Samstag, 17. November 2007

Premieren...

Frida hatte heute den Tag der Premieren. Erst waren wir wieder in Vaajakoski schwimmen und sie durfte zum ersten Mal tauchen. Zunächst sah es gar nicht danach aus - sie war heute offensichtlich ängstlicher oder müder als letztes Mal und wimmerte ein bisschen mit heruntergezogener Schnute, als wir so im Wasser herumschwebten. Nach einer Weile und mit Hilfe einer knallroten Plasteente kam dann aber das Frida-Grinsen zurück. Also kippte die Kursleiterin ihr noch einmal vorsichtig Wasser über die Birne und dann zogen wir Frida mit vereinten Kräften kurz durchs Wasser. Hups, das Tauchen war doch viel einfacher, als ich es mit vorgestellt hatte. Jedenfalls für mich. Ich dachte wirklich, dass ich mir nicht trauen würde, das Baby unter Wasser zu drücken, aber es ging dann doch fast automatisch. Frida war kurz überrascht, hat dann aber sofort wieder gelacht. Doof fand ich nur, dass Männe diesmal nicht mit war, aber der ist wirklich extrem wasserscheu *seufz* Gestern musste ich schon eine riesige Spammail herumschicken, dass wir gern Begleitung hätten - mal sehen, was daraus wird.

Die zweite Premiere war dann zuhause, Frida hat sich zum ersten Mal vom Bauch wieder zurück auf den Rücken gedreht! Und das auf Parkett - sie drehte den Kopf nach hinten weg und auf einmal machte es "rummms" Ich befürchtete schlimmes Weinen, aber gar nichts! Die Kleine ist tapfer! Ausserdem schlittert sie schön zentimeterweise auf dem Holzfussboden hin und her *lach*

Und als dritte Premiere haben wir heute zum ersten Mal Möhre gegeben. Aus dem Gläschen und von der ominösen schwedischen Firma, die die Zahnstocher gleich mitliefert. Eigentlich wollte ich erst in zwei Wochen anfangen, aber ich bin so neugierig. Und so können wir gleich bei der Mütterberatung nächste Woche fragen, wenn etwas eigenartig ist oder wir nicht klarkommen. Hihi, von Essen konnte allerdings keine Rede sein. Es hat Frida zwar geschmeckt, aber natürlich hat sie alles wieder mit der Zunge aus dem Mund geschoben und sah aus wie ein Schweinchen. Das verdutzte Gesicht dazu war auch klasse! Aber wir alle haben ja mal klein angefangen =)


Am Abend gab es dann Premiere Nummer vier: wir waren zum ersten Mal auf einer richtigen Mädelsparty. Frida hat sich super gehalten, obwohl sie wieder am Tag kaum geschlafen hatte. Während der Partylite-Präsentation hat sie lieb auf meinem Schoss gesessen, staunend in die Kerzen geguckt und später alles kräftig mit "laalaaahuuaaallaaalaa" kommentiert. Das ist vielleicht ne Maus. Zu meiner grossen Freunde gab es auch wieder eine lange Schlange von netten weiblichen Wesen, die gerne mal das Baby auf dem Schoss halten wollten. Die sie geknuddelt, in den Bauch gebissen, hochgeworfen, gestreichelt und mit den Fingerchen gespielt haben. Sehr gut. Und ich bin stolz auf meine Knuddelmaus.

Freitag, 16. November 2007

Siebenschläfer...

Hach, was für eine Nacht. Oder sagen wir, was für eine Woche. Es gibt doch diese Theorie, dass Babies sich in Schüben entwickeln, also bestimmte Fähigkeiten in einem bestimmten Alter fast aus heiterem Himmel erwerben und darüber so verstört sind, dass sie in dieser Zeit ihre Mama ganz besonders brauchen. Oder sonstwie unausstehlich *äääähm* oder sagen wir lieber eigenartig sind.

