren Saufgelagen und fluchen, was das Zeug hält. Nicht alle, aber überraschend viele. Oder ich bewege mich in den falschen Kreisen. Zumindest habe ich schon gewitzelt, dass Frida vielleicht hoch gestochenes, intelligentes Deutsch lernen wird, aber auf finnisch zur schlimmsten Gossengöre mutiert. Ojeeee... wobei so ein richtig lautes jumalauta, perkele, saatana oder das berühmte V-Wort schon eine gewisse Durchschlagkraft besitzen =)

Leider muss ich zugeben, dass ich mich nicht mehr an alle Besonderheiten der Typen hier erinnere - oder ich habe mich schon an vieles gewöhnt. Positiv ist auf jeden Fall, dass sie insgesamt liebe, hilfsbereite Teddybären sind, mit denen man viel Spass hat und die man als Frau auch ab und zu auch sehr gut herumkommandieren kann *ggg*, dass viele von ihnen wunderschön singen können, dass sie unter Alkoholeinfluss grossartige Geschichten erzählen (die army...), dass sie meist eine tolle Stimme und einen sehr sexy Akzent im Englischen und im Deutschen haben, sehr weiche Saunahaut mit hellem oder gar keinem Fell besitzen und dass sie mit ihren wasserblauen Schrägaugen und hochen Wangenknochen einfach zum Knuddeln aussehen. Nicht alle, aber viele =)

Das Resümee war also doch gar nicht so schlimm, oder? Wen das Thema interessiert, dem kann ich das Buch "From Finland with Love" von Roman Schatz wärmstens empfehlen (gibt es ab und zu bei Ebay). Oder Ähläm Sähläm im TV. Und "Kulturschock Finnland" sowie "Finnland und die Finnen". Was habe ich gelacht... und wie Schatz sagt: Niin hauska kuin minusta onkin valittaa [Suomesta], en koskaan ole oikeasti katunut tänne tuloa. En mäkään. En ikinä. Wie wahr.

Mittwoch, 12. September 2007

Hustschnupf...

Gestern bekam ich eine E-mail von einer Kollegin. Unter anderem mit lieben Grüssen und der Frage, ob uns auch schon die Herbstgrippe erwischt hätte. Ich dachte kurz nach und musste zugeben, dass da am Morgen ein komisches Brennen in der Nase gewesen war. Und tatsächlich, nach dem Mittagsnickerchen brach die blöde Pest wirklich los: Nase läuft, Augen tun höllisch weh und überhaupt fühle ich mich, als ob einer eine finnische Streitaxt über meinen Kopf gebrettert hätte. Aaaauuuuaaa.... und das Schlimmste ist, dass ich Angst um Frida habe. Bisher ist sie noch gesund und munter und grinst den ganzen Tag vor sich hin - aber so nahe, wie sie immer bei mir sein möchte, ist es nur noch eine Frage von Stunden, bis es bei ihr zuschlägt. Mist. Die kleine Maus weiss doch dann gar nicht, was los ist. =(

Übrigens fangen jetzt andere Leute schon an, ihren Charakter einzustufen. Das finde ich sehr interessant, schliesslich habe ich nur wenig Vergleichsmöglichkeiten mit anderen Babies. In der Musikschule hiess es gestern beispielsweise, sie sei "tarkkaavainen ja rauhallinen", also aufmerksam und ruhig. In der Tat guckt sie sich die Musikinstrumente immer ganz genau und ganz konzentriert an, während Samuli, Elias und Kasperi, die anderen im Kurs, wie verrückt durch die Gegend hucken. Hihi, vielleicht wird Madame noch eine grosse Musikerin. Mit der Stimme könnte sie sofort bei Nightwish anfangen. Oder sie wird Rallye-Kartenleser. Oder Nörtti. Oder Professor für Marketing. Oder Strassenfeger. Oder etwas, was es heute noch gar nicht gibt. Mondflugingenieurin. Hihihihi.

P.S. Die Spieluhr und viele andere schöne Sachen gibt es im Webshop einer Freundin von mir www.pikkupuu.com =)

Samstag, 8. September 2007

Ein Wunder...

