Montag, 13. Juli 2009

Abschied...

Tja, Nelson hat es doch ganz eilig gehabt, über die Regenbogenbrücke zu kommen :( So richtig verstanden habe ich es bisher sicher noch nicht, ich warte bestimmt immer noch auf seine tapsenden Schritte und sein Gehechel im Flur, aber er ist wirklich nicht mehr da und eigentlich ging alles ganz schnell.

Am Sonnabend abend hatte ich noch gebloggt und bin, als Frida weinte, ins Bett gegangen, ohne zu Ende geschrieben zu haben. Am Sonntag früh schlief Nelson noch, als ich in die Stube kam. Als er dann aufstand, humpelte er ein bisschen. Beine ein bisschen eingeschlafen und steif. Sich streckend tapste er durch die Stube, geriet aber immer wieder ein bisschen aus dem Gleichgewicht, stolperte ab und zu. Wir dachten, dass es vom Schlaf kommt und frühstückten erst einmal. Nelson sollte sich hinlegen und ausruhen. Dann fuhren wir nach Kuohu, dort hatte Männes kleiner Cousin Geburtstag.

Irgendwie hatte ich aber die ganze Zeit ein schlechtes Gefühl. Bauchschmerzen und Nervosität, wie schon wochenlang, aber schlimmer. Ich drängte Männe, dass er doch einmal seinen älteren Cousin anrufen sollte, der diesen Hof mitten im Wald hat - dort wäre ein wunderschönes Plätzchen für Nelson, wenn er denn einmal von uns geht. Irgendwann am Ende des Sommers natürlich erst. Spontan fuhren wir dort vorbei und Männe bat feierlich darum, vier (!) Quadratmeter für den letzen Ruheplatz für unseren Hund mieten zu dürfen. Irgendwann später, wenn Nelson gehen würde. War kein Problem, natürlich durften wir. Dann fuhren wir noch einmal nach Hause, weil ich das Geschenk vergessen hatte. Und weil mir überhaupt komisch war.

Zuhause stolperte Nelson immer noch und er hielt den Kopf ein bisschen schief. Gefiel mir alles gar nicht. Dann ging Männe in die Küche und sagte, dass Nelson sein Futter noch nicht angerührt hatte. Saftiges Büchsenfutter. In dem Moment gingen bei mir sämtliche Alarmglocken an. Das hatte er noch nie gemacht. Trockenfutter bääh, aber saftiges Zeug und Fleisch hatte er immer gierig verschlungen. Ihm ging es wirklich nicht mehr gut.
Klar, das Gleichgewichtsorgan ist im Ohr... und vielleicht war ihm jetzt übel oder alles tat ihm so weh, dass er keinen Appetit mehr hatte. Ich wusste, dass ich jetzt einen Schlusstrich ziehen musste. Männe hätte gern noch bis Montag gewartet, bis unser Tierarzt wieder geöffnet hätte und bis meine Eltern da wären - aber ich erinnerte mich sofort an die schlimme Nacht als Lumi Meerschwein vor vielen Jahren diese Aufgasung hatten und wir nicht zur Bereitschaft gefahren waren - damals machte ich mir noch monatelang Vorwürfe. Äänekoski ist doch nun wirklich nicht weit entfernt, wenn man ein Auto hat. Und das sind wir ihm jetzt schuldig.

Also rumtelefoniert, von unserem Arzt die Nummer der Bereitschaft in Äänekoski und dann dort angerufen. Ja, wir könnten in einer Stunde vorbeikommen. Das war es also. Die klare Entscheidung, auf die ich gehofft hatte. Dass ich eines Tages wissen würde, dass es so nicht weitergehen kann. Nur drei Tage, nachdem er ursprünglich gehen sollte. Es würde nicht schlimm sein, er würde einfach einschlafen, keine Schmerzen mehr haben und dann würden wir mit dem Verlust leben müssen. Aber auch mit der Erleichterung, ihm diesen letzten Gefallen getan zu haben. Und zwar zu einem besseren Zeitpunkt als am Donnerstag.