Frida hatte das bisher ganz pünktlich - ab der siebenten Woche, kurz bevor wir im Mökkiurlaub waren, konnte sie plötzlich nicht mehr lieb und stundenlang in ihrem Karton schlummern, sondern wollte nur noch auf Mamas Schoss sein. Ich war damals froh, zumindest ab und zu im Eiltempo unter die Dusche und an den mit Fertignahrung vollgestopften Kühlschrank rennen zu können. Den nächsten Schub haben sie in in der 12. Woche - das war sicher, als Mika in Deutschland zur ADAC-Rallye war und ich mir hier mit einem brüllenden Baby die Nächte um die Ohren schlagen musste. Danach mit 4,5 Monaten - also ungefähr, bevor wir nach Deutschland geflogen sind und ich schon Warnungen herumgeschickt hatte, dass Frida keinesfalls ohne ohrenbetäubendes Quietschen und stundenlanges Herumtragen ins Bett gehen würde. Genauso schnell wie sie kamen, waren diese Anfälle aber auch wieder vorbei. Oder hatten wir uns einfach an den neuen Zustand gewöhnt? *lach*

Jedenfalls warte ich jetzt mit Grausen auf den 6-Monats-Schub, der sogar vier Wochen dauern und besonders anstrengend sein soll. Diese Woche ist es vielleicht soweit.... Frida hat einen eigenartigen Schlafrhytmus bekommen und verzweifelt relativ schnell, wenn sie allein auf ihrer Decke spielen soll. Statt der üblichen 12 Stunden gemeinsam mit uns im Bett (die je nach Tagesverfassung um 19 oder gegen 23 Uhr anfangen) und zwei Tageschläfen mit ungefähr 2-3 Stunden Wachzeit dazwischen, hat sie in den letzten Tagen genauso einen verkorksten Tag-Nacht-Rhytmus gehabt wie ich. Sprich, wir haben beide nachts hellwach die Stube unsicher gemacht, dafür am Nachmittag geschlafen, dann wieder nicht einpennen können, riesige Schlafdefizite aufgebaut, trotzdem die Augen nicht zubekommen und so weiter. Und Frida hat tatsächlich wieder nur geschlafen, wenn die Milchbar in Reichweite war *aaarrrghhh* Am liebsten mit der Brust im Mund, egal ob halbwach oder im Tiefschlaf.

Gestern dann der Höhepunkt. Obwohl wir Mädels abends, nachdem wir eine Freundin in der Stadt getroffen hatten, geschlafen und dann von 2-4 in der Küche herumgehockt hatten, gingen alle vier Augen morgens um 8 schon wieder auf. Hellwach, aber mit Zombiegefühl. Na toll. Frohen Mutes dachte ich, dass wir dann zumindest den ersten Tagesschlaf gemeinsam verbringen würden. Aber Pustekuchen. Frauenzimmer Friederike bekam die Augen nicht zu bzw. schlug sie sofort wieder auf, wenn sie feststellte, dass sie mutterseelenallein (aha, daher kommt der Ausdruck!) im Bett zurückgelassen worden war. Und das stundenlang, keine Ahnung wer von uns beiden am Ende fertiger war =) Wie hoch der Stapel Dreckwäsche im Bad und Zeitungen in der Stube inzwischen ist, brauche ich vielleicht nicht zu erwähnen - aber ich hatte eigentlich nicht studiert, um als 1,75 m grosser Schnuller zu enden *lach*

Gegen 14 Uhr, nach dem bestimmt zehnten Gutenachtkuss, beschloss ich dann in einem Anfall von Aktivität, doch mit der müden Frida zum Babycafé zu fahren. Auch auf das Risiko hin, dass sie dort wieder herumzappeln und weinen würde - aber so könnte sie zumindest im Auto ein bisschen die Augen zumachen. Und ich hatte mich doch die ganze Woche schon darauf gefreut... Gesagt, getan. Frida pennte im Auto und dort angekommen, konnte Mama zumindest Kaffee schlürfen, Pulla essen und ein bisschen labern, während das Baby gemeinsam mit ihren Windelfreunden Telefonzentrale spielte (tolles Spielzeug so ein alter Festnetzkasten!) Sie hielt auch tapfer durch, nur beim Anziehen brach sie so schlimm in Tränen aus, dass Pihlas Mama schon "oooh, du arme Frida" sagen musste. Komisch, alle Finnenkinder ertragen es mit stoischer Gleichgültigkeit, in zwei Overalls, Handschuhe, Mütze und Wollsocken gesteckt zu werden und dann auf dem Fussboden auf das Angepelle der Mama zu warten. Nur unsere kleine deutsche Maus hasst alles, was über einen Body und Hose hinausgeht. Und auf dem Rücken zu liegen. Und Mützen sowieso. Sie würde wahrscheinlich sogar bei derzeit minus sieben Grad am liebsten nackig herumlaufen =)