Heute ist Taimi-Tag. Also der Namenstag einer meiner absoluten finnischen Lieblingsnamen. Ich weiss das so genau und auch aus dem Kopf, weil heute vor genau einem Jahr ein Wunder passiert ist. Das Wunder, was gerade quer auf unserem Bett liegt und vor sich hin quietscht. Normalerweise könnte ich jetzt etwas von Blümchen und Bienchen schreiben, aber ich denke, dass der Grossteil der Leser weiss, wie man Kinder macht. Wenn Mama und Papa sich sehr lieb haben, dann... Wobei von Machen keine Rede sein kann - ein etwas kleinerer Teil der Leser wird wissen, dass man Kinder geschenkt bekommt. Dass es keine Selbstverständlichkeit ist, so ein kleines Wunder im Arm zu halten.

Bei uns hat es auch etwas länger gedauert -und war dann doch eine riesige Überraschung. Ich habe im November 2004 die Pille abgesetzt, einfach nur mal so spasseshalber, weil mir aufgefallen ist, dass ich demnächst meinen 30. Geburtstag feiern würde und langsam eine Familie gründen müsste, wenn ich das in diesem Leben noch schaffen will. Eigentlich war ich nie ein grosser Kinderfan, sondern habe immer Reissaus genommen, wenn diese kleinen ehrlichen, anstrengenden und wilden Wesen angekommen sind. Was aber auch daher rührte, dass ich in unserer kleinen Familie einfach kaum mit kleinen Kindern zu tun hatte.

Jedenfalls rettete ich mich dann doch von Monat zu Monat, indem ich ab und zu auf Kondome bestand oder heimlich Tage zählte oder doch hin- und herüberlegte - richtige Situation, richtiger Mann, was macht dann die Arbeit, haben wir genug Geld und Nerven? Meine "Rettung" war, dass meine Zyklen so durcheinander waren, dass man eigentlich gar nicht schwanger werden konnte. Monatelang wartete ich auf die rote Pest, dann stellte man nach und nach eine Schilddrüsenunterfunktion, Zysten in den Eierstöcken, Hormonchaos (PCOS) und andere bisher völlig unbekannte Störfaktoren fest und korrigierte daran herum, während ich immer noch überlegte, ob wir Kinder wollten. Nach und nach wurden Jarmila, Alexandra und Anastasia vom Studium schwanger, meine Cousine schleppte einen dicken Bauch herum und als schliesslich auch noch meine Schwägerin strahlend durch die Gegend rannte, flossen doch Tränen. Wieso klappt das bei uns nicht? Ehrlich gesagt knabberte das Ganze an meinem Ehrgeiz. Ich wollte so einen schönen Ticker, auf denen man die restlichen Wochen und Tage ablesen konnte. Und einen der schönen Namen vergeben, für die ich schon jahrzehntelang Listen mit mir herumschleppe. Und vielleicht doch das dazugehörige Knuddelbaby.

So richtig perfekt war die Situation aber nie. Zumindest nicht so perfekt, um wirklich Nägel mit Köpfen zu machen. Ich wusste, wo ich wegen einer Kinderwunschbehandlung anrufen muss, wenn wir es ernst meinen. Ich wusste, welche Medikamente man nehmen muss, was das alles kostet und welche Risiken bestehen. Aber dann hätten wir nicht mehr "nein" sagen können. Alles war mir viel zu ernst und ich hätte liebend gern einen "Unfall" im Bauch gehabt. Das ganze Jahr 2005 verging mit Warten auf die Mens und Tage zählen. Dann wurde es Mai 2006 - erster Anruf, aber die Familienplanungsstelle war gerade auf dem Weg in die Sommerpause. Dann August - wir gingen zur ersten Beratung. Auf dem Flur der Neuvola kam uns eine Bekannte mit frischgeborenem Baby und sehr grossen Augen entgegen. Mist... es würde sich blitzschnell herumsprechen, dass wir gewisse Pläne haben. Wollten wir wirklich? Dann wurde es September, wir sollten uns erst einmal gründlich vom Hausarzt untersuchen lassen. Auch Mika *ggg* Als wir die Tür hinter uns schlossen, sagte die Schwester noch, wir sollen anrufen, wenn es einfach so geklappt hat. Ich dachte "blabla" und lächelte zynisch. Pah, wenn es so einfach wäre...