Wir sind also ins Auto gestiegen und losgefahren. Von der Bonuskarte Benzin geholt, weil ich mein Portemoinnaie und alle anderen Besitztümer natürlich in Kuohu liegengelassen hatte. Den Tierarzt würden wir irgendwie bezahlen. Nach einer halben Stunde Fahrt, Nelson stand sogar relativ viel und guckte aus dem Fenster - waren wir in Äänekoski angekommen. Die Schwester war sehr nett und meinte, ich könnte mit meiner Tuohi-Karte bezahlen. Also Nelson aus dem Auto gehoben (ich wollte ihn noch einmal auf dem Arm haben...) und zum Haus gegangen. Zum letzten Mal geschnuppert und gepieselt - er lief fast normal und relativ schnell, eierte aber immer nach einer Seite weg wie ein Betrunkener und hielt den Kopf schief.

Drinnen dann warteten wir einige Zeit, schmusten mit Nelson, streichelten ihn und versuchten uns alles einzuprägen, wie er aussieht, wie er riecht, wie weich sein Fell ist. Ab und zu tigerte er durch den Raum, konnte aber auch dabei nicht richtig das Gleichgewicht halten und rumste gegen die Türen. Armes Hundi. Ansonsten war er ganz normal und ruhig. Dann kam die Ärztin und eine Schwester. Sie sagten, dass er tatsächlich ein ganz alter Opihund ist, die Muskeln schon ganz wenig geworden waren und dass er jetzt seine grosse Reise antreten würde. Er bekam ein Beruhigungsmittel und dann waren wir wieder allein.

Irgendwie war es ganz normal, so neben ihm auf dem Fussboden zu sitzen, schliesslich war es schon die dritte Narkose für ihn. Ich streichelte ihn und ermutigte ihn, schlafen zu gehen. Mein bester Freund, schlaf gut und ich habe Dich lieb. Für immer. Kuss auf die Nase und Pfote gehalten. Männe brach einmal in Tränen aus, aber ich sagte ihm, dass es Nelson Angst machen würde. Also waren wir wieder ganz ruhig und sanft zu ihm, bis er lang auf seiner Decke lag und schnarchte. Mach's gut, mein lieber Freund. Du bist ganz müde, ruh Dich aus. Irgendwie komisch, diese Grenze zwischen Schlafen und Tod.... soviel Unterschied ist da gar nicht.

Die Ärztin rasierte seine Pfote, legte ein Druckband an und gab ihm langsam das Beruhigungsmittel. Nelson schlief einfach weiter und wir streichelten ihn weiter. Nur einmal guckte ich in sein Gesicht und die Kamera schien wegzuzoomen, ich dachte, dass er auf einmal verdammt tot aussieht, wie ein überfahrener Igel auf der Strasse oder so. Ein komischer Gedanke und kurz darauf nahm die Ärztin auch das Stethoskop und stellte fest, dass sein Herz nicht mehr schlägt. Nur Nelsons Barthaare hatten ein bisschen gezuckt. Schlafen für die Ewigkeit... und schon war es vorbei. Natürlich liefen die Tränen, aber es war nicht so schlimm, wie ich erwartet hatte. Nicht so schlimm wie letztes Jahr.

Wir hatten dann noch einige Probleme mit der Bezahlung, weil meine Karte doch nicht funktionierte, Männes Visa Electron aber leer war. Also Oma anrufen, die mussten erst nach Hause fahren, dann Pin durchgeben lassen und beim Tierarzt im Internet von meinem auf Männes Konto überweisen, damit er wiederum seine Karte benutzen konnte. Vielleicht hat uns diese Aufregung vor dem schlimmsten Zusammenbruch gerettet. Zusammen trugen wir die Decke mit Nelson ins Auto und dann ging es auf seine letzte Reise.

Bei Valintatalo noch Piroggen und Muffins geholt - wir hatten seit dem Morgen nichts mehr gegessen - und inzwischen war der Dauerregen (der Himmel weint, wenn Engel reisen) auch in den schönsten Sonnenschein übergegangen. Nelson würde in Finnland bleiben dürfen. Und er würde auf dem Hof von Männes Grosseltern liegen, inmitten von blühenden Feldern und dem dunklen Finnenwald, mit Grillenzirpen und einer ganz tollen Aussicht.