Wieder zurück im Auto fielen natürlich sofort die Augen zu. Ich fuhr extra über Heikkilä, um die Fahrzeit ein bisschen zu verlängern. Sogar im Schneetreiben und bei schwarzem Eis, beinahe wären wir an der Kreuzung vorbeigerutscht *lach* Zuhause weinte Frida bitterlich, als sie aus dem Auto gehoben wurde. Und als der Overall ausgezogen wurde. Und noch bitterlicher, als der Papa nach Hause kam und sie begrüssen wollte. Also haben wir sie, so wie sie war, im Bett liegen lassen. Sie hat geschnarcht, während Mika einkaufen war, während wir Abendessen gekocht haben, während Big Brother im Fernsehen kam, während die Meerschweinchen saubergemacht wurden, während Nelson spazieren gegangen ist und und und. Zwischendurch musste ich ständig nachgucken, ob sie denn überhaupt noch lebt. Dann sind wir auch ins Bett. Und erst heute früh um 5 konnte ich wieder in die schönen Knopfaugen gucken. Also 12 Stunden Schlaf - hatte ich etwas anderes erwartet?

Donnerstag, 15. November 2007

Keine Tiere unter den Weihnachtsbaum!

Wie jedes Jahr nehmen wir an der Weihnachtsaktion der Nager Info teil. Bitte denkt daran, dass Weihnachten ein denkbar ungünstiger Zeitpunkt ist, um Tiere in die Familie aufzunehmen. Überhaupt sollten alle Fellnasen nur nach reiflicher Überlegung geholt werden - und dann am besten von einer Notstation, Tierheim oder einem guten Züchter. Also, falls es Kiddies in Euren Familien gibt, die sich nichts mehr als einen Hund, Nini oder ein Kätzchen wünschen - Ihr tut allen Beteiligten einen Gefallen, wenn zunächst ein Gutschein oder ein gutes Buch plus Stofftier verschenkt wird.

Später, im ruhigen Januar oder zumindest nach den Festtagen, wird das Kind begeistert sein, sich das Tier selbst aussuchen zu dürfen. Vielleicht sogar unter den inzwischen wieder abgeschobenen. Und dann kann man in Ruhe Freundschaft schliessen! Vielleicht hat der Papa ja auch Lust, am langweiligen zweiten Weihnachtstag schon einen grossen Eigenbau für das neue Familienmitglied zu basteln? Weitere Infos und Banner zum Mitmachen gibt es bei www.diebrain.de/Weihnachten.html

Mittwoch, 14. November 2007

Pikkujoulut...

Wo wir gerade bei einem Fest waren, können wir auch gleich aufs nächste kommen. Aus aktuellem Anlass - gestern lag der Festtagskatalog von H&M im Briefkasten - ist mir eingefallen, dass jetzt wieder die Saison der Pikkujoulus beginnt. Also der Weihnachtsfeiern, wie man sie in Finnland traditionell nicht nur auf Arbeit, sondern auch in sämtlichen zig Vereinen, Fitnessclubs, Elchjagdhorden, befreundeten Firmen und Spassgesellschaften, in denen man Mitglied ist, veranstaltet. Dort knabbert man nicht nur lieb Piparkakkus, trinkt Glögi und erfreut sich an den ersten leckeren Weihnachtsschinken, sondern es geht, besonders zur fortgeschrittenen Uhrzeit, richtig zur Sache.

Das wurde mir vor mehreren Jahren immer schlagartig klar, als plötzlich wie aus dem Nichts jeden Sonnabend extrem besoffene (sprich noch besoffener als sonst, hehe), extrem gutgekleidete und extrem gut gelaunte Personen massenhaft und oft mit Tonttu-Mützen in den Bars auftauchten. Aha, wieder mal Jatkot, also Fortsetzung einer Betriebsfeier *lach* Und da der Finne entgegen seinem Ruf doch relativ gesellig, zumindest wenn es ums Trinken geht, und normalerweise in viele Communities eingebunden ist, reicht der Dezember natürlich für Weihnachten nicht aus, sondern man muss schon im November bzw. sogar Oktober mit der Feierei anfangen *ggg*

Zu meiner grossen Schande muss ich ja gestehen, dass ich in meinem Leben bisher nur sehr selten auf Weihnachtsfeiern war und daher ein bisschen neidisch auf alle bin, deren Terminkalender ab jetzt mit Einladungen zu dergleichen vollgestopft sind. Lasst mich überlegen... früher als Kiddie haben wir natürlich bei der Patenbrigade der Konsumgenossenschaft friedlich Tee geschlürft und Stolle gemampft. Das gleiche vielleicht noch bei der Naturschutz-AG im Pionierhaus oder im Zeichenzirkel der Schule. Beim Abi gab es vielleicht vor Weihnachten noch einen grossen Ball in der Muhme. Aber schon bei Dresdner's ging es los - bei der einzigen Feier, wo angeblich wirklich etwas passiert ist - der Wertpapierberater soll wohl dank zuviel Glühwein in der Garderobe umgefallen sein - hatte mein damaliger, offensichtlich etwas geisteskranker Freund die Uhren in der Wohnung so verstellt (das mus man sich mal einwerfen!), dass meine mich abholende Kollegin vor verschlossenen Türen stand und ich fuchsteufelswild zuhause bleiben musste.