Meine ersten Laboruntersuchungen gingen vorbei, Männe schob seine Schwimmeruntersuchung immer weiter hinaus. Ich trank zum ersten Mal jeden Tag ein grosses Glas Grapefruitsaft, nahm wie immer Mönchspfeffer und Vitamine und versuchte, mein Sportprogramm auszudehnen. Dann kam Taimi-Tag, der 8. September. Ganz plötzlich, mitten in einem Monsterzyklus, stellte ich völlig verdattert und zum ersten Mal fest, dass mein Zervixschleim spinnbar war. Oooooh... die Chance musste sofort genutzt werden. Vor allem, da für Mikas Tests auch die Lager geleert werden mussten =) Wenn es nicht am Taimi-Tag klappt, dann nie. Ab in die Falle =) Natürlich war dann Mikas Test eine Woche später völlig in Ordnung (witzigerweise hat der Spass ihn 100 e gekostet) - und ich bekam wie im Lehrbuch etwas, was ich verdattert als Einnistungsblutung einstufen musste. Zwei Wochen später Flennattacken, einen Busen wie Pamela Anderson, riesige Nipples und andere seltsame Erscheinungen, die selbst Mika komisch vorkamen. Also getestet: nix. Aber mein Körper war weiterhin sehr eigenartig.

Am 29. September, Mikas Namenstag, testeten wir noch einmal. Wieder nix. Enttäuscht ging ich ins Schlafzimmer, um mit dem Kundendienst von Elisa zu telefonieren. Dann wieder in die Stube, um mich trösten zu lassen. "Und, was sagst Du?" "Keine Ahnung, ich weiss ja nicht, wie das aussehen soll. Hier sind drei Striche." "DREI STRICHE???" Ich aufgesprungen und nachgezählt - und da war tatsächlich neben dem obligatorischen und zigmal gesehenen ersten Strich ein ganz dünner zweiter. Hääääääh? So lautete dann auch die Überschrift im Eltern Forum, wo ich sofort ein Foto des Billigstreifens von Mammaksi posten musste. Was bedeutet das? Und alle waren sich einig: so hatte es bei ihnen auch angefangen. Jetzt, 12 Monate später, heisst dieser dünne Strich Frida - ein wirkliches Wunder. Im Nachhinein ist die Planungszeit und Schwangerschaft wie im Flug vergangen, aber hätte mir jemand 2004 gesagt, dass unser Baby erst 2007 geboren wird - ich wäre sehr traurig gewesen. Also, alles Gute und viel Glück für alle, bei denen die Kiddies auch auf sich warten lassen, besonders die Langzeitplanies im Forum. Wunder gibt es immer wieder... *träller*

Mittwoch, 5. September 2007

Pig Brother News...

Ooooh, und noch eine Eilnachricht hinterher: Tiina aus der dritten Pig Brother Staffel hat heute positiv getestet! Ich lach mich krank... die sind doch erst vor zwei Wochen in das Haus gezogen. Schon Anfang der Woche war sie besorgt, weil ihre Tage sich nicht einstellen wollten und hat Big Brother nach einem Test gefragt. Und jetzt ====**~~~VOLLTREFFER*~~~**=== !!!

Während Männe noch im Videotext gelesen hat (der guckt das tatsächlich 24/7), hoppste ich schon wieder fast flennend vor dem Computer herum und bettelte, dass sie es nicht wegmachen dürfen *schonadoptivantragstell*.... aber laut Profil auf SubTV sieht es nicht so aus. Die hat Freund und Hund und Katze und hätte schon gern eine Familie. Jetzt darf man als sadistischer Zuschauer natürlich auf Heulausbrüche, die Schüsselkrankheit und ähnliche Erscheinungen hoffen. Das erste Big Brother Baby! *lach* Hier ist was los...

Hunger...

