Montag, 7. Mai 2007

Langsam wird es Ernst...

He, langsam aber sicher müssen wir uns auf unseren zukünftigen Mitbewohner gefasst machen. Ich bin bei 36+3... Wenn ich daran denke, dass ich selbst drei Wochen zu früh geboren bin, wird mir ganz mulmig zumute - andererseits haben die Finns ja hier absolut die Ruhe weg und rechnen eher damit, dass Erstgebärende überziehen. Wir werden sehen...

Heute war wieder ein Termin bei der Neuvola. Hugobaby liegt immer noch richtig herum und alle Werte sind okay. Nur den Blutdruck mussten sie fünfmal messen, bis er in normale Grenzen kam - Mika hatte mich nur 20 min vor dem Termin aus dem Bett geschmissen, weil ich "so schön geschlafen habe". Dementsprechend bewusstlos sass ich da und der Puls raste bestimmt... Ausserdem erinnern meine Hände und Füsse jetzt wirklich an einen Elefanten und das Gewicht steigt durch diese Wassereinlagerungen natürlich auch viel mehr, als es soll *genervtsei* Ab jetzt sind die Termine jede Woche und wir sollen jeden Tag zuhause die Bewegungen zählen. He, wenn Mausi so ein Temperament hat wie seine Eltern (und danach sieht es momentan noch aus), komme ich da gut mit zehn Fingern hin =)

Abends war dann Geburtsvorbereitungskurs. Dreizehn Paare aus Palokka waren dabei, die meisten schon verheiratet und auch älter als wir, was mich ziemlich überrascht hat. Im Gegensatz zu den Kursen, die man aus D kennt, hatten wir nur eine zweistündige "Frontvorlesung" einer Hebamme aus dem Krankenhaus, durften Fragen stellen und haben ein Video angeguckt. Also nichts, was ich nicht schon vorher wusste.... Mika war auch überrascht, dass wir überhaupt nichts geübt haben, wie Atmen, Massage, Stellungen usw. Offensichtlich wollen die uns das erst dann erklären, wenn es so weit ist. Naja.

Was noch erschreckend war: Das gute Jyväskylä spart und spart und spart - die streichen alles zusammen, was nicht niet- und nagelfest ist. Offenbar gab es früher längere Geburtsvorbereitungskurse und zusätzlich wurden dieses Jahr noch die Kurse für die Kinderpflege, das Wochenbett, Stillen usw. wegrationalisiert. Ab Juni wird es auch keine Einführungsrunden im Krankenhaus mehr geben. Ich hatte ja vorher schon geschrieben, dass es auch nur noch einen Ultraschall und zwei Arztbesuche während der gesamten Schwangerschaft gibt und jemand aus dem Schwimmkurs erzählte, dass zwischen der 16. und 30. Woche dieses Jahr schon mal 8 Wochen zwischen zwei Untersuchungen liegen können.

Das alles wäre okay und man müsste es halt so hinnehmen - aber mich bricht es an, dass Finnland dann immer noch im Ausland mit seinem ach so tollen Neuvola-System herumprotzt. Wahnsinn. Zumindest hier in Mittelfinnland wird während der Schwangerschaft nur noch das Allernötigste gemacht, die Schulen schimmeln vor sich hin oder schliessen und im Gesundheitssystem ist eh der Wurm drin. Alternative Methoden, Mittelchen oder eine persönliche Betreuung durch eine selbst ausgesuchte Hebi oder Kinderarzt sowie moderne Technologie sind absolute Fehlanzeige. Nur falls jemand von Euch solche Lobreden in der deutschen Presse liest - wenn man finnisch versteht und Zeitung hier lesen kann, sieht einiges anders aus.