Später dann in Finnland waren wir beim Studium zu sehr mit Erasmus-Abschiedsfeiern beschäftigt, um uns um Weihnachten zu kümmern. Im Dezember 2000 bei Nokia in Düsseldorf war es zwar total schön - wir waren in echter Hockeykluft Eislaufen und haben wunderbar festlich gespeist, aber ich war dummerweise mit dem Auto da. Wobei es mir dann doch fast Tränen der Rührung in die Augen getrieben hat, als ich hinterher meine geliebten finnischen Kollegen chauffieren durfte. Und wir, eingepfercht in meinen winzigen Henry Ford, in einem Anfall extremer Gruppen-Suomisickness mitten in Nordrhein-Westfalen laut "Tahroja paperilla" von Eppu Normaali und "Mitä yhdestä särkyneestä sydämesta" von Mamba gegröhlt haben. Hachja *inerinnerungenschwelg*

Aber schon wieder ab 2002 war es etwas trostlos - mit nur vier Kollegen mit einem Altersunterschied von je 10 Jahren kann man zwar sehr nett essen gehen, aber keine wilden Stories erleben. Für meine Meerschweinchen-, Garten-, Tierschutz-, Hunderettungs- und sonstigen Vereine wiederum hatte ich im Laufe des Jahrs zu wenig Zeit, um wirklich zu deren Feiern eingeladen zu werden. Das gleiche betrifft den Fitnessclub *räusper* und meine Sprachkurse. Zu meinem selbst organisierten Girl's Evening vor ein paar Jahren tauchten auch nur drei versprengte Ladies auf, die an dem Tag gerade keine andere Weihnachtsfeier besuchen musten.

Und letztes Jahr waren wir zwar auf der Feier von Köpö Racing in Saarijärvi, aber da war ich schwanger, hundemüde und hätte auch ohne einen Tropfen Alkohol beinahe auf das Buffet gekübelt *lach* Und jetzt ist es auch nix mehr mit Weggehen und Besaufen, da wir ja Frida haben und ich es noch nicht übers Herz bringe, sie babysitten zu lassen (um natürlich darüber hinwegzutäuschen, dass ich seltsame Auswanderfigur wie immer noch zu nix eingeladen bin) Aaalso: Ich werde auch dieses Jahr neidisch auf alle Finnen sein, die sich da unter dem Vorzeichen von Christi Geburt in Hemd, Kragen und Paillettenkleidchen werfen, die Birne bis zum Anschlag vollkippen und hinterher entweder damit angeben, sich an nichts erinnern zu können oder sich damit brüsten, noch zu wissen, welche Sekretärin da mit welchem Boss nach welcher Bar gemeinsam in einem Taxi verschwunden ist. Oder gar selbst abgeschleppt wurden. Ich gebe es ja zu. Nur Neid, nicht wahr? Feiert schön! Und hyvää joulua!

P.S. Und wo ich das hier so tippe, ist meine Tochter zum ersten Mal ungefähr einen Meter rückwärts über das Parkett in Richtung Fernseher geschlittert. Huuuuups! Wo will die denn hin?????????? Ich werd wahnsinnig... unser Kind robbt!!! Das wäre ein tolles eigenes Thema geworden! Aber den Text da oben lösche ich jetzt nicht mehr =)

Sonntag, 11. November 2007

Isänpäivä...

