Freitag, 8. Juni 2007

Ein Faultier im Krankenhaus...

Eigentlich mag ich Faultiere. Und alle anderen eigentümlichen Kreaturen. Aber ein Faultier war gestern wirklich zuviel. Wie ich ja schon geschrieben hatte, haben wir uns Sorgen um Frida gemacht, darum, dass sie immer so schläfrig ist, stundenlang pennt und nur schlecht essen will. Gestern dann hatten wir in der Wohnung 29 Grad und das Baby war nur noch schlapp. In der Nacht hatte ich sie alle drei Stunden gestillt, bzw. es zumindest versucht, und tagsüber wachte sie immer schlechter auf. Als sie dann um 17 Uhr nur noch schlaff auf meinen Armen hing, die Augen wie bei einem Betrunkenen nur kurz durch die Lider blinzelten, sie nicht einmal mehr beim Wickeln brüllte und überhaupt nichts mehr trinken wollte, klingelten bei mir die Alarmglocken. Wenn sie so weitermacht und jetzt einschläft, wacht sie nie wieder auf, dachte ich und rief sofort Mika an. Ewige Minuten, auf ihn zu warten....

Wir haben dann auf der Säuglingsstation angerufen, die uns baten, sicherheitshalber gleich zur Ersten Hilfe ins Krankenhaus zu kommen. Puuuh, endlich würde jemand Frida gründlich durchchecken! So war es dann auch: man hörte uns genau zu, was und wie passiert war, nahm zig Blutproben, hörte die Kleine ab, tastete alle Körperteile ab, machte ein Röntgenbild der Lunge und und und. Teilweise war es echt grausam, zuzugucken, wie Blut aus dem winzigen Arm abgenommen wurde, wie ihr Blutdruck gemessen wurde, wie sie weinte, als aus der Blase eine Probe genommen wurde und wie fest ich ihr die Arme für die Lungenaufname hochhalten musste. Mein armes Baby! Aber zumindest wurde sie untersucht. Und durch die kühlen Krankenhausräume erholte sie sich auch zusehends.

Dann teilte man uns mit, dass sie über die Nacht im Krankenhaus bleiben müsste, damit man genau verfolgen könnte, wie sie sich verhält. Zum Glück sah niemand, wie meiner einer schon wieder klatschnasse Wangen hatte. Wir sind dann auf die Kinderstation geschlichen, haben einen grossen Kinderwagen und ein Zimmer bekommen und dann fragte die Schwester glücklicherweise, ob ich bei Frida bleiben möchte. Natürlich! Gleich fiel mir ein Stein vom Herzen - ich würde ihr nachts Gesellschaft leisten, als Milchkuh dienen und gleichzeitig das leckere Krankenhausessen rund um die Uhr bekommen. Doch nicht sooo schlecht. Vor allem war ich froh, dass sich endlich Fachpersonal dieser Pennerei annehmen würde.

Während der Nacht und des nächsten Tages wurde dann alle drei Stunden unter Aufsicht der Hebamme gestillt und glücklicherweise war unser Hasenkind genauso verschlafen und fertig wie zu Hause. Schnell stellte sich heraus, dass sie pro Stillen viel zu wenig Milch bekam und dadurch so schlapp war. Die Milch hätte gereicht, aber es hatte sich ein Teufelskreis gebildet: zu wenig Trinken, zu wenig Energie, zu wenig Kraft zum Trinken, dadurch wiederum weniger Milch als zu Anfang, noch mehr Müdigkeit... letztendlich hatte unser armer Wurm wahrscheinlich schon seit der Entlassung aus dem Krankenhaus immer nur die Hälfte der Milchmenge bekommen, die sie eigentlich gebraucht hätte. Bis auf das Untergewicht und die darausfolgende beginnende Austrocknung waren alle Laborwerte normal. Weia... wie froh war ich, dass wir ins Krankenhaus gefahren waren!

Schliesslich einigten wir uns auf eine Kombination aus Stillen, abgepumpter Milch (mit so einer elektrischen Pumpe fühlt man sich wirklich wie die Milkakuh) und Muttermilchersatz. Verdammt, ich war traurig und enttäuscht, dass wir nicht mit meiner Milch auskommen würden *schonwiederflenn*. Aber am Ende ist es wirklich wichtiger, dass das Hasenkind den Bauch voll bekommt, Saugverwirrung hin oder her. Die Schwester erzählte auch von ihren eigenen Kind, das nach einem Monat vollkommen auf Zusatzmilch verzichten konnte und beruhigte uns, dass viele Kinder vollkommen normal auch nur mit der Flasche aufwachsen. Im Juli habt Ihr schon ein ganz anderes Baby, sagte sie.

Am Freitag fühlte sich Frida zusehends besser, hatte wieder rosa Wangen, einen dicken Kullerbauch und brüllte beim Windeln aus Leibeskräften - wir beide standen nur noch grinsend daneben. Plötzlich waren die Windeln auch voll Senf, hihihi, wir hatten unser Baby wieder! Abends durften wir dann nach Hause und jetzt passen wir ganz besonders auf unsere kleine Prinzessin auf. Ojeeeee... und ich dachte immer, ich mag Tiere mehr als kleine Babies =) Übrigens meinte Mika, dass er auf dem Flur der Notaufnahme noch eine andere Familie mit dem gleichen Problem getroffen hätte. Die Hitze ist nichts für uns Finns...

Kommentare:

  1. Gut, daß es der kleinen Maus wieder besser geht! Ist ja nicht so ohne, wenn es recht warm ist!
    Liebe Grüße nach Jyväskylä.
    Melanie

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  2. Liebe Susku,
    so ein Schrecken den die kleine Maus euch da beschert hat...
    Es freut mich sehr zu lesen das es ihr besser geht und ihr wieder zuhause seid. Ich drücke fest die Daumen für eine ganz rasche Besserung und Gewichtszunahme. Werd ganz schnell wieder fit kleine Frida ...
    Euch von Herzen alles erdenklich liebe !

    Carol

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  3. Ach herrje, da machst was mit...
    Ich wünsche deiner kleinen Frida gute Besserung und ein paar Grämmchen mehr auf die Rippen. Und sch... auf das, was die Flaschenkritiker sagen. Manchmal muss man eben Prioritäten setzen, auch, wenn's schade ist. Und uns hat die Flasche ja auch nicht geschadet (ich bin jedenfalls traditionsgemäß östlich mit der Flasche großgeworden). Und wer weiß, Saugverwirrung ist ja kein Muss und vielleicht klappt's ja doch wieder, wenn die Kleine wieder bissel zu Kräften gekommen ist.

    Dieses Wetter ist aber auch zum verrückt werden. Ich rolle meinen Bauch nur die nötigsten Meter durchs Haus und kann mir nicht wirklich vorstellen, so schlapp, wie ich mich jetzt fühle, eine Geburt durchzustehen. Aber wie ich heute in Erfahrung bringen konnte, ist unser KH klimatisiert *g*

    Viele liebe Grüße und alles Liebe
    Sandra

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