Aber egal, unser Hugo ist ein finnisches Kind *stolzsei* und wird sehr gut damit klarkommen, was es hier so gibt, genau wie alle anderen "pentuja". Fürs Krankenhaus mussten wir übrigens auch schon zwei Namen angeben, hihihi. Ich freue mich schon so auf unsere Maus! Oh, und das beste Statement in dem Kurs war, dass die Frauen aus dem südlichen Ausland, die in JKL entbinden, oft ganz furchtbar schreien - das macht dann die ruhigen Finns ganz nervös *ggg* Dann weiss ich ja, was ich zu tun bzw. zu lassen habe *lach*

Kommentare:

  1. Ich glaube nicht, dass Finnland selbst mit seinem tollen Neuvola-System herumprotzt. Eher ist es so, dass man sich im Ausland, insbesondere Deutschland, fragt: Finnland? Die schneiden doch immer als die Allerbesten in der PISA-Studie ab. Da muss man doch mal gucken, woran das liegt. Und wenn man dann am Schulsystem selbst nichts findet, dann geht man eben weiter zurück. Und noch weiter. Mich erreichte allen Ernstes letzten Sommer die Anfrage einer deutschen Studentin (die beim googlen nach "neuvola" über meinen Blog gestolpert war), sie müsse einen Seminarvortrag zu Erziehung und Bildung in Finnland halten, und sie würde da jetzt noch Informationen zur Neuvola dafür suchen...

    Ich kann nur immer wieder betonen, dass ich zufrieden damit war, wie meine Schwangerschaft und Geburt hier behandelt wurden. Klar wäre es nett gewesen, etwas öfter zum Ultraschall gehen zu dürfen - aber wozu eigentlich? Nötig ist es definitiv nicht, und ob es für die Babys sooo gut ist, ist ja auch noch nicht raus.
    In Turku gibt es schon lange keine Geburtsvorbereitungskurse mehr. Laut meiner neuovlatäti wurden die schon vor 15 Jahren wieder abgeschafft, weil man festgestellt hat, dass die Frauen dann zu verkrampft waren unter der Geburt, weil sie versuchten, genau das anzuwenden, was man ihnen im Kurs beigebracht hatte. Dabei weiss man eigentlich instinktiv selber, was einem gut tut und was nicht, und die Hebamme gibt einem ja auch Tipps und Hilfestellung. Ich fand das schon vor der Geburt sehr logisch, und jetzt im Nachhinein kann ich dem wirklich zu 100% zustimmen. Sowas muss man nicht vorher trainieren.
    Einen Kinderpflegekurs gibt es hier zumindest auf Finnisch, über den wir aber gar nicht erst informiert wurden, weil wir ja beide Ausländer sind. (Wohingegen ich gefragt wurde, ob ich mir die eine Stunde Physiotherapiekurs auf Finnisch zutrauen würde - tat ich, verstand genug, aber sooo wichtig fand ich den dann letztlich auch nicht. Dass man möglichst nicht auf dem Rücken liegend entbinden soll wusste ich auch so.) So einen Kurs hätte ich gern gemacht. Allerdings fürchte ich, wäre das so gewesen, wie mit allen Dingen, die man nur theoretisch lernt: es hätte mich vielleicht beruhigt und mir das Gefühl gegeben, mich irgendwie auszukennen - und hätte sich dann in der Praxis doch als ganz anders herausgestellt. Wie man so ein Neugeborenes am besten umzieht, wäscht und badet, das wurde dann jedem von uns einzeln auf der Neugeborenenstation gezeigt, wenn wir früh mit unseren kleinen ausgeschlafenen Bündelchen zum Wiegen kamen. Und nach zwei Tagen waren wir alle perfekt. :-)

    Ich finde das ok so, wie das hier gehandhabt wird. Mir wäre das zu viel Überwachung und zu viel "Getue", so wie das in Deutschland gehandhabat wird.

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  2. Huhu Karen,

    ja, im Grunde bin ich auch zufrieden - wir wohne ja hier. Aber wenn ich an die betretenen Gesichter vorgestern denke... natürlich tut es weh, wenn hier soviel gestrichen wird. Gerade, wenn es das alles vorher gegeben hat.