Heute war Vatertag in Finnland. Was natürlich jedes Jahr bei mir ein grosses Durcheinander auslöst: hatte ich meinem eigenen Daddy schon im Mai gratuliert oder nicht? Im Mai dagegen denke ich immer, dass ich ja immer noch im November, nach Sitte meiner neuen Heimat, einen Gruss schicken kann *lach* Glückwunschkarten speziell für "Isi" gibt es ja dann noch nicht. Und meist wird dann überhaupt nichts daraus, weil mir jedesmal einfällt, dass er eh im November Geburtstag hat und dass man das ja dann in einem Abwasch machen kann. Oder weil ich denke, dass ich ja schon im Mai gratuliert habe. Jaja, so eine entsetzliche Tochter bin ich *winkewinkeanpapa* Aber vielleicht ist es eh besser, seinen Papa das ganze Jahr über zu mögen statt an einem einzigen Tag =)

Überhaupt - eigenartig ist es schon, dass hier ausgerechnet im dunkelsten, deprimierendsten und langweiligsten November Vatertag gefeiert wird. Wo doch sonst schon alle traurigen, aber auch die revolutionären Gedenktage im November liegen. Irgendwann 1917, oder wann das war, froren die guten alten Kommunisten in St. Petersburg so sehr, dass sie in den warmen kuschligen Winterpalast rennen mussten. Und irgendwann 1989 fiel Millionen von Ossis ein, dass es bei Karstadt und Co. gerade warme Winterjacken im Sonderangebot gab. Beziehungsweise Bananen bei Aldi *lach* Also nichts wie hin =) Soweit die Interpretation der Weltgeschichte a la Susku.

Wenn dann jemand sagt, dass man im Mai als deutscher Vater doch so schön in der Natur herumspazieren und einen saufen gehen kann, erwidere ich immer, dass meine lieben guten Finnenkerle eigentlich jeden Sonnabend diesen beiden Hobbies fröhnen *lach* An ihrem Ehrentag bekommen Männes dann hier und überall die üblichen gutgemeinten Socken, Krawatten, Pullover und Unterhosen - die "man" sich ja sonst nie selbst kauft, weil man ja alle überflüssigen Cents in Unterhaltungselektronik stecken muss. Also ist es eigentlich ein Festtag für alle Frauen, die ihre frisch geduschten und gefönten Gatten endlich einmal in schöne Klamotten stecken können. Mmmhhhh?

Bei uns ist jedenfalls in der letzten Woche nicht viel passiert. Alle sind immer noch von Jokela geschockt. Abends stehen Kerzen draussen und die Gespräche drehen sich um nicht viel anderes. Und am schlimmsten ist es, dass es da draussen wahrscheinlich hunderte Jungs gibt, die laut Bravo gerufen haben und ähnliches planen. Was für eine Welt werden wir haben, wenn Frida gross ist? Dabei dachte ich immer, dass wir schon 2000-knips mit kleinen Flugzeugen herumdüsen und Kosmonautennahrung essen werden =)

Stattdessen fahre ich immer noch meinen verrosteten Ford Fiesta, bezahle wegen Eurobilltracker mit Bargeld, stolpere in unserer W-LAN Wohnung über zig Kabel und schleppe meine 8 kg Tochter durch die Gegend, statt sie auf irgendwelchen Luftkissenbooten vor mir her schweben zu haben (das wäre doch mal was!) Frida hat übrigens diese Woche gelernt, richtig mit Stimme zu lachen. Ich könnte sie knutschen!!! Und Mama hat endlich mal wieder ihre Haare gefärbt und trägt jetzt wieder flache Absatzstiefel statt Sneakers. Wiederauferstehung sozusagen *ggg*

Oh, und auf das Thema vom Anfang zurückzukommen: Frida hat ihrem Papa nachts um 3 gratuliert, ihm ein T-shirt von Seppälä mit Dad '07, eine Karte mit Heidelbeerbrei-Pfötchenabdruck und ein Duschgel überreicht. Mika hat sich natürlich riesig gefreut - es war schliesslich sein erstes Mal. Und abends in Kuohu durften wir uns das Familienalbum der Eltern angucken. Sehr interessant, die meisten der Fotos kannte ich noch nicht. Besonders verblüffend ist, dass Mika bis zum Alter von 5 Jahren auf Fotos noch gelacht hat, dass Fridadida ihrer Tante Niina als Baby ziemlich ähnlich sieht und dass Mikas angeheiratete Tante 1975 haargenau so ausgesehen hat, wie ihre Tochter heute. Hahaha!

Mittwoch, 7. November 2007

Tuusula...

Eigentlich wollte ich heute schreiben, dass endlich draussen alles weiss ist. Dass wir in Kuohu waren und dass ich gerade im Aufräumfieber stecke - gestern habe ich es an einem einzigen Tag geschafft, unsere Wintersachen zu sortieren, Fridas Babysachen wegzupacken, alle unsere 120 Socken zu waschen und aufzuhängen und die Meerschweinchen sauberzumachen. Heute habe ich sogar Mikas Mom geholfen, die Stube aufzuräumen. Und ich wollte schreiben, dass wir vom Mannerheimin Lastensuojeluliitto einen Weihnachtsgutschein bekommen werden und dass Sixt ein Drittel unserer verkorksten Rechnung erstatten wird *freu*.