Um mal zur nächsten Plage während der Babyzeit zu kommen... ich habe ständig einen Bärenhunger! Natürlich ist das kein Wunder - schliesslich zappelt, schreit, schmust, pupst und hampelt jemand den ganzen Tag mit meiner guten angefutterten Energie herum. Aber es ist wirklich erstaunlich. Normalerweise esse ich wirklich gut und gerne (leider), aber meist aus Appetit, nicht wirklich aus Hunger. Und jetzt meldet sich alle 2-3 Stunden mein Magen mit einem bösen, sehr drängenden Knurren *lach* Mal sehen, ob wenigstens ein paar Kilos schmelzen *hoff* Ich bin jedenfalls schon mal bei Keventäjät angemeldet, um zu lernen, mich zumindest gesund zu ernähren und auch endlich mal wieder Sport zu treiben. Bin ja ansonsten immer soooo faul...

Dienstag, 4. September 2007

Wie ein Sieb...

Also, eine Sache beim Kinderkriegen ist doch erschreckend: der totale Verlust des unter normalen Umständen einwandfrei und auf Hochtouren funktionierenden Susku-Gedächtnisses. Manno, ich war früher wirklich gut in der Schule, immer unter den Besten, konnte mir Dinge merken, ohne dafür zu pauken und habe während des Studiums in Finnland sogar mit was-weiss-ich-wieviel Promille erstklassige Klausuren geschrieben. Auf Arbeit wusste ich die Namen von hunderten Wissenschaftlern aus dem Kopf, kannte Kongresshallen, Hotels, Webseiten, Termine und Preise in- und auswendig.

Und jetzt??? Ich erinnere mich nicht einmal, was wir am vorigen Tag gemacht haben! Namen sind ein ständiges Rätselraten, ich weiss nicht, ob ich heute schon Frida D-Vitamine gegeben habe oder nicht, ob die Post schon aus dem Kasten gefischt wurde oder was für ein verdammter Wochentag nochmal war. Das ganze hat schon während der Schwangerschaft angefangen und scheint sich jetzt dank unvorhersehbaren Tagesabläufen und mangelnder Reflektierzeit nur noch zuzuspitzen. Keine Ahnung, wie wir die ersten drei Monate mit Frida zugebracht haben! Die einzige Hilfe in dem Dilemma sind Fotos, mein Outlook, mein Handy und mein Taschenkalender - aber man muss natürlich erstmal Zeit und Lust haben, die mit Daten zu füttern. Also lebe ich weiter in diesem Moment =)

Wenn ich so einen Post anfange zu schreiben, habe ich keine Ahnung, wieweit ich kommen werde - oder sogar worüber ich schreiben werde. Jeden Moment könnte das kleine Engelchen, was gerade süss im Bett schlummert, die Mama vermissen. Aber wie man sieht - diesmal sind es viele Zeilen geworden und ich habe nebenbei sogar Frühstück gegessen. Jiiihaaaa! Aber keine Ahnung mehr, um wieviel Uhr ich heute eigentlich aufgestanden bin =)

Samstag, 1. September 2007

Teddy in Guantanamo...

Huuaaah, wir haben wirklich schon Winter! Heute früh hat das Thermometer nur 3,1 Grad angezeigt, was mit Sicherheit auch für September zu kalt ist *frier* Draussen war ich noch gar nicht... Aber das ganze hat einen positiven Nebeneffekt: Wie ich festgestellt habe, sind Wintersachen für Babies noch viel niedlicher als diese Röckchen, Spieler und Shorts! Ich könnte Frida den ganzen Tag knuddeln, wenn sie in ihrem Teddyoverall steckt.


Ausserdem waren wir gestern in der Stadt und haben fürs Hasenkind einen Pass beantragt. Einen richtig finnischen! Mann, bin ich neidisch... auf dem Antrag standen aber auch beide Staatsbürgerschaften und eigentlich ist es ja in der EU eh egal. Jedenfalls musste in den Pass auch ein Passbild - und das bei einem 3monatigen Kind! Der Fotograf hat Frida in einen winzigen Schaukelstuhl gesetzt und ein Blatt Papier hinter ihren Kopf geschoben. Frida war so müde und verdattert, dass sie sich weder gerührt noch gesabbert oder sonstwie die Aktion sabotiert hat. Und Mama ist in schallendes Lachen ausgebrochen, als sie das Bild gesehen hat. Frida sieht darauf aus wie ein Terrorist aus Guantanomo - ohne Hals, mit Doppelkinn und ernstem Blick geradeaus. Fehlt nur noch die Registrierungsnummer und ein WANTED darüber. Ojeee...