Mittwoch, 10. Dezember 2008

Grenzen...

Mal wieder einer der Abende, wo ich Frida nach Sibirien schicken könnte. Oder gleich uns alle. Ich war in den letzen Tagen viel auf Arbeit, zugegeben. Aber es ist auch zu einfach, sich davonzumachen. Frida brüllt eigentlich nur noch, wenn sie mich sieht. Nachts, morgens, abends... eigentlich immer.

Bei Papa und bei Laura ist sie der reinste Sonnenschein. Spielt, haut, isst, spricht und lacht... Aber kaum taucht die Mama auf, wird geheult, sich auf die Erde geschmissen, nicht gegessen, nicht geschlafen, nicht Zähne geputzt, nicht gehört, nix. Nur geheult. Vielleicht schon das Trotzalter? Oder ich bin zuviel weg. Morgens gegen 8-9 Uhr im Stockdunklen zur Arbeit, Männe bringt Frida zu Laura. Er arbeitet jetzt zuhause, weil sein Ex-Bürogebäude renoviert wird.

Mama macht abends Überstunden, weil vor Weihnachten noch alle möglichen Projekte fertig gemacht werden müssen. Aber eigentlich ist das auch egal, Frida weint eh - egal ob ich sie um 16 Uhr bei der Tagesmami abhole oder ob ich um 18 Uhr zur Haustür hereinschneie. Beim Essen wird gebrüllt, mit dem Kopf geschüttelt, beim Lesen werden die Bücher auf die Erde gefeuert. Alles doof. Sicher müde. Oder noch von der Impfung. Oder Frust.

Wenn ich um 19 Uhr mit vor Müdigkeit brüllendem Madamchen ins Bett gehe, schlafen wir meist beide sofort ein. Um uns (oder ich allein) dann die Nacht ab 3 pder 4 um die Ohren zu schlagen. Oder ich schaffe es, noch einmal aufzustehen - dann brüllt Frida nach 1 oder 2 Stunden weil Mama weg ist und ich muss wieder ins Bett. Ohne Milch geht ja nichts. Um mir wieder ab 3 oder 4 die Nacht um die Ohren zu schlagen. Oder ich gehe freiwillig so früh schlafen, weil ich selbst hundemüde bin. Dann steht das Baby garantiert nach 10 min Trinken wieder auf und macht Krach. Oder Frida schläft ganz fest, ich schaffe es ausnahmsweise mal, in Ruhe hier aufzuräumen (macht ja sonst auch keiner) und mich um meine verwahrlosten Tiere zu kümmern.

Wenn ich dann um Mitternacht hundemüde in die Falle plumpse, wacht garantiert Frida sofort oder spätestens um 1, 2 oder 3 auf und will unbedingt spielen. Oder brüllt, weil sie noch müde ist. Oder nuckelt stundenlang, weil sie abends zu müde war, um zu essen. Um 5 oder 6 schläft sie wieder ein und um 8 müssen wir wieder los - und fertig ist ein neues Brüllkonzert. Toll. Wenn sie denn mal wach ist, wird an den Haaren gezogen, in die Brust gebissen, getreten, geboxt und gehauen oder die Brille von der Nase gerissen. Grossartig, so ein Familienbett. Wenn wir abends spät in der Stube sind und sie gut gelaunt ist, habe ich keine Lust mehr zum Spielen. Irgendwer muss ja auch aufräumen, die Wäsche machen und Essen kochen. Und man heult wieder...


Eigentlich ist sie nur lieb, wenn sie an der Milchbar hängt. Und natürlich, wenn ich nicht dabei bin. Mein soziales Leben ist vollkommen im Eimer, Nelson krank, Jaska krank, die Schweinies auf alter Streu, die Wäsche häuft sich, keine Geschenke gekauft, total übermüdet... alles Mist. Ich höre nur immer von Regeln, von Rhythmen und Grenzen, vom Alleinschlafen, Konsequenz und Liebe - aber in der Praxis läuft das einfach nicht. Hier ist jeder Tag anders, obwohl wir uns die grösste Mühe geben. Sie schläft, sie schläft nicht, sie isst, sie isst nicht... blablabla und so die ganze Zeit. Wo ist nur unser niedliches Knuddelbaby geblieben? Oder konnten wir schon damals überhaupt nichts vorhersagen?

Ich beneide Mamis, die Zeit zum Basteln haben, die ihre Wäsche bügeln, bei denen man vom Fussboden essen kann, die gewaschene Haare haben, die Bücher lesen, mit ihrem Mann etwas unternehmen, oder es sogar ins Fitnesstudio oder zu einem Spaziergang schaffen. Wie und wann macht Ihr das bloss?

Kommentare:

  1. Kopf hoch! Dafür sind Kinder eben Kinder und keine Maschinen. Naja, selbst die (wie z.B. Computer) haben manchmal ihr Eigenleben. ;-)
    Irgendwann kriegt sich Frida wieder ein. Und die "Fußbodeness" Mamas gibt es glaub ich gar nicht. Und wenn doch, die will ich gar nicht treffen.
    Achja, falls du Frida nach Sibirien schickst, vergiss ihren Schneeanzug nicht. :D

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  2. Keine Sorge, hört sich nach dem ganz normalen Wahnsinn an, das wird auch wieder anders. Versprochen!
    Allerdings habe ich festgestellt, das die Mamas eigentlich immer den "Buhmann" spielen, scheint in der Natur der Dinge zu liegen, das Phänomen kenne ich bei uns schon seit 8 Jahren :)

    Also, POSITIVES DENKEN !

    P.S. Die "bastelnden Mamas" faszinieren mich übrigens heute noch !
    Aufmunternde Grüße !
    Annja

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  3. Hallo Ihr zwei,
    ich les schon seit geraumer Zeit Euren Alltag in Finnland mit - höchst interessant. Und lass Dich trösten: auch das geht vorüber. Es sind harte Zeiten, die einem gehörig auf den Geist gehen. Junior ist jetzt fast zwei und trotzt dazu noch ganz gewaltig - zum an die Wand klatschen! Lass Deine Wäsche, kümmer Dich, wenns geht, in der bissl Zeit um Dich, mach Dir kein schlechtes Gewissen, es werden noch viele Weihnachten kommen, wo auch Du bäckst und bastelst und Deine Geschenke schon im November hast (z. B. nächstes Jahr schauts ganz anders aus). Ich weiß, hilft im Moment nicht viel, aber es besteht Hoffnung :-)

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  4. Achja... Bei uns kann man auch vom Fußboden essen. Im Moment Nudeln mit Tomatensosse und Kekskrümel. Und ich habe keine Lust...

    Ich murmle mehrmals am Tag vor mich hin: Es ist nur eine Phase. Hoffentlich :) Das wird schon wieder!

    Liebe Grüße und halts im Kopf aus :)
    Sandra

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  5. Kopf hoch, Weihnachten ist bald und dann ist der Stress vorbei.

    Seitdem ich zweimal in Finnland gearbeitet habe (insgesamt für 3 Monate) denk ich auch daran hinzuziehen...

    Da ist dein Suomilokki ein bißchen 'was wäre wenn' für mich.

    Anna

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