Aber dann kamen Nachrichten, und der Sprecher teilte mit ernstem Gesicht mit, dass in Tuusula in einer Schule geschossen wurde. Später überschlugen sich die Nachrichten: Chaos, die Polizei ist vor Ort, die Schüler kletterten aus den Fenstern, das Gebäude wurde evakuiert, der Schütze wurde festgenommen. Erst ein Toter, dann sieben, schliesslich acht. Darunter fünf Jungen, zwei Mädchen und die Rektorin. Genau wie in Erfurt. Und ganz Finnland steht unter Schock. So etwas passiert hier normalerweise nicht. Wir sind ein friedliches, ruhiges Land. Haben die Pisa-Studie gewonnen, halten die Wissenschaft hoch, haben sehr gute Schulen, hoch motivierte Lehrer und kümmern uns um abgleitende Jugendliche. Und dann das. Irre gibt es offensichtlich überall. Die Welt wird sich spätestens nächste Woche normal weiterdrehen, aber für die Familien in Tuusula wird sich alles geändert haben. Kein Weihnachten für die nächsten Jahre. Schlimm. Und hier in Palokka gibt es auch eine Jokela-Schule.

Montag, 5. November 2007

Lunta...

Heute war es endlich soweit - der erste Schnee! Als wir am Nachmittag Männe zur Arbeit gebracht haben, fing es leise zu rieseln an. Von Schneedecke noch keine Spur, aber das kann nicht mehr lange dauern - schliesslich hatten wir gestern schon -7 Grad. Brrrr... langsam muss Frida auch lernen, dass Mütze und Handschuhe eine gute Erfindung und kein Grund zum Tränenvergiessen ist. Und die Vögels haben schon unser neues Futterhaus gefunden *lach* Sämtliche Blau- und Kohlmeisen der Gegend fallen wie die Geier über die leckeren Sonnenblumen- und Haferkörner her.

Abends war ich zum ersten Mal beim Babycafé in Palokka. Einige davon kannte ich vom Sehen und auch das Thema - Geburt - war relativ interessant, auch wenn ich schon fast mit der ganzen Geschichte abgeschlossen hatte. Jedenfalls war es gut, so einige Insidersachen zu erfahren, dass die Krankenhäuser im Süden Finnlands durchaus "augenfreundlicher" eingerichtet sind, dass man in JKL keinesfalls seine eigene Badewanne mitbringen darf und welche Geburtsstühle wohl in welchem Lager herumliegen *lach* Zum Schluss sassen wir ach noch für eine halbe Stunde hinter Schloss und Riegel - und das mit einem Mädel in der 42. Woche. Frida war lieb, aber hundemüde, sie wird wohl wieder bis morgen früh durchrunksen. Nach unserem Spätvormittagsspaziergang hatte sie heute übrigens fast eine Stunde draussen eingemummelt im Wagen geschlafen - neuer Rekord!

Sonntag, 4. November 2007

Jyväsdingenskirchen...

Aaalso, da schreibe ich schon seit einem halben Jahr Blog und habe noch kein einziges Mal unsere schöne Stadt erwähnt. Jyväskylä, mit ungefähr 85.000 Einwohnern die 9. grösste Stadt im ganzen Land. Mit j wie Jürgen, v wie Walther, ä fast wie a, mit kurzen Vokalen und jeweils vorn auf den y's betont. Und wenn endlich der Landkreis Jyväskylä, der paradoxerweise sämtliche Behörden, Kirchen und Friedhöfe in der Stadt Jyväskylä hat und eh schon total urbanisiert ist, endlich mit derselben zusammengeht, was für 2009 geplant ist, sind wir eine richtige Grosstadt. Naja, Wolkenkratzer oder zumindest Hochhäuser gibt es jetzt schon genügend. Besonders städtisch sieht das ganze in Lutakko, rund um den neuen Bahnhof und am Matilanniemi (meinem Lieblingsplatz!) aus. Ausserdem haben wir eins der schönsten Stadtzentren Finnlands, wenn man mal historische Zentren wie in Rauma und Porvoo ausser Acht lässt. Eine schöne Fussgängerzone, mit Lampen, die ganz langsam die Farbe wechseln, eine süsse kleine rote Kirche mitten in einem Park, dahinter der Hügel Harju mit dem Uhrenturm, unzählige Bars und viele Passagen und Geschäfte, um sein sauer verdientes Geld loszuwerden.