    Ich weiss es natürlich noch nicht genau, aber ich kann mir vorstellen, dass die Geburt so ein aufregendes Ereignis ist, dass man dann froh wäre, wenigstens ein bisschen "vertrautes" zu haben, sei es, dass man das KH schon einmal gesehen hat, weiss, wo man dort hin muss, was es für Möglichkeiten gibt, oder dass man weiss, wie man ggf. atmen kann, was der Mann machen muss usw. Wenn mir das jemand unter Wehen erklären muss, wenn ich vielleicht tierische Angst habe - ich weiss nicht, ob das die bessere Lösung ist.

    Oder die Kinderpflege - wäre es nicht einfacher, einen Kurs "in einem Rutsch" für 20-30 Leute zu machen, statt selbst die Grundlagen jedem einzelnen extra erklären zu müssen? Ich denke, die Neuvolaschwestern bekommen da auch viele Fragen am Telefon hinterher, was man so vielleicht schon im vorhinein hätte klären könnnen. Nicht jeder informiert sich ja im Internet...

    Recht gebe ich Dir auch, dass man "Mutter Natur" vertrauen soll - aber mit ein bisschen Wissen im Hinterkopf ist das zumindest für mich ein bisschen einfacher =)

    Unser Schwimmkurs hört übrigens auch am 1.6. auf - ich hoffe, dass es nur die Sommerpause ist, denn der hat wirklich viel gebracht.

    susku

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  3. Hei Susku,

    in puncto Schulen kann ich Dir nur beipflichten, nein perfekt ist das alles nun wirklich nicht, aber immerhin noch gut.
    Eine Freundin ist Lehrerin in der Nähe von Lapua, da sieht´s ganz ähnlich aus.

    Zum Thema Gesundheitswesen kann ich nix sagen, weil ich noch in D lebe.
    Dein blog hilft mir aber dabei langsam in die Notwendigkeiten eines längeren Aufenthaltes in Fi reinzuriechen.

    Als Überlebender unserer kleinen yahoo-group (hinterhertrauer) drück ich Euch naklar ganz fest die Daumen in Sachen Hugolino und auch sonst.

    Hamburg; sonnig, 18°C
    Stephan

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  4. Hallo Stephan

    danke für die lieben Wünsche! Ja, im Grunde ist alles in Finnland okay und teilweise viel besser als in D - aber es gibt auch Gebiete, wo man mit seinen hochgesteckten Erwartungen ziemlich auf den Boden der Tatsachen zurückgeholt wird :)

    Was die Vivafinlandia Group angeht... dort war ja nie wirklich etwas los. Daher, und weil es sehr viele andere Foren zum Thema "Finnland" gibt, habe ich schliessliche die Liste geschlossen. Nicht traurig sein!

    susku

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  5. Hallo Susku!

    Ich bin auch gerade schwanger (21SSW) und fühle mich hier in Finnland sehr gut betreut. Bei einer normal verlaufenden Schwangerschaft sind 2x Ultraschall (die Regel in FIN wie auch in vielen anderen Ländern. In D sind es drei) auch wirklich ausreichend. Sobald etwas festgestellt wird, was Abklärung bedarf, wird ja auf jeden Fall weiter untersucht bzw man macht zusätzliche Ultraschalle.

    Und auch ein Arzt muss nicht bei jeder Vorsorge anwesend sein. Genauso gut kann es ja die Hebamme oder speziell geschulte Krankenschwester sein (in FIN ist beides ein Fachhochschulstudium und es ist en etwas anderes Berufsbild als in D). Zwei Untersuchungen beim Arzt reichen völlig. Auch hier ist es ja wiederum so, dass wenn etwas nicht stimmt, wird ein Arzt zu Rate gezogen oder man macht zusätzliche Kontrollen durch den Arzt.

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