Auf dem Hof warteten schon der Cousin und seine drei Mädchen. Mehr lustig als deprimiert suchten wir einen Platz für Nelson, hinter dem Stall am Feldrand unter einer grossen Tanne. Neben Reku-Hund und vielen Katzen. Der Traktor schob Unkraut und Erde weg und dann buddelte Männe ein tiefes Loch, so tief, dass Fuchs und Bär nicht unbedingt riechen, dass dort jemand begraben wurde. Die Mädels witzelten und sangen und erzählten Geschichten und wir waren auch weit weniger traurig, als ich das erwartet hätte.

Nelson wurde wieder getragen, in sein letztes Bettchen gelegt und dann guckten wir ihn noch einmal an - er war immer noch weich und warm und lieb und schlief einfach. Decke zu und das war's... mach's gut und Du bist ja eh schon da oben angekommen und spielst längst mit Häkkinen und Michael Jackson und was weiss ich wem. Mein bester Hund hatte endlich seine Ruhe gefunden, keine Ohrenschmerzen, wacklige Beine und steife Hüften mehr. Und beklagen können wir uns wirklich nicht - schliesslich sollte er schon 2002 in Tallinn eingeschläfert werden, letztes Jahr im Juli bei seiner Kastration nicht mehr aufwachen und am Donnerstag für immer gehen. Und jetzt hatte seine Familie schnell und besonnen gehandelt, ihm einen letzten Dienst erwiesen und er hatte den schönsten Grabplatz der Welt.

Drinnen gab es noch Kaffee und Kekse und dann brachen wir auf, um Frida von Oma und Opa abzuholen. Die würde Nelson vermissen und es würde schwer werden, ihr alles zu erklären. Zuhause nahmen wir sie auf den Arm und sagten ihr, dass Nelson gestorben ist. Dass er weggegangen sei und nicht mehr wiederkomme. Frida machte ein ganz trauriges Gesicht, piepste wehleidig und legte ihren Kopf auf das Sofa. Ich denke, sie verstand zumindest etwas. Besser als eingeschlafen, ein Sternchen geworden oder im Himmel, es soll besser sein, den Kindern konkret zu sagen, wie endgültig die Lage ist. Damit sie nicht sucht... oder gar zu ihm möchte.

Wir haben ein Bild von Nelson in Kniehöhe angeklebt, damit alle ihn immer dort sehen, wo er immer war. Damit Frida ihn angucken und streicheln kann, wenn sie ihn vermisst. Damit wir ihn bei uns haben. Und sie nennt ihr neues Spielrentier aus Lappland jetzt Nelson. Hat sie sich selbst ausgedacht. Er wird immer bei uns sein. Wie war das... the best place for a dog is in his master's heart. Ruhe sanft mein kleiner tax free retriever. Du warst wirklich der beste Freund des Menschen, ein treuer, sanfter, lieber Kamerad wie er im Buche steht. Danke für die sieben Jahre und danke, dass wir Dich kennenlernen durften.

Kommentare:

  1. Nelson, komm gut im RBL an.

    Traurige Grüße
    Gitti und die Viennamuigers

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  2. Habe grad einen ganz dicken Kloss im Hals und die Tränen zuvorderst... Aber ich finde man sollte auf seine Intuition hören und der Zeitpunkt musste wohl einfach dieser sein. Der Tod gehört eben auch zum Leben, ich muss mir das immer wieder sagen...
    Alles Gute und viele tolle Erinnerungen an Nelson. Vielleicht trifft er dort wo er ist unseren Zero?

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  3. Liebe Susku,

    es tut mir so leid, zu lesen, dass Nelson nicht mehr in eurem Haus lebt, sondern über die Regenbogenbrücke gegangen ist. Ich weiss nach wie vor, wie sehr du an ihm gehangen bist...

    Fühle dich ganz fest umarmt von Olga

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