Genau das habe ich heute auch gemacht. Angesteckt von meiner sich gerade in Frankreich amüsierenden Freundin, musste ich mir neue Mascara und neuen Puder kaufen. Wurde auch mal Zeit nach knapp einem Jahr, wo ich nur Babyzeugs im Kopf und somit aus Lagerbeständen gelebt hatte. An der Kasse fiel ich fast um: 26 Euro. Hat das Zeug schon immer soviel gekostet? Ich rege mich ständig auf, dass das Babyzubehör so teuer ist (aktuell: Wärmesack 99 e, Decke 49 e, Kinderwagenschild 25 e), aber alles andere steht dem offensichtlich in gar nichts nach. Mmmh.Naja, wo wir dann schon einmal beim Verschleudern der finanziellen Reserven waren, konnte ich auch gleich noch einen warmen flauschigen Schlafanzug und eine blau-grün gestreifte Strumpfhose für Klein-Frida mitnehmen. Das Kind soll ja nicht frieren.


Ungeplanterweise knurrte uns beiden dann der Magen - also zu Subway. Normalerweise schmecken Paninis besser, aber unsere Stammbude hat noch keine Weihnachtsöffnungzeiten am Sonntag. Dann noch frische Lakritze-Donuts von Arnold's geholt und der Tag war gerettet. Hach, wie selten solche Shoppinganfälle neuerdings sind! Früher, als ich noch allein gewohnt habe, bin ich jeden Sonnabend nachmittag stundenlang shoppen gewesen, habe dann gründlich aufgeräumt (mit aufwischen!!!), mir die Birne vollgekippt und dann die Bars unsicher gemacht *lach* Komisch, im Nachhinein ist es schwer zu sagen, wann solche liebgewordenen Routinen eigentlich verloren gegangen sind.

Gleich danach sind wir wieder zu Mikas Eltern gefahren, haben das Pony in Nachbars Garten bewundert, frischen Karjalan paisti probiert, nach einem Mökki für Ostern geguckt und sonst alle vier gerade sein lassen. Und Frida hat in meinem Auto wieder nicht geweint! Im Gegenteil. Eingepennt ist sie und jetzt schläft sie seit 19 Uhr tief und fest. Mit Tagesklamotten an. Willkommen im Rabenelternclub =)

Samstag, 3. November 2007

Pimeys...

Dunkelheit ist das Fehlen von Licht, sagt Wikipedia. Na toll. Heute war so ein richtig dämlicher typischer Novembertag. Morgens mit tierischen Halsschmerzen aufgewacht, dann das ausgeschlafene Baby bespasst, bis Männe erzwungenerweise aufgewacht ist, dann erstmal in die Sauna. Aaaaah, welche Wohltat. Danach hatte ich keinen Plan mehr - Mausi war hundemüde, wollte aber die Augen nicht zumachen, dank Pyhäinpäivä (wer legt eigentlich Feiertage immer auf Sonnabende???) und bitterer Kälte konnten wir nirgends hin und mit meinem Hals war ich eh mehr als schlecht gelaunt. Also aufgeräumt, im Internet gesurft, warme Bohnensuppe und Tee gekocht, Frida bespasst und Männe vollgemeckert =) Bei Pig Brother in Helsinki hat es übrigens schon geschneit...

Nachmittags sind wir dann zur Aufmunterung doch noch nach Kuohu, aber das war auch mehr als stressig, weil Frida jetzt rechts angeschnallt im Auto auch weint. Mmmh. Nicht, dass mich das Brüllen stört - aber mich stört es, dass ich meiner besten kleinen Freundin nicht helfen kann. Wenn sie mich anguckt und dann den süssen Knutschmund zu einer Schippe zieht, bricht mir jedesmal das Herz. Also müssen wir jetzt erstmal meinen Henry Ford benutzen, wo sie vorn sitzen kann. Ist nur doof, weil es ein zweitüriges Auto ist - Mika muss unbedingt bei seiner Werkstatt anrufen, was es kostet, Foppa's Airbag auszustellen. Schliesslich ist es hinten am sichersten.

In Kuohu haben Mikas Eltern eine Ratte vom Hof (!) gejagt, mit kräftiger Unterstützung von Nachbars Katze. Man merkt sofort, dass die keinen Hund mehr haben *seufz* So einen schnuckeligen Mäusejäger wie der hier von Magendan Turvakoti wollen sie aber auch nicht... Naja. Wo die Finnenkatzen immer so ein schön dichtes Fell haben *knuddel* Abends hat Mika noch mein schönes neues Vogelhäuschen aufgestellt, ich habe mich bei einem Facebook-Thread mit meinen besten Studifreundinnen totgelacht und bin dann um 19 Uhr fix und foxi ins Bett. War ja eh schon drei Stunden dunkel und ich war totmüde. Frida hatte ja schon seit 16 Uhr tief und fest gepennt. Zzzzzzzzz zzzzz zzzz...

Freitag, 2. November 2007

Marraskuu...

Booaaah, jetzt haben wir schon November. Mein "Lieblingsmonat", in dem es meist stockdunkel und nieselig ist, man aber zumindest in Finnland auch auf Schnee hoffen kann. Und der Monat, in dem unsere Frida mit fester Nahrung anfangen darf. Ich bin schon die Nervosität selbst - seit einer Woche plage ich meinen Gatten mit theoretischen Ausführungen, mit was sie wann beginnen sollte, worauf man achten muss, wo sich finnische und deutsche Fütterungsregeln mal wieder widersprechen, was der Unterschied zwischen Velli und Puuro ist, welche Marken man kaufen darf und welche nicht, hinter welchen bösen Worten sich Zucker verbergen könnte, in welchen Gläschen sich riesige Holzsplitter befinden, von welchem Löffel man löffeln soll, wie man das alles praktisch hinkriegt und und und. Ich habe wirklich keinen blassen Schimmer.

Pünktlich gestern, als ich schon entnervt das Handtuch werfen wollte ("dann kriegt sie eben Pitsa..."), kam mit der Post ein dicker Brief von Muksu, in dem alles schön für dusslige Erstlingsmamas erklärt war. Sehr gut und mal wieder just in time! Dann habe ich im Internet noch einen offiziellen Führer für "imeväisikäisen lapsen ruoka" vom Gesundheitsministerium gefunden - total wissenschaftlich und mehr oder weniger für alle verbindlich, wie das in Suomi nun mal üblich ist, hihi. Und das bisher völlig übersehene Beikost-Forum bei Eltern, den aktuellen Babybrief von Pampers und ein grosses Poster von Nestlé, in denen es um das gleiche Thema geht. Und gelesen, dass man in Frankreich wohl einfach das Erwachsenenessen püriert, dass man in Indien die Babies Chilicurry und was-weiss-ich essen lässt und dass man in Afrika überhaupt froh ist, irgendwas geben zu können und damit waren meine Nerven dann schon etwas beruhigter. Das werden wir schon schaukeln, genau wie die Windelgeschichte, das Stillen und überhaupt die ganze Schwangerschaft vorher. Aina yksi asia kerrallaan!

Ausserdem war ich am Mittwoch endlich bei meiner besten Freundin vom Mamaschwimmen. Sie hatte ja Anfang August entbunden und ich hatte es damals total eilig, dass süsse kleine Baby zu sehen - aber irgendwie ist doch immer etwas dazwischengekommen. Jetzt haben wir es endlich geschafft, und glücklicherweise ist Pinja mit ihren knapp 3 Monaten immer noch viel kleiner und "unfertiger" als unser Häse. Im Klartext: Frida sah neben ihr aus wie ein Riese! Wahnsinn. Und so einen Brocken finden wir niedlich und knuddlig? Ähäääm... Ansonsten hatte ich Zeit, ihr Haus zu bewundern... eine schicke Nachkriegsholzhütte mit nur knapp 90 qm, aber wunderschön renoviert und noch im Stadtgebiet - sowas suche ich eigentlïch für uns auch. Musste gleich meinen Vahtikoira bei
etuovi.com wieder anschalten. Mika kriegt auch noch einen Klaps mit meiner Umzieherei. Alle zwei Jahre bisher und zu Studizeiten noch häufiger *lach*

Ansonsten waren wir gestern in Kuohu, haben festgestellt, dass das Baby in Männes Auto mal nicht weint, wenn es rechts statt links angeschnallt ist (in meinem Fiesta ist es nämlich immer lieb...), haben zum ersten Mal unser erstklassiges Deutschland-Video angeguckt und zum ersten Mal eine Videokonferenz mit meinen Eltern gehalten. Die haben jetzt endlich ihr ADSL. Sehr schön!!! T-Online und Skype vielen Dank für die Rettung unserer Familienbande =)